Mittwoch, 15. Mrz 2017

Autor: Susanne Rowley

Nutella mit Bildungshintergrund / Die Frühstücks Nanny ist da!

Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist?!

Wenn Sie diesen vielsagenden Slogan unserer Familienministerin zur Zeit häufiger lese

ist allerhöchste Vorsicht geboten.

http://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/wecken-und-zur-kita-bringen-jetzt-kommt-die-fruehstuecks-nanny-26161464

Da haben wir wieder so eine bahnbrechend neue Idee im alten Kleid.

Nachdem der schnöde Babysitter samt unqualifizierter Oma im Bildungshype mühsam aus der Betreuungslandschaft heraus geekelt wurde, feierte er sein Come back als „Kita to go“.

Doch jetzt kommt die absolute Revolution:

Die Frühstücks-Nanny ist da!

Ist das nicht ein herrlicher Begriff.

Zieht bei Ihnen da auch schon der Duft von Nutella mit Bildungshintergrund durch die Nase. Die Nanny, die qualifiziertes Frühstück macht. Natürlich ist auch diese kein schnöder Babysitter, sondern Teil eines inhaltsschwangeren Modellprojektes namens MoKi, für das die Bildungssenatorin ja schon im September letzten Jahres den berühmten „Startschuss“ gegeben hat.

"Startschuss",

das klingt immer nach einer ganz großen Sache. Ist es wohl auch, denn es entstünde angeblich gerade eine Datenbank mit „qualifiziertem Personal“.

Die hochqualifizierte Kita kommt jetzt nicht nur auf Zuruf direkt ins Kinderzimmer – Nein, die Kita macht jetzt auch qualifiziertes Frühstück.

Und: fällt Ihnen die „Rama-Wortwahl“ in diesem Zeitungsbericht auf?

>> Nach Aufwecken und Wickeln bringt die Nanny die Minis flott zur Kita (…) Die Mütter könnten dann ihr eigenes Leben leben und trotzdem immer das Gefühl haben: Mein Kind ist gut aufgehoben. (…) Wenn Mutti oder Vati Nachtschicht haben << – Quelle: www.berliner-kurier.de/26161464 ©2017

Der frühe und der späte hochqualifizierte Vogel

werden sich um diesen Job reißen ;-) . Ich sehe die tiefgehenden Schulungsinhalte direkt vor mir.

Erste Hilfe versteht sich von selbst, falls das Knäcke in der Dämmerung im Halse stecken bleibt. Ein polizeiliches Führungszeugnis ist Pflicht, man will sich ja später nichts nachsagen lassen. Schnell noch ein paar warme Worte zur Gestaltung des Frühstückstisches: Wo finde ich die Cornflakes – will schließlich qualitativ hochwertig im Vorfeld abgeklärt sein. Oder: Was mach' ich mit dem Balg, wenn es sich nicht anziehen lässt. Oder: Wie beruhige ich das 1-Jährige, wenn sich jede Woche ein neuer Kopf über sein Bettchen beugt?

Tja, da entsteht nicht nur eine Elternpartnerschaft. Sondern ganz viele. Eben jede Woche eine neue!

Nämlich: Mit der Studentin, die 2 Mal die Woche den Wecker nicht hört. Mit der Schülerin, die selbst um 8 Uhr auf der Schülermatte stehen muss. Mit der Rentnerin, deren Knie Montags häufig schmerzt, und die noch nie einen Kindersitz gesehen hat, weil's soo Fätz früher nicht gab. Und natürlich mit der arbeitslosen Betreuerin, die urplötzlich im sinnfreien Bewerbungstraining des Jobcenters verschwunden ist, weil vom „Aufwecken“ kein Leben ist.

Ja, sie alle werden eine enge Bindung zum Kind aufbauen – nur eben nacheinander.

So neu sei das Ganze ja nicht, dürfen wir dem Artikel entnehmen. Schon zuvor hatte das Jugendamt „Tagesmütter“ zu Randzeiten eingesetzt.

So so. Jetzt würden die „Mobilen Betreuer“ mehr Abhilfe schaffen.

Die haben echt den Kindertagespflege-Knall nicht gehört!

Schwamm drüber! Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Sicher die Großfamilie getarnt als „Kita mit Mehrgenerationengefälle“.

liebe Grüße

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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