Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Autor: Susanne Rowley

Ohne Moos nix los

 -Wie Jugendliche mit dem Stigma Armut umgehen.


www.zdf.de/37-Grad/ohne-geld-kleine-welt-kinder-im-sozialen-abseits-kinderarmut-31035000.html

- Ohne Moos nix los -

Sendungsempfehlung: 37 Grad erzählt, wie Jugendliche mit dem Stigma "Armut" umgehen - am 17.12.2013 um 22:15 Uhr.

Immer noch viel zu selten ist das Thema „Kinderarmut“ in unseren Medien präsent und allzu gerne wird das Thema unter den berühmten Tisch gekehrt, glaubt man doch, die politisch Verantwortlichen hätten schon genug getan, um auch armen Familien die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen.

„Die können doch alles beantragen, was sie zum Leben brauchen“

– hört man oft aus uninformierten Kreisen. Aber gerade das Bildungs- und Teilhabepaket zeigte bei näherer Betrachtung schnell massive Mängel in der praktischen Umsetzung und in der vorgelagerten Bürokratie auf.

Die Folgen von Kinderarmut sind vielfältig und nicht alleine auf die „materielle Not“ zu beschränken.

Die körperliche und psychische Gesundheit von Kindern ist eingeschränkt, die Chancen auf Bildung sind nicht die gleichen, Beziehungen zu Eltern und dem sozialen Umfeld leiden. Kinder, die diese Armut tagtäglich erleben, konditionieren und wappnen sich, weil es stigmatisierend wirkt, um jene Sachleistungen permanent aufs Neue zu kämpfen.

Das Rennen der Zwei-Klassen-Gesellschaft geht in Wahrheit schon in der Kita los,

berichtet Ravi Karmalker von der 37 Grad Redaktion, und auch er merkte, als er sich dem Thema filmisch näherte, dass Kinderarmut im Alltag präsenter ist, als er es selbst wahrhaben wollte:

>>Meine Tochter ist sechs Jahre alt. Im Spätsommer wurde sie eingeschult. Bis dahin war ihre Welt eine rosarote Kita-Spielwolke, scheinbar unberührt von der Arm-Reich-Thematik, die seit längerem unsere Feuilletons, die politischen Debatten und Talk-Shows befeuert, und sich konkret schon in der Kindertagesstätte meiner Tochter niederschlug: Manche Vorschulkinder wurden von ihren Eltern teuer gefördert. Nach dem Kindergarten gab es noch Reiten, Schauspiel-, Ballett-, Klavier-, Mathe-, Englischunterricht. Alles, um die Sprösslinge vorzubereiten auf die harte Welt da draußen, für den drohenden Konkurrenzkampf in der Schule, und später, das Rennen um die besten Jobs und nicht zuletzt um das meiste Geld. Ich glaube nicht, dass die Kinder verstanden haben, inwieweit diese Kurse nicht nur dem Lustprinzip geschuldet waren, sondern auch der Angst der Eltern, dass ihre Kinder später nicht zu den "Verlierern" zählen sollen. Was die Kinder allerdings gespürt haben, war eine Spaltung innerhalb der Kita-Gruppe, die sich unter anderem vor den Toren der Kindertagesstätte darstellte, wo kurz nach Mittag Karossen der oberen Mittelklasse vorfuhren, in denen wohlhabende Eltern wohlhabende Kinder zu ihren zahlreichen Kursen chauffierten. Natürlich entstand so ein Netzwerk derer, die sich das leisten können, und der Kreis derer, bei denen es nicht geht - eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.<<

Was wir in 20 Jahren unserer Beratungsarbeit

mit Familien ebenfalls festgestellt haben, auch wenn dies sicherlich keinen statistischen Wert hat, ist, dass Kinder aus armen Familien sehr häufig von massiven Allergien betroffen sind - diese setzten nach Aussage der Eltern auch oft erst dann ein, als Arbeitslosigkeit und/oder Trennung der Ehepartner die zunehmende Verarmung in der Familie verursachte. Wir finden das sehr bezeichnend, da dies eine Erkrankung ist, bei der die Abwehrkräfte des Körpers gegen den eigenen Körper vorzugehen scheinen.

Es drängt sich irgendwie subjektiv das Gefühl auf,

dass den Kindern eine große Übertoleranz von Zuständen zugemutet wird, die sie irgendwann nicht nur akzeptieren, weil sie dem ohnehin nichts entgegensetzen können, sondern sie damit beginnen, ihre „innere Abwehr“ so zu gestalten, dass sie nicht mehr spürbar ist. D.h., wo in Wahrheit ein Gefühl von Intoleranz und Ablehnung der Umstände angebracht wäre, tritt übergroßes Verständnis und Toleranz an die Stelle.

Toleranz ist aber

in unserem normalen Verständnis ein positiv belegtes Gefühl, nämlich Dinge und Umstände ernsthaft akzeptieren und nicht nur erdulden zu können.

Was tut ein Kind aber,

wenn tiefste Scham und der Wunsch, das Umfeld möge von der Armut nichts bemerken, ständiger Begleiter sind. Dann stelle ich mir vor, dass Kinder ihr permanentes Unwohlsein und die Gefühle von natürlicher Ablehnung irgendwann verkehren, somit tolerieren, und ihr ganzes Alltagsverhalten danach ausrichten.

Und mehr noch:

Kinder übernehmen ab einem gewissen Punkt Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern, wo sie eigentlich gar nicht zuständig sind. So wird aus meiner Sicht eine schützende und lebenserhaltende Grundhaltung, nämlich die Dinge nicht zu tolerieren, die sich ungut anfühlen, ins Gegenteil verkehrt. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich auch noch weitergehende innerfamiliäre Abläufe und Umgangsweisen vorstellen, die alle nur noch dazu dienen, das Stigma scheinbar aus dem eigenen Wohnzimmer heraus zu halten.

Eltern schämen sich vor ihren Kindern, weil sie ihnen gerne mehr ermöglichen würden - Kinder spüren diese Scham, nehmen sie auf, und verhalten sich so, dass Eltern keine Schamgefühle mehr haben sollen.

Eine aus meiner Sicht „unheilige Allianz“

beginnt sich auszubilden, die auch von anerkannten Experten ähnlich beschrieben wird.

Und so erklärt auch Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin:

>>Was sich zeigt ist, dass sich Kinder und Jugendliche ihrer materiellen Lage sehr bewusst sind. Sie verhandeln mit sich selbst, ob sie mit Wünschen auf Eltern zugehen – oder eben nicht. Arme Kinder bedrängen ihre Eltern an der Kasse kaum wegen Süßigkeiten. Studien haben gezeigt, dass sie die Preise und das verfügbare Geld sehr genau kennen. Ihnen ist es oft sehr viel wichtiger, dass sich Mama oder Papa auch einmal eine neue Hose kaufen. In der Fachsprache nennen wir das "Parenting". Kinder übernehmen die Elternrolle. Für eine Studie wurden arme Kinder gebeten, ihren wichtigsten Ort zu fotografieren. Viele wählten einen Kleidungs-Discounter, weil für sie selbst dort Kleider neu gekauft werden können, aber auch die Mutter etwas Schönes findet.<<

herzliche Grüße

Susanne Rowley

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Susanne Rowley
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