Samstag, 10. Juni 2017

Autor: Susanne Rowley

Wirtschaftspolitik wird neuerdings im Familienministerium gemacht.

Manchmal muss man auf Distanz gehen, thematisch, räumlich und mental,

 

um sich und seine Kernanliegen wieder klarer zu sehen, mit vergangenen und kommenden Entwicklungen abzugleichen, damit man sich im Themenwald von Familienpolitik und ihrer Geschwindigkeit noch zu positionieren weiß.

Das habe ich nun eine ganze Weile getan, im Ausland weilend und auch hier.

Wie schön, dass ich nach einer gewissen Blog- und FB Abstinenz sogleich auf einen Artikel und eine darin zu vernehmende Stimme stoße, die nicht nur Tacheles zu erzählen weiß, sondern mein aktuelles Stimmungsbild zur Familienpolitik widerspiegelt. 

http://www.andreas-ebenhoeh.de/erst-die-arbeit-dann-die-kinder/

Dieser Beitrag „Erst die Arbeit dann die Kinder“,

könnte auf den ersten hastigen Blick zunächst als Plädoyer für vergangene Rollenbilder von Familie verstanden werden, denn ggf. fragt sich der ein oder andere geneigte Leser, wie soll sie denn gehen die familienfreundliche Gesellschaftspolitik, wenn das Haus und das Auto ab bezahlt werden müssen, oder Frau und Mann sich nach guter Ausbildung gleichermaßen selbst verwirklichen möchte.

Wer an dieser Stelle nach Antworten sucht,

ist schnell bei der Schieflage flankierender Arbeitsmarktpolitik angekommen, die schon seit geraumer Zeit dafür sorgt, dass 2 arbeitende Hände allein den Kühlschrank nicht vollkriegen. Aber ist es wirklich so, dass wir nur diesen Stall in Ordnung bringen müssten, damit Familie wieder frei entscheiden kann, wie sie leben möchte?

Ich glaube das nicht mehr aus verschiedenen Gründen.

Ein Grund ist der, dass Familienpolitik in weiten Teilen schon lange nicht mehr für Familien gemacht wird, sondern politisch Verantwortliche Familie selbst in ihrer ureigenen Kernkompetenz just umdefinieren.

Das fällt Familien kaum auf, weil sie zu sehr mit ihren Nöten beschäftigt sind und ihnen das hoch geschäftige Treiben familienpolitisch Verantwortlicher täglich suggeriert, wir tun doch alles, was in unserer Macht steht, damit ihr Euren Alltag meistern könnt.

Familien glauben zunehmend, wenn sie nur alles nutzen, was ihnen Bund, Land und Kommunen als ent-lastend offerieren, muss es doch irgendwann einmal bei ihnen ankommen. Das dem nicht so ist, und auch zukünftig nicht so sein wird, ist der Tatsache geschuldet, dass es nicht mehr um Familie geht, sondern

Wirtschaftspolitik im falschen Ministerium betrieben wird.

Auch die Tatsache, dass die Institutionalisierung der gesamten Kindheit auf reales Kindeswohl keine Rücksicht nimmt, sondern einzig darauf abzielt, Familie samt Nachkommenschaft wirtschaftskompatibel zu machen, merken die meisten nie oder nur dann, wenn der Wiedereinstieg in den Beruf nicht reibungslos von statten geht.

Die Frage ist, hat es mehr Folgen, als die augenblicklich Sichtbaren?

Ich sage ja.

An mich trägt dieser lesenswerte Blogbeitrag also noch eine viel weiterführendere Botschaft heran:

Es ist nicht nur Familie und ihre gemeinschaftliche Funktion, die sich ändert, sondern das Gesamtverständnis der kleinsten Zelle unserer Gesellschaft ist in vollkommenem Wandel, weil die Maßstäbe sich in Auflösung befinden. Und das zeigt der Autor Andreas Ebenhöh im letzten Abschnitt seines Beitrages deutlich auf:

Zitat:

>> Diese dramatische Entwicklung wird auf Dauer dazu führen, dass sich der Maßstab und damit die Definition von Familie, Erziehung, Bildung und Verantwortung verändern werden. Die daraus resultierenden Folgen sind, das Eltern glauben, dass die Erziehungs- und Bildungsverantwortung in der Fremdbetreuung liegt, dass Kinder und Eltern die Bindung zueinander verlieren, die Familienplanung sich am Einkommen orientiert und die Familienpolitik in „Erwerbsoptimierungspolitik“ umbenannt wird! Besonders traurig dabei ist, dass am Ende viele Eltern überzeugt sein werden, dass das „entwicklungsgerecht“ und „normal“ sei!…und die Politik atmet erleichtert auf! <<

Zitat Ende.

Genau das ist schleichend längst geschehen. Ich beobachte die Entwicklung seit nunmehr 24 Jahren und länger; erst wollten Eltern arbeiten, dann mussten Sie, und heute denken sie gar, das gehört eben so. Sie wehren sich nicht, weil sie die Not-wendigkeit das so zu tun, längst verinnerlicht haben.

Eltern fragen nicht mehr danach,

will ich das, entspricht das mir und meinem Bild von Familie und Kindheit.

Und es kommt der Tag, da ist das Ur-Verständnis von unbeschwerter Kindheit Geschichte.

Wie anders kann man noch erklären,

dass wir einem 1-Jährigen, wie Andreas Ebenhöh es in seinem Beitrag anreißt, einen restlos erschöpfenden 11 Stundentag in einer Einrichtung zumuten, den wir selbst kaum schadlos überstehen. Einem Kind, das womöglich gerade erst sein Erinnerungsvermögen entwickelt hat. Wie anders soll man erklären, dass der einzige traurige Gedanke, der die Eltern umtreibt, wenn sie ihr Krabbelkind in einer Institution mit 70 Kindern 7 Betreuern überlassen haben, der ist, dass ihnen der erste Schritt des Kindes entgangen ist.

Siehe:

http://www.andreas-ebenhoeh.de/ueberlebenund-irgendwann-zerbrechen/

Das und noch viel mehr gesellschaftliche Verdrängung geht,

weil das Kind, seine Bedürfnisse aus den breitgefächerten öffentlichen Botschaften von Bildungspolitik vollkommen verschwunden ist. Das Kind findet nicht statt.

Wie tragisch das ist, könnte man sich vergleichsweise bei der Vorstellung vor Augen führen, Prävention verschwände gänzlich aus dem Wortschatz von verantwortungsbewusster Gesundheitspolitik und würde sich als reinen Reparaturbetrieb verstehen.

Die Wortakrobatik unserer familienpolitisch Verantwortlichen

hat vielen Familien seit Frau von der Leyen das Ruder inne hatte, das Hirn vernebelt. Sie halten Kinderbetreuung für Vereinbarkeit, sie halten Kita für einen Bildungsort, sie glauben, dass frühe Kindheit in der Institution ihren Anfang nehmen müsse, sie glauben Fremdbetreuung wäre die einzige Form einer Entlastungsmöglichkeit in einer globalisierten Berufswelt, sie glauben an Elternpartnerschaft, wenn eine völlig fremde Kita-Erzieherin das Wort an sie richtet, sie schleppen ihr Kind zum Arzt, wenn die Eingewöhnung nicht klappt, sie sind von Angst zerfressen, ihr Kind könnte den Zug in einer erfüllende berufliche Zukunft verpassen, wenn sie ihm all das nicht antun.

Mich treibt zunehmend weniger Mit- dafür mehr Bei-Leid um beim Blick auf die kleinste Zelle unserer Gesellschaft. Die Kleinfamilie von heute wird verrieben zwischen all den Ansprüchen, die an sie und ihre Kinder gestellt werden, und sie hilft dabei tatkräftig mit, obwohl es ihr nicht gut geht.

Wer genau muss jetzt eigentlich zum Arzt?

Und die Kraft ihrer Ursprungsfunktion, die ihr hierbei genommen wird, kann sie nirgends mehr nachtanken.

Und das traurigste an dieser Entwicklung ist,

dass die Kleinfamilie von Morgen all das in absehbarer Zeit auch nicht mehr hinterfragen wird, weil sie schon bald nichts Anderes mehr kennt.

Nicht nur das Wort „Betreuung“ wird schleichend zum Unwort werden, auch Familienpolitik darf getrost schon heute den Wortpart Familie gegen Erwerbsoptimierung ersetzen. Der Wandel, Herr Ebenhöh, den sie befürchten, ist bereits in vollgem Gange, die Gehirnwäsche läuft auf vollen Touren, und wir werden sie als Ist-Zustand weitergeben an die kommende Generation. 

Think about it..

Susanne Rowley

back in town


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