Wigwam Blog

Mittwoch, 24. Juni 2015

Autor: Susanne Rowley

Vorhang auf für das Affentheater Kindertagespflege auf der Kita-Bühne

oder: (K)ein Plan ist der Plan

Zugegeben, meine für heute gewählten Überschriften sind ziemlich provokativ. Denn so stimmt das ja nicht; unsere Politiker haben schon einen Plan - nur eben nicht den, der uns zuweilen vorgeführt wird.

Wer wie ich unter den Irrungen und Wirrungen familienpolitischer Entscheidungen in Sachen Kindertagespflege in den letzten Jahren gelitten hat, sich also wunderte, warum der Wind mal so und mal so, und dann wieder nach hier und nach da geblasen hat, dem möchte ich heute Mut machen, sich nicht weiter in diesem uns vorgegaukelten Affentheater, diesem "klein klein" von Nebenkriegsschauplätzen zu verlieren, sondern eine Draufsicht zu wagen.

Und das habe ich heute mal für Sie getan.

Der von mir weiter unten beispielhaft in den Mittelpunkt gestellte Artikel soll Ihnen das erleichtern.

(Zum Inhalt komme ich später) Er ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber deswegen nicht weniger aktuell. Er ist in den sozialen Netzwerken zwar vielfach zur Kenntnis genommen worden, aber inhaltlich als "kleiner Aufreger" so durchgeflutscht, obwohl er richtungsweisende Informationen enthält. Informationen, die nicht nur auf eine Neuauflage eines sich permanent wiederholenden verwirrenden Umgangs mit der Kindertagespflege hinweisen, sondern klar dokumentieren, wo es wirklich hingehen soll mit der Kinderbetreuung.

Ein wichtiger Mensch in meinem Leben hat mir mal geflüstert: Susanne

- an der Warum-Frage kannst Du locker zerbröseln,

wenn das Ziel, für das Du Dich einsetzt, keines sein darf, und wenn Du merkst, dass Du Deine Kräfte an Fronten verschwendest, wo keiner mehr kämpft außer Dir, dann solltest Du aufgeben.

Nein, ich habe noch nicht fertig, 

aber wechseln werde ich an die Front, wo der Betreuungsbär wirklich tanzt:

Die Institutionalisierung der gesamten Kindheit - da geht's hin.

Und bis das erreicht ist, ist alles, was mit der Kindertagesflege in der Zwischenzeit veranstaltet wird,

reines Affentheater! 

Was ich von diesem "großen Plan" halte, habe ich in vielen meiner Blogbeiträge bereits beleuchtet und belasse es an dieser Stelle bei einer Frage an alle meine Leserinnen und Leser - aber vor allem an die Eltern:

Wollen Sie das?

Bevor Sie die Frage mir, anderen oder für sich selbst beantworten, bitte ich Sie, die Sache samt breitgestreuter Konsequenzen bis zu Ende durchzudenken!

Untermalt wird die Plan-These heute aktuell von diesem Artikel "Die Kita wird zur neuen Schule der Nation"  http://www.welt.de/politik/deutschland/article142970245/Die-Kita-wird-zur-neuen-Schule-der-Nation.html

Zitat:

>>  Der Kita-Boom wird das Aufwachsen so gründlich verändern wie einst die Einführung der allgemeinen Schulpflicht", prognostizierte der Erziehungswissenschaftler Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Die Kita hat von der Schule die Rolle der ersten öffentlichen Bildungsinstitution übernommen. (..) Dass daraus für die Kitas eine neue Verantwortung erwächst, ist völlig klar. Aus der kleinen, aber feinen Zeitinsel im familiären Zeitmeer ist aus der Kita eine Ganztagsveranstaltung für alle Kinder mit erheblicher gesellschaftlicher Relevanz geworden. (..) Die Institutionalisierung der Kindheit und die Ausgestaltung der Kita als Bildungsort werde den Stellenwert der Kitas in der Gesellschaft auch in Zukunft weiter verändern, so Rauschenbach.  <<

Dass dieses Zitat von Rauschenbach aktuell im Zusammenhang mit dem Kitastreik gefallen ist, ändert nichts am Kern der Aussage!

Zum großen Plan passt von daher auch die Meldung, dass der Bund den Ländern ab 2016 mit neuen Programmen unter die Arme greifen will. Eines davon betrifft den Ausbau der Randzeitenbetreuung in den Kitas.  >>   Zudem will der Bund den Ländern ab dem 1. Januar 2016 mit 100 Mio € für zwei neue Programme unter die Arme greifen; eines davon betrifft gezielt den Ausbau der Randstundenbetreuung in den Einrichtungen. Die 24-Stunden-Kita lässt grüßen. <<

Tja, und wenn der Bund so tönt, darf davon ausgegangen werden, dass die Länder längst mitsummen.

Und so gesehen, ist es eben kein Wunder, dass wir in kurzen Zeitabständen mit sinnfrei erscheinenden Neuregelungen in der Kindertagespflege konfrontiert werden.

Denn fest steht:

Die Betreuungsarmee "Kindertagespflege" auf Zeit

wird so lange hin- und hergeschubst, bis die Institutionalisierung der gesamten Kindheit flächendeckend erreicht ist. Dann kann der KTP-Mohr erst gehen.

Von daher sehe ich zukünftig wenig Sinn, an die Kindertagespflegepersonen zu appellieren, denn die Fragen, die wir uns jetzt stellen sollten, sind wahrlich übergeordneterer Natur. Während sich Tagesmütter & -väter in den einzelnen Foren noch an diversen Satzungsänderungen festbeißen, fährt der Bundes-Zug ungehindert in entgegengesetzter Richtung!

Drei Beispiele seien mir hierzu erlaubt:

Beispiel Nr. 1

http://www.ksta.de/koeln/kita-plaetze-verzweifelte-suche-nach-einem-betreuungsplatz-in-koeln,15187530,30909198,item,0.html

Die Stadt Köln rang vergeblich um ein flächendeckendes Kinderbetreuungsangebot für suchende Eltern. Kita-Plätze blieben rar - die Stunde der Kindertagespflege schien gekommen. Der Plan: Die Kindertagespflege attraktiver zu machen. Das passte zu den Qualitätsanstrengungen, die für den Berufsstand eingeführt wurden.

Und nun lesen wir: >> Die Stadt will ihre Schwerpunkte ändern. In den vergangenen Jahren war es das Ziel, die Kindertagespflege attraktiver zu machen. Nun nimmt die Stadt endgültig Abschied von der Vision (..) Ziel ist es: dass sich die Tagespflege stärker an das Kindertagesstätten-Angebot anbindet und an dessen Öffnungszeiten orientiert. <<

Bislang fragte ich mich kopfschüttelnd: WAS haben die da gemacht?? Es ist ja kein Geheimnis, dass eine höherwertige Ausbildung allein nicht zum Erfolg führen kann. Man muss jenen, die da angelockt wurden, auch berufliches Fortkommen bieten. Und DAS hat sich die Stadt Köln unfassbarerweise jetzt SO vorgestellt, dass hochmotivierte Kindertagespflegepersonen zum Taxifahrer mutieren.

Noch Fragen Kienzle? Nein Hauser!

Raus aus die Kartoffeln - rein in die Kartoffeln - und dann wieder raus aus die Kartoffeln.

Vom qualifizierten Personal in der KTP wird ein williges Randzeiten-Fußvolk zurück bleiben; all jene, die der Kindertagespflege den qualitativen Anstrich gaben, sind raus!

Der Kreis schließt sich. Zurück auf Los liebe Tagesmütter & -väter

Von der damit einst verabschiedeten Gleichstellung können wir uns doch längst verabschieden, und von den zum Clo hinunter gespülten Investititionen muss ich auch nicht mehr anfangen, denn das wird ja billigend in Kauf genommen. Der Kreis schließt sich auch deshalb, weil KTP den Beweis, dass sie "nichts taugt" durch jene stets selbst erbringen wird, die bei der nächsten Irrfahrt im KTP-Billig-Karrussel bereitwillig sitzen bleiben. Politisch Verantwortliche müssen sich also gar nicht anstrengen, den Berufsstand unbedeutend zu halten - dafür sorgen die Akteure schon selbst.

Beispiel Nr. 2

Es gibt schon ein neues Versuchskaninchen:

Die Großtagespflege!

Parallel wird nun die Großtagespflege zum neuen Versuchskaninchen. Ist ja auch verführerisch die "Kita in Billigversion" aufzuziehen, bzw. von der anderen Seite beleuchtet, der Kindertagespflege ihren familienorientierten letzten Zahn zu ziehen. Aber auch diese Betreuungform lassen sie schon jetzt im Stich, weil alle alleine wurschteln: Banken geben vereinzelten Kleinunternehmern in der KTP keine Kredite, wenn Erfolg keinen vorzeigbaren Rückhalt bekommt.

Aber auch das wundert nicht mehr, denn es soll ja gar nicht gelingen. 

All' das muntere Treiben werden wir nur so lange beobachten, bis Institution Familie vollständig übernommen hat.

Beispiel Nr. 3

Dieser Tage wurde mir mitgeteilt, dass eine große Kommune in NRW sich anschickt, den Eltern das Leben ab August d. J. ein bisschen schwerer zu machen. Die Randzeitenbetreuung wird nur noch dann finanziert, wenn es mehr als 15 Wochenstunden sind. Die schlauen Köpfe, die sich das aus dem Kleinhirn gesaugt haben, argumentieren damit, dass analog eine Pflegeerlaubnis für eine Tagesmutter/-vater ja auch erst ab 15 Wochenstunden beantragt werden müsse. Dass real ggf. ein Betreuungsbedarf von 45 Wochenstunden auf Elternseite dahinter steht, der mit einem 35 Wochenstundenplatz nicht erfüllt werden kann, spielt keine Rolle mehr. 

Tja liebe Eltern, da in dieser Kommune der Elternbeitrag ohnehin schon schmerzhaft grenzwertig ist, dürfen Sie jetzt nochmal in die Tasche greifen. Sofern sie vom Fußvolk der KTP bis dahin noch jemanden Willigen auftreiben können.

Was tun sprach Zeus

Jetzt hat sie wieder so viel geschrieben die "Wigwam-Tante", was will sie uns denn jetzt wieder sagen:

Die Antwort überlasse ich Ihnen.

Meine Oma hat mir das Schuhebinden vor dem Ofen beigebracht. Zukünftige Generationen werden ohne Oma und ohne Schuhbändel auf den Bühnen von perfekten Bildungseinrichtungen auch überleben, aber es wird wesentlich kälter werden.

Ich hätte mir eine ehrlich geteilte Betreuungslandschaft gewünscht, in der ganz vielen Bedürfnissen von Eltern und Kindern Rechnung getragen wird -

Bevor ich schließe, überlasse ich Ihnen das wunderschöne Gedicht "Die Teilung der Erde" von Schiller zu einer thematisch zwar nur angelehnten aber dennoch zu Ihrer ganz freien Interpretation. 

http://www.ub.uni-heidelberg.de/wir/geschichte/schiller.html

Ihre Susanne Rowley

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