Samstag, 4. Juli 2020

Autor: Susanne Rowley

Wenn pädagogische Fachkräfte reihenweise das Handtuch werfen

haben familienpolitisch Verantwortliche den Vereinbarkeitsgaul zu Tode geritten.


Liebe Wigwam Freunde, 

"Ich will kein Erzieher mehr sein"

schreibt Jonas in diesem Beitrag

Ein berührendes Statement, das ich seit 27 Jahren wiederkehrend wahrnehme; insbesondere jedoch seit der Rechtsanspruch in 2013 auf den Weg gebracht wurde. 

Er hat richtig erkannt, 

dass es in institutionellen Kitas in keinster Weise um Kindeswohl geht. Kita Einrichtungen dienen ausschließlich der freien Wirtschaft in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und um ihre massenhafte Ausweitung zu rechtfertigen, wird Bildung vorgeschoben. 

U3 Kinder brauchen Bindung, ansonsten kann Bildung nicht aufsatteln. 

Was ich an seinem Beitrag überaus schätze, 

ist, dass er nicht den Eltern die Verantwortung gibt, denn auch Eltern sind Opfer des Systems und glauben, schlechte Betreuung sei der Preis für den Wiedereinstieg in einen Beruf, den sie lieben und auch lieben dürfen.

Wo ich ihm allerdings widersprechen möchte,

ist die Einschätzung, dass nur Mutter und Vater einem U 3 Kind Bindung vermitteln können. Entweder Eltern, oder Kita. Das ist schwarz – weiß gedacht, und lässt den Grauton dazwischen vermissen. Es gab einmal eine Großfamilie, die definierte Rollen besetzte, die Vereinbarkeit mitgestaltete, weil sie Eltern spielend ergänzte, der man blind vertraute, weil sie den kindlichen Horizont gewinnbringend erweiterte. Sie wird in globalisierten Zeiten bitter vermisst und gehört der Vergangenheit an.

Was den Familien fehlt ist eine echte Familienerweiterung in wirklich natürlichen, gerne auch pädagogischen Zusammenhängen. 

Nicht die Betreuungsformen Kita und Kindertagespflege sind schlecht, sondern das, was aus ihnen gemacht wird.

Der politische Tenor ist immer der gleiche. 

Auf eine Partei wird Druck ausgeübt, um die andere vermeintlich zufrieden zu stellen. Dass Anreize auf PädagogInnen Seite Eltern und Kinder automatisch beglücken würden, kommt Verantwortlichen nicht in den Sinn, weil es Geld kostet.

Wo ich mich auch umschaue gehen pädagogische Fachkräfte der Betreuungslandschaft reihenweise verloren, weil sie in Institutionen nicht mehr ans Kind bringen können, was ihnen zu Ausbildungszeiten einst am Herzen lag.

Das schlechte Gewissen 

feiert seither auf Seiten der Betreuungssuchenden und -anbietenden gleichermaßen fröhliche Urständ. Im schlimmsten Fall gehen beide Parteien aufeinander los. Und wie auch sonst im Leben freut sich dann ein Dritter (politisch Verantwortliche), der sich keinen Milimeter bewegen muss, weil sich die Basis die Augen auskratzt.

Daher noch ein Wort zur Finanzierung des erziehenden Berufstandes. 

Die Nutznießer von Vereinbarkeit sind die Sozialkassen, der Bund sowie die Unternehmen. Keiner sitzt wirklich im Boot. Der schwarze Finanzierungspeter ist bei den Kommunen geblieben. 

Ich betone das immer und immer wieder, 

um zu verdeutlichen, dass ein Warten auf eine Besserung "von oben" keinen Sinn macht, denn der politische Wille fehlt. Die Veränderung MUSS von "unten" gelebt werden.

#Corona hat den Scheinwerfer überall dahin geworfen, wo Masse die Klasse ersetzte. Und das ist an dieser Stelle der frühkindlichen Frage gut so.

Wir fangen pädagogische Fachkräfte weiterhin dann auf, wenn sich die Tür zur institutionellen Kinderbetreuung hinter ihnen definitiv und unmissverständlich geschlossen hat.

Es grüßt zu später Stunde 

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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