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Donnerstag, 1. Mai 2003

Autor: Susanne Rowley

Überfüllung bei der Tagesmutter / Vom Vermitteln und vermittelt werden

Liebe Wigwam-Freunde,

Unser Thema heute ist gar nicht so "ohne", denn es gab Reaktionen auf das Thema:

Überfüllung bei der Tagesmutter

Im letzten Info-Brief berichteten wir von einer Mutter, die privat für ihre Tochter eine Tagesmutter gefunden hat, die mehrere Tageskinder gleichzeitig betreut. Von 4 Tageskindern war zu Beginn des Betreuungsverhältnisss wohl die Rede; nun sind es hin und wieder sogar  5 bis 6 Tageskinder; die Mutter schrieb, wie unglücklich sie über diesen Umstand ist.

Zu diesem Thema erreichte uns zwar nur wenig Post, aber inhaltlich sagten die Antwortschreiben fast alle das selbe aus. In diesem Zustand wurden von unseren Lesern mehr als nur 1 Problem gesehen. "Überfüllung" schrieben die meisten, sei reine Ansichtssache und hänge auch von der Kompetenz der Tagesmutter ab. Viele abgebenden Mütter zögen die "Großpflege" eben der "Kleinbetreuung" vor, weil sie die Gruppensituation und den sozialen Kontakt unter den Tageskindern für wertvoller hielten, als die "Einzelbehütung".

2 Tagesmütter schrieben uns, dass sich die abgebenden Eltern vor der Suche nach einer Tagesmutter oft nicht im klaren darüber wären, was sie denn nun eigentlich konkret suchten; nur so könne es im Nachgang zu solchen Enttäuschungen kommen. Einfach "nur" eine sympathische Tagesmutter zu suchen, sei zu wenig. Man müsse schon vorher wissen, was man sich für sein Kind wünsche.

Man war aber auch einhellig der Meinung,

dass eine Tagesmutter ihre Ziele in der Tagespflege den Eltern gegenüber deutlich zu machen habe. Eine Tagesmutter in der Großpflege müsse sich auch als solche nach außen definieren. Die Zahl der zukünftigen Tageskinder einer "Großpflege" könne aber trotzdem nur "im groben" festgelegt werden, da die Kinder und somit auch die Gruppensituation und die Betreuungszeiten wechseln könnten. Eine Tagesmutter gab jedoch zu bedenken, dass es aber grundsätzlich kein guter Umstand sei, dass eine Tagesmutter nicht "nein" sagen könne und somit eine eigene mögliche Überforderung zuließ; dies sei wenig professionell.

Das Hauptproblem

wurde aber in allen Briefen darin gesehen, dass offensichtlich von Seiten der Tagesmutter keine klaren Vorgespräche geführt wurden. Eine Tagesmutter in der Großpflege habe die Aufgabe, allen Eltern die Ziele und ihre Aufgabe verantwortlich zu erläutern. Unerläßlich wäre es dabei auch, die Eltern untereinander immer wieder miteinander bekannt zu machen. Besondere Füsorgepflicht trage sie dabei für neu hinzukommende Eltern mit deren Kindern. Es sei die Aufgabe der Tagesmutter, Unmut unter den Eltern in offenen Treffen frühzeitig aufzuspüren und anzusprechen.

Alles in allem rät man dieser Mutter,

dass sie ein offenes Gespräch mit der betreffenden Tagesmutter führen solle über ihre enttäuschten Gefühle, ungeachtet der Gefahr, dass sie Ablehnung erfahren könne. Sie solle der Tagesmutter in diesem Gespräch offen darlegen, welche Verantwortung sie allen Eltern gegenüber habe und im Zuge dessen ein Gruppengespräch unter allen Eltern bei der Tagesmutter anregen. Vielleicht stelle sich so Unzufriedenheit auch bei anderen Eltern heraus, die bislang geschwiegen hätten. Abgeraten wurde aber einhellig davon, das Gespräch heimlich mit anderen abgebenden Eltern zu suchen ohne die Tagesmutter mit einzubeziehen. Dies könne als Intrigentreiberei aufgefaßt werden. 

Ein Beitrag von Anette Vanderwege / Wigwam 2 in Hochheim;  

Vom Vermitteln und Vermittelt werden

"Guten Tag, mein Name ist Auguste Mutterglück. Ich suche eine liebevolle Betreuung für mein Kind". Dies ist eine ganz normale Anfrage, wie ich Sie täglich mehrmals erhalte. 

 

In dem Erstgespräch, lasse ich mir von der Mutter genau erklären, wie sich die Betreuungszeiten konkret gestalten sollen. Die Mutter erzählt mir, dass eine Betreuung Mo - Mi für ca. 5 Std. angedacht ist und möglichst in den Vormittagsstunden stattfinden soll. Auf meine Frage, welche Eigenschaften das Kind habe und ob auf etwas Besonderes zu achten sei, antwortet mir die stolze Mutter, dass Ihr kleiner Sonnenschein ein ganz unauffälliges, ruhiges Kind sei, das sich viel selbst beschäftige und keinerlei Anpassungsschwierigkeiten habe.

 

Ich nehme mir viel Zeit für dieses, aber auch für alle folgenden Gespräche und versuche immer wieder, der Mutter näher zu kommen; ihr das gute Gefühl zu geben, dass Wigwam noch mit Herz und Verstand vermittelt und sie sich vertrauensvoll mit allen Wünschen und Bedenken an mich wenden kann.  

 

Nachdem Frau Mutterglück alle schriftlich notwendigen Unterlagen erhalten, durchgelesen und sich entschlossen hat, durch Wigwam eine Vermittlung zu starten, bitte ich die Mutter um einen schriftlichen "Wunschzettel", in dem sie aus dem Bauch heraus mal auflisten soll, was sie für ihr Kind als wichtig erachtet; hier erhoffe ich mir, mehr zu erfahren. Die Eltern geben sich richtig Mühe und listen ihre Prioritäten auf:  "Familie Flodder" bitte ausgeschlossen; ansonsten stellen wir keine weiteren Ansprüche! Lieb muss die Tagesmutter halt sein - das ist wichtig! Kinder muss sie mögen -  das wäre toll ! Ach ja: Bitte keine Haustiere - da bei Mutter und Kind eine hochgradige Tierhaarallergie besteht."

 

Sobald ich den "Wunschzettel" vorliegen habe, versinke ich in meiner Kartei. Da ist sie ! Clementine Kinderlieb ! Genau das passende Pendant zum  Wunschzettel: Der schriftliche Tagesmuttervorschlag geht an Frau Mutterglück und ich rufe Frau Kinderlieb an und erzähle ihr von der Anfrage. Sie freut sich riesig, denn sie weiß, dass wir unsere Vorarbeit auf beiden Seiten geleistet haben. Es ist alles besprochen, die Rahmenbedingungen stehen, und beide Seiten müssten für sich nur noch prüfen, ob Sympathie ausreichend vorhanden ist und somit das Starten einer Probezeit Sinn macht. Frau Kinderlieb macht einen Termin zum persönlichen Kennenlernen. Ich lehne mich entspannt zurück und bin mir sicher, dass die Chancen auf ein Gelingen gut stehen.

 

Als das Telefon dann klingelt, habe ich eine ziemlich angesäuerte Frau Kinderlieb am Apparat, die mir folgendes erzählt:

 

Die Mutter war total nett und das Kind einfach nur zum Knuddeln. In dem persönlichen Gespräch erwähnte die Mutter dann aber beiläufig, dass sie sich ja auch um einen Krippenplatz bemüht hat und die Betreuung wahrscheinlich nur für die nächsten 3 - 4 Monate sein soll. Da sie einem freiberuflichen Job nachgeht, ist das mit den Tagen Mo - Mi halt so eine Sache. Ab und zu kann es schon einmal vorkommen, dass sie die Betreuung 5 Tage in der Woche braucht, allerdings würde sich das dadurch ausgleichen, dass man  in anderen Wochen nur 1 x wöchentlich kommt; dann aber den ganzen Tag bis abends ca. 19.30 Uhr. Klar, dass das Kind dann bei der Tagesmutter ein Mittagsschläfchen machen und an den Mahlzeiten teilnehmen soll. Übrigens geht das Kind montags zum Kinderturnen, und wenn dieser eine zu betreuende Tag in der Woche halt der Montag ist, wäre es schön, wenn die Tagesmutter bitte mit dem Kind diesen Termin wahrnehmen würde. Ach ja, in der von Wigwam zur Verfügung gestellten "Gesprächshilfe", die die Mutter mitbrachte, stand auch, dass das Kind ein Frühchen war und täglich Gymnastik machen muss um weiter gefördert zu werden. Danach sollte das Kind natürlich ruhen, das heißt, es müsste ein extra Zimmer da sein, in dem das Kind ungestört schlafen kann . Wenn das Kind später in die Krippe überwechselt, wäre es echt nett, wenn die Tagesmutter im Bedarfsfall das Kind dort um 17.00 Uhr abholt, allerdings kann an diesen Tagen der Vater früher aus dem Büro kommen, so dass eine Betreuung max. bis 17.30 stattfinden würde.

Während Frau Kinderlieb mir all dieses erzählt, rutsche ich in meinem Stuhl immer weiter nach unten. Ich weiß aus dem Vorstellungsgespräch, dass ich mit Frau Kinderlieb geführt habe, dass Sie freitags nie, an den anderen Tagen max. bis 14.00 Uhr betreuen kann. Sie wünscht sich ein Tageskind, das in die bestehende Kindergruppe als langfristig fester Spielkamerad integriert ist. Dabei ist es Ihr wichtig, dass die Gruppe so lange wie möglich beisammen ist. Abholungen aus anderen Einrichtungen kann Frau Kinderlieb nicht gewährleisten, da sie kein eigenes Auto besitzt.

 

Nach diesem Telefonat meldet sich die Mutter.

 

Auch die Mutter bestätigt mir die gegenseitige Sympathie. Allerdings ist Sie ein wenig verwundert darüber, dass ich ihr eine Familie vorschlug, in der 2 Katzen, 1 Kaninchen, 1 Meerschweinchen und 1 Hamster leben. Mit dem Hund könnte man sich ja noch anfreunden, der lebe ja überwiegend draußen. Die Schildkröte wäre super süß gewesen und mit Sicherheit auch für ihr Kind ein Tier zum streicheln. Sie war aber froh, dass das Kennenlernen an einem sonnigen Tag stattfand und sie deshalb auf der Terrasse mit der Tagesmutter sprechen konnte, so daß die allergiebedingten Niesananfälle das Gespräch nicht allzu oft störten. Ungünstig wäre aber der Umstand, dass die Tagesmutter in absehbarer Zukunft lieber Di - Fr. betreuen möchte. Sie habe zwar gesagt, dass sie in Notfällen auch an anderen Tagen einspringen würde, aber als Notfall möchte sich die Mutter nicht verstanden wissen. Tja, und wenn sie genauer nachdenke, wäre ihr eine Tagesmutter, die ein wenig älter und mütterlicher ist, dann doch lieber. Vielleicht eine Familie, die keine weiteren Kinder betreut; eine Tagesmutter, die flexibel ist, weil sie ja vergessen hatte zu erwähnen, wie zeitlich flexibel sie in ihrem Job halt immer sein muss.und dass Ihr kleiner Liebling ein Frühchen war ...... 

 

Während die Mutter erzählt, bildet sich bei mir langsam "Sauerkraut" im Kopf"!  Von welchen Tieren erzählt die Mutter hier, da waren doch noch nie welche - Wo kommt plötzlich der "private Streichelzoo" her? Wo war hier die Info? Und was bedeutet auf einmal Betreuung Di - Fr., statt wie bisher Mo - Do ?!

 

Nachdem ich alle neuen Infos beider Seiten sortiert habe, stelle ich fest, dass es sich um eine "völlig neue Vermittlung" handelt. Frau Kinderlieb und Frau Mutterglück haben mir versichert, dass auch meine Kritik an der Desinformation im Vorfeld berechtigt ist...........aber irgendwie bleibt ein "ungutes Gefühl" zurück, bevor wir den 2. Vermittlungsversuch starten..........warum nur ;-)

 

"Meine Vermittlungsarbeit kann nur so gut sein, wie die Infos, die ich habe ! Finden Sie nicht auch?"

 

 

Es grüßt sie herzlich an dieser Stelle Anette Vanderwege/Wigwam 2, Hochheim

 

Abschiedsbrief einer enttäuschten Mutter / Veränderungen beginnen im Kopf

 

Vor einigen Tagen erreichte mich ein Abschiedsbrief einer Mutter, die die Stadt Mainz verläßt und wieder Richtung Ruhrgebiet in die Nähe ihrer eigenen Eltern zieht, weil sie die Betreuungssituation grundsätzlich als enttäuschend erlebt hat. Ihr Ziel war und ist es, sich selbständig zu machen; hierzu benötigte sie von Wigwam flexible Kinderbetreuung. Ihr war stets nur mit einer Kinderfrau, die ins Haus kommt zeitlich zufriedenstellend zu helfen. Aber auch sie mußte, wie viele anderen Mütter die Erfahrung machen, dass diese Betreuungsform oft nicht langfristig zu erhalten ist.

 

Sie sieht die Hauptschuld jedoch nicht bei den Kinderfrauen und auch nicht bei Wigwam, sondern in der gesamtgesellschaftlichen Situation, in der Politik dieses Landes und vor allem aber auch in der bis heute fehlenden Akzeptanz arbeitenden Müttern gegenüber. Sie findet, wie wir auch, dass die Halbherzigkeit, mit der die Betreuungspolitik in unserem Lande betrieben wird, seine wahren Ursachen woanders hat. Tief im Herzen der Menschen wohne immer noch wie eh und je das alte Rollenspiel; der lebende Vorwurf Müttern gegenüber, die nicht allein im Mütterglück und der Erziehung ihrer Kinder ihre Hauptaufgabe sähen. Daran habe sich nie wirklich  etwas geändert, weil die "Veränderung" in den Köpfen der Menschen gar nicht stattgefunden habe.

 

"Da Sie mir keinen Mut auf eine erneute Vermittlung einer Kinderfrau machen konnten und ich mich mit dem Tagesmutter-Modell noch nicht so richtig anfreunden kann, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen Mainz zu verlassen. Wir ziehen nach Dortmund, wo meine Eltern die Betreuung übernehmen werden. Es ist schon so, daß wir nur wegen der Kinderbetreuung nach Dortmund umziehen. Vielleicht unverständlich aber wahr. Ich werde demnächst nämlich eher noch mehr arbeiten als bisher und wenn ich mich dauernd um Ersatz für ausfallende Kinderbetreuung kümmern muß wird das nie etwas mit meiner Selbstständigkeit.

Vielen Dank und viel Erfolg für Sie in Zukunft. Hoffentlich können Sie weiterhin mit Ihrer Arbeit Aufklärung leisten, damit sich auch in den Köpfen der Menschen etwas ändert. Ich bin wahrscheinlich nicht die Einzige, die von Ihrer Familie und Bekannten immer noch mit Unverständnis und Ablehnung angeschaut wird, wenn ich sage, dass ich einen vollen Job ausüben möchte (Brauchst Du doch finanziell gar nicht, die Kinder sind doch noch so klein, vermißt Du nicht etwas, wenn Du nicht beim Sportunterricht dabei bist usw. ...) Das schlechte Gewissen wird einem tröpfchenweise immer wieder eingeimpft und die Politiker hätten es wahrscheinlich lieber, wenn sie nicht auch noch Arbeitsplätze für Mütter schaffen müßten. Das ich mich als Person mit meiner Arbeit identifiziere und mich dadurch weiterentwickeln kann wird nicht als Bereicherung und Beitrag zur Absicherung der Familie gesehen (meinem Mann könnte ja auch mal etwas passieren oder wir könnten uns trennen). Nein das wird als reiner Egoismus gewertet. Na ja, ich sage Ihnen da bestimmt nichts neues........"

Wir wünschen dieser Mutter alles Gute für die Zukunft und für Ihre Träume !

So, liebe Tagesfamilien, liebe Eltern, das wars für heute aus den Wigwam-Büros. Schreiben Sie uns, wenn Sie was auf dem Herzen haben, wir sind offen für Kritik, Vorschläge, Wünsche und Ideen.ßt herzlich

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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