Donnerstag, 1. November 2001

Autor: Susanne Rowley

Tagesmutter - Kinderfrau rechtliche Seite / Brief einer Mutter / Abschied von der Tagesfamilie

Liebe Wigwam-Freunde,
es ist nun schon November und somit wieder Zeit für unseren Info-Brief. Ich habe hoffentlich wieder einiges Interessantes für Sie alle zusammengestellt.Als erstes eine Umfrage an unsere "kleinen Leser". Unsere "Mathilda" hat zwar ein "Junges" im Beutel, aber das hat leider immer noch keinen Namen. Wir würden uns riesig freuen, wenn Ihr Euch einen ausdenkt! Sendet Eure Vorschläge unter Angabe des Namens, Adresse und Alter bis zum 15.12.2001 an Wigwam. Die Wigwam Filialen entscheiden, welcher Name gewinnt - tja und der Gewinner erhält ein kleines altersgerechtes Geschenk mit der Post nach Hause!

Unterschied Tagesmutter/Kinderfrau / Rechtliche Seite

Immer wieder werde ich gefragt, worin denn der Unterschied zwischen Kinderfrau und Tagesmutter eigentlich liegt, vor allem beim Steuerrecht und in Versicherungsfragen 

Eine Tagesmutter betreut Kinder in ihrem eigenen Haushalt. Sie kann zusätzlich zu ihren eigenen Kindern weitere drei Kinder betreuen. Ab dem vierten Kind ist eine Erlaubnis vom Jugendamt notwendig, siehe §44 KJHG. Sie ist selbständig tätig. Alle Einnahmen aus der Betreuungstätigkeit sind einkommensteuerpflichtig; eine Betriebskostenpauschale von 480 DM pro Kind und Monat wird vom Finanzamt steuerfrei anerkannt, vorausgesetzt die Betreuung findet täglich längerfristig statt und mindestens acht Stunden täglich von montags bis freitags = 40 Stunden pro Woche. Bei weniger Betreuungszeiten verringert sich die Betriebskostenpauschale anteilig.

Eine Kinderfrau betreut Kinder im Haushalt der Eltern, ohne Begrenzung der Kinderzahl. Ihre Tätigkeit ist ein Arbeitsverhältnis, d.h., die  Eltern sind Arbeitgeber und müssen die arbeitsrechtlichen Bestimmungen befolgen: Steuerabgaben, Leistungen der Sozialversicherungen und die gesetzliche Berufsunfallversicherung. Die Bezahlung erfolgt als geringfügig Beschäftigte bis unter 15 Stunden pro Woche oder mit Steuerkarte. Eltern erhalten in ihrer Funktion als Arbeitgeber eine Beratung und Unterstützung von ihrer Krankenkasse, beim Arbeitsamt und beim Tagesmütter-Bundesverband. Die Kinderfrau kann auf Honorarbasis arbeiten, wenn die Tätigkeit unregelmäßig oder auf eine begrenzte Zeitdauer (unter drei Monaten) angelegt ist – muss aber schriftlich vereinbart werden – dann gelten die rechtlichen Bestimmungen für Selbständige. Für die Kinderfrau gilt nicht die steuerfreie Betriebskostenpauschale wie bei der Tagesmutter

Die Tagesmutter und Kinderfrau übernehmen die Aufsichtspflicht und haften somit für Schäden aus der Aufsichtspflichtverletzung: Personenschäden an dem Tageskind und/oder Sachschäden gegenüber Dritten verursacht durch das Tageskind. Ausführliche Erklärungen dazu sind auf dem Merkblatt „Versicherung“ bereits durch Wigwam bekannt gegeben worden.(Wenn Sie es noch nicht haben, kann es angefordert werden)

Erhalten Tagesmütter und Kinderfrau die Betreuungskosten vom Jugendamt, sind die Gelder steuerfrei. Das Jugendamt hat die Tagespflegeperson zu versichern bzw. die Kosten der Versicherung zu ersetzen, weil diese zu den „entstehenden Aufwendungen“ gehören.

Alle Angaben zum rechtlichen Rahmen der Tagespflege beruhen auf dem Stand vom März 1997. Für weitere ergänzende Informationen und besondere Fragestellungen steht auch der Tagesmütter Bundesverband e.V. gerne zur Verfügung. Zum Thema: Kinderfrau / Brief einer Mutter

Ich schneide das Thema deswegen an, weil immer noch einige Mütter sich darüber beschweren, dass Wigwam keine große Kinderfrauen-Kartei mehr aufbaut. Wie ich bereits des öfteren erläutert habe, hatte Wigwam 1995 eine große Kinderfrauen-Kartei und keine guten Erfahrungen damit gemacht. Diese Frauen waren leider nicht langfristig zu halten, folglich hatten die abgebenden Eltern und damit die Kinder mit ständig wechselnden Bezugspersonen zu kämpfen. Entweder waren die Kinderfrauen beim Arbeitsamt gemeldet - gingen recht schnell angebotenen Umschulungen nach, oder tauschten flux nach Vermittlung die Stelle bei den Eltern gegen eine lukrativere Putzstelle ein. Das Problem liegt schlicht und einfach bei den Finanzen. Frauen, die zu Ihnen nach Hause kommen, haben in der Regel keine kleinen Kinder mehr zu Hause - befinden sich von daher recht rege auf Arbeitssuche. Eine langfristigere Lösung in jungen Erzieherinen ohne Anstellung zu suchen, ging leider auch oft daneben. Denn kaum wurde die Vermittlung mit den Eltern eingeleitet, war eine Bewerbung im Kindergarten erfolgreich. Da Wigwam nur Vermittlungsformen wählt, die wir auch empfehlen können, muss ich leider sagen, dass diese Form nicht empfehlenwert ist - jedenfalls nicht im großen Stil. Natürlich gibt es auch Eltern, die durchaus gute Erfahrungen gemacht haben und die "gute Perle" fanden, aber das sind leider nur Ausnahmen. Wigwam beschäftigt nur dann Kinderfrauen, wenn diese nachweisen können, nicht vom Verdienst durch die Kinderbetreuung abhängig zu sein. Eine Kinderfrrau von Wigwam hat sich mittlerweile selbständig gemacht und wird demnächst 3 Familien im tageweisen Wechsel betreuen; diese Möglichkeit besteht durchaus. Dieser Möglichkeit stehen wir offen gegenüber. An dieser Stelle möchte ich stellvertretend auch für andere Mütter aus einem Brief zitieren, den mir eine Mutter schrieb, die jahrelange Au-pair/Kinderfrauen-Erfahrung hinter sich gebracht hat. Sie bat um die Vermittlung einer Tagesmutter, obwohl insgesamt 3 Kinder zu betreuen sind und eine "Kinderfrauen-Lösung" auf den ersten Blick bequemer erscheint. Dieser Briefausschnitt ist nur einer von vielen, die Wigwam hin und wieder zu lesen bekommt. Besagte Mutter schrieb: >> Unser zukünftiges Au-pair, das wir erst vorletzten Samstag in Frankfurt abgeholt haben, ist schon wieder auf dem Rückflug. Gründe waren nicht aus ihr herauszubekommen; die Varianten waren jedenfalls verschieden. Uns erzählte sie, sie müsse ihr Visum abholen - unseren Nachbarn erzählte sie eine völlig andere Version - unseren Kindern sagte sie, ihre Mutter sei plötzlich krank geworden. In den Unterlagen von ihr stand, dass sie nicht raucht und sie vier Jahre Deutschunterricht hatte - in Wirklichkeit war beides anders ! Gestern hat sie einfach gepackt und uns wissen lassen, wann sie morgen gedenkt nach Hause zu fliegen. Ich überlege nun ernsthaft, ob ich überhaupt noch arbeiten gehen soll. In 2 1/2 Jahren hatten wir 6 Au-Pairs, davon waren 2 "empfehlenswert". Nicht nur die Kinder sind "durch den Wind", ich bin ebenfalls nervlich ziemlich k.o.; Abholen, "einarbeiten", sich eingewöhnen, neue Sitten im Haus und bei Tisch, wenig Durchsetzungsvermögen und Sprachkenntnisse, Zurückfahren, neue Suche, Warten,.....das alles kosten unglaublich viel Kraft. Gibt es für uns eine Hoffnung mit 3 Kindern auf eine liebevolle Tagesmami, auf die man sich verlassen kann? Im Moment wäre ich wirklich mit der Situation meine Kinder mit Kinderfrau zu Hause zu wissen, unzufrieden. Wir haben zwar genügend Platz, aber ich möchte keinen "Fremden" mehr von heute auf morgen in meinem Haus. Ich möchte auch nicht mehr den halben Haushalt erklären: wo finde ich was...angefangen von Pflaster über Milch, Teller und Mülltrennung...und unsere Spielregeln im Haus erklären... ganz zu schweigen von dem ganzen Durcheinander, den ich vorfinde, wenn mein Mann und ich nach Hause kommen. Bei sich zu Hause kennt eine Tagesmutter sich doch aus, kennt jede Gefahrenquelle, kann schnell reagieren, kann viel besser Grenzen setzen und spannender ist es mit anderem Spielzeug allemal.......".<< Besagte Mutter hat jetzt ihre Tagesmutter, und ich glaube alle Beteiligten sind durchaus zufrieden und kommen endlich zur Ruhe. Abschied von der Tagesfamilie Das ist ein Thema, dass leider sehr stiefmütterlich behandelt wird; deswegen möchte ich es heute mal ansprechen. So manches Tagesmutter-Verhältnis wird von heute auf morgen schlagartig beendet - manchmal von Seiten der Betreuerin, manchmal von Seiten der Mutter. Oft sogar, ohne der "anderen Seite" einen Wink zu geben, geschweige denn, das Kind zu informieren. Aller Anfang ist schwer und aller Abschied ist schwer - und besonders Kinder leiden unter dem Verlust wichtiger Bezugspersonen. Sicher, irgendwann ist für jedes Kind der Abschied von der Tagesfamilie da, weil es vielleicht in den Kindergarten oder in die Schule kommt. Viele Eltern sind in dieser Situation versucht zu denken "Mein Kind kennt ja die Betreuung außer Haus, also macht es keinen Unterschied". Für das Kind ist es in Wahrheit ein mehr oder minder starker Einschnitt in seine Biographie, den es erst einmal verkraften muss. Im Kindergarten beispielsweise ist es lauter, größer und voller. Wo vorher nur 1-3 Kinder sich die Bezugsperson "teilen" mussten, können es nun plötzlich mehr als 20 sein. Das Regelwerk im Kindergarten, das von dem in der eigenen Familie und in der Tagesfamilie stark abweicht, will erst mal gelernt sein. Natürlich ist es klar, dass es Lebenssituationen von Eltern gibt, in denen es sich nicht vermeiden lässt, dass sowohl die Eingewöhnungsphase als auch die Entwöhnungsphase schnell ablaufen müssen (da kann ich leider mitreden). Idealerweise müsste man das aber schrittweise tun. Schön wäre es, wenn man es so gestalten könnte, dass zunächst das Kind an ein oder zwei Tagen etwas früher abgeholt würde. Eine Woche darauf könnte bei Halbtagskindern ein ganzer Tag, bei Ganztagskindern ein halber Tag wegfallen. Nach einer weiteren stufenweise Reduzierung wird in den folgenden 1-2 Wochen eine reine "Familien- oder Urlaubswoche" eingeschoben. Nach dieser intensiven Familienphase beschränkt sich der Besuch bei der Tagesmutter auf 1 bis 2 x in der Woche, vorzugsweise auf nachmittags. Danach sollte auch während der Kindergarten- oder Schulzeit der Kontakt noch sporadisch aufrechterhalten werden. Später sollte man, soweit die Tagesmutter das zulässt, immer mal wieder einen Besuch gestatten, wenn das Tageskind es wünscht. Wenn die räumliche Distanz zu groß ist, oder andere Gründe gegen einen direkten Besuch sprechen, so sollte man wenigstens ein Telefonat ermöglichen. So unterschiedlich wie unsere Kinder sind, so unterschiedlich können auch die offenen und verdeckten Reaktionen auf Trennungserfahrungen sein. Wie immer, wenn ein Thema banal erscheint, und doch tiefere Wirkung haben kann, schaue ich nach, was Fachleute so alles zu diesem Thema sagen. Bei einer Trennung von heute auf morgen, können die Reaktionen schon heftig ausfallen; wobei das menschliche Verhalten nicht "eindeutig" auf eine bestimmte Reaktion festgelegt sein muss. Wenn es uns Großen schlecht geht, äußern wir das ja auch auf die unterschiedlichste Weise. "Hanna spielt seit kurzem weniger; lustlos und unkonzentriert läßt sie den Sand durch die Finger rinnen, oft läuft sie ziellos umher, bleibt unvermittelt stehen und schaut mit glasigem Blick durch alles hindurch." Mit dem Begriff des Abseits-Verhaltens werden diese und andere Verhaltensweisen zusammengefasst. Jedes Kind hat solche Phasen. Häufen sich allerdings diese Auffälligkeiten im Anschluss an ein abruptes Betreuungsende, sollten die Alarmlämpchen angehen (Haug-Schnabel et al.1997). Vor allem im Kleinkindalter scheint das Kind in seinem Verhalten nur gedämpfter; es schaut bedrückter aus, als man es sonst kennt. Das ältere Kind wird jedoch sicherlich irgendwann nach seiner ehemaligen Tagesmutter fragen und warum jetzt alles anders geworden ist. Fragen, die nach einem plötzlichen Betreuungsende schwerer glaubhaft zu beantworten sind als nach einer vorbereiteten Entwöhnung. Der Kummer kann sich durchaus auch in vermehrten Wutausbrüchen äußern. Je nach vorhandenem Bewätligungsmuster können bei dem verlassenen Kind aber auch Schuldgefühle auftauchen. So glaubt es evtl., dass der Verlust der Bezugsperson auf sein Verhalten zurückzuführen sei, dass es sich "blöd" verhalten hat. Eine weitere unangenehme Konsequenz, die ein abrupter Betreuungsabbruch haben kann, ist das Gefühl der erlernten Hilflosigkeit (Seligmann 1999). Dieses Gefühl stellt sich ein, wenn wichtige Ereignisse und Situationen sich der Kontrolle entziehen. Es kann dazu führen, dass sich allgemein die Motivation verringert, die Umwelt zu beeinflussen, aus Furcht, erneut ein Verlusterlebnis zu provozieren. Passivität schützt in dieser Logik des Vermeidens vor erneuter Verletzung. Besonders Kinder, die bis zum Kindergarten- oder Schuleintritt bereits mehrfache Betreuungswechsel hinter sich gebracht haben, schlimmstenfalls ohne Entwöhnung, sind gefährdet, das Verhaltensmuster der erlernten Hilflosigkeit in ihre Persönlichkeitsstruktur zu integrieren. Sie werden es damit auch in Zukunft schwerer haben, sich frei und aktiv zu entfalten.

So, das wars für heute - ich freue mich über Anregungen und Tipps für weitere Info-Briefe und verbleibe bis dahin mit einem herzlich Gruß Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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