Tuesday, 23. June 2015

Autor: Susanne Rowley

Politik für Alleinerziehende - mit Karacho vorbei an der Lebensrealität

Wer die Reportage gestern Abend nicht sehen konnte, hier ist sie noch einmal in voller Länge.


http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/die_story/videoarmgemachtalleinerziehendeindeutschland100.html

Eine sehr gute Reportage, wie ich finde, denn sie zeigte an realen Beispielen 3er Familien, wie das Leben als allein Erziehende aussehen kann.

Zu Recht fragen sich diese Familien:

Sind wir in den Augen der Gesellschaft überhaupt eine Familie? Faktisch lässt Politik diese Familienform komplett im Regen stehen; behandelt sie wie Singles mit Kind. Und wie der Beitrag deutlich zeigt, kann das nicht ohne langfristige Folgen bleiben, sowohl für die betroffenen Frauen/Männer, als auch für deren Kinder, die definitiv mit schlechteren Startbedingungen ins Leben gehen.

Zur oft prekären finanziellen Situation,

weil (vorrangig) viele Väter sich ihrer Unterhaltsverpflichtungen entziehen, kommt ein insgesamt belastendes Lebensgefühl. Ihr Alltag unterliegt selten einer verlässlichen Planung, sie wurschteln sich so durch, zwischen Betreuungszeiten, die nicht passen, Betreuungsangeboten, die nicht bezahlbar sind, und Arbeitgebern, für die sie die allzeit verfügbare Arbeitskraft mimen, um sich dankbar zu zeigen dafür, dass sie als Dauerunsicherheitsfaktor überhaupt genommen wurden. Dabei ziehen sie die Generation von morgen groß, die unser aller Rente einmal finanzieren soll. Zum Dank dafür fallen sie öfter als andere Menschen in Altersarmut, weil die Gesellschaft nur die aktuell klingende Münze als Beitrag in die Rentenversicherung anerkennt - nicht aber den Wert, den Kinder für die Gesellschaft darstellen.

Eine Schieflage, die sich neben anderen Langzeitfolgen in der Zukunft zeigen wird. Was geschieht mit Kindern, die Tag täglich erleben, dass der Tag ihrer Eltern immer zu wenige Stunden hat. Wie fühlen sich diese Kinder, wenn Mutter oder Vater sich die Klassenfahrt nur unter Schmerzen aus dem Kreuz laiern lassen. Wie ist es, wenn die Mutter in der Wohnküche schläft, weil das Schlafzimmer für Mieteinnahmen fremden Menschen überlassen werden muss. Wie fühlt es sich an für ein Kind, immer hautnah mit am Existenzminimum vorbei zu rauschen. Was macht es mit Kindern, Daueranspannung und Zukunftsangst permanent mit zu tragen. Scham und Unsicherheiten begleiten diese Kinder im Alltag, und man muss nicht viel Fantasie aufbringen, um sich auzumalen, dass das nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Und so passt es auch ins Bild des Reportagenthemas,

dass sich zunächst nur eine politisch Mitverantwortliche, Frau Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit und Emanzipazition in NRW den Fragen der Journalisten stellte. Sie tat das, weil sie weiß, wovon sie spricht – sie war selbst viele Jahre lang alleinerziehend. Und auch ich weiß mehr als ein Lied davon zu singen, denn auch ich habe meine Kinder seit 1998 alleine auf den Weg gebracht.

Richtig betroffen macht

aber, wenn eine Familienministerin vor der Kamera zugeben muss, dass noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen muss, bis Regelungen für allein Erziehende getroffen sind, die das Leben wirklich erleichtern. Und selbst dann, wenn Fortschritte gemacht würden, ist nicht gesagt, dass sie auch zur Umsetzung kommen, wie man im Beitrag an dem System der Beistandschaft sehen kann. Diese Anlaufstellen, angegliedert an die Jugendämter sind geschaffen worden, um jenen Müttern/Vätern zu helfen, die vergeblich ihrem Unterhalt nachjagen, obwohl ein Gericht diesen zugesprochen hat. Mit mäßigem bis gar keinem Erfolg aber ganz viel warmen Worten, werden Ratsuchende zurück in die Finanzwüste geschickt. Man könne die Väter nicht zwingen – heißt es in der Regel.

Da fragt man sich schon, können die nicht oder wollen die nicht – vergleicht man diese Haltung mit dem automatisierten Rattenschwanz, der einen erwartet, zahlte man seinen Strafzettel nicht. Es bleibt als festzuhalten, dass der Staat sehr wohl kann, wenn es um die Beitreibung seiner eigenen Außenstände geht.

Es bleibt aus meiner Sicht der Verdacht im Raume stehen, dass der Staat vor dieser Familienform absichtlich die Augen verschließt, um keine falschen „Anreize“ zu setzen, so zu leben. Als ob ein solches Instrument dazu geeignet wäre, Trennungen von Ursprungsfamilien zu verhindern oder zu erschweren.

Vielmehr wäre es Aufgabe des Staates, Menschen in ihren realen Lebenszusammenhängen zu unterstützen.

Statt dessen klaffen immer größere Gräben zwischen (nicht) flankierenden Systemen und den Lebensrealitäten von Familien.

herzliche Grüße

Susanne Rowley

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