Freitag, 14. Juni 2019

Autor: Susanne Rowley

Re: Offene Stellungnahme der Ministerin Dr. Hubig auf unsere Stellungnahme

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig antwortet auf unser Anschreiben. Hier unsere offene Rückantwort darauf. 

Zum besseren Verständnis vorab: 

In einem Blog Beitrag, sowie einem gleichlautenden Brief an das Ministerium und die politisch Verantwortlichen bezog Wigwam 1994 im Namen aller Wigwam Tagesmütter und -väter Stellung zur offenen Ablehnung der Ministerin, die Kindertagespflege im Rahmen des #Kita #Zukunftsgesetzes analog den Kitas ab dem 2. LJ beitragsfrei zu stellen.

Zum Ursprungs Blog Beitrag geht es hier entlang: Offener Brief an Dr. Hubig - Ablehnung Beitragsfreiheit in der KTP

Wigwam 1994 bekam eine Antwort, die wir in diesem Blog Beitrag einstellen und offen kommentieren und der Ministerin sowie den Fraktionsvorsitzenden per Brief zugänglich machen werden. 

Sehr geehrte Frau Dr. Hubig,

sehr geehrte Frau Käseberg, 

herzlichen Dank für Ihr Antwortschreiben auf unsere offene Stellungnahme zu Ihrem Sprechvermerk,

leider ist bei uns der Eindruck entstanden, dass das Ministerium in keiner Weise ehrliches Interesse zeigt, auf unsere Argumente, die aus 2 1/2 Jahrzehnten Erfahrungswerten in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf resultieren, ernsthaft einzugehen. Wie deutlich erwähnt, realisieren wir in namhaften Institutionen, die der Wissenschaftsstadt am Herzen liegen, das worauf Sie als Land Wert legen müssten. Wir werden gerufen, wenn die Betriebskita voll ist, und wenn Arbeitsvermittler sich zur Genüge ausgetobt haben! 

Ihr offener Antwortbrief stellt eine kurze Zusammenfassung des von uns bereits kommentieren Sprechvermerkes dar. Alleine schon diese Vorgehensweise einer solch stereotypen Antwort, die keinen echten Dialog zulässt, ist ermüdend und ganz sicher nicht mehr zeitgemäß.

Um unsere Kritikpapier nicht noch einmal zu wiederholen, gehe ich auf Ihr Antwortschreiben nur dergestalt ein, dass ich die darin befindlichen Behauptungen kommentiere.  

Die Ablehnung der Beitragsfreiheit 

begründet die Landesregierung fortgesetzt mit der Nichtzuständigkeit des Landes in Sachen Qualitätssicherung in der Kindertagespflege. 

Aus unserer Sicht ist dies kein Argument, eine Beitragsfreiheit in der KTP explizit nicht zu empfehlen, denn auch das zeigt u.U. eine berufsschädigende kommunale Wirkung. Vielmehr sei an dieser Stelle angemerkt, die Landesregierung grenzt auch in anderen Bereichen der Kindertagespflege, in denen sie sehr wohl zuständig zeichnet, den Handlungsspielraum von Kommunen ein. Z.B. begrenzen Sie die zeitgleich zu betreuende Kinderzahl bei Tagesmüttern und -vätern mit pädagogischer Vorbildung explizit, obwohl der Bund hier eine anderslautende Empfehlung und damit Handlungsspielraum für das Land eingeräumt hat. Gleichzeitig müssten Ihnen die Zustände in einigen Kitas bekannt sein, in denen das gleiche Fachpersonal unter Umständen mit wesentlich mehr Kindern in einer Gruppe agieren muss. 

Vor dem Hintergrund Ihres Argumentes der Nichtzuständigkeit für Qualitätsüberprüfung in der Kindertagespflege bestünde von Seiten des Landes auch kein Grund, die Großtagespflege (Zusammenschluss) in Unternehmen mit 2 Tagespflegepersonen und 10 Kindern zeitgleich zu erlauben, denn auch hier hat das Land keine Überprüfungsmöglichkeiten der Qualität.

Das Ausnahme Argument, hier entstünden neue Vereinbarkeitschancen, teilen wir nicht. Im Gegenteil! 

Fällt nur eine der beiden Tagespflegepersonen aus, steht die andere mit 10 Kindern alleine da. Fallen beide aus, stehen alle  Elternpaare der betroffenen Firma ohne Betreuung dar. Das Ergebnis würde sein, dass Mitarbeiter einer Firma den Tag mit Kind auf dem Schoß verbringen. 

Es erschließt sich uns auch nicht, 

in wie fern die viel beschworene „Familiennähe“ der KTP, auf die die Landesregierung stets allergrößten Wert legte, in Form der Großtagespflege in Unternehmen noch erhalten bleiben soll. Es gehen 2 Betreuungspersonen außer Haus, in das Unternehmen hinein, was nichts Anderes ist, als die Kinderfrau im Angestelltenverhältnis deren eigene Familie zu Hause bleibt. Uns wäre es lieber, Sie klammerten nicht fortgesetzt an der längst nicht mehr vorhandenen Familiennähe, gäben unumwunden zu, dass Ihnen jede Form der Betreuung Recht ist, machten ein Gesetz für Babysitter aller Art, und ließen den wertvollen Berufsstand der TagesFAMILIE endlich unangetastet. 

Des weiteren bleibt uns das Land die Antwort auf die Frage schuldig, 

warum der Zusammenschluss zweier TPPs nicht analog auch außerhalb von Unternehmen gestattet sein soll. Hier wäre die Familiennähe einer TPP wenigstens weiterhin gegeben, und eine zweite könnte unterstützend hinzukommen.

Die nächste Frage, die offenbleibt: 

Wie kann es angehen, dass 2 TPPs, die „nur“ den Kurs des Jugendhilfeträgers absolviert haben, 10 Kinder betreuen, hingegen ein ausgebildetes Pädagogen Ehepaar in eigener Regie gemeinsam eine Pflegeerlaubnis für 7 Kinder erhält. 

Besonders erschüttert hat mich der markige Ausspruch auf der 3. Seite des Pamphlets: 

„Starke Kindertagespflege“. 

An welcher Stelle stärkt das Land RLP die Kindertagespflege? Wir sehen nur eine durchgehend gewollte Schwächung des Berufsstandes auf Kosten der Institution Kita. 

Als nahezu weltfremd lässt sich die Behauptung werten, 

dass die weiterhin von der Landesregierung als hoch eingeschätzten Qualifizierungsanstrengungen der KTP darauf zurückzuführen seien, dass Tagesmütter und -väter den Beruf nur in der eigenen Familienphase ausübten. Da fragt man sich in der Tat, hat das Land sich wirklich jemals mit dem Berufsstand Kindertagespflege und seinen Realitäten befasst? Eine solche Haltung entspricht maximal dem Zustand der KTP in den ersten Jahren nach 2004, als das erste Tagespflegeausbaugesetz auf den Weg gebracht wurde. 

Darauf aufbauend stellt sich uns die Frage, 

welchen Sinn das Land darin sieht, die Qualitätsanforderungen in der Kindertagespflege ständig zu erhöhen, ohne die daraus resultierenden Befähigungen der Tagesmütter und -väter in Sinn stiftendem und lohnendem Einsatz sehen zu wollen. Aus Erfahrung dürfen wir Ihnen berichten, dass nur solche Tagesmütter und -väter das Betreuungshandtuch werfen, die sich nach Ausbildung der Randzeiten Tätigkeit ausgesetzt sehen, für Springer Tätigkeiten herhalten sollen, und für Abholungen aus Einrichtungen, deren Öffnungszeiten mit modernen Berufsbildern lange schon nichts mehr zutun haben, gerade gut genug sind. 

Es bleibt unterm Strich festzuhalten, 

was der eigentliche Grund ist, die Elternbeitragsfreiheit in der KTP abzulehnen. 

Und das ist die ursprüngliche und ehrlich getätigte Aussage in Ihrem Sprechvermerk. 

Es treibt das Land RLP einzig die Sorge um, dass Eltern über den 2. Geburtstag hinaus in der KTP verbleiben könnten, und man leerlaufende Kitas befürchten muss. Dafür nimmt man gerne „KindesUNwohl“ in Kauf, wenn aus monetären Spargründen Kinder aus gebundenen Verhältnissen in der KTP gerissen werden. Und man hat auch kein Problem damit, Kindertagespflege fortgesetzt für alle möglichen und unmöglichen Einsatzgebiete ihres Alleinstellungsmerkmals zu berauben.

Insofern das erklärte Ziel einer guten Landesregierung wäre, 

Kindeswohl UND Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen, müsste sie sich öffnen für eine reale Anschauung elterlicher Bedürfnislagen und daran anschließend 

Für eine Vision. 

Wir betonen daher noch einmal:

Kinderbetreuung ist nicht Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Schlecht gemacht stellt sie eine Belastung dar. 

Und das Flickwerk, das Sie um die Institution Kita herum zu bauen versuchen, ist eine Belastung für Eltern. 

Eltern können Beruf und Familie nur dann vereinbaren, wenn es ihren Kindern in der Betreuung gut geht. 

Und Kindern geht es in der Betreuung gut, wenn Eltern die Form und die Qualität bejahen können. 

Eltern können die Form und die Qualität nur bejahen, wenn es den Fachkräften, die die Betreuung leisten, gut geht. 

Der Fachkräftemangel, der längst alle Sparten von sozialen Berufen ereilt hat, müsste Ihnen verdeutlichen, dass wir Recht haben! 

Die Zeiten, in denen mit Druck von oben nach unten noch irgendwelche Erfolge erzielt werden, sind vorbei!

Fördern und stützen Sie endlich die Basis aller Fachkräfte, die all das leisten soll. Dann wird entstehen, was Ihre Gesetzesvorgaben nie zu erreichen im Stande sein werden. 

Das Ergebnis eines "Für" eine gute Sache statt Ihres immerzu währenden "Widers" würde eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein, die den Namen deswegen verdient, weil Kindeswohl ein natürlicher Teil davon geworden ist. 

Wir haben eine Vision davon, was Eltern brauchen und das qualifizierte Rüstzeug dazu. 

Und wir sind der festen Überzeugung, dass Kindertagespflege längst das Potential hat, die Institution hinten an zu stellen! Kindertagespflege kann, was keine andere Betreuungsform bieten kann:

Sie bietet echte Bindung für Kleinkinder, die die wichtigste Gesundheitsressource für das zukünftige Erwachsenenleben darstellt, sie bringt durch die Globalisierung vereinsamte Kleinfamilien zurück in familiäre Zusammenhänge, sie hat das Potential einer Flexibilität von der eine Institution nur träumen kann, und wird unter unserem Dach von erfahrenen PädagogInnen ausgeübt! Was kann es Besseres geben.  

Wir werden uns weiter tatkräftig dafür einsetzen, TOP Fachkräften aus Kitas, die die Institution "geschafft hat" eine neue berufliche Heimat in der Kindertagespflege zu geben, und wir freuen uns über jedes Unternehmen mit Wert und Weitblick, das uns uneingeschränkt werkeln lässt, weil das Ergebnis echte Vereinbarkeit ist und damit unserer Herangehensweise Recht gibt.

Entwickeln auch Sie eine Vision anstatt ständig neue Teil Hürden aufzubauen, die die Fachkräfte in die Betreuungswüste treibt, Kindern schadet und Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt!

Es grüßt Sie

Susanne Rowley

wigwam.de 

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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