Freitag, 1. Juli 2005

Autor: Susanne Rowley

Wir basteln uns eine schöne neue Welt

Wie der Staat Sozialhilfeempfänger selbst produziert


Hallo liebe Wigwam-Freunde,

Diese Ausgabe des Info-Briefes möchten wir heute ganz und gar einer

Mutter zu Verfügung stellen,

die seit Jahren, allein Erziehend mit 2 Söhnen "Ihre Frau" steht.Tagein tagaus Ihr Leben meistert, und der jetzt die Gefahr droht, dass ihre gesamte Existenz zerstört wird.

Man könnte diesen Brief auch unter das Motto stellen: 

Wie backen wir uns als Staat unsere Sozialhilfe-Empfänger selbst 

Aber bitte lesen Sie selbst, denn diese Mutter gab Ihrem Brief den folgenden Titel: 

>> Komm, wir basteln uns eine schöne neue Welt! 

Ich denke, so denken Politiker: 

Wir nehmen uns hier ein bisschen, schrauben da ein wenig, schwingen große Reden, diskutieren Stunden über Stunden und dann wird alles gut. Wir haben unser Gewissen beruhigt und die Menschen, die vorher schon keine Probleme hatten, haben jetzt erst recht keine mehr. Ich kann´s einfach nicht mehr hören, bzw. lesen, wie angeblich wahnsinnig wichtige Menschen sich mit dem Thema Familie und Beruf befassen. Da finden sich Menschen in Sitzungen zusammen, die unheimlich gute Ausbildungen haben, in wichtigen Positionen sitzen, viel Geld verdienen, die aber wahrscheinlich noch nie eine berufliche Besprechung vorzeitig verlassen mussten, weil der Kindergarten schließt, geschweige denn erst gar nicht zur Besprechung kamen, weil das Kind mit Fieber im Bett lag. Es sind Leute, die sich in ihren Positionen hocharbeiten konnten, weil sie keine Kinder hatten oder Ihnen andere Menschen den Rücken frei hielten. Mal abgesehen davon, dass ich persönlich denke, dass die "Experten", die sich hier Gedanken über das Thema Familie und Beruf machen, zu sehr in der Theorie stecken, stellt sich mir die Frage, ob überhaupt jemand ernsthaft daran interesiert ist, etwas zu ändern. Oder geht es hier wieder mal um Wahlstimmen und das Gefühl wichtig zu sein. Es macht sich doch keiner wirklich die Mühe in die Realität zu schauen. Für Familien mit Mama, Papa, Kind ist doch gesorgt. Die liebende Mutter bringt ihr Kind völlig entspannt in den Kindergarten, ob nun um 8 oder 9 Uhr. Nachmittags spielt sie ausgeglichen mit den Kleinen, manchmal ist sie auch das Taxi oder trifft sich auf einen freundlichen Kaffeeklatsch mit Freundinnen während der Papa das Geld verdient. Es fängt doch erst an komisch zu werden, wenn eine Mutter sich erdreistet in den Beruf zurück zu kehren. Mal abgesehen davon, das bei den verantwortlichen Personen scheinbar die Meinung herrscht, das Teilzeitjobs wie Sand am Meer vorhanden sind, hat eine berufstätige Mutter auch noch mit Wartelisten, Öffnungszeitmodellen und sonstiges Nettigkeiten ihren Spaß. Abholen um 12.00 Uhr und wieder zurück in den Kindergarten um 14.00 Uhr. Klasse, sag ich nur! Oder wie wäre es mit dem Betreuungsangebot von 8-13.00 Uhr täglich. Prima, wenn da nicht auch noch der Fahrtweg zum Arbeitsplatz wäre. Und da man ja so wahnsinnig viel Auswahl an Jobs hat, sollte Mutter auch bitte immer darauf achten, dass sie niemals eine Arbeit annimmt, in der sie Überstunden machen muss, weil dies mit den Öffnungszeiten der Kita nicht vereinbar ist. Ganz spannend wird es auch bei den Schulkindern, die in der Grundschule gerne mal erst um 9.00 Uhr aus dem Haus müssen oder schon um 11.30 Uhr wieder vor der Türe stehen, weil eine Lehrerin krank geworden ist. Schön praktisch wäre doch hier, wenn man als Sekretärin in der Schule arbeiten würde, um so Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Klar gibt es da auch noch den Hort, der da nur schlappe 200 € monatlich verschlingt und Öffnungszeiten bis 16.30 Uhr anbietet. Das löst natürlich jegliches Problem - oder?! Na ja, und Kinder ab der 5 Klasse, da sind die Sprösslinge stolze 11 Jahre alt, brauchen scheinbar gar keine Betreuung mehr. Sie dürfen halt nur nix anstellen, weil man sonst wegen unterlassener Aufsichtspflicht vor den Kadi gezogen wird. Ganz besonders witzig ist es auch, wenn man obendrein noch selbstständig ist und sich insgesamt beruflich ein bisschen mehr einbringen muss um, den "Laden am laufen" zu halten. Tja, und wenn man(n) / bzw. Frau dann noch allein erziehend ist und einfach gar nicht die Möglichkeit hat nur Teilzeit zu arbeiten, weil die Familie sonst finanziell nicht über die Runden kommt, dann kann es einem ganz den Vogel raushauen. Meine Schwester (Karrierefrau ohne Kinder), die nach Herzenslust arbeiten kann und sich ein super Leben jetzt und auch für später aufbaut, deren Rente einmal meine Kinder mitfinanzieren, sagt freundlich lächelnd zu mir: Das ist alles nur ´ne Sache der Organisation. Na, ich möchte mal wissen, wie sie es organisiert, wenn sie mit Ihrem Designerkostümchen auf dem Weg zu einem wichtigen Termin ist und ihr dann ein fieberndes Kind 5 Minuten vor Abfahrt vor die Füße "kotzt". Mein einziger Trost ist einfach, dass sie niemals die Worte, die mich für so vieles entschädigen, hören wird: Mama, ich hab die lieb. Aber genau die Worte sind es, die eine Mutter weitermachen lässt. Das sind die Worte, die mich persönlich vorantreiben. Worte, die mich motivieren als alleinerziehende, selbstständige Mutter von zwei Kinder, meinen persönlichen Kampf zur Vereinbarung von Familie und Beruf zu kämpfen. Seit mittlerweile 5 Jahren stehe ich meine Frau. Bringe Geschäftstermine und Muttertagsfrühstück im Kindergarten unter einen Hut. Ich arbeite noch ein bisschen mehr um die schlechte Zahlungsmoral meiner Kunden mit den insgesamt mehr als 400 € Betreuungskosten für Kindergarten und Hort zu vereinbaren. Wenn die Steuer mal wieder richtig zuschlägt, dann schnallen wir gerne unseren finanziellen Gürtel noch ein wenig enger, damit sich 20-jährige Schnösel in Talkshows setzen können um lautstark zu verkünden: Ich hab keinen Bock auf Arbeit! Ich habe noch nie einen Cent vom Staat gewollt oder gar beantragt. Meinen Kindern habe ich immer vorgelebt, dass jeder seines Glückes Schmied ist und man für sich selbst verantwortlich leben soll. Jetzt habe ich ein Schreiben von der BfA Berlin erhalten. Ich soll Rentenversicherungsbeiträge nachzahlen, weil es mal ein Gesetz zur Scheinselbstständigkeit gab. Mit meinem Beruf bin ich damals dort hineingerutscht, habe dagegen prozessiert und nun verloren. Dadurch ist nun eine Summe von insgesamt 27.490,33 € inklusive 8663,03 € Säumniszuschläge (für ein laufendes Gerichtsverfahren ) aufgelaufen. Zahlbar innerhalb einer Woche!!! Ich könnte einen 400 € Job zusätzlich annehmen und versuchen dieses Betrag evtl in Raten abzustottern. Ich müsste dann nur noch jemand finden, der mit meinen Kindern in dieser Zeit spielt, malt, lacht, sich unterhält oder auch mal Tränen trocknet, weil die Mama noch mehr arbeiten muss. Morgen habe ich einen Anwaltstermin. Dann wird sich entscheiden ob ich zum lebenslangen Sozialhilfeempfänger werde, oder ob ich weiter den Kopf nach oben tragen darf. Danke Staat, dass ihr Euch so um die Familien bemüht. Es grüßt herzlichst Ihre A. V.  << 

So liebe Eltern und Tagesfamilien - sollten Sie demnächst in Urlaub fahren, so wünschen wir Ihnen eine gute Zeit und erholen Sie sich von all dem. 

Es grüßt herzlich Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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