Mittwoch, 8. April 2015

Autor: Susanne Rowley

Unglückliche Mütter - ein Zustand, der sein darf, weil er sein kann!

Wir spielen ja auch nicht alle Trompete, wobei wir dieses Instrument jederzeit wieder zurückgeben könnten.

Ein sehr interessanter Artikel, wie ich finde. Insbesondere deswegen, weil er nicht vorrangig auf eine mögliche Ursachensuche abstellt, sondern einen Ist-Zustand gelten lässt.

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/unglueckliche-muetter-sie-wollen-ihr-leben-zurueck-1.2419449

Warum sollte das Muttersein für die eine oder andere Frau nicht etwas sein, was schlicht und ergreifend „nicht ihr Ding“ ist. Wir spielen ja auch nicht alle Trompete, wobei wir dieses Instrument jederzeit wieder zurückgeben könnten.

Warum sollte man es nicht bereuen dürfen,

Mutter geworden zu sein, denn schließlich ist dies ein Umstand oder besser gesagt ein Zustand, der sich ab dem Zeitpunkt, an dem wir uns dafür entschieden haben, nicht mehr verändern wird. Und - wir treffen diese Entscheidung für das Muttersein, schließlich bevor wir einschätzen können, was es real mit uns macht. Ein ganz anderer Punkt ist, wie wird mit dieser gefühlten „Fehl-entscheidung“ umgegangen, und wie wirkt es sich warum auf Kinder aus.

Fakt ist:

Unter den Teppich damit, ist ganz sicher keine Lösung.

Ich finde das Thema nennenswert, und ich könnte mir vorstellen, dass die eine oder andere Mutter, die sich nicht hineinfinden kann, in ihre Mutterrolle, ggf. fälschlicherweise mit der Dauer-Diagnose Postnatale Depression spazieren geht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Frage wäre also auch, würde sich eine solche Mutter nicht besser fühlen, wenn sie per se den "Verbotsknebel" aus dem Mund nehmen und dazu stehen dürfte.

Schön stellt es sich auch niemand vor,

würde eine solche Mutter ihrem Kind mitteilen, dass sie sein Dasein bereut. Aber auch hier gilt es aus meiner Sicht scharf zu differenzieren, denn es ist ja nicht die Existenz eines Kindes das bereut wird, sondern die massiven Lebensveränderungen, die damit einhergehen. Aus diesem Grund stelle ich es mir für ein Kind ebenso ungut vor, wenn die Mutter nicht sagen könnte, was es mit dem Bereuen so auf sich hat, denn erst dann verbleibt schwelender Freiraum für Mutmaßungen aller Art. Die Frage wäre also, wie man einem Kind den Unterschied verdeutlicht zwischen dem Gefühl womöglich unerwünscht zu sein, und der Tatsache, dass eine Mutter durchaus ihr Kind lieben kann, aber mit den Veränderungen in ihrem Leben nicht einverstanden ist.

Auch wenn dieser Artikel im Kern keiner Ursachenforschung bedarf, finde ich es wichtig, dass er dennoch den Wandel aufgreift, dem Mutter/Elternschaft durch die Jahrzehnte unterworfen war, denn:

>>  Erst im Zuge der industriellen Revolution ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ergab sich die Rollenaufteilung zwischen beiden Geschlechtern, da erstmals der Arbeitsplatz und der private Raum zu Hause auseinanderfielen. Wo vorher Vater und Mutter gemeinsam die Arbeit auf dem Feld bestellt und die Kinder mitgenommen hatten, blieb die Frau nun allein mit den Kindern zurück, während der Mann jeden Tag seinen Gang in die Fabrik antrat. Die Frau wurde zur Haupterziehungsperson.

Das romantische Mutterbild, wie es heute noch immer in den Köpfen festsitzt, bekam unter den Nationalsozialisten weiter Vortrieb: Gebären und Kinder großziehen für den Führer, im Dienste der arischen Rasse - darin sollte sich das Potenzial einer jeden Frau erschöpfen. Dafür bekam sie Respekt. In der Nachkriegszeit seit den Fünfzigerjahren wurde dann das Private verklärt, "ein Rückzug in die eigenen vier Wände". Auch in dieser Zeit hatte die Frau vor allem eines zu sein: Mutter. <<

Das wirft wiederum die Frage auf, inwieweit ist die vollkommene Konzentration auf die Kleinfamilie mit dafür verantwortlich, dass solche Gefühle entstehen. Der hohe Anspruch ans Muttersein und an Elternschaft insgesamt heutzutage, gepaart mit den Leistungen, die im Berufsleben vollbracht werden müssen, und noch dazu die mangelnde Verteilung auf nicht mehr vorhandene andere familiäre Schultern, ist aus meiner Sicht ein schwerwiegender Indikator dafür.

Und ich wäre nicht die Wigwam-Tante,

wenn ich nicht auch dieses Thema nutzen würde, um auf einen weiteren Vorzug der Kindertagespflege hinzuweisen, die zu Recht auch als „familienergänzend“ gelobt wird.

In Zeiten also, in denen die Globalisierung

Familien im Verbund auseinandertreibt und zukünftig auch noch weiter auseinandertreiben wird, wäre es wünschenswert, wenn uns als Antwort mehr dazu einfiele, als die Institution.

Eine Institution kann sicher Bildung & Förderung übernehmen, und selbstverständlich auch kinder-freie Zeit verschaffen. Sie kann aber niemals Entlastung in zwischenmenschlich übergreifenden Bereichen dieser Art bieten, weil dies schlicht nicht ihr Ansatz ist. Und ich wundere mich immerzu, wenn bei Erziehern in Kindertagesstätten von "Partnern der Eltern" gesprochen wird.

Das ist Schönfärberei oder eine Verfäschung des Begriffes - ganz wie Sie mögen. Ich nehme es da mit Worten schon sehr genau.

Ebenso stößt auch ein Lehrer in der Schule ab einem gewissen Punkt des Einflusses auf Familien auf Grenzen.

Hingegen Tagesfamilien sehr wohl ein Verhältnis

zu Eltern aufbauen können, das der früheren Großfamilie in ihren natürlich gewachsenen Rollenbildern ähnelt. Innerhalb von Wigwam praktizieren wir das sogar explizit. Denn neben den pädagogisch konzipierten Kinderstübchen fördere ich weiterhin nicht nur die klassische Tagesfamilie, sondern auch die sogenannte "Freundschaftsfamilie". Das sind aktuell Tagesmütter & väter, die ebenfalls hochqualifiziert sind, sich aber nicht in den täglichen "Betreuungsbetrieb" begeben möchten & müssen.

Deren Anliegen ist viel mehr das, was der Name schon sagt.

Ein echtes Verhältnis.

Ein Verhältnis, das einen starken sozialen Aspekt aufweist, und durchaus auf ein wechselseitiges Geben und Nehmen ausgerichtet ist.

Von daher wünsche ich mir nicht erst seit heute,

Betreuungsformen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten,

und je nach gesellschaftlicher Entwicklung sie auch immer wieder neu zu bewerten.

Ich bin davon überzeugt, dass in der Kindertagespflege ein großes Potential schlummert, das überhaupt noch nicht gesehen wird.

Aber da erzähle ich Ihnen ja auf dieser Seite hier nichts Neues

herzliche Frühlingsgrüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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