Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Donnerstag, 15. August 2013

Autor: Susanne Rowley

Vom Vereinbarkeitswald, den wir vor lauter Bäumen nicht mehr sehen

Wie sagen fröhliche Deutschen so gerne, wenn Sie sich verlaufen haben?

Den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen?

Über die eigenen Füße fallen, obwohl man deren Ausmaße doch kannte?

Jene welche, die's mit der Psychologie so gerne haben, würden fragen: Wann warst Du das letzte beim Supervisor und hast Du Deine Beziehungsdynamik mal prüfen lassen?

Der Coach braucht einen Coach! Warum auch nicht – wenn’s hilft

Liebe Wigwam-Freunde, ich möchte Euch heute eine kleine Anekdtote erzählen, nicht unbedingt aufregend, aber durchaus wirkungsvoll in der Endkonsequenz. Ich erzähle diese, gekleidet in Bildern, damit auch die Nicht-Insider des

Themas „Vereinbarkeit von Familie und Beruf

es verstehen können; und weil diese Bilder auch geeignet sind, sie auf andere Lebensbereiche oder ähnlich gelagerte Situationen zu übertragen, mag jeder mit dieser kleinen Geschichte machen, was er gerne möchte.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Arzt sei vielen Jahren.

Sie lieben Ihren Beruf über alles, ihr oberstes Anliegen, ist Heilen –

Sie haben große Heilerfolge zu verzeichnen, gute Erfahrungen mit neuen Behandlungsmethoden gemacht, die Sie gerne weitertragen möchten; Sie verstehen also Ihr Handwerk. Und - es ist Ihnen auch zuinnerst bewusst, dass Sie nichts anderes tun möchten als das, selbst dann nicht, wenn ein Pharmakonzern Sie lockte mit einem Sack voll Geld, geboten für eine stupide, sinnentleerte Tätigkeit, und diesen bei Nacht und Nebel durch ihr Fenster werfen würde. Sie wissen genau, der Sack wäre voll, Ihr Kampf für die Sache zu Ende, aber Ihre Freude am Beruf dahin.

Stellen Sie sich also wirklich vor, Sie wären Arzt (Coach),

Sie kennen die zu heilende Krankheit (Vereinbarkeit von Familie und Beruf), und Sie ziehen aus, die frohe Kunde in die Welt zu tragen. Sie treffen viele Patienten (Eltern), bieten Ihre Heilmethoden an und freuen sich über jeden, der sie schlussendlich annimmt und daran gesundet. Die anderen lassen Sie ziehen. Aufgrund dieser Erfolge haben Sie sich einen Leumund geschaffen; Sie erhalten zunehmen größere Aufgaben, um fortan vielen Patienten zu helfen. Sie freuen sich und gehen davon aus, was im Kleinen funktioniert, wird auch im Großen auf keine Hindernisse treffen. Ihre Anstrengung der Überzeugungsarbeit wächst zwar mit der Aufgabenstellung, aber Sie sind nach wie vor sicher, erfahren erst einmal neue Menschen von Ihren Heilerfolgen und –methoden, könnte Ihr Erfolg ein flächendeckender sein.

Aber da kommt Ihnen die Krankenkasse dazwischen (Gesetzgeber),

die Auflagen ersinnt, wie jene Erkrankung konkret zu heilen sei. Dies hat Sie sich auf auf alle Fahnen geschrieben, ohne je von einem Medizinstudium gehört, noch eines absolviert zu haben, und schon gar nicht hat sie je einen Patienten gesehen, noch über seine Symptomatik gesprochen. Die Fahnen sind beschrieben, und die Auflagen zur Heilung sprießen, und werden auf alle Zweigstellen übertragen. Dies tut sie über viele Jahre hinweg, obwohl deren Medikation nachweislich keinen bleibenden Heilungserfolg erbringt. Im Gegenteil - es entstehen immer kuriosere Nebenwirkungen, die schon bald die Ursprungserkrankung zu vernebeln imstande sind, was wiederum dazu führt, dass Untergruppen der eigentlichen Erkrankung als neuartige Erkrankungen aus der Taufe gehoben werden, welche ihrerseits nun mit weiteren, ganz anderen Mitteln bekämpft werden müssen.

Da Sie es als Arzt bislang immer noch geschafft haben, Ihre Patienten und deren Leid nicht aus den Augen zu verlieren, suchen Sie nach Hilfe – nicht bei der Krankenkasse – denn da ist kein Schnitt zu machen. Sie suchen und finden den Arbeitgeber Ihrer Patienten. Dieser ist in heller Aufregung wegen der Erkrankung an sich und den Einbußen, die er durch arbeitsunfähige Patienten permanent erleidet. Sie wähnen ihn per se auf Ihrer Seite, packen Ihre Arzttasche aus und zeigen, was da so drin ist, denn Sie wissen, Ihre Heilungserfolge können auch seine werden. Sie stellen aber leider fest, die Krankheit an sich interessiert den Arbeitgeber wenig. Er hat keinen Blick für Heilungswege; er hat einzig erkannt, die Patienten kehren nicht zum Arbeitsplatz zurück, wie es die Krankenkasse versprochen hat. Er hat nur ein Ziel, er möchte gesunde, leistungsfähige, wiederhergestellte Patienten auf dem Arbeitsplatz sehen und das ziemlich zackig. Weil er der Krankenkasse schon lange nicht mehr traut, holt er nun Sie, den erfahrenen Arzt, der seine Patienten sofort gesunden lassen soll.

Er hat von Ihren Erfolgen zwar gehört, aber Ihre Heilmethoden interessieren ihn nicht, und so stellt er eigene Regeln auf, die Ihren Handlungsspielraum als Arzt begrenzen. Maßgabe ist: Die Behandlung muss billig sein, der Erfolg bleibend, Rückfälle ausgeschlossen; keine Rückkehr angeschlagener Patienten, und von Krankengeschichten möchte er in jedem Fall verschont bleiben.

Sie sind immer noch Arzt. Sie möchten heilen,

gehen in Ihr Behandlungszimmer, um die Patienten zu empfangen, aber sie finden keine Mittel vor – weder zur Diagnosestellung noch zum Hand alegen. Ihnen fehlt Gesprächszeit, Sie haben keinen Kernspin, das Röntgengerät wird in Aussicht gestellt, aber nie geliefert. Auch das Begutachten der Gesamterkrankung ist nicht gerne gesehen, denn der Arbeitgeber hat eine Vorab-Diagnostik eingeführt.

Sie bekommen als Arzt einen Behandlungsplan auf dem steht: Es sind die Augen – bitte sparen Sie sich die Mühe, auch noch in die Ohren zu schauen. Sie sind Arzt und das diagnostizieren liegt Ihnen im Blut; Sie erkennen, dass es weder die Augen noch die Ohren sind, sondern eine chronische Erkrankung vorliegt.

Die Primärerkrankung zu finden, ist aber unerwünscht, und Sie sind gehalten, sich auf die Symptomlinderung zu beschränken – bei weiterhin gefordertem Gesamtheilungserfolg (den man von Ihnen ja schon gewöhnt ist) Was tun Sie nun als Arzt aus Freude – nicht aus Leidenschaft, die Leiden schafft? Werden Sie Ihre Patienten im Stich lassen? Werden Sie sich den gegebenen Umständen anpassen? Werden Sie eine Operation durchführen, wo eine Massage geholfen hätte? Werden Sie die Behandlung einstellen und sich neuen Patienten zuwenden? Besorgen Sie sich die Mittel auf privatem Wege? Kaufen Sie das Röntgengerät aus eigener Tasche? Laufen Sie zur Krankenkasse, oder reden Sie auf Ihre Patienten ein? Oder wenden Sie sich ab und geben auf? Nach vielen Jahren war ich also mit meinem Medizinerlatein am Ende.

Doch die Geschichte geht weiter: Noch ehe, Sie als Arzt eine Lösung Ihres Dilemmas zu entwickeln im Stande waren, werden Sie abermals zum Rapport zitiert: Die Heilungserfolge sind zu beschleunigen, die Patientenzahl wird massiv ausgeweitet, und der Arbeitgeber kündigt Ihnen ein weiteres Diktat neuer Regeln an, die den Gesundungsprozess auf seine Art beeinflussen sollen.

Ich wiederhole, Sie sind Arzt - und Sie wissen,

dass es nun an die Beschränkung des Verbandzeugs rangeht, die Wahl der Medikamente weiter eingeschränkt wird, und Sie hören den unwerfenden Vorchlag, dass sie aus Kostengründen nun auch bald ohne Hände das Geistheilen versuchen sollen.

Ihnen wird auch mitgeteilt, dass neue Patienten, die sich derzeit noch pumperlgesund ihres Lebens erfreuen, Angst haben, ebenfalls bald zu erkranken, und sich bei der Krankenkasse vorab schon erkundigt haben, ob es nicht Impfungen gäbe, die immun machen. Jene Impfungen könnten helfen - garantiert sei deren Wirkung aber nicht in jeden Fall. Davon haben Sie als Arzt zwar auch schon gehört, aber bislang bekamen Sie immer ein Placebo geliefert. Der Impfstoff wird sicherheitshalber über Ihren Kopf hinweg bestellt - hilft er nicht, sind Sie ja da - für mögliche Impfschäden lässt sich auch was finden. Die Wünsche der potentiellen Neu-Patienten, werden Ihnen auf jeden Fall schon mal vorgetragen: Sie haben alle noch keine Erkrankung – wie alle anderen Patienten zuvor, aber sie sind mündig, haben sich erkundigt und fordern die Form einer bestimmten Behandlung im Fall der Fälle ein: Sie wünschen: Aspirin – sonst nichts! – ohne Nebenwirkungen – keine Folgebehandlung – keine Eigenbeteiligung – und schon gar keine Rückfälle. – hierzu wünschen Sie einen Hausbesuch oder gar keine Begutachtung. Wenn doch möchten Sie die Diagnose schriftlich bevor Sie der Begutachtung zustimmen. Außerdem möchten Sie alte Gewohnheiten beibehalten, Sie möchten Rauchen, Trinken und ihr Übergewicht behalten. Sie sind immer noch Arzt – Sie möchten einer bleiben, aber Sie sehen keinen Weg mehr, der Behandlung, noch eines Heilungserfolges. Von der Erkrankung selbst und von der Heilung erst recht haben Sie Jahre lang gesprochen.

Sie haben fertig – gehen nach Hause und werden Maurer:-D.

Nein, Sie sind Arzt,

die Krankheit ist da, Sie kennen die Methode, Sie möchten sich noch immer dem Problem stellen, was in immer größeren Ausmaßen und in immer schnelleren Abläufen auf Sie zurollen wird. Der Arbeitgeber lädt zum Gespräch - die Krankenkasse hat einen Abgesandten geschickt . In Gedanken sind Sie wild entschlossen, nicht nur ihren Torso zu retten, sondern auch ihre Hände zurück zu erobern, das Röntgengerät einzufordern, die Wahl der Medikamente zu verlangen - ODER Sie stellen die Behandlung ein!

Sie erinnern sich an Ihren alten Professor, Ihren Mentor, der Ihnen damals im Studium die Sporen gab. Sie holen sich Hilfe bei einem alten Arzt, der nicht mehr praktiziert, aber all das kennt und erlebt hat. Er kennt Sie genau und weiß, dass Diplomatie nicht Ihre stärkste Seite ist, und nun die Gefahr besteht, dass da, wo Sie jetzt hintreten, im Leben nichts mehr wächst.

Er kennt den Weg, ausgelatschte Pfade leichten Fußes zu verlassen, sich auf Umwegen den entscheidenden Zugang zu verschaffen. Er rät Ihnen, ab sofort, weder von der Krankheit noch von Ihren erprobten Heilungsmethoden zu sprechen, noch die krönenden Erfolge anzuführen, noch kränkere Patient als je zuvor ins Felde zu führen. Denn all das hat keine Früchte getragen. Sie lernen die Sprache des Arbeitgebers!

Doch bevor Sie das tun, besinnen Sie sie sich auf seinen Rat hin wieder darauf, wer Sie sind, was Sie können, und wo Sie dereinst einmal hin wollten.

Sie sind Arzt, Sie gehen Ihren Weg – aber Sie erzählen nicht mehr davon,

wo er lang führt. Sie vollführen einen kleinen Schwenk - ganz unmerklich - aber wirkungsvoll. Sie referieren ab sofort für den Arbeitgeber, samt seiner Mittel und die der Krankenkasse - und zeigen nüchtern die Heilungsergebnisse auf, die Sie damit konkret erzielen können und kündigen an, jene welche Patienten gesund zu schreiben!

Heraus kommt dann: - Vorübergehende Heilung - Linderung der Schmerzen auf Zeit - Ad Hock Remission mit 100 % Rückfallquote - Reha-Maßnahmen, die kostspielieger nicht sein könnten - Neue Krankheiten, die der Patient zuvor gar nicht hatte - Usw.

Ganz abgesehen vom lustlosen Arzt, der nach Schema F behandelt, kassiert, und dessen oberstes Ziel nicht mehr die Heilung, sondern das Verwalten der Methoden auf Zeit geworden ist, mit Blick auf seinen noch lustloseren Nachfolger.

Würden Sie sich dann auch so freuen, wie ich, wenn Ihnen der Arbeitgeber nach Ihrem Vortrag anbietet, gemeinsam die Krankenkasse anzuzünden?

Nein sagen Sie – nicht nötig,

schicken Sie mir einfach zukünftig alle Erkrankten, halten Sie sich während des Genesungsprozesses heraus und stellen Sie geforderte Mittel der Heilung zur Verfügung. Wer heilt hat Recht?

Nein; Sie und ich wissen, das ist nicht genug - und schon gar nicht um jeden Preis. Das war eine lange Geschichte – zugegeben. Aber Sie entspricht nicht im Mindesten dem Weg, der zurückgelegt wurde, um eine einfach klingende Botschaft zu lernen:

Eine Botschaft, die den Empfänger auch erreichen soll, muss nur auf die Sprache seiner Bedürfnisse abgestimmt sein.

liebe Grüße

Eure Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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