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Dienstag, 1. Januar 2008

Autor: Susanne Rowley

Vereinbarkeit von Familie und Beruf - kriegen Sie das hin?

"Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt" 


*Sprichwort aus Afrika

Sie erinnern sich an meinem Aufruf, mir zum Thema -

"Vereinbarkeit von Familie und Beruf - schaffen Sie das wirklich?"

Ihr persönliches Statement und Ihre Erfahrungen zu schreiben. Wir fragten unter anderem, ob Ihnen die derzeitige Familienpolitik hilfreich erscheint, wenn nicht, welche Änderungen Sie sich wünschen würden von Arbeitgebern, Gesellschaft und Politik. Ich möchte mich herzlich bei den Eltern bedanken,

die hier mitgemacht haben. Sollte Sie das Lesen dieser Erfahrungen dazu anregen, selbst einen Erfahrungsbericht abgeben zu wollen, bin ich gerne bereit dieses immer spannende Thema ein weiteres Mal aufzugreifen. Aber lesen sie selbst: *

Liebe Frau Rowley,

ich versuche, Ihnen kurz etwas zum genannten Thema zu schreiben, persönliche Zeit ist jedenfalls immer knapp mit Familie und Beruf :-) Ich arbeite wieder (nach einem Jahr Babypause) an drei Tagen in der Woche als Projektleiterin, allerdings an diesen Tagen auch nicht voll, da mein Anfahrtsweg zur Arbeit zeitintensiv ist und mit eingeplant werden muss. Mein Arbeitsgeber (ein mittelständisches Unternehmen und Bereich Erneuerbare Energien) ist sehr familienfreundlich eingestellt, so dass ich mir meine Arbeitszeiten frei wählen könnte, wie es mir möglich ist. Die derzeitige Familienpolitik ist meiner Ansicht nach insofern hilfreich, dass das Thema und somit die Problematik von Vereinbarkeit mit Familie und Beruf in den Medien auftaucht und somit öffentlich diskutiert wird. Ansonsten erwarte ich nicht allzu viel von der Politik an konkreten Hilfestellungen. Das dauert ohnehin meist Jahre bis zur Umsetzung. Die Unterstützung, die ich brauchte (Suche einer Tagesmutter) habe ich von WIGWAM erhalten und freue mich sehr, dass mein Sohn dort so gerne zur Tagesmutter hingeht :-). Mein Mann bringt ihn meist hin und ich hole ihn ab. Morgens können wir noch alle zusammen frühstücken und abends habe ich noch etwas Zeit mich ganz mit meinem Sohn  zu beschäftigen. Am Schwierigsten im Alltag finde ich zum einen nach anstrengenden Nächten den Arbeitstag erfolgreich zu bewältigen und zum anderen den chronischen Mangel an Zeit für sich selbst bzw. um erst mal wenigstens persönlichen "Papierkram" zu erledigen. Was sich ändern soll? Die Werte in der Gesellschaft müssen sich ändern. Ist man ein guter Arbeitgeber, ein guter Vater, wenn man versucht, möglichst viel Geld zu machen oder wenn man zufriedene Mitarbeiter hat bzw. Zeit für seine Familie?!? Bei der Jagd nach wirtschaftlichem Erfolg, der kaum mehr an erfolgter Leistung gemessen wird, sondern am Verlauf von Aktienkursen, dürfen die Menschen nicht auf der Strecke bleiben. Abendliche Grüße aus Mainz, Stefanie Baltes

*

Hallo Frau Rowley, gerne beteilige ich mich an Ihrer Umfrage:

„Ich arbeite seit der 9. Lebenswoche meiner Tochter wieder und konnte dies gut realisieren durch eine Tagesmutter und Netz und doppelten Boden, den ich durch Eltern und Schwiegereltern habe. Die derzeitige Familienpolitik bzw. die damalige (meine Tochter ist gerade 2 geworden und seitdem hat sich ja zumindest einiges getan) hat mir dabei wenig geholfen, und ich bezweifele, dass die momentane Entwicklung den Müttern innerhalb der nächsten Jahre schon helfen kann. Auf lange Sicht wird sich wohl einiges bewegen, aber es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis es sich auch in Deutschland einspielt und gang und gebe wird, dass Mütter direkt nach der Geburt wieder arbeiten. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche, wobei ich ca. 5 Stunden täglich im Büro bin (Controllerin) und ca. 5 Stunden pro Woche (oft auch mehr, abends von zu Hause erledige). Ohne den bereits oben erwähnten doppelten Boden wäre es manches Mal schwierig gewesen, meinem Arbeitgeber gerecht zu werden und meine Tochter nicht zu vernachlässigen. Desillusioniert wurde ich jetzt, nachdem ich im Kindergarten vorstellig wurde und der Meinung war, dass es heutzutage kein Problem mehr sei, einen erweiterten Teilzeitplatz zu bekommen, denn das klassische Modell (8 – 12 und 14 – 16 h) ist für berufstätige Mütter absolut unrealistisch. Die Plätze sind aber derart limitiert, dass es – zumindest aus heutiger Sicht – so gut wie unmöglich ist, zum 3. Geburtstag schon einen Platz zu bekommen. Das bedeutet entweder, dass meine Tochter über den 3. Geburtstag hinaus bei der Tagesmutter bleibt, bis ein Platz frei wird, oder dass ich einen anderen Kindergarten wählen muss (in der Hoffnung, dass ich dort eine größere Chance habe), der aber nicht in unserem Einzugsgebiet liegt und in dem die Kinder dann später nicht die Klassenkameraden meiner Tochter sein werden, da ja spätestens die Schule dann regional definiert ist. Momentan ist für mich das dringendste Anliegen, dass erweiterte Teilzeitplätze bzw. Ganztages-Kinderplätze umgehend zur Verfügung gestellt werden in allen Kindergärten. Viele Grüße Carmen Germann

*

Liebe Susanne,

Im Folgenden findest Du meine Erfahrungen zu dem o. g. Thema, die ich in der Industrie als Diplom-Ingenieurin im Angestelltenverhältnis gesammelt habe. In meinem Fall lief das Experiment, Familie und Beruf zu vereinbaren, in den ersten drei Jahren sehr erfolgreich, nach einem Chef- und Abteilungswechsel war es dann schnell absehbar, dass es nicht lange gutgehen würde. Immerhin habe ich fünf Jahre in Teilzeit als Diplom-Ingenieurin in einem mittelständischen Unternehmen durchgehalten, bis mir sozusagen die Luft ausging (meine Kollegen hatten mir das „Aus" teilweise ja schon von Anfang an prophezeit). Nun was hat mich eigentlich so müde gemacht? Im Grunde die Summe der Kleinigkeiten (na ja manches war auch schon ein bißchen größer), die von außen auf mich prallten und mir meine Energie regelrecht auffraßen. Aus den ganzen Erfahrungen, die ich in acht Jahren meiner Berufstätigkeit in der Industrie gesammelt habe, ziehe ich den Schluss, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur dann eine Aussicht auf Erfolg hat wenn:

  • Die fehlende Flexibilität der Betriebe gegenüber Müttern / Familien macht es gerade in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes schwierig, beruflich am Ball zu bleiben.
  • Wenn man es dann nach langen, zähen Verhandlungen doch geschafft hat eine Teilzeitstelle zu bekommen, wird man in vielen Fällen regelrecht ausgebeutet, bis nichts mehr zu holen ist. Gleichzeitig bekommt man zu spüren, dass man kein vollwertiges Mitglied der Arbeitswelt ist.
  • Die geringe Solidarität mit Müttern und Familien in der Gesellschaft wie auch in den Betrieben wirkt häufig sehr verletzend, da man sich auf „verlorenem" Posten fühlt. („Ich kann verstehen, dass ein Arbeitgeber keine Teilzeitkräfte haben möchte" oder „Die jungen Mütter von heute wollen ja nichts arbeiten" usw. ....)
  • Die Benachteiligung der Frauen im Berufsleben kommt richtig zum tragen, wenn sich Nachwuchs anmeldet. Im Grunde finde ich es sehr traurig, dass nur die Möglichkeit Kinder zu bekommen, schon ein Manko einer Frau in der Arbeitswelt darstellt. Meldet sich bei einer berufstätigen Frau jedoch tatsächlich Nachwuchs an, dann stellt dies den größten Makel dar.
  • Anstelle als berufstätige Mutter geachtet zu werden, wird man von allen Seiten kritisch beäugt und ist den Moral- und Arbeitsvorstellungen seines Umfeldes privat wie auch beruflich ausgeliefert.
  • Der ständige Spagat zwischen den Anforderungen der Arbeitswelt und der Familie kostet Kraft. Ebenfalls der hohe organisatorische Aufwand im privaten und beruflichen Bereich, der notwendig ist, damit sich alle Rädchen ineinander einfügen, frißt Energie.
  • Die fehlende Flexibilität im Bereich der Kinderbetreuung kann schon einiges Kopfzerbrechen bereiten vor allem je älter die Kinder werden. Die ersten drei Jahre, lassen sich unter der Voraussetzung, dass man genügend Geld hat, meist flexibel gestalten, da man die Kinderbetreuung privat organisiert. Schwieriger wird es, wenn sich die Kinder im Kindergarten- bzw. Schulalter befinden. Ohne die Möglichkeit der Ganztagsbetreuung ist es kaum möglich ganze Arbeitstage abzudecken.

Aus den ganzen Erfahrungen, die ich in acht Jahren meiner Berufstätigkeit in der Industrie gesammelt habe, ziehe ich den Schluss, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur dann eine Aussicht auf Erfolg hat wenn:

  • Die Firmen umdenken und die betrieblichen Rahmenbedingungen schaffen, dass Mütter / Väter, welche die Erziehungsarbeit leisten, ohne längere „Auszeiten" den beruflichen Anschluss beibehalten können. Hier müssen unbedingt flexible Arbeitszeitmodelle geschaffen und gelebt werden.
  • Der Staat dafür Sorge trägt, dass er ein gut ausgebautes und flexibles Netz an Kinderbetreuungsmöglichkeiten im Alter von 0 bis 10 Jahren schafft.
  • Man Müttern Ihre eigenen Lebensmodelle zugestehen würde ohne Sie moralisch zu bewerten. Das Arbeiten würde mancher Mutter sicherlich leichter fallen, wenn der emotionale und gesellschaftliche Druck nicht vorhanden wäre.

Leider ist dies in Deutschland nicht der Fall. Eine Frau mit Kindern ist in Deutschland keine hoch geschätzte Frau – nein im Gegenteil egal wie Ihr Lebensmodell aussieht, es ist bestimmt das Falsche. Bleibt man zu Hause, ist man eine „bequeme" Hausfrau, die Däumchen dreht. Geht man Teilzeit arbeiten, ist man eine Rabenmutter, welche ihre Kinder vernachlässigt. Gleichzeitig ist man kein vollwertiges Mitglied der Arbeitswelt. Ist man Vollzeit beschäftigt, so wird man als „karrieregeile", egoistische Frau eingestuft, bei der man sich fragt, warum „Die" überhaupt Kinder in die Welt gesetzt hat. Diesbezüglich sollten wir uns einige unserer europäischen Nachbarn zum Vorbild nehmen. Dort wird die Leistung von Müttern gesellschaftlich hoch angesehen. Das diese Frauen auch berufstätig sind, wird dort als völlig normal angesehen. So liebe Susanne nun habe ich mich doch umfassend zu dem Thema ausgelassen, es war mir wichtig dies mit Zeit und Ruhe zu tun. Ich wünsche Dir weiterhin viel beruflichem Erfolg, viel Freude und Liebe und natürlich ganz viel Gesundheit. Alles Liebe Alexandra Brecht-Klintworth<<

herzliche Grüße an meine Leserinnen & Leser

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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