Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Samstag, 4. April 2015

Autor: Susanne Rowley

Kindertagespflege kann Eltern aus dem Betreuungsdilemma herausführen

Augenscheinliches oder scheinbar (Nicht)Bewährtes mutig zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.


Liebe Wigwam-Freunde,

auf meinen Blogbeitrag "Kindertagespflege als Brandbeschleuniger (..)" habe ich in Form von Kommentaren, hier nachzulesen: 

https://www.facebook.com/Wigwam1994/posts/901118836614960

reges Interesse erfahren. Herzlichen Dank dafür.

Ich möchte an dieser Stelle auf diese Kommentare eingehen.

Grundsätzlich möchte ich anmerken, dass mein Ansinnen beim Aufzeigen von negativen Aspekten nicht ist, Verbitterung zu erzeugen oder bereits vorhandene zu verstärken.

Vielleicht arbeite ich das nicht deutlich genug heraus.

Viel mehr möchte ich dazu anregen,

Augenscheinliches oder scheinbar (Nicht)Bewährtes mutig zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.

Wenn Kindertagespflege ihr Licht sowohl im Journalismus als auch bei politisch Verantwortlichen permanent unter dem Scheffel stehen sieht, muss sie sich dann nicht fragen, warum das so ist?

Taugt diese Betreuungsform nichts?

Oder

gibt es vielleicht andere Gründe und Zusammenhänge, warum sie nicht aus dem Schatten tritt?

Kann es nicht sein, dass ich mich in einer Betreuungsdiskussion mit einem Gegenüber (politisch Verantwortliche) wiederfinde, das im Gegensatz zu mir an gar keiner Lösung „mit mir“, also einer echten Integration in die Betreuungslandschaft, interessiert ist? Und wenn dem so ist, ist es dann sinnvoll mich fortgesetzt in einer zum Scheitern verurteilten Gegenwehr zu bewegen? Ist es nicht spätestens dann Zeit, Konsequenzen zu ziehen, bevor ich mich & meine Werte aufgegeben habe?

Das Heischen um Anerkennung, die mir bewusst vorenthalten wird, ist aus meiner persönlichen Sicht Kraftverschwendung auf Nebenkriegsschauplätzen.

Im Gegensatz zu vielen Schreibern in den Tagespflege-Gruppen der Sozialen Netzwerke, bin ich nicht der Ansicht, dass Kindertagespflege ausgedient hat.

Im Gegenteil.

Nie waren die Zeiten günstiger als heute, eine echte Wertediskussion innerhalb der Betreuungslandschaft anzustrengen.

Ich erlebe Eltern, die zu mir kommen

mitnichten als elitäre Gruppe, die sich das leisten können. Sondern es sind Familien, die den Mut haben, den vorgesetzten Bildungs- & Förderungsfraß für sich und ihre Kleinen zu hinterfragen. Völlig verunsichert durch Studien & Tonnen von Ratgebern, die ihnen eingebläut haben, was ihrem Kinde alles Schlimmes passiert, wenn Zug A oder B mal abgefahren ist und sie auf Zug C nicht aufgesprungen sind, schlagen sie bei mir auf.

Eine resistente Restintuition meldet ihnen ein berechtigtes Unwohlsein,

wenn sie ihr 1-Jähriges in einer Kita-Großgruppe untergehen sehen, darum sind sie gekommen. Und ich bestärke sie darin, dieser Intuition Vertrauen zu schenken und ihren persönlichen Weg neu zu entdecken.

Ich glaube, die Zeiten sind auch deswegen günstig, weil die Diskussion über Werte, die Familien keinen Raum mehr für individuelle Entscheidungen für ihr Kind lassen, längst angestoßen ist. Es gibt sie diese Eltern, die die Regelwerke und vorgezeichneten Normen der aktuellen Betreuungslandschaft als Damoklesschwert empfinden. 

Das Damoklesschwert ist eine der besten Metaphern,

die die vorherrschende aktuelle Betreuungslandschaft beschreiben.

Eine scheinbar komfortable Situation, erzeugt durch den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr, wird den Eltern als erstrebenswerte Annehmlichkeit verkauft. Er steht ihnen also einfach so zu. Und einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Die unangenehmen Gefühle, die mit der Nutzung dieser Annehmlichkeit verbunden sein können, werden eher kritisch hinterfragt, als der Anspruch selbst.

Aus diesem Dilemma kann die Kindertagespflege heraus helfen.

In dem wir den Eltern die Möglichkeit bieten, ihr Unwohlsein ernst zu nehmen. 

Ich bin dafür, dass Kindertagespflege NEUE Grundsatzfragen stellt

und aufhört,

im Bildungswahn seine Daseinsberechtigung zu suchen.

Das gilt auch dann oder gerade dann, wenn Erzieher und Sozialpädagogen vermehrt Einrichtungen verlassen, um sich mit dem erlernten Basiswissen als Grundlage in der bindungsintensiven Kindertagespflege zu bewegen. Denn das trägt die Botschaft nach außen, nicht sinnloses Wissen angehäuft zu haben, sondern Erlerntes in eine kindgerecht gelebte Praxis zu überführen.

Was braucht ein Kleinkind um zu gedeihen? – siehe die guten Artikel des Kinderarztes Renz-Polster. Wie kann es gehen, dass Bindungsforscher vermehrt auf die KTP aufmerksam werden? Welche Gründe hat es, dass hierzulande in bloßer Kontrolle und der dennoch nie zu erreichenden Sicherheit alles Heil gesucht wird? Wie kann erreicht werden, dass Eltern wieder lernen, ihren persönlich empfundenen Wohlfühlrahmen zu finden, damit ihr Kind diesem folgen kann? Wie können Eltern darin unterstützt werden, ohne sie mit Rat-schlägen zu überziehen? Welche Haltung steckt hinter den Wünschen, die Eltern äußern? Und finden sie die Erfüllung da, wo sie sie suchen?

Eltern die Vorteile des Angebotes Kindertagespflege näher zu bringen, das ist die Aufgabe.

Nehmen wir Abstand von dem Bild im Vergleich zur Kita nicht bestehen zu können, weil der Vergleich hinkt.

Hören wir auf, in den Tagesmutter-Gruppen eine eintretende Mutter als „Feindberührung“ zu begreifen. Decken wir sie doch auf die unehrlich geführte Betreuungsdebatte, die in Wahrheit nicht dem Kind zugutekommen soll, sondern ggf. nur dem Umstand geschuldet ist, die Legislaturperiode unbeschadet zu überstehen.

In dem Bundesland Rheinland-Pfalz, in dem ich agiere

ist Kindertagespflege unerwünscht. Das hinderte mich noch nie daran, am Ball zu bleiben und gute Arbeit zu leisten.

Seid überzeugt von Euch selbst und dem, was ihr da tut, und es wird immer Eltern geben, die ihr mit dieser Authentizität anzünden könnt.

Das Ziel muss sein, eine eigene Rolle in der Betreuungslandschaft einzunehmen.

Lückenbüßer- und Hilfstätigkeiten für andere Betreuungsformen, die ihrerseits Defizite und Unzulänglichkeiten nicht in den Griff kriegen, sind nicht die Aufgabe der Kindertagespflege.

Selbstbewusstsein heißt das Bewusstsein seiner selbst

Nach meinem subjektiven Empfinden mangelt es der Kindertagespflege an diesem Bewusstsein.

Sie ist unselbständig, weil sie sich aktuell fast ausschließlich abhängig zeigt von der Anerkennung von außen.

Kindertagespflege hat es noch nicht geschafft, ihren Eigenwert zu ermitteln und den guten Erfahrungen zu vertrauen. Ein guter Selbstwert bezieht sich aber auf etwas, was sich unmöglich nur im Außen abspielen kann, sonst bricht das Wertegefüge jedes Mal zusammen, wenn Zustimmung von außen fehlt. Ich meine damit keinen falschen Stolz, sondern ich glaube gar, dass ein gesunder Selbstwert und ein echtes Selbstbild der KTP dazu beitragen könnten, die Sicht der Allgemeinheit auf Betreuung zu verändern/zu bereichern.

Die Frage ist also auch, glaubt Kindertagespflege selbst daran,

dass sie einen festen Platz in der Betreuungslandschaft einnehmen sollte, und ist sie dann auch bereit, beständig, eigenverantwortlich für dieses Anliegen einzustehen?

Das wäre die ehrliche Frage, die zu stellen ist.

Nur wenn diese mit Ja beantwortet werden kann, kann die gleichlautende Botschaft auch glaubhaft transportiert werden.

Das Fähnchen fortgesetzt nach dem jeweiligen familienpolitischen Wind zu hängen und gut sichtbar für andere sogar bereit zu sein, sich und seinen Berufsstand im Kern aufzugeben, seine Werte zu verraten, wird dazu führen, dass der Berufsstand weiterhin am Tropf derer hängt, die ihn als Notnagel gerne dann aus dem Hut zaubern, wenn die gesellschaftliche Entwicklung in Sachen Vereinbarkeit von Beruf & Familie die politischen Fehlentscheidungen mal wieder überholt hat.

Überlegt Euch also gut, wer Ihr seid – und wenn ja „wie viele.

Dieser Spruch ist absichtlich doppeldeutig gewählt.

Denn zum einen sind in der Kindertagespflege viele, was Euch durchaus eine nennenswerte Stimme verleiht, und zum anderen steckt die Aufforderung darin, den Berufsstand im Kern nicht mehr verfälschen zu lassen.

Ich bedanke mich und grüße herzlich

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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