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Montag, 5. Oktober 2009

Autor: Susanne Rowley

Tagesmütter einst gewollt - jetzt verdrängt?

"Erziehung ist Beispiel und Liebe sonst nichts"


Liebe Wigwam-Freunde,*Friedrich Fröbel       

Dieses Zitat, liebe Wigwam-Freunde,

hat im Kern ganz viel damit zutun, wovon ich Ihnen heute erzählen möchte. Es ist mal wieder an der Zeit, Vision und Realität in der Kindertagespflege näher zu beleuchten.

Einer von vielen Anlässen

ist ein Artikel in der Bad Kreuznacher Allgemeinen Zeitung, in der ein Journalist über praktische Erfahrungen 2er Tagesmütter aus unserem Kreis berichtet.   Der Artikel zeigt auf, wie so oft, dass große Politik, progagierte Vision im Dschungel der Umsetzung von Behörden ad Absurdum geführt wird.

Bevor Sie diesen Artikel weiter unten lesen, fassen wir zusammen, was Eltern und betreuende Menschen sich wünschen.  

Eltern wünschen sich

eine liebevolle Betreuung für ihr Kind. Suchen nach einer zufriedenstellenden Lösung in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eltern haben Anspruch auf Wahlfreiheit in Sachen Kinderbetreuung. Eltern suchen neben pädagogisch hochwertiger Betreuung auch bezahlbare Plätze. Eltern brauchen Betreuungsplätze, die zu ihrer familiären- und Arbeitssituation auch passen; Betreuungsplätze, in denen Öffnungszeiten und Arbeitszeiten nicht meilenweit auseinanderklaffen. Eltern wünschen sich Individualität und Kreativität in der Kinderbetreuung.   Also wird es immer Eltern geben, die sich eine Betreuung in einer Krippe oder Kita vorstellen, weil sie für ihr Kind die große Gruppe bevorzugen und der Institution mehr Vertrauen schenken; ebenso wird es stets Eltern geben, die mit den Öffnungszeiten einer Krippe nicht zurecht kommen, oder die familiäre  persönlichere Form der Institution vorziehen, weil ihr Kind z.b. noch sehr klein ist, oder die kleine überschaubare Gruppe innerhalb eines Stübchens favorisieren.

Tagesfamilien wünschen sich

Anerkennung ihres wichtigen Berufsstandes, auch finanziell. Sie möchten sich verwirklichen; eigene Ideen in der Kinderbetreuung umsetzen. Sie bieten eine familienähnliche Betreuung, und viele haben mächtig investiert, um Eltern eine möglichst hochwertige und vor allem flexible Betreuung zu bieten. Sie haben Schulungen absolviert, erste Hilfe Kurse besucht, Praktika in Kindergärten abgeleistet, Prüfungen bestanden, Zeugnisse und Referenzen beigeschafft - das alles zusätzlich zu ihren eigenen Erfahrungen als Mutter.   Da stehen sie sich nun gegenüber: Krippen / Kitas und die professionelle private Kindertagespflege - beide Formen haben ihre Berechtigung und werden gebraucht, und beide Formen sollten auch von der Politik beachtet und gleichermaßen gefördert werden. Tagesmütter sind per Gesetz der Einrichtung gleichgestellt. Aber sind sie das wirklich, wenn die Kita bald kostenlos zu nutzen sein wird, und die Tagesmutter nach wie vor von Zuschüssen in Höhe von 2,80 leben soll?

Früher gab es mal Zeiten,

in denen beide Formen einander zugearbeitet haben; sprich Kinder wurden aus der Krippe oder der Kita von Tagesmamis abgeholt.   Das alles gehört der Vergangenheit an. Tagesmütter, die soviel Vorbereitungen getroffen haben, um ihren Beruf professionell auszuüben, können und möchten zurecht nicht in die Betreuungsrandzeiten von Einrichtungen gedrängt werden und nur für das Abholen von Kindern aus Einrichtungen zuständig sein.    Es ist aber offensichtlich, dass von politischer Seite heute und vor allem in der Zukunft die Institution Krippe und Kita finanziell mehr gefördert - und die Kindertagespflege vernachlässigt wird.

Wohin also mit den Eltern,

die eine Kita aus finanziellen Gründen den Vorzug geben müssen, aber keine Tagesmutter mehr finden, die ihren Sprößling aus der Einrichtung abholt ? Wohin mit den Eltern, die eine Tagesmutter wünschen, diese aber nicht mehr bezahlen können ? Wohin mit teilzeitarbeitenden Eltern, die eine Tagesmutter finanziell nicht mehr auslasten können, aber auch keinen Platz in der Krippe bekommen ? Wohin mit den Eltern, die nicht berufstätig sind und aus privaten gesundheiltlichen Gründen eine Betreuung benötigen - in der Krippe keine Chance haben, aber die Tagesmutter auch nicht vergüten können, weil sie nur einen Zuschuss vom Amt bekommen, wenn sie auch arbeiten ?   Was tun Frau von der Leyen ? ? Antwort vom Ministerium ist wohl kaum zu erwarten.   Wir sehen langfristig nur eine Chance - nämlich dass Eltern für ihre versprochene Wahlfreiheit auch kämpfen.    

Private Kinderbetreuung unter Druck / Artikel in der Allgemeinen Zeitung Bad Kreuznach vom 24.07.09 *Robert Neuber Tagesmütter - einst gewollt; jetzt verdrängt?  

Zitat:

>> Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder, und schuld daran ist unter anderem die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf hierzulande, insbesondere für gut ausgebildete Frauen  - so sah und so sieht es in Teilen die Politik. Diese Einschätzung führte dazu, dass vor einigen Jahren die private Tagespflege von kleinen Kindern stark gefördert wurde, und zwar nicht nur materiell. Vielen Frauen wurde nahe gelegt, doch eine entsprechende Schulung zu absolvieren, um als Tagesmutter arbeiten zu können. Aus dem Boden sprießten allerorten private Krippen, und so manche Erzieherin einer Kindertagesstätte machte sich mit einer privaten Tagespflegeeinrichtung selbstständig. Doch die Unterstützung seitens der öffentlichen Hand sollte nicht von langer Dauer sein, denn der Rückgang der Kinderzahl führte und führt an den kommunalen Kitas zur Freisetzung von Kapazitäten, die mit Kindern ab zwei Jahren aufgefüllt werden. Ab 2013 sollen Eltern einen Anspruch auf einen Hortplatz für ihr Kind ab zwei Jahren bekommen.<<

Was dies für die einst so geförderte private Kindertagespflege bedeutet,

scheint klar: Ihr wird die Existenzgrundlage entzogen. Eleonore Wissig aus Hargesheim und Manuela Stamann aus Bad Kreuznach wollen sich aber nicht einfach kampflos dem Schicksal ergeben. Wissig hatte sich als frühere Leiterin einer Mainzer Kindertagesstätte selbstständig gemacht, Stamann war als Sozialassistentin in einer Kita beschäftigt, bevor sie 2007 Tagesmutter wurde. Zusammen betreuen die beiden elf Familien.   Bürokratische Hürden   Beide Tagesmütter berichten, dass es ihnen immer schwerer gemacht wird, ihren Beruf auszuüben, geschweige denn von ihm zu leben. Und besonders in Bad Kreuznach mache man es ihnen schwer. Der erste Nackenschlag kam für die Tagesmütter in diesem Jahr allerdings vom Bund. Alle Zuschüsse der Jugendämter müssen ab sofort voll besteuert werden, ebenso die Sozialabgaben. Hinzu kommen Vorgaben, die von beiden als bürokratische Drangsalierung seitens der Jugendämter empfunden werden. Seit Juni müssen Stundenzettel ausgefüllt werden, in die die Arbeitszeiten der Eltern, vom Arbeitgeber bestätigt, eingetragen werden. Diese Zeiten werden vom Jugendamt mit den tatsächlichen Betreuungszeiten der Tagesmütter abgeglichen.

Das führt dazu,

dass die Betreuung eines Kindes durch die Tagesmütter dann nicht bezahlt wird, wenn der Schicht arbeitende Vater morgens zu Hause ist - unabhängig von der Frage, ob der Vater möglicherweise in Bereitschaft ist und jeden Augenblick gerufen werden kann. Im Endeffekt müssen die beiden Tagesmütter den Platz für das Kind freihalten, bekommen dafür aber kein Geld. Und gleichzeitig gilt die Vorgabe, dass nur fünf Kinder von der Tagesmutter gleichzeitig betreut werden dürfen, es besteht also im oben erwähnten Fall keine Möglichkeit, solche Ausfälle auszugleichen.   Verzögerte Auszahlung   Nach der Umstellung auf die genannten Stundenzettel kam es den Tagesmüttern zu Folge zu einer sechswöchigen Verzögerung bei der Auszahlung der Fördermittel durch das Jugendamt, gleichzeitig mussten die laufenden Kosten natürlich getragen werden, was bei den Tagesmüttern zu wirtschaftlichen Engpässen führte.   Merkwürdigerweise verhält sich das Jugendamt des Landkreises Mainz-Bingen vollkommen anders, wie die beiden Tagesmütter berichten können, weil sie Kinder aus diesem Kreis betreuen. Hier gibt es weder Stundenzettelabgleiche noch die daraus resultierenden Zahlungsverzögerungen. Und darüber hinaus zahle der Landkreis Mainz-Bingen weit mehr als die hiesigen Jugendämter. Der Landkreis Mainz-Bingen unterstützt Eltern mit Kindern in Tagespflege mit 4,20 Euro pro Kind und Stunde, bis zu 40 Stunden Tagespflege pro Woche werden abgedeckt. Der Höchstsatz im Landkreis Bad Kreuznach betrage aber nur 2,87 Euro pro Kind und Stunde. Da der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz auch 2013 noch nicht von öffentlichen Kindertageseinrichtungen in vollem Umfang abgedeckt werden kann, soll, so sieht es die Bundesgesetzgebung vor, auch die private Kindertagespflege unterstützt werden. Die Zuschüsse an die Kommunen für ihre Kitas seien an die Maßgabe geknüpft, 30 Prozent davon an die private Betreuung weiterzugeben. Davon komme aber nichts an, ebenso wenig wie die versprochene Bezuschussung beim Kauf von speziellen Enrichtungsgegenständen wie etwa Wickelkommoden.

Auch hier werden bürokratische Hemmnisse aufgebaut:

Statt Geld soll es Sammelstellen geben, an denen die Tagesmütter die benötigten Gegenstände abholen können. Keine Spur davon, stellt Eleonore Wissig fest. Kinder oder Geld und Politik? Für die beiden Tagesmütter ist klar: Sie werden langsam, aber sicher an die Wand gedrängt. Wenn es so weiter gehe, werde sie aufhören müssen, sagt Stamann. Wissig hat keine Antwort auf die Frage, was passiere, wenn die derzeitige Situation fortdauere: "Ich will nicht aufgeben." Für sie geht es nicht darum, Kindertagesstätten und private Kinderbetreuung gegeneinander auszuspielen. Es gelte, beide Varianten zu fördern und miteinander zu vernetzen. Das sei im Sinne der Eltern und Kinder. Das spiele nur leider keine Rolle, fügt Stamann an. Mehrfach sei sie von einem Mitarbeiter des Jugendamts schon darauf hingewiesen worden, dass - so wörtlich - "es hier nicht um das Wohl der Kinder geht, sondern um Geld und Politik". 

herzliche Grüße

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

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