Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Sonntag, 26. Januar 2014

Autor: Susanne Rowley

Satt und Sauber

Der neue Qualitätsmaßstab in der Kleinkinderbetreuung.


www.zeit.de/2014/04/kinderbetreuung-krippen-qualitaet-karl-heinz-brisch

Des Deutschen "liebstes Kind“ - das Auto- hat einen TÜV - "Satt und sauber" genügt aber als Qualitätsmaßstab für die "anderen Kinder"

Liebe Wigwam-Freunde,

erlebte sichere Bindung im Kleinkindalter zieht sich wie ein roter Faden als positiver Faktor durch das gesamte spätere Leben.

Wird diese Erfahrung nicht gemacht, können wir uns die Konsequenzen daraus ebenso lebhaft vorstellen! Vor diesem Hintergrund ist der massenhafte Ausbau der Kitas und die damit einhergehende Vernachlässigung in Sachen Qualitätssicherung für unsere Allerkleinsten nicht nur sozialpolitisch unverständlich, sondern ein Skandal erster Güte, weil Kindeswohlgefährdung mitsamt seinen Folgen wissentlich in Kauf genommen wird.

>> Die Qualität der Betreuung ist nicht gut genug, sagt der Bindungsforscher und Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch im Interview. Kleinkinder müssen nicht irgendwie untergebracht werden, die Qualität der Betreuung entscheidet alles ( ) sonst wird der Mangel an Zuneigung für die Kleinen zur Alltagserfahrung. ( ) Strukturen später zu verändern durch Psychotherapie oder neue Beziehungserfahrungen ist möglich, aber schwierig, zeitaufwendig und damit auch teuer.( ) Ohne emotionale Betreuung und Bindung indes wird von dem neuronalen Wachstumshormon, das die Vernetzung koordiniert, nicht genug gebildet. Satt und sauber allein reicht schon lange nicht mehr. << Dass das Sparen an Qualitätsmaßstäben vorne zu kurz gedacht ist, zeigt dieser Ausspruch, denn die späteren Kosten werden um ein vielfaches höher sein: >>Ein Klacks, wenn man vorausschauend denkt, es ist schließlich das Investment in die Gehirne der nächsten Generation. Wir haben sonst die Kinder später in der Therapie, aber da muss man viel mehr investieren, um neue emotionale Erfahrungen im Gehirn zu verankern. Das geht, ist aber viel aufwendiger und teurer ohnehin. <<

Woran liegt das fragt man sich immerzu,

dass solche Expertenstimmen nicht wirklich gehört werden und erst recht nicht dazu führen, dass jetzt ggf. noch die Notbremse gezogen werden kann? Dass die politisch Verantwortlichen auf diesem Auge blind sind, ist ja nichts Neues, aber wo sind die Eltern, die ja immer nur "das Beste" für Ihr Kind wollen.

Ich denke darüber seit vielen Jahren nach, und ich kann es mir nur so erklären, dass die Psyche selbst und die möglichen Beeinträchtigungen, die sie erleben kann, immer noch nicht ernst genommen werden. Noch immer ist es Gang und Gebe, dass wir bei Störungen von „einen an der Klatsche haben“ sprechen, oder aber Zusammenhänge von frühkindlichen Versäumnissen nicht in Zusammenhang mit Problemen im späteren Erwachsenenleben sehen wollen. Dabei sind sie übervoll die Praxen für Psychotherapie. Sollte man da nicht annehmen, dass eine solch therapiebedürftige Gesellschaft auch in sich einen Wertewandel wünscht, weil sie selbst aktuell so heftig betroffen ist?

Offensichtlich nicht –

die Scheuklappen stehen der Gesellschaft noch immer gut. Sehr interessant auch der Vergleich bei der „Vorsorge“ mit des „Deutschen liebstem Kind“ – dem Auto:

>> Wenn man an Ausbau denkt, egal, ob es Schiffe oder Autos betrifft, ist doch normalerweise die erste Frage die nach den Qualitätsstandards und dem TÜV. Wenn man dann schließlich sicher ist, was nach internationaler Forschungslage geht, dann fängt man an. Bei den Krippen hat die Politik das nicht so gemacht, sie hat einfach die Krippenplätze multipliziert, auf niedrigstem Niveau. Es gibt bis heute keine ausreichenden gesetzlichen Standards, wie und mit wie vielen Kindern eine Krippe zu betreiben ist. <<

Hält man sich nun noch vor Augen,

dass Betreuung in Einrichtungen u.a. auch dazu dienen soll, Kinder mit schlechteren Startchancen aus bindungsschwachen Ursprungsfamilien für die Zukunft zu stärken, muss man jetzt offensichtlich eher darüber nachdenken, was mit jenen Kindern hier eigentlich veranstaltet wird, die ein bindungssicheres Zuhause haben, und in Einrichtungen nun das Gegenteil erleben. Verkehrte Welt. Und besonders dankbar bin ich, dass speziell in diesem Interview u.a. auch der historischen Frage nachgegangen wird, warum Eltern, die ja bekanntlich immer nur „das Beste“ für ihr Kind wollen, nicht gemeinsam mit dem belasteten Personal in den Kitas auf die Barrikaden gehen!

Dazu sagt Brisch folgendes:

>> Wir haben in Deutschland eine Hypothek. Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind war der Standardratgeber für alle Mütter in der Nazizeit. Das liest sich wie eine Anleitung zu: Wie härte ich mein Baby am schnellsten ab und mache es frustrationstolerant? Oder auch: Wie helfe ich ihm, Angst, Schmerz und sogar Hunger auszublenden? Wenn ich Krieger aufziehen will, ist das eine fabelhafte Vorlage. Nach dem Ende des Faschismus wurde das Buch um ein paar ideologische Inhalte bereinigt und als Die Mutter und ihr erstes Kind in einigen Städten weiter jeder neuen Mutter in die Hand gegeben. Die letzte Auflage ist von 1986. Diese Art, Kinder zu erziehen, ist bei uns historisch verankert. Wenn Sie heute einen Ratgeber schreiben, der Härte von Eltern gegenüber ihren Kindern verlangt, dann ernten Sie Zuspruch. Wenn Sie Feinfühligkeit, liebevollen Umgang und das Achten auf Signale anmahnen, dann geraten Sie schnell in den Verdacht, Sie wollen Kinder verwöhnen. <<

Auch ich habe über diese und andere Formen von „geistiger Mutterschaft“, die in den Köpfen unserer Mütter und Großmütter eingestanzt wurde, und die sich im praktischen Leben immer widerspiegelt, etwas geschrieben. Man muss aus meiner Sicht zurück schauen in die Vergangenheit, um zu verstehen, was in diesem Land eigentlich los ist. Es herrscht nicht nur Krieg unter den Frauen mit und ohne Erwerbstätigkeit, sondern es gibt offensichtlich auch begründete Mythen, warum Eltern hierzulande zusehen, wie ihren Kindern Schaden zugefügt wird.

Es ist eine Wertediskussion,

die in Deutschland stets nur kurz aufflammt, um dann wieder auf dem Sofa nieder zu sinken und damit alle Anstrengung fahren zu lassen. Und hierbei muss man nicht allein am „Mutterkreuz“ hängenbleiben.

Und überaus deutlich wird in diesem Artikel auch, dass Eltern in Deutschland wohl nicht mehr natürlich abschätzen können, was gut und was schlecht ist für ihr Kind. Tonnen von Ratgebern, die sie vor und nach der Schwangerschaft verschlungen haben, tragen also offensichtlich nicht zu dem bei, wofür sie verhökert werden, sondern dazu, dass Eltern ihre innere Stimme und das Gefühl dafür verlieren, wann im Sinne und zum Wohle ihres Kindes einzugreifen ist.

Und deswegen meine Frage an die jungen Eltern:

Wo seid Ihr eigentlich alle -wo ist Eure Stimme zu diesem Thema?

Eure Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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