Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Samstag, 1. November 2003

Autor: Susanne Rowley

Kompetenzen in der Kindertagespflege

Reaktionen unserer Leserinnen und Leser


Hallo liebe Wigwam-Freunde,

aufgrund unseres letzten Info-Briefes hat uns reichlich Post erreicht.

Angesichts des finanziellen Dilemmas, in dem unser gesamtes Sozialsystem steckt, ist dies wohl auch kein Wunder. Alle Briefeschreiberinnen zeigten große Empörung darüber, dass in unserem Staat immer wieder von Steuergeldern zu lesen ist, die sinnlos eingesetzt werden; Ein Wust von Gesetzen und Vorschriften - nicht im mindesten aufeinander abgestimmt, macht so etwas möglich. 2 Briefe von "ungehaltenen" Müttern möchten wir Ihnen hier wertfrei zum Lesen geben. 

Nachlese zum Info-Brief:

"Wie produziert der Staat Sozialhilfeempfänger selbst"

>> Sehr geehrte Frau Rowley, wenn ich so etwas höre (und das ist nicht das erste Mal - ich habe z.B. einen ähnlichen Bericht im Fernsehen mit einer alleinerziehenden Mutter mit 5 Kindern gesehen), dann habe ich eine unbändige Wut auf diesen verbeamteten Staat! Dieses System hat auch noch richtig Methode: Jeder Beamte schalte sein Gehirn und seinen guten Menschenverstand aus, dann lerne er bitte schön (ständig aktuell - Schulungs- und Verwaltungskosten inbegriffen), die blödesten Vorschriften und Kleinstregelungen auswendig, und dann führe man alles immer nach Vorschrift und ohne Ausnahme durch! Das ist doch dann gerecht - oder etwa nicht??? Unsere kleinere Tochter kriegt ja auch immer das zu Weihnachten geschenkt, was ihr größerer Bruder in dem Alter damals bekam .... =:-/. Das Schlimmste an der Geschichte finde ich noch nicht mal die Geldverschwendung, sondern das Erziehen zu einer Geldempfängermentalität und zur Herausdrängung von Menschen aus dem Arbeitsleben. Sein wir doch mal ehrlich: Mutter sein wird nicht als Arbeit honoriert oder bezahlt, also fühlt man sich auch nicht so wertvoll. Auf dem Lebenslauf und im Bewerbungsgespäch macht das vielgepiesene Organisationstalent der Mütter auch nicht so viel her. Außerdem, je länger man aus dem Beruf raus ist, desto schneller ist die Qualifizierung auch nicht mehr auf dem Stand und dann schießt das Arbeitsamt auch wieder Geld in Qualifizierungsmaßnahmen. Vielen Dank! Trotzdem viele Grüße von einer reichlich wütenden Mutter. Angelika L.  <<   >> Hallo Wigwam, habe wie immer mit großem Interesse Ihren Brief gelesen und finde das trifft den Nagel aber mal direktement mitten auf den Kopf. Das ist unser so genannter Sozialstaat. Diejenigen die nicht arbeiten wollen brauchen nicht (der Staat zahlt ja freiwillig). Diejenigen die arbeiten wollen dürfen nicht (siehe oben).  Das ist doch total verkehrt. Liebe Grüße D. D. << 

Erstkontakt mit der neuen Tagesmutter

Wigwam hat - wie alle Tagesmütter wissen - seit langem eine "Gesprächshilfe" zur Verfügung gestellt, die alle Tagesmütter beim Erst/Zweitkontakt mit den abgebenden Eltern auch nutzen sollten.

Die u.g. Kritik einer abgebenden Mutter

zeigt allen Tagesmüttern nochmals deutlich auf, was von "berufswegen" von einer guten Tagesmutter erwartet wird. Von daher möchte ich diesen Brief unseren Tagesmüttern ans Herz legen. Vielleicht ist nicht jede Tagesmutter nicht mit allem einverstanden, was hier geschrieben steht, oder findet teilweise die Kritik überzogen; hier dürfen Meinungen auseinander gehen, dennoch, es soll ein Gedankenanstoß sein, denn nur so können wir uns aufeinander zubewegen."   

>> Hallo Frau Rowley, Sie sind interessiert am Gegenstand der Gespräche mit unserer neuen Tagesmutter beim 1. Treffen. Dieses lief überwiegend so ab:   Dass Simon, unser Sohn nicht so oft mit anderen Erwachsenen Kontakt hat, da unsere Familien und auch Freunde und Bekannte weiter entfernt wohnen - ihre Eltern wohnen noch weiter weg ... Simon schläft nachmittags ca. 2 - 3 Stunden - ihre Tochter habe sie in dieser Richtung sehr verwöhnt ... Er hat noch sehr trockene Haut und muß regelmäßig morgens und abends eingecremt werden - ihre Tochter mußte sie auch jahrelang abends einölen .... Er sollte sehr viel trinken - ihre Kinder würden auch sehr viel trinken ... und die Frage, was er denn trinke?!?   Themen, die die Tagesmutter von sich aus ansprach: Daß ihr Mann (beim ersten Besuch) keine Zeit hatte, da er seinem ältesten Sohn bei der Wohnungsrenovierung im gleichen Haus half, der Sohn z. Z. bei ihnen wohnt. Daß ihr Sohn noch kaum redet, dafür aber schon recht erfolgreich mit der Sauberkeitserziehung begonnen wurde Wie das neue Hochbett für die beiden sicher gemacht wurde Zucchinischwemme in ihrem Garten, ob ich welche bräuchte Daß sie seit kurzem kein eigenes Auto mehr zur Verfügung hat - was ich nicht sehr gut finde.   Auf meine Fragen nach ihrem Tagesablauf und wie oft sie in Urlaub fahren und nach dem Reisebett, das vorhanden sein sollte laut Beschreibung, ob im Haus der Kinderlärm akzeptiert wird, reagierte sie sehr überrascht. Die Frage, was gekocht wird stellte ich nicht mehr. Auch wie der Tagesablauf von Simon aussieht, erwähnte ich nicht mehr.

Ich fragte auch nach den beiden Mädchen, die in den Urlaubszeiten betreut werden und noch regelmäßig zum spielen kommen, um den Kontakt zu halten, ob das dann nicht zu viel werde. Hier erzählte sie auch von dem Jungen, den sie bis zum Eintritt in den Kindergarten betreute. Das waren so die hauptsächlichen Punkte der Gespräche, wobei die Tagesmutter versuchte, mit Hilfe von Bilderbuch und Kuscheltieren Kontakt zu Simon herzustellen.   Warum schreibe ich Ihnen das: Ich finde die Darstellung des Tagesablaufs von beiden Seiten eigentlich am wichtigsten, denn das Kind muß diesen in der Tagesfamilie miterleben. Wenn die Tagesfamilie durch äußere Gegebenheiten, wie z. B. Kindergartenbringen, Hund gassi führen, etc. an bestimmte Zeiten gebunden ist, muß das Kind einigermaßen "hineinpassen", so daß ihm nicht zu viel Veränderung zugemutet werden muß, insbesondere wenn es noch nicht so alt ist. Diese Abweichungen müssen bekannt sein, denn zu Hause muß dann nach Möglichkeit angepaßt bzw. darauf reagiert werden können. Auch die Betreuungszeiten können entsprechend gelegt werden, das Bringen z. B. erst nachdem das Kindergartenkind in den Kindergarten gebracht wurde - was ich ihr auch angeboten habe, da ich Gleitzeitregelung am Arbeitsplatz habe.

Ich muß auch wissen, ob mittags gekocht wird und nicht erst abends, wenn Papa heimkommt - weiß ich auch nicht. Wie kann man den Zeitaufwand für ein fremdes Kind einschätzen, wenn man nicht weiß, ob es z. B. selbständig trinken kann, beim Essen mithilft, kooperativ ist beim Wickeln und Anziehen, wie lange dauert das Zubettbringen? Läßt es sich ohne weiteres im Winter frühmorgens im Buggy durch die Gegend schieben usw.   Außerdem wichtig: die Wohnung aus Sicht des eigenen Kindes betrachten können - wo sind Gefahrenquellen? Z. B. Viele Kabel hinter dem Fernseher oder unter dem Schreibtisch, fehlende Glasscheibe in der Wohnzimmervitrine und gut erreichbare Gläser, Kleinteile beim Spielzeug der älteren Kinder ...   Ich fände es sinnvoll, wenn die Tagesfamilien einen Fragekatalog hätten, und zusammen mit den abgebenden Eltern durchgehen würden bei den ersten Besuchen, so wissen beide Seiten was auf sie zukommt, können sich absprechen.   Ganz so schlimm war es nicht bei der Tagesmutter; ich denke für sie ist alles irgendwie selbstverständlich mit der Erfahrung bei zwei wohlgeratenen Kindern. Aber sie muß sich auch in die Situation der abgebenden Eltern versetzen und deren Informationsbedarf nachvollziehen können, was m. E. nichts mit festlegen zu tun hat. Das war das wichtigste, denke ich. Herzliche Grüße M. G.  <<   

Kompetenzen in der Tagespflege / Erwartungen 

Wir alle müssen anerkennen, dass Geschmäcker verschieden sind; und sicherlich paßt nicht jeder Deckel auf den gleichen Topf; will sagen Mütter und Tagesmütter müssen im Grunde zueinander passen, denn die Erwartungen aneinander können so unterschiedlich sein, wie die Lebensgeschichte, die jede Frau zu erzählen hätte. Und doch nehme ich diesen o.g. Brief jetzt mal zum Anlaß, um an grundsätzliche Kompetenzen zu erinnern, die vom "Berufstand der Tagesmutter" erwartet werden. Wenn man sich einige Punkte davon immer wieder verinnerlicht und sich damit auseinandersetzt, dann ist auch der Beginn eines Betreuungsverhältnisses von diesen wichtigen Gesprächsinhalten selbstverständlich geprägt. Langfristig sollten Mutter und Tagesmutter ein gleichberechtigtes Verhältnis anstreben. Beim 1. und 2. Aufeinandertreffen im Wohnumfeld der Tagesmutter hat die Tagesmutter erstmal ein "Heimspiel"; also sollte die Tagesmutter die "Gesprächsführung" auch in die Hand nehmen. Beim Beginn eines Betreuungsverhältnisses hat eine abgebende Mutter hohen Informationsbedarf, den eine Tagesmutter selbstbewußt aufgreifen sollte. Einge gute Tagesmutter hat viele Qualitäten zu bieten, und von diesen und ihrer Art sie umzusetzen, sollte sie also beim Kennenlernen berichten.

  • die TM sollte von ihrem Tagesablauf und von ihrer Lebensweise berichten; im gleichen Zuge den Eltern aufmerksam zuhören und versuchen, sich in deren momentane Lage hineinzuversetzen
  • Im Umgang mit Kindern ist es wichtig, dass eine TM die Individualität/Entwicklungsstand des ihr anvertrauten Kindes erfassen und damit umgehen/fördern kann; sie sollte also alles Wissenswerte über das Kind von den Eltern erfragen und dann von ihren Ideen und Vorstellungen frei erzählen
  • Die TM sollte die Erwartungen der abgebenden Mutter/Eltern erfragen; dabei die Bereitschaft signalisieren, die Bedürfnisse und Wünsche für das Tageskind anzunehmen, aber dabei die Bedürfnisse ihrer eigenen Familie/Kinder miteinfließen zu lassen
  • Die TM sollte ihre eigenen Erziehungsziele (z.B. umweltbewußtes Verhalten) und Erziehungsmethoden (z.B. wie wird gestraft) klar beschreiben und die Fähigkeit erläutern, sich bei Bedarf mit den Erziehungszielen und -methoden der abgebenden Eltern, von denen sie im Gespräch ja erfährt, auseinander zu setzen
  • Die TM sollte das Thema Ernährung anschneiden; klar darlegen, ob Essenzeiten und Eßgewohnheiten fix sind; wo Sonderwünsche Platz haben; auch hier die Vorstellungen der Eltern anhören und aufnehmen
  • alle Reizthemen, wie Fernsehen, Computerspiele, Rauchen, Hygiene mit Haustieren und und...interessieren die abgebenden Eltern, die TM sollte diese Themen von sich aus ansprechen
  • Die TM sollte zukunftsweisende Vorschläge unterbreiten zu verschiedenen Themen: a) Ablauf der Eingewöhnung; verschiedene Vorschläge der Gestaltung anbieten b) Umgang mit Konflikten; die TM sollte erzählen, welche konstruktiven Wege sie kennt und als machbar erfahren hat, z.b. regelmäßige Gespräche in festgelegtem Turnus
  • Alle Themen wie Zahlungshöhe, Zahlungsweise, das Stellen von Kleidern, Urlaubsregelungen haben Platz in späteren Gesprächen und sollten beim 1. + 2. Zusammentreffen ausgespart werden (und werden ja zudem von Wigwam im Vorfeld schon ausreichend vorbereitet)
  • Bei all diesen nur grob angerissenen Punkten sollte die TM ein angemessenes Nähe- und Distanzverhältnis vorgeben, um beiden Seiten stets die "Luft" auch für familiäre "Rückzüge" zu lassen; denn bei solch einem intensiven Informationsaustausch kommen sich alle schneller näher, als es von "Natur aus" (z.B. auf dem Spielplatz ) zustande gekommen wäre.

So liebe Tagesfamilie, liebe Eltern, ich freue mich wie eh und je auf Post und Emails von Ihnen, mit Kritik und Anregungen und Kommentaren beladen :-). Machen Sie es gut; bis zum nächsten Info-Brief und bleiben sie gesund!
 

Es grüßt herzlich 

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
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