Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Freitag, 31. Oktober 2014

Autor: Susanne Rowley

Schröder'sche Schatten der familienpolitischen Vergangenheit holen uns ein

Sie wollte nie Vorbild sein. Das ist ihr gelungen.

Wenn Sie, liebe Wigwam-Freunde, schon immer mal wissen wollten, warum man nicht Bus und Auto gleichzeitig fahren kann, hier erfahren Sie es von unserer ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder. 

sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42345

Bitte nicht aus der Versenkung holen die Dame – beim Lesen des Interviews krieg‘ ich einen mega-flashback, weil ich erinnere mich noch duster.

Und es geht gleich lustig zur Sache. Auf die Frage:

>> Sie haben Ihr Amt als deutsche Familienministerin aufgegeben, weil sich Beruf und Familie in Deutschland nicht vereinbaren lassen << und auf die Feststellung, dass dies nicht einer gewissen Ironie entbehre, antwortet sie: >> (..) Nein. Was mich bewogen hat, passt zu meiner Familienpolitik. <<

Der erste Lacher saß schon mal.

Ok, da kam noch ein Satz hinterher: >> Ich habe immer gesagt, ich stelle die Wahlfreiheit ins Zentrum.<< Wahlfreiheit? Warum erinnert sich keiner so wirklich an ihren selbsternannten Wahlspruch? Weil sie auch den nicht glaubhaft rüberbringen konnte. Denn das Interview geht im altbekannten Tenor ihres ganz "speziellen" Verständnisses von Wahlfreiheit weiter.

Sie sagt kluge Sätze wie,

dass jede Frau und jede Familie selbst entscheiden müsse, wie sie leben wolle. Da ist nach wie vor nichts Spektakuläres dran, es sei denn man hört genauer hin und spürt, wie das Interview abdriftet hin zu einer fundamental einseitig statt politisch denkenden Frau. Ab in die Untiefen des "schlechten" Gewissens aufgrund ihrer Betonung urnatürlicher Vorgänge, auf die ich ohne sie nie gekommen wäre; nämlich, dass ich nicht gleichzeitig im Büro und bei meinem Kind sitzen kann. Ja, das geht nicht! Ebenso wie Mensch nicht gleichzeitig Auto und Bus fahren kann.

Wie sie wirklich drauf ist,

und wo ihre entscheidenden Defizite als Ministerin aller Familien lagen, sieht man aber noch deutlicher an diesem Passus: >> Aus meiner bisherigen Biografie kann man die Aussage ableiten, dass es "objektiv" möglich ist, Kinder und Karriere zu verbinden. Ich habe es ja selbst zwei Jahre lang "durchgezogen". Aber die Frage ist doch, ob man es zu den Bedingungen will, unter denen es möglich ist. Hier geht es wirklich darum, was einem fundamental im Leben wichtig ist. Und das kann nur jeder Mensch für sich selbst entscheiden. <<

Paff Poff Pow –

da steckt wahrlich alles drin, was Eltern brauchen, um zu wissen, wann ich auf dem "guten" und wann ich auf dem "schlechten" Weg bin. Sie hat es „durchgezogen“, und nur jeder kann für sich selbst entscheiden, was „fundamental“ wichtig ist. Danke nochmal Fr. Schröder für die Portion „miese Stimmung“ und das zurück bleibende Gefühl, das diejenigen, die Beruf und Familie gut vereinbaren wollen, nicht so ganz das „fundamental Wichtige“ im Leben im Blick haben.

Das ist der Grund, warum keine andere Frau falscher auf diesem Sessel platziert war, als sie.

Bitte nicht falsch verstehen;

es ist vollkommen ok, wie ehrlich sie hier ist mit ihrer Aussage, dass sie mit ihrem Kind zusammen sein und wichtige Augenblicke nicht verpassen möchte. Aber das eigentliche Signal, das eine Familienministerin setzen muss, ist die Voraussetzungen zu schaffen, dass weder die, die zu Hause bei ihrem Kind bleiben möchten, noch diejenigen, die das nicht tun, keinen Grund haben müssen, es nur „durchzuziehen“. Sie selbst suggeriert hier also nochmal, was sie eigentlich von dem Versuch, Familie und Beruf zu vereinen, hält.

Nichts!

Durch dieses Interview untermauert sie nochmal das, was wir in der familienpolitischen Landschaft auch ohne sie schon vorfanden. Vereinbarkeit geht qualitativ offensichtlich nur halbgehängt, und die, die zu Hause bleiben. sind nun mal die Guten.

Sie spricht nur für sich! Sie spricht für sich und ihre Bedürfnisse.

Für wen, frage ich mich, hat sie in ihrer Amtszeit gesprochen?

Und weiter geht’s mit dieser Äußerung:

>> Auf die Frage, was denn wäre, wenn man nicht eins von beiden „aufgeben“ will, sagt sie: Man kann beides miteinander verbinden, aber man kann nie in beiden Bereichen hundert Prozent geben. Keine Betreuungseinrichtung der Welt kann etwas daran ändern, dass ich eine Stunde, die ich am Schreibtisch sitze, nicht mit meinem Kind auf dem Spielplatz sein kann. Ein Job frisst Zeit, und die Zeit fehlt Ihnen mit Ihrem Kind. << Wie oben schon erwähnt Spektakulär – Bus und Auto zur gleichen Zeit geht eben nicht.

Da spricht also eine Mutter zu uns, die unterschwellig ganz viele Botschaften für die Elternwelt parat hält. U.a. auch, dass andere Bezugspersonen evtl. nicht gut für’s Kind sind. Sie redet nicht davon, was geschehen müsse, damit Vereinbarkeit von Beruf und Familie gut werden kann, und sie redet auch nicht davon, was einem Kind mit der Erweiterung auf andere Bezugspersonen gegeben werden könnte.

Man muss wirklich nicht lange suchen,

um heraus zu finden, warum diese Frau so polarisierte und wirklich alle Lager gegen sich hatte. Sie hätte nie auf diesem Sessel Platz nehmen sollen, sondern mit Eva Herrmann eine Selbsthilfegruppe gründen.

Und schon gar nicht wird sie im Rückblick mit ihrem selbsternannten Steckenpferd „Wahlfreiheit“ zusammen gebracht, weil sie das Wort zwar gerne einsetzt, aber gleichzeitig offen demonstriert hat, gar nicht zu wissen, was das ist. Wahlfreiheit heißt, frei wählen zu können. Und das wiederum setzt voraus, dass die Bedingungen zu leben ungefähr gleich sind, und sich die Entscheidung dann nur noch am gerne zitierten Umstand festmachen muss, was einem im Leben „fundamental“ wichtig ist.

Boah – und so geht das weiter im Interview.

Sie würde keinem Arbeitgeber sagen, dass sie Kinder bekommen möchte – autsch – diese Ergebenheit aber auch.

Ebenso spannend finde ich, dass sie die Großelternbetreuung, die sie wohl für ihre Kinder in Anspruch nimmt, nicht als Fremdbetreuung bezeichnen würde – tja, ja, die gehören zur Familie. Heißt aber auch wieder, alles andere ist Abschieben in fremde Hände Frau Schröder. Da schwingt alles mit, was Frauen in diesem Land nicht mehr hören möchten.

Aber es kommt noch dicker

am Ende dieses Interviews. Auf die Frage, was sie ihren Töchtern mal erzählt, warum Männer immer noch weniger erdienen, als Frauen, macht sie dies einzig an den Erwerbsbiografien der Frauen fest. Frauen würden „andere Berufe“ wählen, wären seltener in Spitzenpositionen (ach was :-D), und jetzt kommts: Karriere sei ihnen häufig nicht so wichtig. Und ganz allgemein fände sie: „die Gehaltsverhandlungen“ liefen einfach schlechter“. Is nicht wahr...

Zum guten Schluss demontiert sie auch noch ihr Steckenpferd, die „Wahlfreiheit“, in dem sie zugibt, dereinst gegen das Betreuungsgeld gewesen zu sein (warum wohl? Doch wohl nicht wegen der Höhe des Betrages?), um sich dann darüber zu mokieren, dass es von der Bevölkerung als widersprüchlich empfunden wurde, obwohl Politik doch die Aufgabe habe, verschiedene Wege für Familien gleichberechtigt offen zu halten. Wie schade, dass sie den Aufruhr bis heute nicht verstanden haben will , denn die Kritik zielte schon immer auf die fehlenden Inhalte der Vielgepriesenen ab, und nicht auf die Tatsache, dass Politik den Ansatz so gerne hochhält.

Zum Schluss

des Interviews hinterlässt sie uns noch einen Abgesang, der das, was sie als Familienministerin ausgleichend vermissen ließ, nochmal ganz "persönlich" manifestiert. Da seien die einen, die Mütter frühestmöglich in den Beruf drängen wollten, u da sei das andere Lager der Daheimbleiber. Ja, da muss ich ihr doch mal Recht geben, die waren vor ihr da, und die sind auch nach ihr noch da. Zeigt, dass sie sich dereinst, als sie "den" Posten inne hatte, schon persönlich ergeben hat, in das, was sie in Wahrheit ganz "persönlich" so denkt.

Schön, dass wir sie jetzt "persönlich" kennen gelernt haben. Ich wünsche ihr ganz "persönlich" einen schönen St. Martinsumzug mit ganz vielen bunten Laternen.

liebe Grüße

Susanne Rowley

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Susanne Rowley
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