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Mittwoch, 20. April 2016

Autor: Susanne Rowley

Visionen hauchen der Zukunft unserer (Betreuungs)landschaft Leben ein

Es gibt Bilder, die sagen wirklich mehr als Worte. 

Dieses Foto, das ich auf jener Website fand http://zeit-fuer-beziehung.de/, ist so ein Bild. 

Ein "Bild", das meine ganz persönliche Vision vom zukünftigen Außenbild der Kindertagespflege emotional transportiert und voll erfüllt. An dieser Stelle also ein großes Kompliment an die Seitenbetreiberin, die es versteht, der Kindertagespflege inhaltlich und visuell ein blühendes Gesicht zu geben. Da ist sie: Die individuelle Begleiterin, die mit großem Selbstverständnis neben enger bindungsorientierter Betreuung ihre Erfahrungen in vielfältiger Weise an Familien weiterträgt und damit Eltern und Kinder einbettet in ein bedürfnisorientiertes, hochqualifiziertes Gesamtangebot. Vorbei die Zeit: In denen jämmerliche Klagen von Tagesmüttern wie "Bringen Eure Eltern die Windeln auch immer so spät" in Foren zu lesen waren. Aus: Der kräftezehrende Kampf um jeden Sachleistungscent mit von unwilligen Jugendhilfeträgern, die Kindertagespflege in eine Randposition zu drängen versuchten.

Gefällt Ihnen dieses Bild?

Dann malen Sie mit mir daran, liebe Tagesmütter und -väter / liebe Eltern.

Ich hatte in den letzten Wochen viel Anlass über das Thema Visionen nachzudenken. Unsere Landeshauptstadt Mainz wächst aktuell um ca. 2000 neu Hinzuziehende pro Jahr; darunter sehr viele Familien, die es aus beruflichen Motiven in die Wissenschaftsstadt zieht. Sie alle möchten wohnen, arbeiten und gute Betreuung für ihre Kinder finden; ganz einfach eine lebenswerte Zukunft aufbauen.

Dazu braucht es Visionen, die unserer politischen Landschaft zunehmend fehlen.

Mut zu Visionen

würde es politisch Verantwortlichen möglich machen, Ansprüche und Vorhaben mit verschiedenen Kräften und Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt an richtiger Stelle zu verknüpfen. Stattdessen erleben wir in ganz Deutschland in vielen familien- und sozialpolitischen Bereichen zunehmend ein Sammelsurium von Einzelentscheidungen, die jede für sich genommen auf vorangegangene Fehlentwicklungen hinweisen, aber nicht dazu geeignet  sind, Entwicklungen zurück zu drehen, geschweige denn neue Visionen aufzusatteln. Mitverursachend dafür sind unterschiedliche Interessengemeinschaften, die keinen Grund vorfinden, einer themenübergreifenden Vision zu folgen, weil es sie nicht gibt. In unserer Betreuungslandschaft sind diese Widersprüche am deutlichsten im Umgang mit der Kindertagespflege zu sehen. Unsere familienpolitisch Verantwortlichen haben keine Vision davon entwickelt, welches Potential in dieser Betreuungsform steckt und wofür man sie langfristig einsetzen könnte. Zu eng ist die Vorstellung innerhalb der Qualitätsdebatte mit dem "Bild der Einrichtung" verknüpft. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Berichte über die Vor- und Rückentwicklung der Kindertagespflege fast täglich wechseln und von Region zu Region ganz unterschiedlich ausfallen. Wurde sie gestern in einer Region noch totgesagt, sucht man in anderen Bundesländern bereits wieder händeringend nach ausbildungswilligem Fachpersonal.

Schwund und Aufbau in der Kindertagespflege

wechseln sich ab, alleine getrieben vom Ach und Weh des Angebots und der Nachfrage in unseren Kitas. Kindertagespflege, eine Betreuungsform, langzeitgeparkt in zweiter Reihe - ohne Vision, was aus ihr werden könnte. Tagesmütter und -väter gehen davon aus, dass vorrangig die Verbesserung in der Vergütungssituation an dieser zerrissenen Lage etwas ändern könnte. Ich sage aus Erfahrung, das alleine wird nicht reichen, Kindertagespflege einen echten Stellenwert in der Betreuungslandschaft einzuräumen. Und zwar solange nicht, wie die Vision einer eigenständigen Rolle in der Betreuungslandschaft fehlt. Sie fehlt, weil sie nicht gewollt ist. Und sie ist nicht gewollt, weil kein Bild von ihr vorhanden ist. Solange die Mittel vorrangig in den Ausbau von Einrichtungen fließen, so lange werden Kommunen immer bemüht sein (müssen) diese Plätze vorrangig zu füllen. Und immer dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem einer Kindertagespflege-Flut unweigerlich die Kindertagespflege-Ebbe folgen muss, weil qualifizierte Fachkräfte nicht auf der Reservebank verweilen werden, um auf die Flut zu warten. Das wiederum führt zu massivem Qualitätsverlust in der KTP. Und so schließt sich der Teufelskreis der fehlenden Vision, weil von KTP so nicht(s) zu halten ist!

Wie sich das darstellt, wenn es nach dem KTP Schwund wieder in die Aufbau Richtung gehen soll, zeigt dieser Artikel:

http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/barnstorf-ort49824/zentrale-aufgabe-suche-nach-tagesmuettern-6321347.html

Hier wird mal wieder gesucht, was zuvor wissentlich fallen gelassen wurde. Die im Artikel dargestellte Ursachensuche für den Rückgang der Kindertagespflege kann sich leider auch nicht sehen lassen. So lesen wir u.a. dass zwar einerseits die schlechte Vergütung mit verantwortlich sei, andererseits gäbe es Tagesmütter, die vermehrt für ihre eigenen Familien da sein wollten und andere wiederum gerne „rund um die Uhr“ betreuen würden. Aha, in der Region befinden sich also nur Tagesmütter, die "ein bisschen herum betreuen" oder solche, die den Voll-Workaholic abgeben. Das kommentiere ich jetzt mal nicht. Und weiter will der Verfasser des Artikels erfahren haben: Man stelle insgesamt einen Wandel in der Betreuungslandschaft fest, den man nicht alleine an geänderten Öffnungszeiten von Einrichtungen festmache, sondern eher daran, dass die Zahl der Tagesmütter und -väter zurückgehe. Eine wirklich umwerfende Logik, aber die Antwort warum die Zahlen zurück gehen, bleibt uns der Artikel schuldig. Statt dessen lesen wir: >> das Angebot müsse größer sein als die Nachfrage, damit Eltern auch die Auswahlmöglichkeit hätten. << Ich würde dafür plädieren, dass Angebot und Nachfrage aufeinander abgestimmt werden - aber dazu gehört Unternehmensberatung für Kindertagespflegepersonen sowie eine ausgiebige Elternberatung.

Was fehlende Visionen mit einer Bevölkerung anstellen,

möchte ich gerne für alle, die nicht so sehr mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie vertraut sind, an einem ganz allgemeinen und hochaktuellen Beispiel erläutern.  

Die Wohnsituation in Deutschland.

Deutlicher als in diese Nachtcafé-Sendung, die vor wenigen Wochen ausgestrahlt wurde, kann man es nicht erfassen."Wohnen unbezahlbar" tönte es da. 

http://www.swr.de/nachtcafe/sendung-am-8-wohnen-unbezahlbar/-/id=200198/did=17020988/nid=200198/16k586w/index.html

Die Frage, die in dieser Sendung ausgiebig erläutert wurde, war auf den Punkt gebracht die fehlende Vision, wie wir eigentlich leben wollen. Es ging mitnichten "nur" um hohe Mieten. Es ging um Luxussanierungen in den Innenstädten mit all seinen Folgen. Zu sehen waren in der Sendung eine Familie, die ein völlig normales Einkommen vorweisen kann, aber keine bezahlbare Wohnung findet, statt dessen in einer Obdachlosensiedlung landete. Wir lernten eine finanziell gut gestellte Rentnerin kennen, die nach einer Luxussanierung 19 € pro qm in München Schwabing zahlen sollte und nun mit Entwurzelungsgefühlen am Stadtrand in einem 1 1/2-Zimmerloch wohnt, für das sie immer noch sage und schreibe 1000 € Kaltmiete berappt. Und wir sehen eine Frührentnerin, die diesem Land 4 Kinder geschenkt hat, und die wir mit einem Rentenbescheid in Höhe von 550 € monatlich im Regen stehen lassen. Sie hat Deutschland für immer den Rücken gekehrt, um einen menschenwürdigen Lebensabend in Bulgarien zu verbringen. 

Wollen wir das zulassen?

Wo ist unsere Vision, wie unsere Großstädte und Ballungsgebiete aussehen sollen? Sollen es nur noch Wohlhabende sein, die unsere Innenstädte in Luxusbauten bevölkern? Verzichten wir auf den kleinen Gemüsehändler von nebenan? Möchten wir unsere Rentner, Alleinerziehende und Studenten an Stadträndern parken? Kann es Ziel sein, dass andere Länder unseren alten Menschen Wohnraum und Pflege bieten, und wir das nicht mehr tun? Möchten wir Kinderlachen ausnahmslos in dörfliche Regionen verbannen, weil es in Ballungsgebieten keinen Raum, keinen Rasen und schon gar keine Lust mehr auf Kinderlachen gibt?

Wenn wir das nicht wünschen, kann eine Einzelentscheidung einer Mietpreisbremse keinesfalls die Antwort sein.

Ohne ein Bild davon, wie wir themenübergreifend leben, arbeiten, wohnen, betreuen und betreut werden wollen, werden wir alle auf eine ganz neue Art ziemlich "arm" werden. Auch dann wenn oder gerade weil der Säckel voller Euros ist.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Visionen in allen sozial- und familienpolitischen Landschaften. Aber dazu müssten sich Ressorts aufmachen, gemeinsam Zukunft zu malen, Kräfte bündeln und Bereiche teilen. 

herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley, die noch immer Visionen hat!

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

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E-Mail: info_at_wigwam.de

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