Freitag, 18. Juli 2014

Autor: Susanne Rowley

Social freezing – Bis später Baby

- der Natur ein Schnippchen - eine neue Form von Freiheit?


www.ardmediathek.de/tv/Jetzt-mal-ehrlich/Bis-sp%C3%A4ter-Baby-Kinderwunsch-ohne-Gren/BR-Fernsehen/Video

Eine neue Form von Freiheit, oder eine weitere Möglichkeit das Leben und die Natur zu kontrollieren?

Ein sehr sehenswerter Bericht, der neben ethischen Fragen auch die Familienpolitik genauer unter die Lupe nimmt. Ein neuer Trend aus München macht die Runde und die Taschen der Reproduktionsmediziner voller.

Was zuvor Frauen vorbehalten war, die z.B. aufgrund einer schweren Erkrankung, die mit einer späteren Unfruchtbarkeit einhergehen konnte, vorbehalten war, soll jetzt zur gängigen Praxis werden. Paare, die sich noch nicht bereit für Kinder fühlen, frieren die Eizellen der Frau für einen späteren Zeitpunkt ein. 3000 € kostet die Entnahme zusätzlich zu den 300 € Lagerkosten im Jahr.

Neben Paaren, die mit unterschiedlichen Reaktionen auf diese neue Möglichkeit der Reproduktionsmedizin reagieren, kommt auch ein Demograf zu Wort, der die Entwicklung der Geburtenrate in den letzten 40 Jahren speziell in Deutschland näher beleuchtet. Er glaubt, dass neben vielen Faktoren, die einer Form von "natürlicher Lebensplanung" zuwiderlaufen, sich eine Norm verfestigt habe, nicht mehr als die berühmten 1,4 Kinder in die Welt zu setzen.

Zudem wäre zu beobachten, dass sich speziell in Deutschland, trotz massiver Bildungsfortschritte von Frauen, die Haltung, einen im Status "höherwertigen" Mann angeln zu müssen/zu wollen geblieben sei. Das führe ganz selbstverständlich dazu, dass die gebildete Frau im mittleren Alter Mr. Right nicht finden kann.

Ärztin liebt Waldarbeiter -

in Deutschland schwer vorstellbar. Hingegen die Skandinavier das ziemlich reizvoll fänden.

Kinderlose Paare, so zeigt das Video, sind verständlicherweise über das Angebot der Reproduktionsmedizin sehr glücklich, doch auch da gibt es berechtigte Kritik. Zum einen sei ungewollte Kinderlosigkeit noch immer mit einer Art Tabu belegt, die dazu führe, dass Paare sich schämen müssten, nicht hinzubekommen, "was andere können". Und zum anderen - und das kann ich auch aus meiner jahrelangen Beratungsarbeit im Wigwam bestätigen - ist diese Form der Familiengründung mit großen Belastungen verbunden, und nicht alle Beziehungen überstehen diesen Stress - auch dann nicht, wenn der Erfolg, also das Kind, sich einstellt. Die Belastung für Paare, sich auf das reine "Produzieren" eines Kindes fokussieren zu müssen, macht etwas mit der Beziehung. Und es ist auch nicht wirklich erforscht, wie sich der Vorgang selbst auf die betroffenen Kinder später einmal auswirken wird.

Ein weiterer Reproduktionsmediziner, der im Beitrag zu Wort kommt, sagt, dass er sich niemals hätte vorstellen können, dass sich diese Form der KIndes-Zeugung derart ausweiten würde. Was sich einst als HIlfsmaßnahme für kinderlose Paare in gefühlten Ausnahmesituationen darstellte, ist heute Geschäftszweig. Geschäftszweig aber nicht nur deswegen, weil es die Möglichkeit eröffnet, Geschäfte zu machen, sondern auch, weil bei vielen Frauen der Kinderwunsch mittlerweile erst im Alter von 37 bis 38 stark würde, und - das sei wissenschaftlich unbestritten - die Fruchtbarkeit des Mannes insgesamt nachlasse. Das wiederum liege an Umweltgiften und der starken Zunahme der Östrogene im männlichen Organismus.

Reproduktionsmedizin als Reparaturwerkstätte?

Dies wirft neben ethischen Fragen auch die nach den gesetzlichen Grenzen auf. So ist z.B. nicht geregelt, wie lange eingefrorene Eier aufgehoben werden dürfen. Ein Mediziner im Beitrag setzt da auf intensive Beratung von Frauen im Vorfeld - und bei 50 - so findet er, muss Schluss sein. Hier ist neben dem Risiko von schweren Belastungen in einer möglichen Schwangerschaft auch mit Spätfolgen der Frau selbst zu rechnen, auch dann, wenn die Schwangerschaft neben der Geburt erfolgreich verläuft.

Selbstverständlich kommt zum Ende des Beitrages auch die Vereinbarung von Familie und Beruf zur Sprache, und es ist keine Überraschung, dass auch hier entsprechende Wechselwirkungen bereits zu beobachten sind. Wer die Reproduktionsmedizin bemühen musste, um ein Kind zu bekommen, spürt noch stärker als andere Frauen, dass er dankbar zu sein hat, für dieses Geschenk. Und die Erwartung, dass eine betroffene Frau dann nicht berufstätig ist, liegt fast auf der Hand.

Wahr ist auf jeden Fall,

dass Deutschland DAS Land der OECD ist, dass die meisten Mittel für Familien zur Verfügung stellt, und den wenigsten Nutzen daraus zieht. Neben Tatsachen, dass alleine schon ein Studium der Frau sehr viel fruchtbare Lebenszeit abnötigt, spielen viele andere Umstände eine ebenso große Rolle.

Es bleibt insgesamt also spannend, der Entwicklung und der möglichen Befreiung der Frau/Mutter des Mannes/Vater - in die eine oder andere Richtung - hierzulande beizuwohnen - wobei es nicht einfacher werden wird, den Begriff von Freiheit im Kontekt aller Wünsche und Anforderungen richtig zu bestimmen, denn so manch' eine Entwicklung schreitet schneller fort, als der Mensch es erfassen und verinnerlichen kann.

Ein Projekt in Bayern könnte dabei Unterstützung leisten - es geht darum, die Arbeitszeit im länger währenden Leben, in dem sich "Familienzeit" ganz in die Altersmitte eines Lebens verlagern könnte, den Bedingungen anzupassen. Wenn das in Zukunft gelänge, wäre eine Kuh schon mal vom Eis, nämlich die, beruflich massiv zurück stecken zu müssen, entscheidet man sich früh für Kinder. Ein solche Entwicklung direkt in den Unternehmen würde am ehesten dazu geeignet sein, superschräge Entwicklungen, wie im Beitrag hier zu sehen, in der Waage zu halten.

Beim Ansehen des Beitrages habe ich mich zudem gefragt, ob die Natur dieser künstlichen Anpassung irgendwann folgen wird? Mein Gefühl war eher Mutation statt Evolution, schaut man sich an, was wir Menschen im eher künstlichen Zeitraffer so alles hinlegen.

herzlich Susanne Rowley

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Susanne Rowley
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