Dienstag, 1. Mrz 2005

Autor: Susanne Rowley

Tagesbetreuungsausbaugesetz TAG

Neu Wigwam Kinderstübchen


Hallo liebe Wigwam-Freunde, 

Unsere Themen heute: 

  • Tagesbetreuungsausbaugesetz TAG - Leserbriefe Februar-Info-Brief
  • Neu Wigwam Kinderstübchen

In unserem Februar-Info-Brief haben wir recht ausführlich über die Betreuungssituation in unserem Lande gesprochen und dabei auch eine Wigwam-Mutter ihre derzeitige Situation schildern lassen.

Viele kritische und zustimmende Kommentare

kamen bei mir sowohl mündlich als auch schriftlich an - dafür möchte ich mich herzlich bedanken. 

Viele Eltern schrieben mir

ihre jahrelangen Erfahrungen mit dem Spagat, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Teilweise haben sich viele Eltern Luft gemacht über die immer noch herrschenden Vorurteile gegenüber arbeitenden Müttern in unserer Gesellschaft und sehen hier die Hauptverantwortung dafür, dass sich so recht nichts bewegen will - nach dem Motto: "wahre Veränderungen fangen im Kopf an und nicht auf dem Papier". 

Ebenso waren viele Tagesmütter mit mir einer Meinung,

dass nicht nur die Schaffung von Krippenplätzen mit starren Öffnungszeiten und das Schaffen von Tagespflegeplätzen allein die Lösung darstellen kann, sondern eine Anpassung an die in der freien Wirtschaft tatsächlichen Arbeitszeiten notwendig wäre, und ein scharfer Blick auf die derzeit herrschenden "Rahmenbedingungen" geworfen werden muß. Viele Tagesmütter können offensichtlich ein Lied davon singen, dass Behörden und Institutionen sich nicht miteinander abstimmen und so die "rechte nicht weiß, was die linke tut". Gerade im Bereich Wiesbaden/Frankfurt hat Wigwam in den letzten Monaten Austritte von engagierten Tagesfamilien zu beklagen, die aufgrund des übrig bleibenden Verdienstes nicht mehr zu motivieren waren, bei uns zu bleiben. 

Es erreichten mich auch denkwürde Briefe von Paaren,

die noch gar kein Kind haben, und sich in der Tat überlegen, ob Sie sich das Kinderkriegen finanziell überhaupt "erlauben" können. Ein seltsames Gefühl beschlich mich bei dem Gedanken, ein Stück weit Verantwortung für das "Kinderkriegen" an sich übernehmen zu sollen, indem ich für die Zeit nach der Geburt frühzeitig einen Platz fest zusichern solle.... Am erschütternsten war für mich aber ein langes Abendtelefonat mit einer Frau, die sich heftig mit dem Abtreibungsgedanken befasste, da sie sich weder finanziell eine Tagesmutter leisten, noch ihren Beruf zeitweilig aufgeben könne, da das Paar sich mit dem Bau eines Hauses so massiv verschuldet habe, dass mit nur einem Gehalt oder aber der finanziellen Einbuße durch den Tagesmutter-Lohn das Haus nicht halten ließe. 

Es kamen auch Reaktionen von Müttern,

die sich mit der bestehenden Situation in unserem Lande scheinbar "abgefunden" hatten und locker schilderten, dass sie nur für den Kontakt "zur Außenwelt" arbeiten gingen und nichts von Ihrem Einkommen überbleibe - und das sei in Ordnung. 

Einen sehr kritischen Brief einer abgebenden Mutter

und deren Überzeugungen, die auch zum Teil eine ganz "mutige Forderung" an das Gemeinwesen stellt, indem sie recht provokativ Zusammenhänge aufzeigt, möchte ich Ihnen hier im Original unkommentiert zugänglich machen - Sie gestattet auch namentlich genannt zu werden. >> Hallo Frau Rowley, dieses Thema landet bei uns wie Öl im Feuer, schön, dass sich auch andere Gedanken machen! Ich finde es zum Beispiel überhaupt nicht kinderfreundlich, für Kinderbetreuung wegen Berufstätigkeit Geld zu bezahlen. Fakt ist, wir (die berufstätigen Raben?Mütter) arbeiten, zahlen Lohnsteuer und Sozialabgaben und dürfen im Gegensatz zu den Kinderlosen dann auch noch für die Betreuung unserer Kinder zahlen. Logisch, weil Verursacherprinzip, aber irgendwie dämlich, zumal die Kosten erst dann von der Steuer (Mindestbetrag) absetzbar sind, wenn man eh so pleite ist, dass man kaum noch Steuern zahlen kann. Was soll der staatliche Unsinn? Die Steuerlichen Freibeträge sind lächerlich, dass Kindergeld geht ohnehin für die Betreuungskosten drauf. Wirklich sinnvoll ist es nicht, in Deutschland eine berufstätige Mutter zu sein! Leider darf man diese Fakten nicht in die Welt hinaus pusten, weil sonst, nach überschlägiger Kostenrechnung, kein beruflich erfolgreicher Mensch überhaupt noch Kinder haben will. Bitte verstehen Sie meine Argumentation nicht falsch: Kinderbetreuung zum Nulltarif meint nicht, dass Sie ehrenamtlich stattfinden soll. Aber um die Finanzierung sollte sich der Staat schon sinnvolle Gedanken machen: Nicht nach qualifizierten Personal im Erziehungsurlaub schreien und dann einer beruftätigen Mutter auch noch die Betreuungskosten aufdrücken. Auf die gutverdienenden Ehemänner zurückzugreifen, empfielt sich schon im Sinne der Emanzipation ganz besonders: "Schatz, ich möchte wieder arbeiten, übernimmst Du bitte die Kosten für die Kinderbetreuung?" Kinderlose haben ihr Einkommen für sich. Klar, dass wir gern teilen und ohnehin lieber Klamotten für die Kleinen kaufen, als für uns. Da lassen wir den Staat auch gleich noch mitverdienen: Mehrwertsteuer auf Babynahrung, Windeln, Kinderkleidung und Spielzeug, sorry: muss das sein? Ich kaufe es trotzdem, weil Baby ohne Windeln nicht geht, weil die Minis einfach Spass machen, weil sie so goldig sind und das Leben ohne Kinder so grässlich ruhig, entspannt, kein bisschen albern und wunderbar planbar. Nein, ich liebe meine kleinen, zukünftigen Rentenzahler und würde trotz der diskriminierenden Situation in Deutschland, im nächsten Leben nichts anders machen. Aber etwas leichter, wäre das Leben mit Kindern noch viel schöner.., und dann würde ich doch etwas anders machen: Ich würde bestimmt noch zwei Kinder kriegen !!! ein lieber Gruss ans Wigwam-Team Bianka Rühländer Mama von Philipp (5) und Sarah (bald 3)  <<   

Neu Wigwam Kinderstübchen 

Aufgrund der großen Nachfrage von Eltern nach Krippenplätzen

bzw. nach einer Gruppenbetreuung, in der die Kinder gezielt Sozialverhalten erlernen und Förderung erfahren sollen, hat Wigwam - neben der klassischen Tagesfamilie - einen neuen Ansatz entwickelt, und wir sind dabei, diese Idee auf- und auszubauen und für unsere Eltern verständlich zu definieren. Unsere Idee des "Kinderstübchens" soll eine Art Bindeglied werden zwischen der klassischen Tagesfamilie, die in der Regel 1 bis 2 Tageskinder aufnimmt und den üblichen Krippen-Angeboten. Immer wieder erleben wir, dass Eltern gezielt nach ausgebildeten Tagesmüttern fragen, und sehr daran interessiert sind, einen strafferen Tages-Ablauf vorzufinden. Ebenso kommt es vor, dass ein Krippenplatz von Eltern wieder aufgegeben wird, da das Kind den "Streß", den eine Großgruppen-Situation in einer "echten Krippe" mit sich bringen kann, augenscheinlich nicht verkraftet. Unsere Idee des "Kinderstübchens" soll hier einen Mittelweg aufzeigen, der diesen Wünschen der Eltern sehr nahe kommt, aber die Kinderzahl sich insgesamt im Rahmen einer Kleinstgruppe hält, aber der Tagesablauf mehr auf Strukur und Programm im Hinblick auf Bildung/Förderung im spielerischen kleinen Kreise ausgelegt ist. 

Ein Kinderstübchen

kann sowohl im familiären Rahmen, als auch durch eine allein stehende gelernte Erzieherin/Kinderpflegerin oder durch eine berufsfremde Frau mit wesentlicher Vorerfahrung in der Tagespflege geschaffen werden. Es werden dort maximal 5 Tageskinder betreut. Diese Familien bzw. Betreuerinnen gestalten den Tagesablauf nach einem Konzept, dass einem organisierteren Programm folgt, dass in seiner Art sehr unterschiedlich sein soll und darf. 

Hinsichtlich der "Tagesgroßpflege" bzw. der erlaubnispflichtigen Tagespflege

(mit mehr als drei Tageskindern) wird vom "professionellen Status" der Tagespflege gesprochen. Hier sind häufig besonders qualifizierte und langfristig engagierte Tagesmütter tätig. Die Betreuung und die Förderung einer größeren Kindergruppe sind für die Tagesmütter mit besonderen Anforderungen verbunden, für die sie eine besondere Eignung benötigen. Die Tagesgroßpflege bietet den Tagesmüttern eine im Ansatz existenzsichernde Tätigkeit. Allerdings ist dafür eine kontinuierliche Betreuung von mindestens vier Tageskindern erforderlich. In diesem Zusammenhang gibt es eine fachliche Diskussion darüber, wie viele Kinder maximal in Tagespflege betreut werden sollten. In den meisten Bundesländern gilt eine Höchstgrenze von fünf Kindern, der wir uns anschließen werden. 

Unser besonderes Augenmerk beim Aufbau

dieser "Kinderstübchen" wird neben den bereits genannten Kriterien auch auf der Ausstattung im allgemeinen liegen. Es sollte erkennbar sein, welches Ziel im Aufbau der kleinen Gruppe verfolgt werden soll und welche Altersgruppe man ansprechen möchte. So werden unsere "Kinderstübchen" im Aufbau darauf achten, dass die Gruppe - und auch die Eltern - die dort einen Platz wählen, besonders harmonieren. Unsere Nachfrage gilt neben dem strukturierteren Ablauf auch dem vorhandenen Spielmaterial und dem individuellen Ideenreichtum der Tagesmutter selbst: Babys brauchen am ehesten Spielzeug "zum liebhaben"; z.B. Plüschtiere, Schmusedecken, Teddys und Puppen aus weichem Material. Selbstverständlich aber auch Material für die "Sinne": z.B. Mobiles, Spieluhren, Rasseln ect. Kleinkinder benötigen zusätzlich Bewegungsspielzeug: z.B. Hinterherzieh-Tiere, Schaukel, Rutsche, Roller. Aber auch Lern- und Baumaterialien: z.B. Bauklötze, Gefäße zum Auffüllen, ineinander-Stapeln, Sand, Malwerkzeug. Auch fantasieanregende Dinge sind wichtig: Bilderbücher, Fingerpuppen, Musik- und Hörkassetten, Instrumente ect. Nach der Kleinkindphase  wird nach wie vor all das benötigt; mit altersentsprechender Anpassung, versteht sich. Vermehrt kommen dann auch Gesellschaftsspiele wie "Mensch ärger Dich nicht", "Memory", Kartenspiele und Versteckspiele hinzu. Selbstverständlich ist bei Wigwam auch Raum für ganz neue Betreuungsformen innerhalb dieser Kinderstübchen - so gibt es bereits den Waldorf-Ansatz, der ganze ohne konventionelles Spielzeug auskommt und sehr naturorientiert arbeitet. Wigwam möchte hier keine allzu expliziten Vorgaben machen - jedoch muß sichergestellt sein, dass ein individuelles aber kindergerechtes Angebot - gerne verschiedenster Art - vorhanden ist. Wie oben angesprochen, ist für uns die Motivation einer Tagesmutter und deren Ideenreichtum interessant; was tut sie z.B. bei den üblichen Regentagen ? Man könnte Geschichten erzählen, Sachen verstecken, Collagen kleben, Kleksbilder anfertigen, Geräusche raten, Ich sehe was, was Du nicht siehst spielen, Puzzeln und vieles mehr. Besonders nachgefragt wird von Wigwam auch, ob eine Tagesmutter, die die Entwicklung eines "Kinderstübchens" anstrebt, sich die richtigen Fragen im Vorfeld selbst beantwortet hat:Welche speziellere Motivation bringe ich für diese Aufgabe mit?

  • Ist mir klar, dass sich diese Form der Kinderbetreuung langfristiger gestalten sollte?
  • kann ich diesen Plan mit meiner eigenen familiären Situation vereinbaren?
  • wie sieht es mit meiner persönlichen Belastbarkeit aus?
  • Habe ich mir die ehrliche Frage gestellt: Wieviel Haushalt muß sein ?
  • Bin ich bereit, Großeinkäufe ect. auf die Wochenenden zu verlegen ?
  • Bin ich in der Lage, die Kinder in die nötigen Hausarbeiten, z.B. gemeinsames Kochen, sinnvoll miteinzubeziehen?
  • Wie kann ich für Ausgleich sorgen, wenn die Mobilität während meines Tages mit einer Kleinstgruppe sehr eingeschränkt wird?
  • Ist mir klar, dass mein Haushalt insgesamt zum Arbeitsplatz wird?
  • Habe ich Interesse an zusätzlicher Bildung und Förderung meiner eigenen Kenntnisse im Bereich Tagespflege

und viele Fragen kommen sicher noch hinzu.

Einige Kinderstübchen sind schon in Aktion, oder haben Interesse sich dahingehend umzugestalten. Wir alle werden sicherlich mit dieser neuen Idee wachsen und daraus lernen. Für Kritik und Anregungen als auch für Fragen aller Art bin ich immer zu haben... :-) 

Es grüßt herzlich 

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

Anerkannte Bildungseinrichtung

Phone: 06708 – 660636
E-Mail: info_at_wigwam.de

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