Freitag, 21. April 2017

Autor: Susanne Rowley

Marktlücke Kinderbetreuung / Hand an's Kind ohne Intention und Vision

Ich bin kein Freund der Großtagespflege,

was nicht heißen soll, dass es nicht auch gute geben kann. Aber diese noch recht neue Betreuungsform, so hab ich mir just sagen lassen, kriegt so langsam "Junge". 

Wo die eine GTP ist, ist Nummer 2, 3 und 4 nicht mehr fern. Macht schon bald eine Kette! 

Diese meine kritische Haltung gegenüber Großtagespflege hat damit zu tun, dass neben der Bindung zum Kind die echte Elternpartnerschaft und die Familiennähe das „Alleinstellungsmerkmal“ der Kindertagespflege ist. Das ist der Hauptgrund, warum KTP sich nicht anschicken sollte, zur „Kita light“ oder einem sonstigen Abklatsch zu werden.

Alle Betreuungsformen können ihre Daseinsberechtigung haben, sollten sich aber sowohl in ihrem Können, als auch in ihrem Anliegen vom Gedanken an den Adressaten leiten lassen.

Der Adressat ist das Kind!

Je größer eine GTP wird, umso mehr verwässert sie das Alleinstellungsmerkmal der Betreuungsform, von der sie einst ausgegangen ist. Sie kann keine Familie mehr sein, sondern lebt, wie die Einrichtung auch, vom "freien Platz" zum "verfügbaren Kind" und beherbergt zusammen gewürftelte Angestellte, die intern weisungsgebunden agieren und ein Außenbild zu wahren haben. Somit färbt der Umgang mit Eltern und das dazugehörige Nähe/Distanz-Verhältnis Richtung Kita ab.

Da man findigen Geschäftsleuten selten mit dem Argument "Kind"

und schon ziemlich lange nicht mehr mit Qualität kommen kann, ich zudem das Thema bereits in vielen anderen Blogbeiträgen zur Genüge aufgegriffen habe, komme ich Euch heute mal von der anderen - der unternehmerischen Seite. 

Großtagespflege-Ketten das neue Geschäftsmodel

Unternehmen, auf der Suche nach Vereinbarkeit für Ihre Mitarbeiter installieren diese Form zunehmend bei sich, was neue findige Großtagespflegestellen dazu bringt, sich als eine Art Kette zu vervielfältigen.

Ich arbeite für Unternehmen und achte bevor ich diese Aufgabe übernehme, explizit auf deren Ansatz.

Die wichtigste Frage ist:

1. Haben die Personaler Interesse an einer Lösung zur Vereinbarkeit, oder suchen sie einen Erfüllungegehilfen, der ihre Vorstellungen einfach umsetzt?

Oder

2. Hat das Unternehmen Vereinbarkeitsprobleme bzw. Bedarfe im Hause erkannt und sucht einen Fachmann, der eine Lösung herbei führen kann?  

Für Punkt 1 steht Wigwam niemals zur Verfügung, weil das Ergebnis immer nur der Arbeitsweise eines reinen Arbeitsvermittlers entsprechen kann,  mit dem Ergebnis, dass Vereinbarkeitsprobleme sich vergrößern, was alle Beteiligten unzufrieden zurück lässt. 

Meine Zielsetzung ist die kind- und elterngerechte Lösung.

Wigwam ist der Fachmann und erarbeitet im Hause bleibende, kindgerechte Lösungen. Auch Bedarfsanalysen + Elternumfragen, die Unternehmen mir vorlegen, sind in der Regel unbrauchbar, denn da steht immer so etwas drin wie: Wir wünschen uns Erdbeeren im Winter ;-). Ein gutes Bsp. dafür sind Firmen, die separierte Notlösungen für ihre Mitarbeiter einkaufen. Bei näherer Betrachtung sind diese Notlagen hausgemacht und Folge mieser Planung. Wenn eine GTP auf diese Lücke aufspringt, wird sie samt ihrer neuen Kettenkonstruktion zum Taubenschlag, weil sie Erfüllungsgehilfe des Unternehmens und nicht Unterstützer von Eltern und Helfer des Kindes ist.

Mein Rat an dieser Stelle an alle,

die eine solche GTP-Kette anstreben und mich bereits vielfach um Aufbaurat gebeten haben.

Ich = Falsche Baustelle.

Vom Standpunkt einer Gründerin aus, habe ich eigentlich nur eine entscheidende Gegenfrage:

Was wollt Ihr eigentlich für Eltern und Kinder erreichen? Habt Ihr ein Anliegen?

Die Intention und die Vision muss vorher klar sein!

Denn nur davon hängt ab, was Ihr bewirkt und welches "Gesicht" Euer Unternehmen einmal haben wird.

Oder noch deutlicher:

Entscheidet Euch früh für Klasse - nicht Masse! Letzteres haben wir schon zur Genüge!

Und jetzt mal auf die pragmatische Tour:

#Unternehmer sein. Teil 1:

Was willst Du? Wo soll's hingehen? Es gibt grob gesagt 2 Sorten von Unternehmern, ohne ins Detail zu gehen.

Ihr wollt selbständig sein? Dann müsst Ihr den Unterschied kennen und Euch früh entscheiden. Es gibt die, die eine Marktlücke suchen und finden, Notlagen und Engpässe für sich nutzen, auf fahrende Erfolgszüge aufspringen, eine gutes Näschen für Kommendes haben u.s.w. Das können Dienstleister sein, oder Firmen, die tolle Produkte verkaufen etc. Die werden u.U. schnell groß, lassen sich vervielfältigen, haben Erfolg um der Sache willen.

Die 2. Sorte sind jene mit „Ich-Botschaften“ und einer Vision im Gepäck, auch auf der Suche nach Erfüllung an der sie sich und andere teilhaben lassen. Diese entspringt einer Idee, für die sie brennen, Erfahrungswerten, die gelebt wurden und weiter getragen werden sollen. Man findet sie schon mal in großen Familienunternehmen, beim kleinen Italiener neben an, bei dem ihr die Pasta nur so kriegt, wie er das will, und ihr genau deswegen hingeht; oder es ist der widerspenstige Schuhmacher, der sich wider aller Massenindustrie seine Kundschaft erhalten hat, und immer noch den maßgeschneiderten Schuh fertigt.

Warum? Weil er hochwertige Schuhe liebt!

Heißt: Dieser Erfolg speist sich aus einem ganz anderen Topf!

Es ist das Tun für den Adressat. In unserem Falle: Für das Kind.

Beide Sorten von Unternehmern haben „Prozesse“ durchlaufen und „ihren Preis“ dafür bezahlt.

Also frage ich nochmal:

Wo soll's denn hingehen? Warum wollt Ihr Kinder betreuen oder betreuen lassen?

#Unternehmer sein. Teil 2: Ein bisschen schwanger gibt’s nicht.

Selbständig sein birgt Risiken. Abhängig arbeiten kann persönliche Entfaltung einschränken. Dennoch gebe ich Euch ein Beispiel von „Scheitern“ (das per se natürlich auch für andere persönliche Entwicklungen gut sein kann, weil man lernt; aber das ist nicht unser Thema) Ich kannte vor Jahren eine Pädagogin (außerhalb von Wigwam), die wollte beides. Etwas Ehrliches für Kinder tun, dabei sicher sein und Entfaltung finden. Sie verteilte ihre Energie auf 2 Baustellen. Das eine Stand-Bein steckte im städtischen Kinderheim, in dem sie Schicht arbeitete. Mit dem anderen Bein gründete sie „ein bisschen Betreuung“. Das Ergebnis war, dass sie kaum Eltern fand, die Betreuung brauchten, wann sie welche bot. Aber noch viel schlimmer war, dass ihre Glaubwürdigkeit Kinder nach eigenem Konzept anzuleiten, nicht „ankam“; stattdessen transportierte sie ihre Unsicherheit nach außen. Meinem Rat, den Mut aufzubringen mit 2 Beinen in ein Nest zu springen, traute sie nicht. Sie hörte auf.

Diese Tagesmutter: Ein echter Verlust für Eltern und Kinder...

Heißt: Mach' Dir klar, dass Dein Erfolg von innen nach außen strahlt, im Außen liegt er nicht! Und 99 Prozent Deiner Kommunikation, die Du nach außen trägst, ist nonverbal.

#Unternehmer sein. Teil 3:

Den Wald vor lauter Bäumen...

Gehört Ihr auch zu denen, die auf die Frage des Obers: Hat’s geschmeckt schon mal mit „Ja natürlich“ antworten, auch wenn das Zeug kaum runter zu würgen war? Ok, dann gehört Ihr „als Kunde“ zu jenen, die dem Koch die Chance nehmen, es besser machen zu können.

Ihr denkt: Manche Köche wollen das doch gar nicht hören drum sag' ich schon lange nichts mehr? Stimmt. Aber das sind Köche, denen

a) entweder mal viele gute Esser fehlen oder

b) sich bald nur noch solche Esser einfinden, die überall was rein schieben, nur damit der Ranzen spannt.

Womit wir wieder bei Teil 1 und der Kernfrage wären.

Was willst Du? Wen willst Du be-dienen? 

Ein guter Koch will wissen, ob es geschmeckt hat und findet Wege davon zu erfahren. Er verwertet diese Infos zum Justieren seines Angebots ohne seine Speisekarte bzw. die Art zu Kochen danach auszurichten!

Übertragen auf die Tagesmütter und jene, die mit ihnen arbeiten möchten:

Ich kenne durchaus in diesem betreuenden und vermittelnden Handwerk solche, die ihre Arbeit nicht reflektieren und in der Folge die Eltern frustriert und stumm von dannen ziehen lassen. Dazu gehören jene, bei denen immer die Eltern schuld sind. Alle Eltern sind blöd, alle Eltern bringen die Windeln nicht, alle Eltern sind undankbar, alle Eltern gehen ratzfatz in die Kita. Das schlimme ist, diese Tagesmütter wissen nicht einmal was davon; ja, es interessiert sie nicht einmal. Sie leben einfach von der Masse und rechnen mit "frischen Eltern", die aus der Platznot heraus schon nachkommen werden. Und sie kommen nach, wenn ein Vermittler mit der gleichen Haltung an die Sache rangeht. 

Warum betreuen diese Tagesmütter Kinder? Warum vermittelt man diese Tagesmütter? Was bringen sie und die Vermittler den Eltern, den Kindern, der Vereinbarkeit, der Gesellschaft? 

Zurück zu unserem Beispiel.

Neben familienpolitischen Strukturproblemen die die Tagespflege zugegebenermaßen hat, liegt der Grund beim „Koch“, seiner miesen Intention und seiner Art den Laden zu führen. Diesen Betreuern und Vermittlern ist nicht bewusst, dass sie vermutlich an betreuender Stelle nichts verloren haben, täglich an dem Stuhl sägen, auf dem sie und der gesamte Berufsstand sitzt.

Top-Tagesmütter im Wigwam schaffen spielend beides. Sie lechzen geradezu nach elterlichem Feedback, und lernen schnell zu unterscheiden, welche sie für sich sinnvoll verwerten können und welche einfach nur unterschiedlichen "Geschmäckern" geschuldet ist. Sie tragen wichtige Kritik in die Supervisionsgruppe hinein, um immer prüfen zu können:

Bin ich noch auf Kurs zum Kind.

Und das tun sie, weil sie mit einer Vision gestartet sind, und es ihnen nicht egal ist, ob diese Botschaft ankommt.

Heißt: Nicht Deine Einrichtung ist Dein Kapital, auch nicht die Masse, die Du in ihr vereinigst, sondern Deine wahre Intention, die Deinen Leumund erschaffen und langfristig vervielfältigen wird.

Wer diese Grundsätze nicht beachtet, war niemals frei, sondern von Anbeginn abhängig von der Masse der Nachfrage. Diese Unternehmen sind just dann weg vom Fenster, wenn der Wind des Wandels in den Bedarfen weht.

Dafür gibt's auch keine Ausreden:

Du bist Unternehmer, also unternimm' was - in die eine oder andere Richtung. Prüfe, was Du der Gesellschaft bringen möchtest. GTP's im großen Stil müssen sich für mein Empfinden schon die Frage gefallen lassen, ob sie nicht gerade versucht sind, aus beiden Töpfen zu naschen. 

Warum willst Du Kinder betreuen…betreuen lassen?

Die Antwort gebt Euch selbst.

Ein Wochenende mit intensiven schönen Gedanken wünscht

Eure

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

Anerkannte Bildungseinrichtung

Phone: 06708 – 660636
E-Mail: info_at_wigwam.de

Kindertagespflegeberatung
Mo-Do: 9-16 Uhr
bei Terminen auf Rückrufbasis

Wigwam Vertragspartner:

BioNTech AG
SWR Mainz & ARD Online

REDAXO 5 rocks!