Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Samstag, 17. Mai 2014

Autor: Susanne Rowley

Vereinbarkeit von Familie & Beruf gibt es nicht

Es gibt 2 Leben in 24 Stunden; sagt Birgit Kelle

 

www.atkearney361grad.de/resource-zeit-im-familienleben/

Liebe Wigwam-Freunde,

Unser Thema heute: wir fragen nach - und Antworten auf den Artikel von Birgit Kelle

Die Mütter dieses Landes bleiben im Betreuungs-Ödland stehen

und träumen nachts davon, ihre Kinder nicht mehr zu hetzen, nie mehr „beeil Dich“ zu sagen oder arme kleine Füße eiligst in Kinderschuhe zu stopfen?

Sie lieben ihre Schreibtische, die sie nachts auch belegen könnten, und schauen neidisch nach der Mittelklasse-Nachbarin, die sich das zu Hause bleiben ja auch nur deswegen leisten kann, weil der Göttergatte ihr das ermöglicht?? *zicke-zacke.

Birgit Kelle hat ihn angekündigt diesen provokativen Artikel,

und ich habe ihn sehr gerne gelesen. Und ich stimme der ersten Kommentatorin im Blog zu, ganz viel Empathie und Sympathie klingt aus ihren Zeilen, und das ist schön, denn das ist speziell bei ihr nicht immer so. Und dennoch kann ich auch diesen Artikel nicht so stehen lassen.

Ich stelle zunehmend fest,

im Ansatz und im Ergebnis liegen wir gar nicht so weit auseinander, nur der Preis, den sie immerzu glaubt bezahlen zu müssen, und die Ursachen, die sie für das Mütter-Dilemma auszumachen glaubt, und erst recht die Schrauben, an denen sie gerne drehen möchte, um zu erreichen, was ihr wichtig ist, da kommen wir einfach nicht zusammen.

Und so kommt sie nach ihren wundervollen Beschreibungen, wie die Welt doch sein könnte, wieder einmal zu dem frühen Schluss:

>>Vereinbarkeit gibt es nicht – es gibt nur zwei Leben in 24 Stunden<<

Sie schreibt: Zitat:

>> Immer auf der Suche nach Schnittmengen, in denen beide Leben gleichzeitig nebeneinander koexistieren können. Zusammengepresste Zeit. Es ist kein Mütter-Problem, jeder Vater, der versucht seiner Rolle gerecht zu werden, kennt das Dilemma ebenfalls. Auch das ist Gleichberechtigung. Es gibt einen Ausweg. Wenn man bereit ist, sich auf das Abenteuer Familie ganz und gar einzulassen und dafür Abstriche bei Karriere, Geld und Freizeit hinzunehmen. Warten Sie nicht auf die Politik, sie hat Ihnen nichts anzubieten. Niemand hat ein Interesse an die Zeit, die an Kinder „vergeudet“ wird. Und dann kann es plötzlich Spaß machen. Denn ohne die Hetze, ist die Welt mit Kindern voller Wunder. Voller Mauern, die erklungen, Regenwürmer die betrachtet und Wolken, die gedeutet werden müssen.<<

Man möchte es ihr nicht verübeln,

denn wer wünscht sich nicht, was sie dort beschreibt. Meine Kritik zielt also keinesfalls auf ihre Wünsche ab, sondern auf den offensichtlichen Denk-Stop, den sie fast immer an der selben Stelle vornimmt. Wenn Anspruch und Wirklichkeit auseinander gehen, muss ich nicht „nur“ meinen Anspruch unter die Lupe nehmen, sondern auch meinen Beitrag an der Entstehung der Wirklichkeit mal näher beäugen und mich nicht ohnmächtig in mein Schneckenhaus zurückziehen, weil es draußen so öd geworden ist.

Vorweg schicken möchte ich

kurz noch dieses: Nicht nur, dass fast alle ihre Artikel unterschwellig dazu geeignet sind, das Uralt-Fass wieder aufzumachen, von der „guten Mutter“, die ja nur existieren kann, wenn per se die „schlechte Mutter „ auch irgendwo atmet; nämlich die, die nicht bereit und in der Lage ist, all‘ jene Opfer zu bringen, damit es ihren Kindern endlich mal gut geht.

Nein, wir haben es allesamt satt das „schlechte Gewissen“,

und die viel zu hochliegende „Latte“ von Ansprüchen, die wir ja nur dann reißen müssen, wenn wir sie selbst so hoch gelegt haben. Und wir sollten es auch endlich nicht mehr weitergeben an die nächste Generation, unser „schlechtes Gewissen“ in Form der Schatten-Lenor-Frau, die uns in den 80igern mahnend zur Seite stand, wenn die Wäsche nicht weiß genug war. Denn genau jenes innere Elend, diese Zerrissenheit, die Birgit Kelle immerzu beschreibt: darf ich nun was für mich tun, oder muss ich etwas lassen zugunsten meiner Kinder, ist die eigentlich „verbogene Botschaft“, die dieses Dilemma erst produziert.

Und auch unsere Kinder werden versucht sein,

sich zu biegen, um es wiederum anderen Recht zu machen. Und dann reihen sie sich ein in die Wartelisten der Therapeuten, weil sie einen unnötig langen Weg vor sich haben, um herauszufinden, was denn genau ihnen wichtig ist, um glücklich zu sein.

Ich habe auf dieser Seite schon sehr viel geschrieben über den langen Schatten eines Mythos - von der Reformation und Rousseau bis in die heutige Zeit. Über die politischen Hintergründe des schlechten Gewissens der deutschen Mutter, und warum wir in diesem Lande in einer Art „geistiger Mutterschaft“ verhaftet sind, statt etwas dafür zu tun, dass wir die viel zitierten Regenwürmer mit unseren Kindern in und AUSSER Haus betrachten können. Eine neuerliche Betrachtungsweise von „gut und schlecht“ der Mütter untereinander hilft uns erfahrungsgemäß in keinem Fall weiter.

Eine Veränderung beginnt zu allererst in den Köpfen derer, die Beruf und Familie "guten Gewissens" vereinbaren wollen, und dafür haben wir überhaupt keine Kultur auf dem Schirm.

Es ist egal welchen Artikel ich öffne,

sie zieht immerzu jene Frauen wie der Rattenfänger von Hameln hinter sich her, die nur darauf gewartet haben, dass eine endlich aufsteht, und ihnen „erlaubt“ mit dem Hintern zu Hause zu bleiben. Warum bringt sie die Mütter aller coulheur nicht lieber zusammen – sie hat das Publikum dazu. Angesagt ist nicht, eine neue Mütterkultur zu erschaffen, denn jede von ihnen ist anders. Angesagt ist, eine Betreuungs-Wirklichkeit zu schaffen, die eine Rahmenbedingung für ein „gutes Gewissen“ ist. Und der passende Anspruch dazu muss lauten: Dass jede Mutter nach ihrer Facon glücklich werden darf. Sie schreibt: Warten Sie nicht auf die Politik, von hier haben sie nichts zu erwarten. Stimmt – die machen natürlich, was sie wollen, und das können sie auch ganz munter, weil die muhende Herde von Eltern starr vor ödem Betreuungsland stehenbleibt und nicht klar ansagt und schon gar nicht dafür einsteht, was sie wirklich brauchen, und für ihre Kinder wünschen, sondern lieber einklagt, was sie als „ihr gutes Recht“ ausgemacht haben, nachdem „das Kind“ bereits in den Brunnen gefallen und das Land bereits verödet ist.

Hierbei kann dann auch schon mal ein Berufsstand Kindertagespflege

über die Wupper gehen. Aber auch diesen Zeigefinger erheben sie nur, wenn links und recht kein ganz persönliches Ungemach droht – sei es von Seiten des Arbeitgebers, der gerade für 6,91 € Lohn die 6. Schicht einführt, oder aber auch von Seiten des Amtes, das bei Ablehnung des schlechten Kitaplatzes womöglich den lang ersehnten Folge-Kiga-Platz nicht in Aussicht stellt.

Als unabänderbar empfinden Eltern offensichtlich diese Wirklichkeit – tja, da bleibt uns dann ja nichts anderes mehr, als die 6. Schicht zu schieben oder aber den Kitt von den Wänden zu fressen, damit wir unseren Kindern wert-volle Spielzeit schenken können.

Irgendwie fehlen mir da welche im Boot –

die Unternehmer, die noch nicht wirklich etwas dafür tun müssen, damit Familie und Beruf leb bar vereinbar wird, sondern es genügt derzeit, dass sie Pseydo-Fahnen schwenken und Pseydo-Vereinbarkeitssiegel erwerben dürfen. Und die „Träger“ auf kommunaler Ebene, die eigentlich ausführen sollen, was politischer, also unser Wille ist. Beide lassen es sich recht gut gehen und schauen zu, wie sich betreuungssuchende und –anbietende an die Köppe kriegen und gegenseitig verklagen.

Aber zurück zu unserer kleinsten ausgelieferten Zelle der Gemeinschaft – der Familie.

Erst das, was Familie bei sich zu Hause glaubhaft leben möchte, kann als politische Forderung nach draußen gehen.

Sie möchten gerne Regenwürmer beobachten mit ihren Kindern, weil sie das für wertvoll halten? Dann sollten wir mal untersuchen, was wir derzeit an überzogenen Bildungsansprüchen in unsere 1-jährigen hineinprügeln wollen. Da geht es keinesfalls um Regenwürmer und schon gar nicht geht es um ein außerhäusiges Fremdwort wie „Geborgenheit“ oder „Zeit für Kinder“.

Die Frage, die ich also hier stellen möchte ist,

welchen Anspruch haben wir an die Betreuungslandschaft draußen und welchen haben wir zu Hause. Ich sehe da einen klitzekleinen Widerspruch. Zeit für Kinder ist das, was Fr. Kelle umfassend einfordert – die politisch Verantwortlichen lassen wir aber wohlgemut am Gegenteil basteln. Wir lassen zu, dass Eltern einen „Rechtsanspruch“ haben, EGAL worauf. Das ganze gipfelt derzeit in eiligst aus dem Boden gestampften Betreuungsanstalten, die zur Wickel- und Fütterfabrik verkommen sind. Und die, die uns als Familie natürlich und „familiär“ zur Seite stehen könnten, die Tagesmütter und –väter fallen ebenso "natürlich" durch den Rost.

Warum merkt niemand,

dass jene Empathie und Sympathie, die sie so wundervoll in ihrem Artikel versprüht, einzufordern ist auch und ERST RECHT da, wo unsere Kinder das Haus verlassen. Statt dessen nehmen Eltern hin, was ihnen Ödes geboten wird, und stellen lieber unterschwellig Lebensmodelle anderer Eltern infrage.

Wie war es denn früher in Großfamilien, in denen alle ihrer natürlichen Rolle be-wusst waren und sie auch einnahmen. Es war selbstverständlich, dass Alt und Jung einander stützten, und zwar immer da, wo Not an der Aufgabe und damit auch am Kind war. Nur eine Betreuungsform ist in der heutigen Zeit in der Lage ein "echter Partner" zu sein - ein Partner ohne Öffnungs- und Randzeiten. Die Kindertagespflege - ein Partner, der keine Schublade ist, in keine gehört und von daher auch keine aufmacht.

Dass wir in Deutschland von „Fremdbetreuung“ sprechen,

ist bereits das erste Merkmal dafür, was wir davon zu halten haben, und damit der erste Baustein, der sich bereits im Kreissaal im Kleinhirn der werdenden Mutter zu manifestieren hat. Und auch an anderer Stelle gebe ich Fr. Kelle recht.

Muttersein ist nichts privates mehr in diesem Land – richtig.

Und sie fordert, dass Politik sich aus den Familien heraushält, ihnen nicht die Erziehung abnimmt und ihnen vorschreibt, wann das Kind welchen Bildungsbaustein zu inhalieren hat. Volle Zustimmung von meiner Seite – aber dann muss auch die Privatheit der andersdenkenden Eltern wieder hergestellt und der Ruf nach der Uniformierung staatlicher Einrichtungen zurück gefahren werden.

In Deutschland gibt es immer einen stark gebremsten Ausbruchswillen,

der nicht gelebt werden kann, weil der Gehorsam und die Obrigkeitshörigkeit und der peinliche Blick hinüber zum Nachbarn, der ja was denken könnte, nicht zusammen gehen. Also erstmal sicherstellen, mit der eigenen Verwirklichung keine Norm verletzt zu haben. Idealisieren wir das eine, bleibt die Verteufelung des anderen nicht aus. Beides nebeneinander bestehen zu lassen, und den Rahmen für verschiedene Lebensmodelle einzufordern, von denen, die wir eigens dazu gewählt haben, ist uns fremd. Haben wir eine Schiene bis zum Erbrechen erkämpft, kommt alsbald die Kehrtwende. Erst kämpften Frauen für Ihre Berufstätigkeit, jetzt ergießen sie sich in der erlösenden Beichte, das alles doch nicht mehr zu schaffen.

Und innerhalb dieser Denkfalle kennen wir keinen Ausweg –

wir kennen nur die Ausdifferenzierung der Falle selbst. Als nächstes werden wir also nicht die Massenhaltung in den Kitas infrage stellen, sondern diskutieren; ab wann wir unseren Kindern diese Ställe zumuten können.

Diese Falle hier hatten wir ja schon:

WANN sollte eine „gute Mutter“ denn nun überhaupt arbeiten. Nur vor dem Kinderkriegen oder auch danach. Na wenn die Kleinen aus dem „Gröbsten“ raus sind. Und WANN ist denn das Gröbste vorbei? Schwer zu definieren; wenn wir uns hier voreilig festlegen, tappen wir schon wieder in die nächste Falle, und es warten die vorwurfsvollen Gesichter der Schlüsselkinder auf uns, denen wir ganz schnell mit Ganztagsschulen begegnet sind. Diese Lösung hilft organisatorisch ganz sicher weiter, bildungstechnisch sowieso, übrig geblieben ist aber leider wieder die schlechte deutsche Mutter, die nichts weiter mehr für ihr Kind getan hat, als das Abendbrot müde mit ihm herunter zu schlingen – die Hausaufgaben hat ja jemand anders kontrolliert.

Und was kommt danach?

Ich hätte da noch ganz viele Ideen – aber eines kommt ganz sicher nicht danach - ein Ausweg aus diesem verlogenen Pseydo-Wertegestrüpp.

Wir werden sicher noch lange nur so tun, als ob

wir Lebensformen nebeneinander existieren ließen, um hinter vorgehaltener Hand über die zu munkeln, die Familie anders leben als wir. Da haben wir die Supermütter, die Karriere und Familie spielend vereinbaren können, wir haben allein erziehende, die schon richtig Dusel haben müssen, wollen sie die Führungsetage je hoch rutschen, um ihren Kindern mal was bieten zu können. Und wir haben die Mittelklasse-Mama, die arbeiten könnte, aber nicht möchte, weil sie eine bewusste Entscheidung getroffen hat, und der wir ewig vorhalten werden, dass SIE sich das ja auch nur leisten kann weil der Göttergatte….gna gna.

Und dann baut sie sich eben drumherum

die öde Familienpolitik, die uns mit ebenso öden Steuerungselementen, wie dem Betreuungsgeld überhäuft und uns vorgaukelt, wir dürften so leben wie wir wollten. So lange wir das Gefühl haben „eine Norm“ verletzt zu haben, eine gesetzliche, eine gesellschaftliche, oder eine persönliche gesetzte, werden wir im Mütter-Rad weiterdrehen und immer wieder da raus kommen, wo wir dereinst freiwillig eingestiegen sind. Und das öde Grasland drum herum wird so öde bleiben, wie es ist – wir haben wirklich Übung darin, wie man ohne alles auch noch irgendwie auskommen kann - wichtig ist, dass wir es dem geschwätzigen Nachbarn auch schlüssig erklären können.

An dieser Stelle könnte ich noch die christliche Kirche erwähnen,

die das Schuld-Strafe-Angst-System bis zur Perfektion ausgearbeitet und an uns ab-gearbeitet hat. Aber das führt bezüglich des Themas sicher zu weit. Aber es macht mit uns etwas , dass ein Leben in Verzicht, Entsagung, hehrer Pseydo-Selbstverneinung sowie moralischen Dogmen höheres Ansehen genießt. Auflagen, unter denen wir in Wahrheit alle leiden und die sehr oft gegen unser Bedürfnis nach Lebensfreude, persönlicher Selbstverwirklichung und geistiger Freiheit gerichtet sind.

Wir Eltern

müssen uns den „Freifahrtschein“ fürs Glücklichsein ausstellen und die Wirklichkeit – ein fruchtbares Betreuungs-Grasland - für ein besseres Leben für uns und unsere Kinder einfordern.

Uff - das musste mal raus.

herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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