Saturday, 5. October 2013

Autor: Susanne Rowley

Wir backen einen Pustekuchen

Kindertagespflege am Tropf.

Liebe Wigwam-Freunde,

Nachtigall ick hör Dir trapsen – könnte es nicht zur Abwechlsung auch mal ein anderer Vogel sein?

Im Zuge des Rechtsanspruchs

auf einen Betreuungsplatz sind in unserem Einzugsbereich so ziemlich alle Probleme aufgetreten, die wir vorausgesagt haben.

Nicht nur Kita-Plätze wurden und werden eiligst und auf fragwürdigem Niveau aus dem Boden gestampft, auch die Anzahl der Kinder innerhalb der Gruppen wurde mancherorts immens erhöht, ohne zeitgleich für eine ausreichende Anzahl von Fachkräften zu sorgen, die allerorten ohnehin Mangelware sind; und das alles vor dem Hintergrund, dass die Krippenkinder nun immer jünger werden, somit völlig andere Anforderungen an Bindung und Qualität der Betreuung stellen, was nach Adam Riese genau zur gegenteiligen Entwicklung führen müsste – nämlich zu hochwertigerer Betreuung mit einem Top-Betreuungsschlüssel.

Ein weiteres Problem,

was in der öffentlichen Diskussion zwar vorkommt, aber für mein Empfinden noch längst nicht den Stellenwert erreicht hat, der ihm gebühren müsste, sind die Randzeiten, die für Eltern ein massives Problem darstellen, um Familie und Beruf wirklich zufriedenstellend vereinbaren zu können.

„Sogenannte“ Experten,

also meist die, die sich in staubigen Hinterzimmern realitätsfremde Lösungen zusammenbasteln, glauben immer noch, dass die Kindertagespflege weiterhin dergestalt die Lösung bringen könnte, indem sie den starren Öffnungszeiten von Kitas zuarbeiten; sprich Tagesmütter springen ins Auto, setzen ihre anderen 4 Tageskinder auf den Rücksitz, um 1 Tageskind aus Schule oder Kindergarten zu holen. Dies tun sie nach Ansicht der Experten sicher auch mehrmals am Tag, denn der eine Kindergarten schließt um 12 Uhr, im nächsten Kindergarten kann man die Mittagsmahlzeit noch mitnehmen, dann heißt es Abholung um 14 Uhr, dann wären da noch die Ganztagsschulen, also heißt es um 16 Uhr für die Tagesmutter und deren Tageskinder alle wieder raus aus dem Schwimmbad, rein ins Auto, um auch den letzten Zögling noch einzusammeln.

Es ist schon ein Kreuz,

wenn Politik und sonstige Verantwortliche nicht 1 und 1 zusammenzählen können, und wenn sie es denn versuchen, auch noch 3 dabei herauskommt. Wenn wir einen Kuchen backen, sollten wir vorher tunlichst wissen, obs eine Torte oder ein Zwetchgenblech werden soll, und dann wäre es auch noch hilfreich, wenn ich die Zutaten, die Art und Weise und den Ort, wo ich sie herkriege, kenne, und bitteschön auch die Backzeit nicht aus dem Auge verliere. Andernfalls kann es geschehen, dass ich nur Kuchen dran schreiben kann, wo leider nicht mehr als Pustekuchen drin ist. Oder wie in jeder guten Küche schon mal vorgekommen, hat man das ganze Gericht versalzen und verkocht und denkt sich, was soll’s – dann mach ich halt Suppe draus.

Und so gehen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander,

und Verschlimmbesserung ist wieder mal in Sicht. Das Hauptübel begann in Sachen Rechtsanspruch also schon damit, dass ein Anspruch auf etwas geschaffen wurde, wofür die Mittel fehlten, nicht klar war, wo und wie ich sie bekommen kann.

Aber dem noch nicht genug,

denn während nun unsere familienpolitisch Verantwortlichen auf dem Irrweg unterwegs sind, haben sie auch das Ziel aus den Augen verloren. Sehr schlechte Voraussetzungen also, um für die etwas zu tun, für die die Verantwortlichen im Einsatz sein sollten. Ein Übel, was diesem Übel vorausging, war die Gleichstellung der institutionellen Betreuung und der Kindertagespflege nur auf dem Papier, denn diese bedeutete fortan, kein Zuarbeiten mehr möglich, sondern Konkurrenzsituation. Und dies vor dem haarigen Hintergrund, dass die Kita-Form wegen starrer Öffnungszeiten noch lange nicht ohne die Kindertagespflege auskam, dieses Zuarbeiten aber nicht mehr erfüllt werden konnte, denn im Zuge der Qualifizierungsanforderungen fielen all jene Tagesmütter schlagartig weg, die zum Zuarbeiten; sprich Abholen bereit und in der Lage waren.

Noch kurioser mutet

die sogenannte Gleichstellung vor dem Hintergrund an, dass die Kindertagespflege fortgesetzt als eine minderwertige Betreuungsform angesehen und benannt wurde, auch zu erkennen am

Unwort „Alternative“.

Denn dieses Wort suggierte weiterhin, was es vornehmlich aber nicht mehr sein sollte – etwas, was Eltern halt nehmen müssen, wenn das Eigentliche – die Kita – nicht zu kriegen ist. Dazu fällt mir ein: Bekommen kann ich nur, was ich auch glaubhaft haben möchte, und wofür ich ebenso glaubhaft etwas tue. Und gleiches gilt für die Annahme des selben – Verkaufen Sie doch mal ein Produkt, dass sie selbst niemals verwenden würden - Sie werden ganz sicher auf dem Ladenhüter sitzen bleiben!

Nachdem nun die Hauptdefizite der künstlich erzeugten Kitawelle nicht nur den politisch Verantwortlichen klar wurde, sondern nach und nach auch die eigentliche Nutznießer - die Eltern - von der Mogelpackung Wind bekamen, richtet sich der Fokus mehr und mehr auf die Kindertagespflege. Eine Haltung, die wir schon seit Jahrzehnten einnehmen, und das aus gutem Grund, denn wir wissen schon lange, welche Schätze sich in dieser Betreuungsform finden lassen; allerdings steht zu befürchten, dass dieser Schatz von den Verantwortlichen ganz woanders gesucht und auch völlig falsch damit umgegangen wird

– wir befürchten sogar, dass es am Schluss kein Schatz mehr ist.

Wir lesen also vielerorts derzeit,

dass die Betreuungsform der Kindertagespflege immer mehr an Bedeutung gewinnt. Allerdings aus unserer Sicht nur vordergründig und meist nur unter dem Aspekt, dass in ihr die schneller zu realisierende und flexiblere Betreuungsform gesehen wird, ohne wirklich und wahrhaftig hinter ihr zu stehen und ihren wahren Wert zu erkennen. Und weil ihr kein wahrer Wert zugestanden wird, muss ihr nun ein staatlich verordneter Wert aufgedrückt werden. Das wird vor allem dadurch deutlich, dass in der Diskussion um und über die Kindertagespflege fast nur noch die Anforderungen, die seitens des Gesetzgebers an frühkindliche Bildung und Förderung gestellt werden, in Form von immer höheren Qualitätsanforderungen an die Ausbildung der Tagesmütter im Gespräch sind – denn wie sollte man auch vor jemandem Respekt haben oder ihm gar eine Leistung zutrauen, den man nicht auf Herz und Nieren und damit auf Eignung geprüft hätte, und den man nicht durch alle Bildungsschläusen hindurchgezwängt hat.

Gleich im Gefolge selbstverständlich die „leistungsgerechte“ Vergütung

denn soviel Logik bringen die Verantwortlichen dann schon mit, dass Qualität für wenig Umme wohl nicht zu haben ist, obgleich die Verantwortlichen in der gelebten Praxis den Tagesmüttern/vätern täglich auch hier den Spielraum widersinnig weiter beschneiden ohne ihrer Verantwortung nachzukommen, hohe Erwartungen auch im Geldbeutel klingen zu lassen.

Mal abgesehen davon, dass ein Großteil der Tagespflegepersonen ohnehin bereits aus einem erzieherischen oder thematisch ähnlich gelagerten Bereich kommen, werden immer mehr Widersprüche beim Erhalt des eigentlichen „Wesens“ der Betreuungsform "Kindertagespflege" und deren geplantem Wandel deutlich.

Ich fürchte wie oben bereits erwähnt, sogar, wenn alle Experten-Vorstellungen zur Umsetzung kommen, wird der Patient Kindertagespflege nur noch röchelnd in der Ecke liegen.

Warum sage ich so etwas?

Und dann auch noch aus dem Wissen heraus, dass ich mit dieser Meinung immer weiter abgeschlagen alleine auf weiter Flur stehen werde. Kindertagespflege hat aus meiner jahrelang erfahrenen Sicht eine völlig andere Aufgabe, als die Institution.

Und sie sollte da-neben aber nicht gleich-gestellt existieren, sonst wird sie sterben!

Sie ist eine extrem familiennahe Betreuungsform, die nicht wie eine Dienstleistung geordert und in strenge Richtlinien gepackt werden kann, sondern rundum partnerschaftlich ansgelegt ist. 2 Familien mit unterschiedlichen Lebensentwürfen finden sich und helfen einander den Lebensentwurf des jeweils anderen Partners aufrecht zu erhalten; eine wunderbare Symbiose, die nur dann funktioniert, wenn ihr der individuelle Spielraum, den sie braucht, um auf flexible Anforderungen auch flexibel reagieren zu können, erhalten bleibt.

Und genauer jener Spielraum

wird mehr und mehr auf allen nur denkbaren Ebenen beschnitten und zu Tode reguliert. Einerseits verfolgt das Familienministerium in Rheinland-Pfalz – also in unserem Einzugsbereich – immer noch die Maßgabe, dass Kindertagespflege im familiären Bereich angesiedelt bleiben soll und wirkt einer zunehmenden Institutionialisierung durch das Verbot von Großtagespflegestellen entgegen; andererseits wird permanent über weitergehende Verfachlichung/Verberufung oder ganz allgemein die Professionalisierung nachgedacht, was dazu führen muss und wird, dass der Charakter der Tages“Mutter/Vater/Familie“ langfristig verloren geht;

es ist ein Irrtum zu glauben,

dass man an der Professionalisierungsschraube drehen kann, ohne den Familiencharakter zu berühren, denn Menschen, die sich qualifiziert haben und weiter qualifizieren sollen, sich anschließend auch ihres Wertes bewusst sind, fordern ihn ein; und zwar in Form eines Entwicklungspotentials, dass ihnen formal schlussendlich doch verwehrt werden wird. Ganz zu schweigen welche Abwertung wir ganz nebenbei der „Familie“ in ihrer naturgegebenen Erfahrung zumuten.

Es ist überall im Leben so,

da wo Kontrolle und Regularien zunehmen, werden Natürlichkeit, Freiheit und Gestaltungsspielraum abnehmen. Und überall da, wo Gestaltungsspielraum abnimmt, wird auch die Vielfalt den Normen geopfert, deren Fehlen das Wesen der Kindertagespflege vollkommen verändern wird.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe hat in diversen Positionspapieren das Richtige dazu gesagt, denn es ist nicht zu vermeiden, dass man sich bei massivem Strukturwandel auch über Grundsätzliches Gedanken machen muss. Kindertagespflege, in der Grundidee, als eine familienanaloge Betreuung – also eine Form, die sich dem Wesen nach dem öffentlichen Zugriff in früherer Zeit entzogen hat, ist einem starken Wandel unterworfen.

Ich möchte hier nicht den Anschein erwecken,

als ob ich dafür plädierete, dass völlig kontroll- und qualitätsfrei betreut werden sollte, denn niemand hat mehr den Schutz von Kindern im Blick als ich; aber gerade wenn sich Rahmenbedingungen ständig ändern, Qualitätsmaßstäbe im menschlichen Bereich an schablonenartigen Normen klemmen, und dann auch noch mit der entsprechenden Überwachung gespickt werden, und dabei der Kern einer Sache aber unberührt bleiben soll, dann ist man ab einem bestimmten Grad einem Ding der Unmöglichkeit auf der Spur!

Die Tatsache, dass private Erziehung

und damit auch die Verantwortung für die selbe immer mehr der Familie an sich entzogen und in die Hände öffentlicher Verantwortung gelegt wird, bedeutet zwar einerseits mehr Schutz durch Kontrolle, hat aber eben auch zur Folge, dass Kindheit an sich einer völligen Institutionalisierung unterworfen wird. Und es hat auch zur Folge, dass durch diese auferlegten Normen sich das Werte- und Verantwortungsgefühl von Eltern danach ausrichtet, und das was einst von oben diktiert wurde, wird zum standardisierten Bedürfnis, das bei Nichterfüllung auch Schuldgefühle hervorruft.

Längst trauen Eltern ihren eigenen Gefühlen nicht mehr

in dem Sinne, was denn „gut oder schlecht“ sei für ihr Kind. Ich gebe zu, dass mich dieser Tage das tiefe Gefühl beschleicht,

dass die letzte aus meiner Sicht

„natürliche Betreuungs-Bastion“

bald fallen wird.

Und ich frage mich, wie lange ich noch dagegen halten kann. Wieviele Knoten im Kleinhirn Experten an dieser Front entwickeln können, zeigen die neuesten Berichte, die aus meiner Sicht, die richigen Gedanken verfolgen, aber die Schlussfolgerungen daraus, wären noch einmal zu überdenken. Es wird versucht, zunächst zu definieren, was konkret unter dieser öffentlichen Verantwortung verstanden werden soll. Hier wurde ein Rahmen gefunden, der meine volle Zustimmung findet:

„Die Lebensbedingungen sind so zu gestalten, dass Eltern und junge Menschen für sich selbst und füreinander Verantwortung tragen können. Öfentliche Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern beinhaltet also sowohl den Ausbau von Infrastrukturangeboten, die Familien bei ihrer Erziehungarbeit unterstützen und Kinder in ihrer Entwicklung und Bildung fördern, also auch die Anforderung, dass solche Angebote, die dann staatlich gefördert oder rechtlich reguliert werden, Mindeststandard erfüllen“.

Soweit so gut. Aber jetzt kommts:

>> Wie im 14. Kinder- und Jugendbericht ausgeführt ist, kann jedoch aus der Verlagerung von ehemals innerfamilialen Erziehungsaufgaben in den öffentlichen Raum noch nicht auf eine Verstaatlichung von Erziehungsaufgaben geschlossen werden. Vielmehr kommt es zu neuen Formen privater Verantwortungsübernahme im öffentlichen Raum und wohl auch zu neuen Formen öffentlicher Verantwortungsübernahme im privaten Raum. Also im Ergebnis zu neuen hybriden Formen, die im Ergebnis zu einer größeren privaten und öffentlichen Verantwortungsübernahme führen <<

Ist Ihnen schon schwindelig? Nein? Dann hab ich noch einen:

Diese Rolle ließe sich beschreiben

>> als Zentrale Planungs- und Steuerungsinstanz und Garant für die Verwirklichung von Rechten und damit eben auch als Qualitätssicherer. Öffentliche Verantwortung besteht somit sowohl gegenüber den Personen, die diese gesetzlich normierten Aufgaben übernehmen, als auch gegenüber Kindern und Eltern, die diese Angebote in Anspruch nehmen. <<

Und eine besondere Herausforderung sehen die Schreiber in einer wachsenden Diskrepanz zwischen den geforderten Qualifikationen der handelnden Personen und den inhaltlichen und fachlichen Ansprüchen an die Tätigkeit; und die Erwartung an Bildung und Förderung lasse die Anforderungen weiter steigen.

Die Experten wissen also, dass es sich dem Ursprung nach um eine familiäre Betreuungsform handelt; eine strikte Trennung zwischen privat und öffentlich aber nicht mehr möglich ist, aber die immer weiterführende Einmischung und massive Regulation durch Erlaubnisverfahren, Mindeststandards bis hin zu Ge- und Verboten von Angebotsformen und der

völlige Gestaltungstod

im Bereich der privat noch möglichen Vergütung wird nur dadurch gerechtfertigt, dass es sich um eine „gesetzlich normierte Leistung“ handelt, die Eltern und Kindern eine Einhaltung von fachlichen Standards versprechen und hierüber erst das Vertrauen in die Angebote generiert würde. Und da bleibt es nicht aus, dass sich immer weiter entfernt werden muss, vom Wesen einer goldwerten Betreuungsform, denn jede Regel schreit nach Kontrolle, jede Pofessionalisierung nach fachlicher Beratung und Begleitung, und selbstverständlich müssen auch Beschwerdeverfahren entwickelt werden, damit auch auf das gepocht werden kann, was von oben zugesagt wurde.

Aber weil nun ein Übel in der Regel das andere nach sich zieht, stellt sich jetzt die Frage, wie grundsätzlich mit privaten familiären Engagements wie Babysitting, Nachbarschaftshilfe im Bereich der Betreuung umzugehen ist – am Ende müssen gar noch Großeltern unter die Lupe und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, bevor sie ihre Enkel unter die verwandten Fittiche nehmen?

Nun ja – vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen den vorläufigen Zenit dieses Schwachsinns nicht vorenthalten.

Sie lernen jetzt den Unterschied kennen zwischen einer verfachlichten, professionalisierten und verberuflichten Tagesmutter kennen:

>> Professionalisierung ist ein Begriff, der trotz aller definitorischen Differenzen entweder den Erwerb und die Anwendung professioneller Kompetenz auf höchstem Niveau oder aber sogar die Professionswerdung spezifischer sozialer Dienstleistungen im Prozess der gesellschaftlichen Arbeitsteilung Statuszuschreibung meint <<

grmbltzzzzzzzz

>>Verberuflichung bedeutet, dass die Aufgabenerfüllung bei der Arbeitsperson einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsveruf im sozialen Bereich voraussetzt, dass die Qualität der Aufgabenerfüllung über Kammer o. dgl. Gesichert wird sowie, dass die beruflich tätigen Personen eine regelmäßige und ausbildungsadaquate Entlohung erhalten <<

jajajaja

>> Eine Verfachlichung beginnt dort, wo Personen Aufgaben im sozialen Bereich in bezahlter Tätigkeit erfüllen und dafür in unterschiedlicher Form unterhalb einer Berufsausbildung (Anlernung, Weiterbildung...) qualifiziert sein müssen. Vor dem Hintergrund dieser definitorischen Schablone ergeben sich für die Kindertagespflege als einerseits privates Erziehungssetting und als andererseits gesetzlich normierte, öffentlicher Verantwortung unterliegende Leistungen entsprechende Klärungsbedarfe. So wird der Begriff der Professionalisierung in dem hier verstandenen Sinne beispielsweise vorschnell auf den Bereich der Kindertagespflege angewendet, indem es zunächst eher um Verfachlichung als Beschreibung und Kontrolle des Erwerbs sowie der Anwendung eines definierten Sets von Kompetenzen in entlohnten Tätigkeiten gehen muss. <<

uffff ich kann nicht mehr JAUL –

sind Sie mir nicht böse, aber das ist ja nicht auszuhalten; und nicht dass Sie denken, ich könne dem Kauderwelsch „fachlich“ nicht folgen – doch kann ich, und wie ich das kann. Für mich jedoch ist das der Beweis dafür, dass der Kern der erhalten werden soll, schon lange nicht mehr erkennbar ist.

Und ich denke gerade wehmütigst und völligst „entfachlicht“ an meine Großtante zurück,

die mir in harten Wintermonaten vor offenem Feuer das Schuhebinden beibrachte – und ihre verlässliche Nähe und Liebe hat mir soviel für mein ganzes Leben mitgegeben, dass ich es heute noch weiß, niemals vergessen werde und über Umwege sogar denke, dass ich ihr die Wigwam-Gründung zu verdanken habe.

Mag sein, dass mich der ein oder andere Experte jetzt mitleidig belächeln möchte – aber das eigentliche Lächeln gilt meinen seit 20 Jahren bestehenden auf höchstem Qualitätsniveau betreuenden Kinderstübchen und Tagesfamilien, die neben einer Top-Ausbildung und der Bereitschaft Neues zu erlernen, vor allem diese Dinge mitbrachten:

Liebe zu Kindern, glaubhafte Motivation, Selbstreflektion, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen.

Das Rezept ist wahrlich ganz einfach:

Eltern für die für sie richtige Betreuungsform beraten und ihnen nicht eine Schublade überstülpen, und Betreuungspersonen mit höchster Freude bei der Arbeit halten – dann bleiben Kindern Bezugspersonenwechsel erspart.

Und das ist überhaupt ein Punkt,

der den höchsten Qualitätsstandard für ein Kind und seine Betreuung ausmacht: Beständigkeit und Verlässlichkeit der Bezugsperson. Und in keinem einzigen Expertenbericht las ich je auch nur eine Zeile darüber! Diese Berichte sind auch auf anderen Ebenen schnell auseinander genommen; die Begriffe, die ich zunächst einmal völlig neu definieren würde, sind

a) Vertrauen, das nicht von oben verordnet und schon gar nicht durch Bildung garantiert werden kann, sondern zwischenmenschlich wachsen muss

b) Qualität – liegt nicht nur an schulischer Bildung, sondern ist sehr eng verbunden mit menschlichen Qualitäten wie Empathie und dem ureigenen Bedürfnis, welches ein Mensch hat und einer Motivation, die der Mensch mitbringt, dem die Bildung auf den Rücken geschnallt wurde.

Hieraus ist ganz klar zu erkennen, woran die komplette Leistungsgesellschaft

zunehmend erkrankt ist und schlussendlich auch sich selbst und ihre Ziele beim Ausgang an den Nagel hängen wird. Aber es ist ja nicht so, dass Experten und politisch Verantwortliche nicht auch diese Gefährdungen am Horizont aufziehen sähen – sie haben nur keine Lösung dafür und deswegen rödeln sie sinnlos weiter. So ist den Experten z.B. die Idee der Festanstellung von Tagesmüttern/vätern in den Sinn gekommen, als betriebliche Lösung für jene Firmen, die eine Betriebskita nicht auslasten können. Aber schon in den weiterführenden Gedanken, die man dazu liest, ist bei mir praktisch schnell die Luft raus.

Einzig fällt der Blick auf die vermeintliche Sicherheit, die Tagesmütter/väter durch Anstellung empfinden könnten – welche Art von Betreuer allerdings darauf anspringen bzw. übrig bleiben werden nach den ersten Selbstversuchen, wenn das bespielbare Büro kinderleer ist und die/der Betreuer am berühmten Däumchen dreht, darüber steht nichts zu lesen.

Ebenso wissen Verantwortliche, dass in Sachen Großtagespflege die Grenze zur sogenannten „Kita-light“ schnell überschritten sein könnte und damit die Qualitätssicherung von Arbeitsverhältnissen ebenso gefährdet ist, und sie wissen auch, dass das Anmieten von Räumen grundsätzlich eine Gefahr für die Flexibiliät der Kindertagespflege sein könnte, denn wer sein zu Hause gerne vom Betreuungsberuf abgrenzt, der wird auch Öffnungszeiten schaffen und damit wäre ein wichtiger Bestandteil der familiären Betreuung dahin.

Man kann sich aber auch Sorgen machen, wo keine nötig sind,

so wurde ich im Familienministerium gefragt, ob mein Begriff „Kinderstübchen“ nicht bereits diese Kita-light Version impliziere, woraufhin ich konterte: nicht nur gucken, was drauf steht, sondern gucken, was drin steckt.

Meine Kinderstübchen s

ind eine voll familiäre Betreuungsform, deren Öffnungszeiten sich nach den Eltern gestalten, die mit ihren Kindern dort bleiben; mit einem Programm und einem Konzept „wie“ in einer Kita – und werden zudem noch zunehmend von „Ehepaaren“ ausgeübt, die somit also die Vollerfüllung des Familiengedankens ausleben – es sind also nicht mehr nur Tagesmütter + -väter sondern TagesELTERN.

Viele dieser Aspekte sind nur bedingt normierbar, und wenn es dennoch versucht wird, wird das Wesen bis zur Unkenntlichkeit verändert sein. Andersherum ist bei mangelnder Normierung nicht unbedingt dem Tohuwabohu Tür und Tor geöffnet, es würde genügen, Rahmenbedingungen und echte Anreize zu schaffen, in dem das, was erhalten werden soll, gedeihen kann.

Zum Schluss möchte ich allen denkenden Experten

noch einen letzten Gedanken an die Hand geben, der ebenso dazu geeignet ist, Gut gemeintes zum Schlecht gemachten werden zu lassen; und das ist „Zwang“. Zwang an sich ist immer ein Umstand, der Widerstand provoziert und ganz nebenbei den wichtigsten Teil einer liebevollen Kinderbetreuung verschwinden lässt – und das ist die Motivation und damit die Beständigkeit. Dies erkennen wir am besten in den Regionen Deutschlands, in denen die private Zuzahlung schlicht und ergreifend verboten wurde. Und da wo sie noch nicht verboten wurde, wird mit subtilen Drohungen gearbeitet, denn sie ist zunehmend allen Jugendämtern ein Dorn im Auge. Und so wird gegenüber pauschal arbeitenden Tagesmütter mit den Argumenten gearbeitet, dass immer mehr Kitaplätze geschaffen würden und die Luft würde für jene Tagesmütter dünn.

Dahinter steckt nichts weiter als nackte Angst vor klagebereiten Eltern, der man nach althergebrachter Marnier: dann knebeln wir mal die Ausführenden, begegnet.

Kurz gesprungen – und noch kürzer gedacht,

denn jedem wirklich am Erhalt von wertvollen Betreuungsplätzen Interessierten muss spätestens beim Blick auf den Durchmarsch „vorne in die Schulung rein“ und „hinten schnell der Löffel geworfen“ klar werden, dass eine geknebelte, frustrierte und nicht überleben könnende Tagespflegeperson nicht lange bei der Stange bleiben wird, weil sie nicht kann.

Und dann haben die ach so klagebereiten Eltern was?

Gar keinen Platz. Also wäre auch den Eltern am ehesten gedient, wenn die Betreuungsform Kindertagespflege in Freude blüht, statt in Zwang verwelkt.

Aber auch hier bin ich seit 2 Jahrzehnten ein einsamer Rufer in der Wüste,

der sich ständig vor den Repräsalien machthungriger Paragraphenreiter hüten muss, denen einzig an einer glänzenden Vermittlungsquote und ihrem warmen Sessel gelegen ist.

Ich entschuldige mich für die Überlänge - aber kürzer war das nicht zu machen.

herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley

Wigwam 1994
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