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Dienstag, 1. Januar 2013

Autor: Susanne Rowley

Stutenbeißerei

 Von langweiligen Hausmütterchen - egoistischen Karrierefrauen.


www.cicero.de/salon/frau-fried-fragt-sich-wann-der-gute-mutter-mythos-endlich-ausstirbt/53172

Oh je, liebe Amelie Fried – Dieser Artikel hat nicht ganz das Niveau, das wir uns von Ihnen wünschen würden.

Wenn 2 „Hausmütterchen“ + „egoistische Karrierefrau“ sich streiten, freut sich der Dritte

= Verantwortliche unserer Sozialpolitik

>> Eine gute Politik würde Bedingungen schaffen, die Kinder wieder zur Lebensselbstverständlichkeit machen und zu einer gemeinsamen Sorge von uns <<

ist in einem der Kommentare zu lesen!

Stimmt - Woran es aus unserer Sicht in der Politik mangelt, haben wir auf dieser Seite bereits ausreichend erörtert. Dass es unterschiedliche Modelle gibt, Familie zu leben, ist auch längst kein Geheimnis mehr.

Liebe Wigwam-Freunde,

in unserem Kommentar hier möchten wir lieber ein Wort über die unselige Stutenbeißerei und die „ewige Schuld“ verlieren, die sich Frauen, Mütter, Eltern in unserem Landes stetig selbst aufladen, verlieren. Warum, fragen wir uns, zeigen wir so gerne mit dem Finger auf die „andere Frau“, die so ganz anders lebt, als wir selbst? Es ist manchmal ganz hilfreich, den Dingen auf den Grund zu gehen – sie quasi bis „zum bitteren Ende“ durchzudenken. Bei dieser Stutenbeißerei geht es im Grunde um Vermeidung von Schuld im Vorfeld – Schuld zu sein, dass wir gar keine Kinder bekommen, schuld zu sein, dass aus unseren Kindern womöglich später einmal „nichts wird“ durch unsere „falsche“ Lebensweise. Jeder Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eigene Werte und Ideale, an denen er sich orientiert und die ihm das Gefühl geben, eine eigene innere Instanz geschaffen zu haben, für die er verantwortlich ist. Er hat also Dinge für richtig oder falsch erkannt, weiß, was ihm persönlich gut tut und versucht danach zu leben. Unter günstigen Umständen wurden ihm diese Werte auch vorgelebt; ein schönes Zitat gibt es dazu von Friedrich Froebel:

„Erziehung ist Beispiel und Liebe – sonst nichts“.

Unter ungünstigen Umständen – und die sind für manche bei einer Werteverschiebung in unserer Gesellschaft gegeben - verschieben sich diese Maßstäbe von Zeit zu Zeit. Wir Erwachsenen wissen durchaus Bescheid um unsere eigenen Werte – das Kind in uns, weiß das manchmal nicht. Je nachdem, wie wir als Kinder Anerkennung erfahren haben, sind wir als Erwachsener mehr oder weniger heftig auf der Suche nach derselben. Die Umwelt bewertet und spiegelt uns im Verlauf unseres Lebens Anerkennung oder Ablehnung unseres Tuns auf unterschiedlichste Art; und das Ergebnis – in diesem Fall das erwachsen gewordene Kind - liefert den letzten Beweis. Der Super-Gau wäre also, wenn wir uns als Eltern die Beine ausgerissen haben, und aus unserem Kind ist dennoch „nichts geworden“! Also signalisieren letztlich die Kinder, die wir groß gezogen haben, allen Eltern, ob wir das gut hingekriegt haben. Ist also aus unserem Kind gesellschaftlich gesehen „nichts geworden“, ist es womöglich auf die „schiefe Bahn“ geraten, ist das der schlussendliche Beweis, dass wir so gut wie alles falsch gemacht haben. Um das zu vermeiden, schlagen wir verbal im Vorfeld bereits um uns, haben die Rechtfertigung fürs spätere Ergebnis heute schon parat, oder neigen dazu, uns über Gebühr anzustrengen, eigene Werte ggf. über das natürliche Maß hinaus zu verschieben, also die spätere Schuld am Beginn schon zu vermeiden.

Das geht sogar so weit, dass Menschen, statt sich vor überhöhten Ansprüchen zu schützen, diese Anforderungen geradezu suchen, um sich selbst zu beweisen: ich bin eine gute Mutter! Mit diesen Aussagen, möchten wir nicht Schuld verschieben – sondern nur Zusammenhänge aufweisen. Man kann in unserer Gesellschaft nicht über Schuldgefühle reden, ohne sich über das Phänomen an sich Gedanken zu machen. Schuldig wird man ja nur, wenn man sie nicht abträgt, bzw. eine Verpflichtung nicht erfüllt. Dieser Umstand allein wäre relativ bedeutungslos, wenn er nicht mit einer schmerzhaften Konsequenz verknüpft wäre: Der Strafe! Erst diese macht aus der Schuld ein furchteinflößendes Ding. Das Schuld-Strafe-System an sich ist also aus meiner Sicht eine wichtige Komponente, wie aus einer Mutter, aus Eltern in den Augen der anderen „schuldige Sünder“ werden können.

Es ist also nicht wirklich unser eigenes Gewissen,

was uns mahnt, so oder so zu leben, sondern die zu hohe Erwartung von Ansprüchen in uns oder von außen, die wir nicht erfüllen können oder wollen. Aber - wir stehen einfach nicht dazu! An dieser Stelle könnte ich noch die christliche Kirche erwähnen, die das Schuld-Strafe-Angst-System bis zur Perfektion an uns Menschen ausgearbeitet hat. Aber das führt bezüglich des Themas zu weit. Aber es macht mit uns allen etwas – nicht „nur“ mit uns Eltern, dass ein Leben in Verzicht, Entsagung, hehrer Selbstverneinung sowie moralischen Dogmen als höherwertig eingestuft wird. Um den Bogen zu Ende zu spannen – sicherlich hat jeder Mensch den Wunsch nach Zuspruch und gesellschaftlicher Anerkennung, daher wird es immer wieder eine doppelte Anstrengung bedeuten, sich seiner eigenen Werte bewusst zu bleiben, und sich zeitgleich gegen den allgemeinen Strom zu wehren und sich vor gefühlt falschen Autoritäten zu schützen.

Abschließend sei gesagt, dass ich mir vor Jahren schon bewusst gemacht habe, das Schuld und die sogenannte Sünde in der Menschheitsgeschichte trotz unmenschlichster Unterdrückung und Bestrafung niemals aus der Welt geschafft werden konnte, weil dagegen ein ganz natürlicher Drang des Menschen nach individuell empfundener Freude steht, und diese Freude kann weder genormt noch bestimmt werden. Für mich ist Traurigkeit, Leid und Krankheit ein Zeichen von seinem persönlichen Weg abgewichen zu sein.

Leben wir also nach unseren Maßstäben, die wir als richtig erachten, leben wir unseren Kindern automatisch vor, dass sie das gleiche Recht erworben haben; nämlich ihre persönlichen Maßstäbe zu suchen und zu finden. Sehen wir uns also lieber als haltgebender Begleiter auf dem Weg dahin, und überlegen wir  weniger im Vorfeld, ob unser Kind uns einmal vorwerfen könnte, dass wir es nicht bis zum Abitur hin geprügelt haben. Und räumen wir auch ein, dass es gute und schlechte Phasen in unserem Leben gab und geben wird, in denen wir nicht mehr als das, was wir haben/hatten, geben konnten.

Schlussendlich müssen wir Eltern auch einsehen, dass jedes Kind eigene Anlagen mitbringt, die sich einer Einflussnahme ggf. entziehen. Geben wir unser viel beschworenes „Bestes“ – ohne uns selbst zu verlieren – ohne unser Recht auf eigenes Glück an der Kreissaaltür abzugeben – nicht mehr und nicht weniger!

herzliche Grüße

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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