Wigwam Blog

Montag, 1. September 2014

Autor: Susanne Rowley

Vom letzten Kind im Wald

Interview mit einer Tagesmutter aus Burkina Faso.


Dieser Artikel passt ganz wunderbar zu einem sehr langen Einzelgespräch, das ich kürzlich mit einer westafrikanischen Tagesmutter führte.

www.sueddeutsche.de/wissen/kinder-verkrampftes-verhaeltnis-zur-natur-1.1130302

Im Geiste höre ich sie so oder ähnlich zu mir sagen: den Artikel musst Du nicht kommentieren, sorge lieber dafür, dass kein Kind ihn liest.

Stimmt,

denn auch das und die Tatsache, dass er überhaupt geschrieben werden muss, ist, überspitzt zu Ende gedacht, ein Teil des Teufelskreises, aus dem das Volk der Kontrollfreaks nicht aussteigen kann.

>> Natur ist nicht mehr Lebensraum, sondern sie wird besucht, so wie ein fremdes Haus, der Zoo oder ein Kindertheater (…) pädagogische Erläuterungen eingeschlossen <<

Kurse fürs Baumklettern – auf Seite 2 des Artikels steht, warum auch das schon Teil dessen ist, was unseren Kindern abhandenkommt:

Neugier und das Selbstentdecken! Zurück zu unserer neuen Tagesmutter - Sie stammt aus Burkina Faso, Westafrika, hat dort Jura studiert, und die Liebe verschlug sie vor vielen Jahren nach Deutschland. Im Gespräch mit ihr erfuhr ich derart intensive Eindrücke, die nur ein Mensch haben kann, der 2 so unterschiedliche Kulturen kennen gelernt und er-lebt hat.

Wächst man in einem armen afrikanischen Land auf,

so erzählte sie mir, ist der Drang nach westlicher Bildung sehr groß; hat man den ersten Großeinkauf in einem westlichen Supermarkt dann hinter sich, fragt man sich, ob man so weiterleben will. Sie erzählte mir also auch, was Bildung im westlichen Sinne und die damit einhergehende Beschleunigung aus ihrer Sicht mit einem Land und den Menschen machen kann. Und dass dies in modernen Ländern kaum mehr hinterfragt würde, sei für sie unverständlich.

Das Bedürfnis nach einem Leben

>>back to the roots<<,

was viele westliche Menschen ab einem gewissen Alter doch wieder entwickeln, sieht sie als Beweis dafür, dass es keinem Menschen auf lange Sicht gut tue, die Verbundenheit mit der Natur, ihren Möglichkeiten, aber auch ihren Grenzen einfach aufzugeben.

Entwicklungshilfe sieht sie von daher heute sehr kritisch, denn neben allen modernen Errungenschaften kommen eben auch die Nachteile, die sie mit sich bringen, gleich mit ins Land. Bei 40 Grad im Schatten, würde kein Afrikaner 50 Stunden in der Woche schuften, damit die Autobahn schneller fertig würde, und den Begriff "burn out" hätte sie erst in Deutschland kennen gelernt. Diese westliche Hilfe, die keine Rücksicht nähme auf Kultur und Klima sei in manchen Fällen nichts weiter, als ein übergestülptes Kleid, das weder zum Land, noch zu den Menschen passe, weil die natürliche Entwicklung dahin entweder fehlt, oder die Menschen vor Ort völlig andere Werte lebten.

Wozu sagt sie, soll ein Volk von Wanderern zu Siedlern werden, wenn die klimatischen Bedingungen einst dazu geführt haben, von Zeit zu Zeit in fruchtbares Land weiter zu ziehen. Rund 60 Sprachen spricht man in Burkina Faso, und niemand käme auf die Idee, kleinen Kindern Kurse dafür anzubieten. Die verschiedenen ethnischen Gruppen hätten Geduld, Humor, und Zeit, näherten sich selbständig an, und fänden die richtigen Wege zueinander, die sie brauchen, um auf dem Land Handel zu treiben.

Landflucht gäbe es erst, seit dem in den Hauptstädten ein westlicher Wind wehe. Wissen ist gut, so sagt sie, sie habe ja selbst studieren wollen, aber heute (sie ist 41 Jahre alt) erkenne sie auch, dass man durchaus auch damit geschlagen sein kann, weil es grundsätzlich eine Orientierung vorgebe und der Ordnung aller Dinge den Vorrang einräume. Es verführe auch dazu, infrage zu stellen, was ist. Es verleite dazu, zu vergleichen, was nicht vergleichbar sei. Und man neige dann auch dazu, kontrollieren zu wollen, was anders ist, statt damit umgehen zu lernen.

Kurios fand sie schon immer, „was“ in Deutschland so alles als „naturbelassen“ bezeichnet wird. Nichts davon, so findet sie, sei wirklich der Natur „überlassen“, und überhaupt, hätte sie selten einen Deutschen etwas „lassen“ sehen.

Und so haben wir auch ziemlich laut gelacht, als ich sie nach ihrem möglichen Konzept befragte.

Sie grinste und sagte für mich nicht mehr ganz unerwartet:

Ich habe keins:-)

herzliche Grüße

Susanne Rowley

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