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Mittwoch, 1. Februar 2006

Autor: Susanne Rowley

Schwerpunkte der Legislaturperiode

Kinderbetreuungskosten / Elterngeld


Hallo liebe Wigwam-Freunde,

heute kommt der Februar-Brief aus dem eisigen Bad Münster am Stein,

aber mit heißen Themen.

Derzeit geht es ja rund im politischen Karussell der Neuerungen - aber leider ist nicht alles, was für uns Eltern und Kinder unten herausfällt, als praxisnah anzusehen - aber unser Staat hat erkannt, dass ohne Kinder hier bald gar nichts mehr geht. Die Frage ist nur, ob die geplanten Neuerungen junge Eltern wirklich dazu bringen können, wieder mehr Kinder zu bekommen. Aber - wir können auf jeden Fall erkennen, dass sich alle Parteien groß "die Familie" auf die Fahnen geschrieben. Wollen wir doch mal schauen, was es derzeit an Neuerungen zu berichten gibt. Da haben wir sie nun die große Koalition der Parteien. Und alle hoffen wir, dass 2 ganz große auch was großes zustande kriegen. Oder müssen wir eher fürchten, dass aufgrund der Haltungsgegensätze innerhalb der Parteien nicht mehr als laue Kompromisse herauskommen ? Schauen wir doch mal in den Koalitionsvertrag der CDU und SPD hinein. Wie immer sind Kommentare von meiner Seite zur besseren Unterscheidung in  * eingefasst. 

Ausblick auf 2007: Elterngeld 

Zu Beginn des nächsten Jahres winkt uns Eltern die Einführung eines einkommensabhängigen Elterngeldes. Die Höhe des Elterngeldes soll zwei Drittel des zuvor bezogenen Einkommens, maximal jedoch monatlich 1800 Euro betragen. Das Elterngeld soll höchstens zwölf Monate lang bezogen werden können. Allerdings nur dann in voller Höhe, wenn auch der Vater mindestens für zwei Monate die Kinderbetreuung übernimmt.  *Ich stelle mir gerade den Run auf die Personalabteilung vor; und Väter, die dort zukünftig Schlange stehen, um durchzusetzen, genau 2 Monate fehlen zu dürfen. Da dies dem Arbeitgeber nicht recht gefallen wird, wird unser Papa wohl Teile seines Jahresurlaubes dafür freiwillig opfern**. Für Elternteile, die vor der Geburt nicht erwerbstätig waren, soll es ebenfalls Elterngeld geben. In welcher Höhe, ist jedoch derzeit noch nicht geklärt. Sinn und Zweck dieses Elterngeldes soll es vorrangig sein, Familien zu ermöglichen, sich gerade im ersten Lebensjahr ohne Geldsorgen intensiv ihrem Kind zu widmen; die neue Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ist der Ansicht, dass dies für die meisten jungen Eltern von hoher Bedeutung sei. Das Elterngeld soll jungen Paaren mehr Mut geben und ein Rahmen dafür sein, dass sie Ja zu Kindern sagen können. 

Weitere Schwerpunkte der neuen Legislaturperiode Unsere Bundesministerin Ursula von der Leyen

legt sich mächtig ins Zeug. Neben der Einführung des Elterngeldes, hat Sie noch zwei weitere Schwerpunkte für die neue Legislaturperiode angekündigt: Mehrgenerationenhäuser sowie Förderung benachteiligter Kinder. Weiterhin setzt sie auf einen Dreiklang für Familien bestehend aus "Zeit, unterstützende Infrastruktur und Einkommen". Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir derzeit unter diesen erhabenen Worten noch nicht ganz so viel vorstellen - wenn Sie das können, liebe Leser, dann klären Sie mich gerne auf.. Sie hat die Idee von "Mehrgenerationenhäusern".

Das soll eine Anlaufstelle, Netzwerk und Drehscheibe für familienorientierte Dienstleistungen, Erziehungs- und Familienberatung, Gesundheitsförderung, Krisenintervention und Hilfeplanung sein. Dabei sollen diese eigene Angebote der Frühförderung, Betreuung, Bildung und Lebenshilfe entwickeln. Zitat von der Leyen: "Das sind Orte, an denen sich die Menschen tagsüber treffen können, wo es eine Krabbelgruppe mit einer Altenbegegnungsstätte gibt, ein Jugendzentrum und Hausaufgabenhilfe unter einem Dach, so dass wir einander stärker helfen können". 

Das hört sich superspannend an,

aber derzeit wollen sich in meinem Kopf einfach keine neuen Bilder zu diesen Ideen formen - ausser die Bilder, die ich schon kenne. Ich sehe wieder staatliche Einrichtungen, die auf und zu machen zu Zeiten, in denen kein Mensch mehr in Deutschland wirklich arbeitet. Ich denke an Bildungsstätten, die wir schon zu hauf haben. Ich denke an Erziehungsberatungsstellen, wo ich gute Worte höre, aber keiner wirklich anpackt. Ich stelle mir vor, wie kleine Kinder durch "vorbildliche" deutsche Altenheime laufen, in denen auf einen Pfleger 30 Patienten kommen, weil kein Geld da ist ?? Ich sehe eine Flut von Anträgen, die man bewilligt bekommen muß, um familiennahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu dürfen - und das dauert. Und - mein Auge fällt auf den Satz "diese sollen eigene Angebote" machen....das wäre der erste Ansatz vom "freien Markt" der sozialen Arbeit, der ja in Deutschland noch immer keinen guten Ruf besitzt, weil soziale Arbeit darf ja nichts kosten. Und wenn doch, wäre es aber nötig, dass der Kontrollzwang, den unser Staat immer gerne ausüben möchte, nachlässt, damit zarte Pflänzchen von guten Ideen und Eigeninitiative nicht ersticken in Vorschriften und Auflagen**. 

Frau von der Leyen spricht von

"Hilfe für sozial benachteiligte Kinder". Sie will dafür sorgen, dass die Kinder, die auf der Schattenseite des Lebens, in Armut oder in familiäre Problemlagen hineingeboren werden, besser als bisher gefördert werden. Die Talente und vielfältigen Fähigkeiten dieser Kleinkinder dürfen aufgrund der sozialen Benachteiligungen nicht verkümmern, fordert von der Leyen. Zitat: "Wir wissen inzwischen, dass es eine ganz große Rolle spielt, wie die verlässliche Bindung am Anfang des Lebens ist, wo diese Kinder ihren Anker finden. Da müssen wir genauer hinschauen." Ja, da schauen wir mal :-).

Wie verhindern wir denn das Verkümmern dieser Kleinkinder ? Nehmen wir sie aus den Familien heraus ? Schicken wir pädagogische Helfer hinein ? Bauen wir Einrichtungen, die fördern, was Familien selbst nicht leisten können ? Setzen wir weiterhin nur auf Anschauungsunterricht für Kinder außerhalb der eigenen 4 Wände ? Wodurch entsteht denn diese Armut und somit die Schattenseite, in die besagte Kinder hineingeboren werden? Die Ursachen kennen wir alle ! Armut und mangelnde Bildung. Das beste Förderprogramm für benachteiligte Kinder ist eine "intakte Familie". Und eine intakte Familie kann nur auf einem soliden Untergrund (ent)stehen. Diesen bietet der gesicherte Arbeitsplatz und gute Schulbildung für alle Schichten. Es bleibt also spannend, wenn Frau von der Leyen hier beim Wort genommen wird.* 

Neue Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten Bis zu 4000 Euro können im Ausgleich angegeben werden

Die steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten wird in zwei Alterstufen der Kinder unterschieden. Sie gilt rückwirkend zum 1. Januar 2006. Der Anrechnungsbetrag liegt heute bei 1548 Euro und sinkt mit der Neuregelung auf 1000 Euro beziehungsweise fällt sogar ganz weg. Zudem sind künftig höhere Beträge von der Steuer absetzbar. Künftig können Eltern für Kinder bis zum 6. Lebensjahr 4000 Euro jährlich oberhalb eines Anrechungsbetrages von 1000 Euro von der Steuer absetzen. Die ersten 1000 Euro der Kinderbetreuungskosten sind somit von den Familien zu tragen. Kosten, die darüber hinaus anfallen, können bis zu 4000 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Für Kinder von sechs bis 14 Jahren können sogar vom ersten Euro an 4000 Euro jährlich von der Steuer abgesetzt werden. Denn mit dem Schuleintritt des Kindes ändert sich die Situation für die Eltern. Zum einen ist der Schulbesuch für alle Kinder kostenfrei. Zum anderen ist eine Betreuung typischerweise nur notwendig, wenn beide Eltern erwerbstätig sind. Deshalb ist es ab dem 6. Lebensjahr des Kindes erforderlich, die erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten ohne Anrechnungsbetrag steuerlich zu berücksichtigen. Hiervon haben Sie sicher ausreichend in den Nachrichten gehört. Es stellt sich die Frage, ob diese Maßnahme nicht eine Alibi-Funktion trägt, und ob sie einen wirksamen Beitrag dazu leistet, dass mehr Mütter in Arbeit kommen und/oder mehr Kinder in Deutschen Landen geboren werden?

Ich sehe hier 2 gravierende Punkte, die nicht gelöst werden. 1. Die Familien, die bereits Betreuung haben, müssen die Betreuungsgelder erstmal (vor)finanzieren, denn bevor ich etwas absetzen kann, muß ich ja bekanntlich in Vorleistung treten. 2. Müssen die Eltern eine Tagesmutter finden, die bereit ist, fast umsonst zu arbeiten, denn das ist der Preis für die Tagesmutter, die aus der "Grauzone" kommt. Und dann merken wir ganz schnell, dass die Polit-Schraube hier wieder nur an einer Seite gedreht hat. Die betreuende Seite wurde vergessen - die Tagesmutter, die nach Abzug all ihrer Steuern, Sozialabgaben und Vorsorgemaßnahmen fast zum Nulltarif unterwegs ist; nämlich durchschnittlich bleibt ihr ein Stundenlohn von 1,65 €. Somit haben wir weiteres Öl in das Feuer zweier Müttern geschüttet, die wir eigentlich füreinander motivieren sollen. Und weiterhin kämpfen sie ihren Kampf miteinander in der die eine sagt, dass ihr vom Gehalt nichts bleibt und die andere zu recht erwähnt, dass für diesen Hungerlohn niemand in Deutschland wirklich etwas leisten möchte. 

Aber immerhin - mittlerweile arbeiten wir an dem anerkannten Berufsstand der Tagesmutter; aber ein "gebildeter Berufsstand" will auch entlohnt sein. 

 In diesem Sinne verbleibe ich wie immer mit der Hoffnung auf besseres (politisches) Wetter.

herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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