Dienstag, 14. Februar 2017

Autor: Susanne Rowley

Wenn Machtlose gegen Machtlose mithilfe Machtloser vorgehen

ist eine Lösung fern. Hallo Hamburg!

Meine Beiträge sollen zum Diskutieren anregen. Darum freue ich mich, wenn meine Themen aufgegriffen werden. Ich erkenne, dass im unten stehenden Blogbeitrag aus Hamburg (bitte klicken Sie auf das Foto) Teile meines vorhergehenden Blogbeitrages: 

"Kein Platz an der Sonne für Kindertagespflege" ins Feld geführt wurden.

Hallo Hamburg

Leider wurde ich in Teilen missverstanden bzw. ein Teil meiner Argumentationskette wurde aus dem Kontext genommen, so dass mein Anliegen verändert daher kommt.

Darum ein Kommentar von meiner Seite.

Vorab: Die Beschreibung im Hamburger Beitrag „Die Crux mit den Klagen“ unterschreibe ich sofort. Ich würde sogar noch einen drauf setzen und sagen, dass hier machtlose TPPs gegen machtlose Kommunen mithilfe noch machtloserer Richter vorgehen, und das alles im Namen von Eltern und Kindern, die keinen Nutzen davon haben und ihrerseits einsame Elternbeitragsschlachten fechten. Und allein diese Tatsache zeigt auf, wie weit das Chaos schon gediehen ist. Denn je länger diese Schlachten andauern, umso blasser wird das Ziel, wofür einst angetreten wurde, denn ich sehe nicht, wo auch nur ein Richterspruch in diesem Lande zu mehr Qualität für ein Kind durch ein besseres Betreuungsklima für die Betreuenden geführt haben soll.

Was ich sehe ist, dass jede Schlacht die Hauptverursacher des Finanzstreits aus der Verantwortung rückt.

Aber nun zum Missverständnis:

Hallo Hamburg! Eingehen möchte ich auf diesen Passus Ihres Kommentares:

Ihr Zitat

>> Erst vor wenigen Tagen las ich mal wieder einen Beitrag, in dem es sich genau um dieses Problem drehte. Wir wollen selbstständig sein, beharren darauf, stellen aber die Systematik der Vergütung nicht in Frage. (…) Theorie war in dem Artikel, dass sich das Belegsystem ändern müsse. Nur wenn endlich eine freie Belegwahl wäre, könnten die Kommunen das “Bestellerprinzip“ über Bord werfen. <<

Mein Kommentar:

Es ist richtig, dass ich fordere, endlich die Systematik der Vergütung infrage zu stellen. Und ich fordere das von Grund auf! Und von Grund auf heißt nicht nur in der Höhe, sondern die Überprüfung des Anreizsystems. Die Systematik ist geprägt von Widersprüchen in sich „Fisch & Fleisch“, die bei Klagen nichts Anderes erbringen können, als neue Widersprüche. Es macht also keinen Sinn, sich über Gerichtsurteile aufzuregen, wenn der Handlungsspielraum von Richtern auf jenen Widersprüchen basiert. Die Ursache (für Aachen) ist der Verriss in der KTP zwischen Selbständigkeit bei gleichzeitiger Abhängigkeit. Warum führte ich ein Belegsystem ins Feld? Um einmal darzulegen, wie sich die Aufhebung des Verrisses hin zu einer Seite – der vollständigen Abhängigkeit - (die ich ablehne!) folgerichtig darstellen ließe. Und das wäre ein Zuzahlungsverbot gepaart mit der Übernahme der Restverantwortung durch die Kommune in Form eines Belegsystems. Nur dann wäre der Verdacht ausgeräumt, mithilfe der kostenlos leerlaufen könnenden TPP's (Aachen / Spitzabrechnung) die kostenträchtigere Kita zu füllen.

Alles andere bedeutet weiterhin einen Arm der Tagesmutter abzuschneiden, um sie im Nachgang aufzufordern, sich ihr Brot dennoch selbst zu schmieren!

Ihr Zitat:

>> Es hieß in dem Artikel, die Kommunen hätten gar kein Interesse daran, uns gut zu bezahlen, schließlich hätten die Kommunen schon die hohen Kosten der Kitas zu tragen. Kitas, deren Plätze durch die Kommunen vergeben werden. Natürlich würde man dann zuerst die städtischen Kitas füllen wollen. Weit danach kommen erst wir. (...) Nun, da muss ich leider widersprechen. In Hamburg gibt es seit über 10 Jahren keine zentrale Vergabe der Plätze mehr. Es wurde ein Gutscheinsystem entwickelt. Die Eltern haben einen Gutschein in Höhe ihres Bedarfs und können sich eine Einrichtung ihrer Wahl suchen. Es spielt keine Rolle, welcher Träger dahinter steckt oder ob es sich um einen Platz in der Kindertagespflege handelt. Beides wird gefördert. (…) Nun könnte man meinen, dass wir hier nun unsere Preise selber bestimmen können. (…) Nun, da muss ich Euch enttäuschen. Weder die Kitas noch wir können unsere Gelder frei bestimmen. Wir müssen uns an die vorgegebene Sätze halten (...) Krippenplatz Hamburg 8 Stunden tgl.: 1.130 Euro, Kindertagespflege Hamburg 8 Stunden tgl. 532 Euro. <<

Mein Kommentar:

Die Kommunen haben nicht nur kein Interesse an der KTP, sie können auch keins haben, weil sie dauer-klamm sind, und der Bund die Institution propagiert. Ich sehe nicht, an welcher Stelle das in Hamburg übliche „Gutscheinsystem“ meiner Argumentationskette „die Kommunen haben kein Interesse an der Kindertagespflege“ zuwiderlaufen soll. Das Gutscheinsystem ist nur ein gut sichbares Merkmal für elterliche Wahlfreiheit. Mehr nicht. Dass Eltern frei wählen können, ändert nichts daran, dass die Kommune jedesmal spart, wenn Eltern die KTP wählen. Der Unterschied zwischen Hamburg und Aachen ist lediglich, dass in Hamburg nur das Steuerungselement ZZ-Verbot zum Sparen herangezogen wird, und in Aachen ein weiteres Element hinzugenommen wurde. Hier macht man sich nun das „Dilemma“ Selbständigkeit versus Abhängigkeit zusätzlich zunutze, indem man dafür sorgt, dass man beim Leerlaufen der TPPs fein aus der Nummer raus ist. Und wie man flux für’s Leerlaufen einer TPP trotz Wahlfreiheit sorgen kann, wissen wir aus der Praxis. Es genügt Eltern eine unterschwellige Drohung zu servieren in Form von: „Wenn Sie den Kitaplatz jetzt nicht nehmen, können wir Ihnen leider nicht zusichern, ob sie später einen Kigaplatz usw…“

Nochmal

Auch ich bin der Ansicht, dass für Eltern eine Betreuung leistbar sein muss. Und das Kind hat Anspruch auf Qualität. Wir unterscheiden uns aber mächtig in der Vorstellung, wie der Weg dahin sein könnte. Die ZZ-Verbots-Befürworter möchten das Gelingen auf ihre Kappe nehmen und vertrauen darauf, dass auch dann Qualität geboten wird.

Ich hingegen halte jene, von denen Qualität abgefordert wird, nicht für den richtigen Adressaten Finanzierungsprobleme zwischen Bund / Land / Kommunen / Sozialkassen / und Unternehmen auszubaden, sondern ich will die Nutznießer in der vollen Verantwortung sehen, weil deren Kassen dauernd klingeln!

Man muss sich doch nur mal die Mühe machen,

und sich die bunten „Blüten“ in den Satzungen anschauen, die jeder weitere Richterspruch treibt. Klamm gehaltene Kommunen werden um jeden Preis versuchen, den Druck nach unten weiter zu leiten. Die traurige Konsequenz ist nur leider, dass das letzte Glied der Kette, die KTP dann gezwungen ist, aus der "Form" zu laufen, um irgendwie noch den Kopf über Wasser zu halten.

Die letzte Bindungsbastion für unsere Allerkleinsten wird zermahlen!

Die Zeit ist nicht nur überreif, sondern nie war der Boden besser bereitet dafür als heute, dass Eltern und Betreuende gemeinsam an einem Strang ziehen und mit dem Finger dahin zeigen, wo die miese Suppe gekocht wird!

Hört doch endlich auf, denen nach dem Mund zu reden, die Euch täglich die Hosen runterziehen, sondern packt die am Geldsack, die was von Euch wollen.

Stellt doch mal die richtigen Fragen:

Nicht, was ist Kindertagespflege wert, sondern was ist Deutschland die Bildung und Bindung, sprich die Gesundheit des Kindes wert.

Was ist die Vereinbarkeit von Familie & Beruf wert, und was ist uns das Abwenden des Fachkräftemangels in Zeiten des demographischen Wandels wert!

Dann habt Ihr automatisch Eure Antwort, was Kindertagespflege tatsächlich wert ist!

In diesem Sinne

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

Anerkannte Bildungseinrichtung

Phone: 06708 – 660636
E-Mail: info_at_wigwam.de

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