Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Donnerstag, 23. Januar 2014

Autor: Susanne Rowley

Nicht Fisch und nicht Fleisch

Vom Förderdschungel, in dem man sich verirren kann.



www.welt.de/debatte/kommentare/article124120976/Familien-benoetigen-Schutz-vor-Sozialingenieuren.html

Nicht Fisch und nicht Fleisch- vom Förderdschungel und seinen Trampelpfaden

Liebe Wigwam-Freunde,

dieser Artikel ist inhaltlich zwar nicht neu – dennoch weist er auf einen Missstand hin, den wir in allen Bereichen der Familienpolitik seit Jahren erkennen können.

Der Förderdschungel – gut, dass er jetzt einmal auseinander genommen wird; bleibt nur zu hoffen, dass die dann auf dem Tisch liegenden Puzzle-Teile nicht erneut völlig falsch zusammengesetzt werden.

Man hat eben nicht nur den Eindruck, dass Vater/Mutter-Staat nicht weiß, wohin die Reise gehen soll; sie wissen auch nicht, unter welchen Gesichtspunkten sie Familie eigentlich fördern sollen. Soll dies aus rein ökonomischen Gründen geschehen, um den Folgen des demografischen Wandels für die Wirtschaft schneller entgegen zu wirken, oder sollen Werte wie echte „Wahlfreiheit“ Familie und Beruf vereinbaren zu können aber nicht zu müssen hochgehalten werden, um der Lebensform Familie stärkeres Gewicht zu verleihen, in der Hoffnung, dass wir dann jedes Weihnachten zu recht „ihr Kinderlein kommet“ singen können?

Sollen Bildung und Förderung des Nachwuchses am besten schon vorgeburtlich ganz vorne stehen, damit das nachwächst, was wir aktuell versaubeutelt und vernachlässigt haben? Oder soll man der Wirtschaft andere Arbeitsmodelle abnötigen, um den überforderten Familien Luft zum Atmen und damit zum Kinderkriegen zu verschaffen?

Soll man also die Kontrollschraube anziehen oder lieber locker lassen, oder beides – sie wissen es einfach nicht und haben Angst, welches Ei welche Brut hervorbringt. Sie kriegen sie einfach nicht unter den Hut, die „Oberbegriffe“ unserer Zeit, und sie schaffen es auch nicht, ihre Wechselwirkungen untereinander im Blick zu behalten. Und während all das geschieht oder unterlassen wird, bildet es sich, das Klima der Unsicherheit und mangelnden Planbarkeit in Familien und wird so zu einem eigenen Wirkfaktor, der sich entfaltet.

Es ist eine stumme aber starke Botschaft,

die klammheimlich eine Eigendynamik entwickelt und sich allen politischen Steuerungselementen entzieht. Eine Ursache dafür ist, das selten gesamtgesellschaftlich an einem Strang gezogen wird, was angesichts der uns alle betreffenden Brandherde längst überfällig ist. Und so werden Teilnehmer und Nutznießer dieser Gesellschaft – Unternehmen – weiterhin geschont, mit freiwilligen Auflagen blumig gebeten, obwohl auch sie nicht mehr rundlaufen, wenn keiner mehr durch ihre Werkstore geht.

Das ist durchaus vergleichbar mit einem Flächenbrand,

den nur 4 von 10 Feuerwehrmännern ernsthaft löschen wollen, während andere damit befasst sind, Öl ins Feuer zu gießen und andere wiederum ihr Löschwasser für spätere Brände aufheben, und andere wiederum traut man sich erst gar nicht nach Löschwasser zu fragen.

Abgebrannt sind wir am Schluss aber leider alle.

Die Betrachtung der kleinsten aller Zellen in unserer Gesellschaft aus rein ökonomischen Gesichtspunkten wäre demnach genauso fatal, als melkte man eine Kuh unentwegt ohne aber für deren Auskommen an Futter und für ein lebens-wertes „Klima“ zu sorgen. Diese Unart, gesellschaftliche Flächenbrände nicht gemeinschaftlich löschen zu wollen und zu können, sondern auch dann noch darauf zu warten, dass der andere schon richten wird, wenn die Flammen schon bis ins Dachgeschoss lodern, ist ein Denk- und Handlungsfehler, der nicht nur in Zeiten des Brandes wirkt, sondern einmal begangen, er sich auch nicht so ohne weiteres wieder umkehren lässt, denn es entsteht ein gesellschaftliches Klima, das in den Köpfen sitzt, und Vertrauen geht verloren.

Es gehört also wirklich Mut dazu,

eine Politik zu betreiben, die wirklich alle Nutznießer ins Boot und damit in die Verantwortung holt. Geht man davon aus, dass in den Konzernen kluge Köpfe sitzen, ist das untätige Starren in Sachen

"Vereinbarkeit von Familie und Beruf"

auf die freiwilligen Startlöcher völlig unverständlich, denn die Wirtschaft wird es nicht minder hart treffen, wenn keine Lösungen gefunden werden. Und so wird das weiter gehen – statt Zusammenarbeit wird Gegnerschaft weiter ausgebaut.

Die freie Wirtschaft bastelt an flexiblen Arbeitszeitmodellen, und Vater/Mutter-Staat forciert die starren Strukturen, denen derzeit statt mit Qualität und Vielfalt durch „Masse“ ein Krönchen aufgesetzt werden soll. Außen vor bleiben die Unternehmer, die man schonen möchte, und außen vor bleibt die Kindertagespflege, weil man ihre umfassenden Potentiale nicht sehen möchte. Um das zu ändern muss Politik zusätzlich den Blick auf regelübergreifende Wechselwirkungen lenken; dass sie das bislang vor allem bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht getan hat, sieht man daran, dass Suchende und Anbietende die Arme ausbreiten, um dann km-weit aneinander vorbeizulaufen.

Auch das hat wiederrum damit zutun,

dass die linke Hand nicht weiß, wozu die rechte überhaupt aufgehalten wird.

Hierzu passt ganz hervorragend ein Schreiben, das mich dieser Tage aus dem Familienministerium Rheinland Pfalz erreichte. Man möchte gerne wissen, welche positiven Ergebnisse es von der Betreuungsfront zu berichten gäbe im Hinblick auf die neue gesetzliche Öffnung der Ausübung der Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen außer in Kindertagesstätten und im Hinblick auf das Modell der Festanstellung. Bei meinem letzten Termin versprach ich innerhalb von Wigwam die Chancen und Möglichkeiten dafür auf Seiten der PädagogInnen und Unternehmen auszuloten.

Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, und Pustekuchen gibt es zu berichten!

Niemand möchte diese Kuckuckseier im Nest haben,

und die Gründe dafür wusste ich schon vorher, allerdings wollte man meinen Ausführungen nicht so gerne Glauben schenken. Die Gründe, warum das Anmieten von Räumen bei den PädagogInnen nur mäßig bis gar nicht einschlägt, sind verständlich. Einerseits ist es die Ausgestaltung der Regelung selbst die sie unattraktiv macht. Ihr liegt das Motto zugrunde: wir wollen Fleisch (Kita), aber bitte bleibt beim Fisch (Familienbetreuung).

Will sagen:

Das Anmieten von Räumen ist nur „1 Person alleine“ gestattet – Zusammenschlüsse von sich ergänzenden PädagogInnen bleiben weiterhin ausgeschlossen. Die logische Folge davon ist ein reines Rechenexempel. Warum sollte man sich bei gleichbleibenden Bedingungen für eine Pflegeerlaubnis Zusatzmieten in teuren Großstädten ans Bein binden, wenn schon die häuslichen Räume teuer genug sind. Da hilft es auch nichts, wenn man Ausnahmen in Aussicht stellt, die unter Bedingungen einen Zusammenschluss ermöglichen, die kein Mensch erschaffen kann. Das dieses Denkprinzip Fleisch haben zu wollen, aber den Fisch nicht loszulassen keinerlei Sinn ergibt, hätte man schon daran merken müssen, dass bereits durch das Verlassen des häuslichen Betreuungsumfeldes hin zu einem „Arbeitsplatz“ der Familiencharakter aufgehoben ist, und ein kategorisches Ausschließen einer Entwicklung innerhalb dieser Form den Anreiz sterben lässt. Einerseits wünscht man sich eine bleibende Abgrenzung der familiären Kindertagespflege zur Kita, die man just gerade aufgegeben hat – andererseits nimmt man in Kauf, dass die Chance den familiären Charakter wiederzubeleben, in dem ein betreuendes Mitglied hinzukommt, zum Scheitern verurteilt ist. Bei Erkrankung der anmietenden PädagogIn stehen die Räume also leer, und weit und breit ist keine partnerschaftliche/familiäre Vertretung für Eltern und Kinder in Sicht.

Toller Plan!

Zudem wird stark unterschätzt, dass auch die Tagesmütter und –väter in RLP nicht mit Blindheit geschlagen sind, und derzeit permanent über die Landesgrenzen hinweg die bedrohlichen Entwicklungen beobachten in Sachen Verbot der privaten Zuzahlung. Dieses Damoklesschwert über den Köpfen aller sorgt ebenfalls dafür, dass man sich ungern in unsicheres Fahrwasser begibt.

Die Festanstellung – auch nichts weiter als eine lebendig angedachte Totgeburt. Auch dieses Thema habe ich in großen und kleinen Firmen vorgetragen – Vor- und Nachteile den Betreuungsanbietenden und -suchenden ehrlich erläutert. Und wie ich es bereits angekündigt habe, gibt es weder auf Seiten der PädagogInnen noch auf Seiten der Firmen Interesse daran. Eine PädagogIn, die etwas auf sich hält und ihren Job „erfüllend“ ausüben will, setzt sich nicht zeitweise mangels Kindern in ein leeres Büro und schiebt die Stofftiere hin und her – auch dann nicht, wenn sie das für ein zeitweises sicheres Gehalt tun könnte. Andererseits möchten mittelständische Firmen sich dem verbindlichen Charakter einer Festanstellung nicht aussetzen, wenn sie erfahrungsgemäß wissen, dass der Bedarf schwankt. Da macht es natürlich wesentlich mehr Sinn, auf ein Platzkontingent zurück zu greifen, was keiner Dauerauslastung bedarf.

An dieser Stelle sei angemerkt,

dass ich auch auf "Leiharbeit" von Tagesmüttern in einer Firma angesprochen worden bin; unfassbar, in welche Richtung man hier schon wieder zu denken bereit ist.

Hier gehen Betreuungsformen „spazieren“, die keiner regulär braucht und keiner regulär will.

So – und damit bleibt mir nichts weiter zu tun, als dem Familienministerium mitzuteilen, dass auch Wigwam derzeit nicht in der Lage ist, den PädagogInnen oder den Firmen die Eier schmackhaft zu machen. Denn eins wird man von mir nie verlangen können: Kuckuckseier unterjubeln oder Eier legen um jeden Preis

Ganz herzliche und kollegiale Grüße

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

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