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Sonntag, 20. Juli 2014

Autor: Susanne Rowley

Sündenbock gefunden / Männer im Zeugungsstreik

Es wird wohl nicht so weit kommen, dass wir am Ende den Rabenvater aus der Taufe heben.


www.freiepresse.de/RATGEBER/FAMILIE/Maennner-im-Zeugungsstreik-artikel311226.php

Dieser einseitige Artikel passt in die deutschlandweit immer wiederkehrende Diskussion bezüglich des Geburtenrückgangs; er wirft einen von vielen ebenso einseitigen Erklärungsversuchen in den Raum, nur diesmal

in die männliche Hälfte des Spielfeldes.

Es wird wohl nicht so weit kommen, dass wir am Ende den Rabenvater aus der Taufe heben, aber er deckt dennoch Stimmungen auf, die ich verstärkt auf Väterseiten wahrnehme. Der Ruf nach Gleichberechtigung auf Männerseite wird in vielen Bereichen lauter. Für mich und damit für meinen Kommentar hier, schlussendlich aber auch ein weiteres Indiz dafür, dass wir uns noch wesentlich intensiver mit Stimmungen beider Geschlechter in diesem Land und seinen Ursachen beschäftigen müssen;

es genügt einfach nicht mehr, sich mit ebenso einseitig strukturierten Studien abspeisen zu lassen, die ohne Ergebnis verzweifelt der Frage nachgehen, warum in einem Regen von Familienleistungen der Segen dennoch ausbleibt. Auf diese Frage würde ich antworten:

Weil uns eine andere Form von Gewinn entgangen ist, die verantwortlich zeichnet für den Verlust auf Seiten der Familienplanung.

Aber von vorne:

Wenn ich mir die lange Liste von Studien anschaue, die ich den letzten Jahren gelesen habe, lag der Blick vorrangig auf dem gesellschaftlichen Strukturwandel, den Familie durchlaufen hat. Angefangen von der Verfügbarkeit empfängnisverhütender Mittel, über den sogenannten Wohlfahrtsstaat, der Frauen die Scheidung erleichtert hat, bis hin zu gleichberechtigten Bildungschancen, die Frauen die Möglichkeit eröffneten, sich vollumfänglich selbst zu erhalten, Und nicht zu vergessen, die ganz aktuelle Diskussion, Kinder seien ein zu hoher Kostenfaktor in einer Zeit, in der Mann und Frau sich lieber selbst verwirklicht.

Viele belegbare Fakten, ab und an begleitet von Mutmaßungen, die aktuell noch flankiert werden von weiterhin fehlenden oder qualitativ schlechten Betreuungsplätzen. Und dennoch verfestigt sich gesellschaftlich ein Bild: Familienpolitik in diesem Land ist längst zu einer völlig losgelösten Insel verkommen. Losgelöst aber eben nicht nur im Hinblick auf sämtliche Wechselwirkungen mit anderen politischen Schlachtfeldern, wie der Arbeitsmarktpolitik, die den Menschen weit mehr genommen hat als „nur“ die Planungssicherheit.

Sie ist längst losgelöst von der Familie als solches, also der kleinsten Zelle unserer Gesellschaft, die neue Zellen hervorbringen soll. Stimmungen im Land entstehen nicht nur durch politische Entscheidungen und deren Auswirkungen. Stimmungen im Land entstehen auch und vor allem da, wo Politik Bedürfnisse und Möglichkeiten des Menschen aus dem Fokus genommen hat. Stimmungen entstehen da, wo das eine Bild der Familie hochgehalten und ein anderes vernachlässigt wird. Stimmungen entstehen auch da, wo Politik sich völlig heraus hält und sich dem Kapital als oberstem Dienstherren völlig verschrieben hat.

Zu diesem Bild gehören für mich

die Kinderarmut in einem reichen Land, die nicht zu entschuldigen ist. Der mangelnde Schutz von Kindern vor psychischer und physischer Unversehrtheit, die nicht zu entschuldigen ist. Die Lippenbekenntnisse in Sachen Inklusion, für deren Gelingen niemals das Geld locker gemacht werden wird. Der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für 1-jährige, der einem Anspruch auf Lagerhaltung ohne Bindung für Kleinstkinder gleichkommt. Ich könnte die Liste unendlich erweitern.

Es geht um den Umgang mit der Ressource Mensch

und einen flächendeckenden Werteverfall im sozialen Bereich. Das Land kommt seinen sozialen Aufgaben nicht nach, und es schert sich auch nicht darum, was aus Menschen wird, die ihre Funktionstüchtigkeit, in welchem Alter auch immer und aus welchen Gründen auch immer, verloren haben.

Ob wir Bedürftige nun Kunden nennen, Operationen nach Fallpauschalen abrechnen, das Kämmen von alten Menschen nach Minuten abrechnen, Babys in Großraumhallen abladen und sich selbst überlassen - ganz egal, Die Botschaft ist überall die gleiche. Und wir blenden abermals weg, wenn wir glauben, diese Botschaft sei nicht längst bei jungen Menschen und Familien angekommen. Wir müssen über das Klima in diesem Land sprechen, und das Klima ist kalt! Und das Klima wird noch frostiger werden, denn der Mensch wird immer länger auf diesem Planeten weilen, weil er älter wird. Und je länger er lebt, umso größer wird die Zahl der kleinen und großen Katastrophen werden, die er durchleben muss.

Beim Thema Familie wird dies u.a. auch heißen, dass Trennungsraten steigen können, und die Zahl von neuen sich bildenden Lebensformen zunehmen wird. Die diamantene Hochzeit wird hierbei wohl eher die Ausnahme bleiben.

Und deswegen ist das Thema des Artikels nur ein zusätzlicher Spiegel dessen, was Gesellschaft heute und morgen familiär zu hinterfragen hat, und ob Politik weiterhin nicht hören, sondern nur nachträglich fühlen will.

Es ist Aufgabe des Staates, Leid zu mindern, und nicht zu vermehren. Es ist Aufgabe des Staates, den Menschen, der in ihm lebt, in gesellschaftlichen Entwicklungen stützend zu flankieren, statt ihm auf der Suche nach "Schuldigen" zuzusehen. Es ist Aufgabe des Staates, einem Menschen, der ohne optimale Rahmenbedingungen ins Leben tritt oder zu uns gekommen ist, oder aus diesen Rahmenbedingungen heraus gefallen ist, ein Leben mit Chancen und Würde zu ermöglichen. Und mit Geld alleine ist Würde nicht aufrecht zu erhalten.

Wir aber leben in einem Land,

in dem die Ressource Mensch benutzt wird, solange sie funktioniert. Funktioniert sie nicht mehr, werfen wir sie weg.

Und diese Botschaft

vom Raub der Würde ist flächendeckend bei den noch nicht-werdenden Familien angekommen, und natürlich auch bei allen Nicht-Vätern. Von daher stimme ich dem im Artikel erwähnten Passus nicht zu, der eine neue Front auf Seiten der Männer – analog der vielen Mütterfronten, die wir bereits kennen - versucht aufzumachen.

Es nützt uns rein gar nichts, um an der mangelhaften Lust ein Kind in die Welt zu setzen, auf diesem Wege herumfummeln zu wollen.

Zitat: >> Die Hamburger Journalistin Meike Dinklage hat in ihrem Buch "Zeugungsstreik" belegt, dass noch andere Gründe zur Kindesverweigerung führen. Ständig ist von 40 Prozent Akademikerinnen die Rede, die auf der Karrierelaufbahn für ein Kind keine Zeit haben. Ihnen gegenüber stehen aber Männer aller Ausbildungswege - vom Handwerker über den Angestellten bis zum Manager - im Zeugungsstreik. Weil sie ihr Leben nicht ändern wollen. Weil sie den sozialen Abstieg fürchten. Weil sie ja noch später Väter werden können. Weil ihnen ein positives Familienbild fehlt, so Dinklage. (…) Solange man den Geburtenschwund nicht aus diesem Blickwinkel betrachtet, wird man auch seine Widersprüche nicht auflösen können", folgert Meike Dinklage. Und teilt den Großteil der deutschen Männer in zwei Typen ein: die Verantwortungsscheuen und die Totalverweigerer. <<

Diesem Ausspruch möchte ich dann doch erfrischenderweise ein Zitat, welches ich zum o.g. Artikel an anderer Stelle gefunden habe, entgegensetzen, denn es zeigt den zu Recht benannten und empfundenen Verlust von Würde auf Seiten der Väter.

Zitat: >> In unserem Rechtsstaat kann es Menschen, weit überwiegend Vätern, widerfahren, dass gegen ihren Willen und ohne ihnen anzurechnendes schuldhaftes Verhalten ihre Ehen geschieden, ihnen ihre Kinder entzogen, der Umgang mit diesen ausgeschlossen, der Vorwurf, ihre Kinder sexuell missbraucht zu haben, erhoben und durch Gerichtsentscheid bestätigt wird, und sie zudem durch Unterhaltszahlungen auf den Mindestbehalt herabgesetzt werden. Die Dimensionen solch staatlich verordneten Leides erreicht tragisches Ausmaß und sollte seinen Platz auf der Bühne, nicht in unserer Rechtswirklichkeit haben. <<

Quelle: Anwaltsblatt 1997, Seite 466-468, Zitat von Harald Schütz einem Richter am Oberlandesgereicht Bamberg vom 10. Mai 1997 auf dem 49. Deutschen Anwaltstag.

Mitnichten geht es hier „nur“ um Geld.

Es geht auch darum, was ein Vater ggf. noch wert ist, wenn ihn ein

"Land ohne Lachen"

schrieb ein Magazin über den Geburtenrückgang hierzulande. Wo immer weniger Kinder sind, ist es auch immer weniger fröhlich.

Vielleicht sollten Männer öfters an Spielplätzen stehen bleiben, Kinder beobachten und erkennen, wie sehr Väter gebraucht werden. "Nur Männer lassen sich auf das Spiel mit Kindern richtig ein", sagt eine Psychologin. "Frauen sehen sich stärker in der Rolle der Erzieherin. Männer rutschen in die Sandkiste und bringen Kinderaugen zum Leuchten, das ist der größte Väterlohn."

Und schließen möchte ich mit dem Hinweis,

dass hier das Wort „Lohn“ in einem liebevollen Zusammenhang gebraucht wurde,

und diese Form von entgangenem Gewinn ist unser aller eigentlicher Verlust.

Im Netz kreist derzeit eine Umfrage der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Antworten auf Fragen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sucht, und stellt eingangs schon mal vorauseilend fest:

dass Kinder in unserer Gesellschaft zu einem Handicap geworden seien.

Ich werde mich ganz sicher nicht an dieser Umfrage beteiligen.

herzliche Grüße Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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