Friday, 17. March 2017

Autor: Susanne Rowley

Per Mausklick zum Betreuungsplatz

ist Krankheitssymptom einer auf Effizienz getrimmten Welt.


Vor einiger Zeit fragte mich ein Unternehmer nach einem Vortrag, warum Wigwam in Zeiten der Digitalisierung keine „Datenbank“ einrichte, 

durch die man sich hindurch klicken könne, um einen Betreuungsplatz zu buchen.

Wer Wigwam näher kennt, ahnt jetzt vielleicht schon, was ich geantwortet habe. Innerhalb von Wigwam wird in diesem und im nächsten Wigwam-Leben kein Online-Klick zum Betreuungsplatz führen.

Wir finden uns sehr modern,

denn wir nutzen Digitales zur Unterstützung unserer Kernanliegen, lassen Digitales aber nicht die Herrschaft übernehmen, und schon gar nicht persönliche Ansprache ersetzen. Und ich bin mir sehr sicher, dass der zunehmende Wegfall persönlicher Ansprache dazu führen wird, das sie zukünftig erst recht wieder zum Qualitätsmaßstab werden wird.

Schon seit Jahren plädiere ich dafür,

dass Kindertagespflege seine einzigartigen „Alleinstellungsmerkmale“, die sie deutlich von Einrichtungen unterscheiden, nicht zum Abschuss freigeben sollte. Doch statt sie zu schützen, auf sie zu pochen, sie individuell zu hegen und zu pflegen, schwimmen Tagesmütter und -väter vermehrt mit im Meer der anonymen Online-Portale. Zum Alleinstellungsmerkmal gehört u.a. die echte „Elternpartnerschaft“, die dadurch entsteht, dass sich die „richtigen Partner“ zum Wohle des Kindes durch persönliche Beratung und Vorbereitung finden, intensiv kennen lernen und auswählen.

Dass ein echtes „Verhältnis“ per Mausklick definitiv nicht einfach "gebucht“ werden kann, liegt auf der Hand.

Eine Platz-Vergabe heißt real:

„freier Platz zu irgendeinem Kind“, und ist längst übliche Praxis der Kitaplatz-Portale; einschlägig bekannte Betreuungsportale bieten die Tagesmutter per Mausklick zusätzlich an.

Dass man diese anonyme Vergabe-Praxis noch verschlimmbessern kann,

hätte ich nicht gedacht.

Ein System namens "Little Bird" macht's möglich. 

Und in der Tat haben die offensichtlich mehr als nur einen Vogel.

https://www.waz.de/staedte/essen/essener-tagesmuetter-aergern-sich-ueber-pannen-bei-little-bird-id209882983.html

>> So rufen begeisterte Eltern bei Tagesmüttern an: „Wir freuen uns, dass unser Kind einen Platz bei Ihnen hat!“ Und dann müsse die Tagesmutter den Anrufern sagen, dass sie davon nichts wisse und gar kein Platz frei sei. (...) „Da ärgern sich Eltern, dass sie von uns nichts hören, aber wir wissen gar nicht, dass ihr Kind zu uns kommen soll“. (…) Generell wünschen sich die Tageseltern wieder einen direkteren Kontakt zu Müttern und Vätern. <<

Man stelle sich das vor.

Eine Tagesmutter wird samt ihrem Angebot in eine Datenbank eingespeist, auf die sie selbst keinen Zugriff hat, weil sie sich nicht einloggen kann. Weitere Schwachstellen dieses Systems lesen Sie bei Interesse im obigen Artikel.

Aus diesen und anderen Gründen, verwundert es nicht, dass Begriffe wie „Fremdbetreuung“ sich bei einer kritischen Elternschaft hartnäckig halten. Und das zu Recht.

Schlechte Kinderbetreuung und der schlechte Umgang mit potentiell hervorragenden Kinderbetreuungsformen wie der Kindertagespflege sind verantwortlich dafür, dass die gesellschaftliche Diskussion in Sachen Vereinbarkeit auf schwarz-weiße Inhalte reduziert bleibt oder dahin zurückfällt:

Gebe ich mein Kind in "fremde Hände", oder behalte ich es bei mir zu Hause. Unter solchen Umständen kann man die noch immer verengte Diskussion gut verstehen und Eltern eine Entscheidung gegen den Wiedereinstieg nicht verübeln.

Liebe Grüße

Susanne Rowley

Wigwam 1994
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