Saturday, 9. November 2013

Autor: Susanne Rowley

Perfide Instrumente zur Unterdrückung der Frau

Oder: Positive Folter? Was es nicht alles gibt. 



www.huffingtonpost.de/2013/11/18/frauenquote_n_4296043.html

Perfide Instrumente zur Unterdrückung der Frau – oder positive Folter – was es nicht alles gibt

Liebe Wigwam-Freunde,

Union und SPD haben sich in der Arbeitsgruppe Familie auf eine gesetzliche Quote für Frauen in Führungsetagen geeinigt. Die Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen sollen ab 2016 einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen.

Meine zeitweilige „Lieblingsautorin“ Birgitt Kelle („Dann mach doch die Bluse zu“) hat sich zur Frauenquote geäußert.

Es ist schon sehr spannend zu sehen, wie Frauen einer Meinung sein können, doch aus völlig unterschiedlichen Beweggründen heraus. Birgit Kelle über die Frauenquote: "Möglicherweise das perfideste Instrument zur Unterdrückung der Frau"

Wie sie auf das schmale Brett kommt,

kann ich mir allerdings schwerlich erklären, und da helfen mir ihre näheren Erläuterungen dazu, dass ihr zunehmend Männer auf die Schulter täschelten mit dem Hinweis, eine Frauenquote könne wohl auch ihr in den Sattel helfen, nicht weiter. Denn diese Hand-greiflichkeit hat wohl eher damit zutun, dass sie einen Feldzug für die daheimgebliebenen Mütter glaubt führen zu müssen – obwohl ihr gefühlt schon lange die Gegnerinnen fehlen.

Ich oute mich mal an dieser Stelle,

denn auch ich bin keine Verfechterin der Frauenquote, weil ich glaube, dass Frauen, die durch diese Quote in nennenswerte Positionen kamen, anschließenden Erklärungsbedarf dahingehend haben, dass sie es ohne Quote womöglich nicht geschafft hätten. Das zeigt auch schon die Wortkreation „Tittenbonus“, die schon bald nach Aufkommen der Diskussion entstanden ist und auf sehr schräge Art unterstellt, was schon bald gesellschaftlich hinter vorgehaltener Hand getuschelt würde.

Und erfahrungsgemäß klebt so etwas länger, als Kaugummi an den Schuhen.

Auch die Aussage im Artikel,

dass diese Quote nur einem Bruchteil der Frauen wirklich behilflich wäre, dahin zu kommen, wo sie gerne hin möchten, unterschreibe ich sofort. Denn wenn sich dann für die breite Masse der Frauen nichts ändert, kann Politik sich locker zurücklehnen und sagen: na, wenn Ihr's auch mit der Quote nicht hinkriegt, können wir Euch auch nicht mehr helfen . Nein, auch hier lohnt es sich wie immer, etwas mehr in die Tiefe zu schauen: Die Ursachen, die die Idee der Frauenquote erst keimen ließen, sind absolut vorhanden – was aber nicht heißen kann, dass die Frauenquote deren Lösung ist.

Und so stimme ich an dieser Stelle Birgit Kelle vollkommen zu, wenn sie sagt:

>> Das größte Problem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf<<

Richtig! Denn wenn diese Vereinbarung nicht zufriedenstellend möglich ist, kann kein Unternehmer mit einer zufriedenen Arbeitnehmerin rechnen, die zuverlässig ihre Leistung erbringt. Und so erleben wir es heute noch bis in alle Unternehmensbereiche hinauf und hinunter, dass in der Bewerbungsmappe schnell darauf geschielt wird, ob bereits Kinder da sind, und sogleich die Folgefrage zu erwarten ist, wie die denn untergebracht sind.

Oder – und auch das wird uns heute noch berichtet, bei kinderlosen Frauen die Frage nach der Verhütung und Kinderplanung auch schon mal gestellt wird. Oder aber Frau kriegt gleich eine Absage oder gar keine Antwort, dann ist der Unternehmer auf jeden Fall auf der sichersten Seite und muss sich nicht mit "Ausfall-Gedöns" herum schlagen.

Also sind Frau Kelle und ich im „Ausmachen“ des eigentlichen Knackpunktes nah beieinander – nicht aber im weiterführenden Kontext.

Denn leider ist schon nach ihrer richtigen Feststelleung der Motor in ihrem Artikel wieder ins Stottern geraten.

Aus ihrer Sicht ist Vereinbarung von Familie und Beruf das eigentliche Problem *AUTSCH

>> weil wir darauf beharren, dass alles gleichzeitig sein muss und nicht etwa hintereinander.<<

Es wäre schon schön, wenn zur Kenntnis genommen würde, dass es Frauen gibt, die beides möchten. Und weiter schreibt sie:

>>Viele Frauen wollen für ihre Familie eine Zeit lang im Beruf aussetzen. Sie sind aber im Moment wahnsinnig unter Druck. Sie bekommen von allen Seiten gesagt: „Wenn du das machst, bist du aus dem Job raus – trotz deiner guten Ausbildung.“ Diese Frauen gehen ein hohes finanzielles Risiko ein, wenn sie einige Jahre ihres Leben der Familie widmen. Die Unternehmen machen ihnen den Wiedereinstieg schwer. Dieser Druck muss nachlassen.<<

Da kommt sie aus meiner Sicht der Sache schon wesentlich näher... Und hier hat sie wieder meine volle Zustimmung

>> Die Unternehmen müssen familienfreundlich werden. Ich möchte nicht, dass die Familien wirtschaftsfreundlich werden müssen.<<

Hätte sie das nicht gleich so sagen können. Und dabei hilft uns wieder mal ein Blick über die Landesgrenzen in den hohen Norden – denn dort ist es verpönt, abendliche Sitzungen abzuhalten, was deutlich zeigt, dass es einen Wandel ganz anderer Art - nämlich in den Köpfen der Menschen - geben kann.

Der Kern des Übels wird also deutlich:

die Wirtschaft hat ihren Teil des zu wünschenden Abkommens noch lange nicht erfüllt, und es wäre schön, wenn Bewegung ins Spiel käme, bevor der demographische Wandel sie ohnehin dazu zwingt.

Wer gute MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz sehen will, muss auch seinen Obulus dazu beitragen, dass sie dort erscheinen können - so einfach ist das! Und deswegen ist es nicht notwendig, dass wir uns mit einer Alibi-Frauenquote um die freie Wirtschaft herum positionieren, denn diese wird an schlechter Vereinbarkeit von Familie und Beruf rein gar nichts ändern - im Gegenteil, sie würde eher sogar dazu geeignet sein, dann zu sagen, die Frauenquote schade den Unternehmen - und dann wäre die Frage, ob dann noch jemand bereit ist, tiefergehend hinzuschauen, wo die eigentlichen Ursachen dafür liegen.

Mit Langzeitfolgen wird sich ja bekanntlich ungern befasst,

lieber werden scheinbar schnelle Erfolge vorgezeigt; wäre aber mal schön, wenn vorne intensiver nachgedacht und hinten weniger nachgebessert werden müsste. Bleiben aber die Vereinbarungsbedingungen so schlecht, werden höhere Anforderungen logischerweise erst recht nicht besser gelöst; im Gegenteil. Ich könnte mir dann sogar vorstellen, dass die ein oder andere Frau, die keine „freie Wahl“ für den Beruf mit Kindern für sich sieht, sich wiederum für eines entscheiden muss.

Wohin der Pegel dann überwiegend ausschlägt, würde dann die Zukunft zeigen. Sicher ist aber eins, schlägt der Pegel nicht für den Beruf aus, weil Vereinbarkeit von Familie + Beruf nicht lebbar ist, sieht's schlecht aus für die freie Wirtschaft.

herzliche Grüße

Susanne Rowley

Wigwam 1994
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