Samstag, 3. November 2018

Autor: Susanne Rowley

Wer Randzeiten Betreuung will, blendet aus, dass dem Kuchen ein Stück fehlt!

Der Vamv ruft auf, Randzeiten Betreuung per Petition einzufordern.

Dafür hat er das System "der guten Fee" erkoren. 

Liebe Wigwam Freunde, liebe Eltern, liebe Tagesfamilien.

Wer „ergänzende Kinderbetreuung“ einfordert, blendet völlig aus, dass immer da, wo Ergänzung notwendig wird, dem Kuchen ein "gutes Stück" fehlt. 

Vamv Beispiel Petition

Ich tue es ja wirklich ungern. 

Einer Institution zu widersprechen, die sich das Wohl Alleinerziehender auf die Fahnen geschrieben hat. Die als ihre Aufgabe ansieht, 

Politische Impulse zu setzen, Gesetze alltagstauglich zu gestalten, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, Haltungen zu verändern! 

Ich verstehe auch die Not, die hinter einer solchen Forderung steht. Ich halte aber gar nichts davon, die Not der einen Seite mit der Not der anderen Seite lindern zu wollen.

Die Forderung, einem Missstand zu begegnen,

in dem man sich um die Ursachen seiner Entstehung verzweifelt herum baut, ist der falsche Ansatz.  

Ich spreche aus 25 Jahren Erfahrung und weiß, dass echte Vereinbarkeit von Familie & Beruf nur dann zu erreichen ist, wenn sie nachhaltig für alle an ihr Beteiligten vereinbar ist. Dazu würde gehören,

den familienpolitischen Rahmen Resort übergreifend so zu gestalten, dass nicht eine Seite benachteiligt wird, um die andere Seite zu befriedigen, 
den Irrglauben abzulegen, Leistungsträger blieben unserer Leistungsgesellschaft bar jeder Wertschätzung erhalten, 
die Nutznießer von Vereinbarkeit in die Verantwortung zu nehmen, statt sich von ihnen diktieren zu lassen, 
zu erkennen, dass gute Kindheit heute kein nostalgischer Begriff ist, sondern ein Garant für eine gesunde Gesellschaft von morgen.  

Eine gesellschaftlich um sich greifende Unart

ist es, echten Bockmist in schöne Worte zu kleiden. Damit werden maximal jene kurzfristig geblendet, für die das Thema Kinderbetreuung noch nicht, oder nicht mehr aktuell ist. Aber all jene, die sich für gute Betreuung engagieren oder auf selbige angewiesen sind, haben in wenigen Sekunden erkannt, was für eine Mogelpackung ihnen da wieder angedreht werden soll.

Betrachten wir doch mal die „gute Fee“ des Vamv

Selbstlos und trotzdem hochqualifiziert ist sie vom Betreuungshimmel gefallen.

Wer sitzt denn bitte schön den ganzen Tag zu Hause und wartet sehnsüchtig darauf, um 16.00 Uhr los zu ziehen, ein Kind aus der Einrichtung abzuholen, damit die Eltern bis 18.30 arbeiten können. Da fallen mir Schüler ein, sofern sie nicht ganztägig in einer Einrichtung verschollen sind. Studenten sind sicher auch ganz dankbar, wenn sie sich in den Semesterferien etwas dazu verdienen dürfen. Aber eben nur dann. Die Rentnerin ist sicher auch genau so lange zu motivieren, wie der 1 Euro nicht über ihrer sauer verdienten Rente liegt, die daraufhin gekürzt würde. Und sicher wird das Jobcenter in Zeiten von Agenda 2010 die Umschulungsfüße gerne still halten, bis für die arbeitslos gemeldete Betreuungsperson ein Zuschuss zum Lebensunterhalt gezahlt werden muss. 

Damit die „gute Fee“ kein Fluktuationsopfer wird, 

sondern bleiben kann, wo sie so dringend gebraucht wird, fallen mir noch jene Personen ein, die nicht auf Verdienst angewiesen sind, die mietfrei leben, ganz wenig essen. Aha? Oder Menschen, denen langweilig ist? Aha? Wer das sein könnte, bleibt Ihnen und Ihrer Fantasie überlassen, liebe Leserin, lieber Leser. 

Um gute Feen zu finden, greift man gerne auch auf den Berufsstand der qualifizierten Kindertagespflege – Tagesmutter/-vater – zurück. Doch dieser familiär orientierte Berufsstand ist erst recht nicht dazu angetreten, denn sobald eine Tagespflegeperson sich dazu hinreißen lässt, Abholungen aus Einrichtungen anzubieten, hat sie ihre Selbständigkeit und ihr qualifiziertes Angebot mal eben zerschossen. Kein Elternpaar versteht unter Bildung & Förderung ihres Kindes die tägliche Taxifahrt eines anderen Kindes. 

Der schnellen Nummer fehlt immer die Vision. 

Moderne Zeiten eilen schneller dahin, als unsere Politiker bereit und in der Lage wären, Visionen zur Erhaltung familiärer Lebensqualität zu entwickeln. Dabei ist es immer geboten, achtsam auf den wichtigsten Kern unserer Gesellschaft aufzupassen. 

Die Familie!

Wird dieser Kosmos im Kern oder in den gesellschaftlich gewünschten Lebenszusammenhängen empfindlich vernachlässigt, sind wir ganz schnell bei geburtenschwachen Jahrgängen und dem Fachkräftemangel angekommen. 

Da helfen keine schönen Worte wie „Fee“ oder „Kita to go“, die immer suggerieren sollen, dass es eine Klientel von Bedürfnislosen um uns herum gäbe, der wir weder Verdienst noch Sicherheit bieten müssten, dafür aber gerne noch eine saftige Qualifizierung überstülpen könnten, damit der gesetzlich garantierte Bildungsanstrich nicht vor aller Augen zerbröselt.

Die Kleinfamilie von heute 

lebt in furchtbar einsamen und höchst stressigen Zeiten. Beruflich & privat stellt sie sich flexiblen Anforderungen und kreist in einem Mikrokosmos aus Ohnmacht und Überforderung. Sie ringt um persönliche Entlastung einerseits und das Beste für ihr Kind andererseits. 

Die Großfamilie von früher

die natürliche Rollen besetzte, die junge Familien spielend ergänzte, der man blind vertraute, weil sie den familiären Horizont gewinnbringend erweiterte, wird bitter vermisst und gehört der Vergangenheit an. Nur einen Steinwurf weit wartet die wertvollste Betreuungsform "Kindertagespflege", die diese Werte in globalisierten Zeiten neu aufleben lassen könnte...

Buntes Familienleben auf institutionelle Linie gebracht 

Warum frage ich stets und immer wieder stehen Alleinerziehende und Kleinfamilien nur noch der starren Institution gegenüber? Sie ist die fantasieloseste Ursache für Randzeiten und nährt die unhaltbare Vorstellung, wir hätten aufgeräumt in einem KINDERZIMMER, das in Wahrheit so unterschiedlichster Bedingungen bedarf, um bewohnbar zu sein. 

Einrichtungen sind starr, unbeweglich, und weder individuellem Kindeswohl noch der modernen Arbeitswelt gewachsen. 

Was tun wir da unseren kleinen Kindern an, wohl wissend, dass gelingende Kindheit nur "früh" und nur "einmal" eine Chance auf Gelingen hat. 

Wir nehmen unseren Kindern die Grundlage heute -  morgen in einer Leistungsgesellschaft zu bestehen, in die wir sie ungefragt hinein geboren haben. Eine Leistungsgesellschaft, der sie bedingungslos stand zu halten haben. Und das, obwohl wir Erwachsenen selbst an ihr kranken und oftmals die Hälfte unseres Lebens gelebt haben müssen, um uns aus diesen Fängen wieder zu befreien; einen eigenen lebenswerten Entwurf eines nicht zu wiederholenden Lebens zu kreieren.  

Das Mantra der Bildungseinrichtung

für Kinder ist, als ob wir vergleichsweise als Gesellschaft beschließen würden, alle Alten per se und grundsätzlich in Heimen unterzubringen, ungeachtet der Tatsache, dass es viele lebenswerte Formen des Zusammenlebens und Wirkens im Alter geben kann.  

Auch frühkindliches Leben 

und seine Betreuung ist nicht allein dem institutionellen Bildungsgedanken unterzuordnen, sondern hat, wenn sie gut sein soll, und von anderern Händen als der mütterlichen oder väterlichen erbracht werden soll, viele Faktoren unter Beweis zu stellen. Sie muss mehr denn je Bindung und familiäre Zusammenhänge ermöglichen in einer schnelllebigen Zeit, die wir nicht mehr zurückdrehen können. 

Und vor allem muss sie das AUF DEN PUNKT zu einer Zeit leisten, zu der der Grundstein für die seelische Gesundheit für ein ganzes Leben gelegt wird.

Es gibt nur eine Kindheit.

All das ist nur zu schaffen, 

wenn Eltern endlich einfordern, auf eine umfassend geförderte Betreuungslandschaft zugreifen zu können, die all das wirklich hält, was tote Paragraphen versprechen, und woran hilflose Richter sich landauf landab abarbeiten. 

Früher hegte ich die Hoffnung, 

politisch Verantwortliche würden sich irgendwann trauen, den großen Wurf zu machen, wenn sie sähen, dass Kindeswohl und Vereinbarkeit von Familie und Beruf real zusammen gehen. 

Heute bin ich der festen Überzeugung, 

wir dürfen es Politikern nicht mehr überlassen, den Verlauf der frühen Kindheit zu bestimmen!

Sie schätzen den individuellen und gesellschaftlichen Wert von Kindheit nicht, weil sie nur eine Legislaturperiode weit denken können. Und in dieser Zeit zählen Geld und Wählerstimmen. Nicht das Kind. 

Liebe Eltern, wann wenn nicht jetzt, sehen Sie sich am Zug?

Flächendeckend kämpfen Erzieher und Tagesfamilien um Wertschätzung und Erhalt. Dies tun sie, um Ihren Kindern eine gute Kindheit zu ermöglichen. Statt sich dem kranken System zu ergeben, oder einen persönlichen Anspruch einzuklagen, sollten Sie für den Erhalt einer großen Sache - der "guten Kindheit"  - auf die Straße gehen. 

herzliche Grüße

Susanne Rowley

 

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
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