Monday, 23. March 2015

Autor: Susanne Rowley

Wenn der Qualitätsgarant keiner mehr ist und der Bindungsgarant keiner sein darf

Interesse an überfüllten Kitas - aber kein Interesse an der Kindertagespflege

Diese Logik soll mir bitte jemand näher erklären.

Westerwald.

Wo Vielfalt sich dem System anpasst, & zeitgleich Kindertagespflege verschmäht wird,

wird Kindeswohlgefährdung klar in Kauf genommen!

Wir kennen sie ja nun alle zur Genüge, jene Zeitungsartikel, in denen Kindertagespflege wie ein notwendiges Grundübel daher kommt und Kitas der Bildung & Förderung einziger Schluss sind.

Wir kennen auch jene Zeitungsartikel mittlerweile, in denen zu lesen steht, dass es in Sachen Betreuungsschlüssel mancher Kitas nicht überall zum Besten bestellt ist. Und das obwohl das Gegenteil der Fall sein müsste, weil die zu betreuenden Kinder immer jünger und damit bedürftiger werden.

Ein normal denkender Mensch,

der sich noch einen Rest-Funken für das Wohl eines Kindes interessiert, und der von solchen Zuständen in Einrichtungen, an denen schon das Personal verzweifeln möchte, Kenntnis erhält, könnte vielleicht

auf die rettende Idee kommen,

dass Kinder von 0 bis 1 oder bis 2 Jahren in der Kindertagespflege besser aufgehoben wären.

Was jedoch in diesem Artikel aus dem Westerwälder Kreis kumuliert zu beiden Betreuungsformen zu lesen steht, müsste betroffenen Eltern den letzten Vogel raushauen; mein Vogel jedenfalls ist beim Lesen dieses Artikels heute ausgeflogen.

www.rhein-zeitung.de/region/lokales/westerwald_artikel,-Krippen-Betreuung-der-Juengsten-bereitet-Probleme-_arid,1288275.html

(Klicken Sie auf den Artikel und er vergrößert sich)

Man lasse sich diesen Bericht einer Westerwälder Zeitung mal ganz langsam auf der Zunge zergehen.

Wir lesen, in den Westerwälder Kindertagesstätten stehe es nicht zum Besten. Fachberaterinnen der freien Träger sowie Kita-Leiterinnen beklagen vor dem Jugendhilfeausschuss eine vernünftige Betreuung sei unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich.

Da bekommt man Lust, die gegebenen Umstände den wünschenswerten gegenüber zu stellen.

Zitat:

>>  normalerweise sollen sich in den Krippen zwei Fachkräfte um 8 bis 10 Kinder von 0 bis 3 Jahren kümmern. Darunter sollten höchtens die Hälfte der Kinder ganz klein sein.

Bei der kleinen Altersmischung betreuen 1,75 Fachkräfte maximal 15 Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren. Hier sollten höchsten die Hälfte der Kleinen von 0 bis 3 Jahren alt sein. <<

Das ist der Optimalzustand?

Ich versuche mir gerade real vorzustellen, wie

1,75 Fachkraft 7,5 Kinder auf dem vorgesehenen Niveau bildet & fördert & dokumentiert und weitere 7,5 Kinder wickelt & füttert & tröstet zeitgleich. 

Niemand - wirklich niemand kann mir erzählen,

dass das zu schaffen ist, ohne eine Vernachlässigung der bindungsbedürftigen Kinder in Kauf zu nehmen.

Ich überlege gerade, ob ich jetzt noch den Ist-Zustand lesen soll?

Zitat:

>> In der Realität schaue es so aus, (..) dass Nestgruppen von bis zu 18 Kindern im Alter von 1 bis 3 Jahren gebildet werden, die eigentlich leichter zu handhaben seien. Hier kämen allerdings 2 Fachkräfte durch Wickeln, Füttern und viele andere, oft gleichzeitig zu bewältigende Aufgaben, schnell an ihre Grenzen. <<

Auf die Frage,

wo das benötigte Personal denn herkomme, antwortet eine Kitaleiterin, es würde aus anderen Gruppen abgezogen. Und weiter heißt es:

Zitat:

>> Zudem erforderten die kleineren Kinder einen viel höheren Zeitaufwand des Personals zum Aufbau verlässlicher und stabilerer Beziehungen (..) denn ein 1-jähriges Kind kann ja den Eltern nicht selbst berichten, was denn in der Kita alles passiert ist <<

Und Inklusion haben die auch noch auf dem Schirm?

Echt mutig muss man sagen,

bei der Berichterstattung solcher Zustände auch noch das Zusatzwort "Inklusion" in den Mund zu nehmen. Eine Betreuung, in der Kinder „ganz mit ihren Eigenarten angenommen würden“.

Von der Umsetzung sei man noch weit entfernt. Und von der echten Inklusion sowieso, da sich dann das

"System der Vielfalt anpasse".

Ich entschuldige mich an dieser Stelle, dass ich jenes nicht weiter kommentieren kann, da ich nur "Vielfalt kenne, die sich dem System anpassen" muss.

Richtig bitter ist mir vor diesem Hintergrund

dann die grandiose "Randnotiz" zur Kindertagespflege aufgestoßen,

die speziell im Gesamtzusammenhang des Artikels deutlich aufzeigt, WO das System mittlerweile völlig erblindet ist.

Den Retter Kindertagespflege für Kleinstkinder direkt vor der Nase, schafft man es noch, das negative Bild dieser Betreuungsform zu beleben und rundet auf merkwürdigste Weise den Artikel ab: 

>> Das Interesse an Tagesmüttern sei mit 35 Interessenten nicht sehr groß. Zudem erhalte eine Tagesmutter, die keiner besonderen Qualifikation bedürfe, bis zu 2.600 € pro Monat. <<

Und weiter setzt der ahnunglose Schreiber des Artikels dergestalt noch einen drauf:

Die Vergütungssätze müssten in Relation zur Entlohnung der ausgebildeten Erzieherinnen stehen.

Da steckt der Hohn wahrlich im Detail, 

und man möchte dem Journalisten dringend zur Recherche raten, bevor er einen Stift zur Hand nimmt!

Zum einen suggeriert er dem fachlich nicht näher informierten Leser, Tagesmütter & Väter würden gleichen Lohn für andere Tätigkeiten einfordern. Zum anderen scheint er von der realen Vergütung der Kindertagespflege in jenen Stadt- und Landkreisen noch nichts gehört zu haben.

Weiterhin bedarf es angesichts des gesamten Artikels offensichtlich einer völligen

Neudefinition von "Qualität",

denn diese scheint ja bei Überfüllung mehr gegeben zu sein, als bei einer sehr wohl qualifizierten Tagesmutter, die ggf. noch mit einer 5-jährigen Erzieherausbildung im Vorfeld aus jenen Einrichtungen im Nachgang geflohen ist.

Ich stelle auch fest,

dass es niemanden wirklich zu schockieren scheint, dass diese Zustände, und damit das Leid der Allerkleinsten, langatmigen Verwaltungsabläufen unterworfen bleiben wird, denn so schnell wird zusätzliches Personal nicht aus dem Hut zu zaubern sein.

Wir sitzen also die aktuell entstehenden Bindungsschäden, und damit elementare frühkindliche Erfahrungen, die nicht so ohne weiteres zu reparieren sein werden, einfach so aus?

Aber alles noch besser, als bei einer Tagesmutter zu landen.

Uff - gerade nochmal gut gegangen..

Ich biete ab sofort "qualifizierte Nachhilfe" für ahnungslose Journalisten!

Weitersagen!

Susanne Rowley - erbost.

Wigwam 1994
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