Montag, 1. September 2003

Autor: Susanne Rowley

Kinderbetreuungsformen im Vergleich

Au Pair Mädchen, Krippe, Tagesfamilie

 

Hallo liebe Wigwam-Freunde,

Der Urlaub der Hauptstelle ist seit 18.08.03 vorbei, und so langsam werden die liegengebliebenen Arbeitshaufen kleiner, die nach Urlaubsende natürlich auf mich warteten.

Frisch erholt bin ich nun wieder für Sie alle da.

Unser Thema heute:

Betreuungsformen im Vergleich

in meinem letzten Info-Brief haben wir bereits das Thema behandelt, wie früh man sich um eine Tagesmutter oder eine Betreuung für sein Kind kümmern könnte/sollte. Viele Eltern rufen von daher - wie bereits berichtet - in der Schwangerschaft an, um sich kundig zu machen. Selbstverständlich machen sich die Eltern auch über die "Betreuungsform" im allgemeinen frühzeitig ihre Gedanken. Hierzu möchte ich Ihnen heute einige kritische Fragen mit auf den Weg geben, die Sie sich selbst stellen können, damit Sie Ihre Entscheidungskriterien finden, diese bewerten können, um schlußendlich Ihre eigenen Prioritäten richtig zu setzen.

Vorausschicken möchte ich,

dass es in jeder gewählten Betreuungsform gute und schlechte Beispiele gibt. Von daher sind auch die Erfahrungswerte der Eltern sehr unterschiedlich. Denn jede Betreuungsform kann letztendlich nur so gut sein, wie die Menschen, die Sie umsetzen.   Wir unterscheiden heute die Betreuungsform des Au-Pair-Mädchens im Gegensatz zur Kinderkrippe bis hin zur Tagesfamilie.

 Kinderkrippe

diese Form wählen meistens die Eltern, denen von vorneherein daran gelegen ist, dass ihr Kind auf jeden Fall sozialen Umgang lernt, und die es für wichtig erachten, dass ihr Kind von "professionellen" Erzieherinnen betreut werden soll. Klar sollte Ihnen sein, dass diese Betreuungsform eine eher "distanziertere" ist - also weniger familär. Prüfen sollte man für sich und sein Kind allerdings (soweit im Vorfeld möglich), wie die Erziehungsmethoden sich im einzelnen tatsächlich gestalten. Professionalität ganz einfach vorauszusetzen, weil es sich um eine "Institution" handelt, ist sicher fehl am Platze. Achten Sie auch darauf, wie ihr Kind auf die "Gruppensituation" reagiert. Vergleichbar wäre diese Situation mit der eines "Großraumbüros" für Erwachsene. Erträgt ihr Kind den dauernden Lärmpegel und die Umtriebigkeit - verändert sich im Nachgang das Schlafverhalten ect.? Auf jeden Fall sollte eine ausreichende Probezeit in jeder Krippe selbstverständlich sein. Prüfen Sie auch, ob Sie mit den festen Öffnungszeiten langfristig klar kommen.

Au-pair

Eltern, die diese Form wählen, haben sich sicher im Vorfeld viele Gedanken zu dieser Form gemacht. Natürlich gilt auch hier, dass man schon ein bißchen Glück haben muss mit dem Menschen, den man da vom Flughafen abholt - will sagen - wir können uns hier zwar vorinformieren - aber eine Probezeit haben wir hier definitiv nicht. Überlegen Sie sich also vorher ganz konkret zunächst die praktischen Gesichtspunkte, die wir beeinflussen können. Bietet Ihr Wohnumfeld genügend Platz für ein Au-Pair? Können Sie es auf Dauer (mindestens 1 Jahr) ertragen, wenn Sie evtl. das Badezimmer mit der Dame teilen und auch bei Tische immer ein zusätzlicher Kopf anwesend ist? Was tun Sie, wenn die Sprachkenntnisse nicht so gut sind, wie Ihnen geschildert wurde? Was, wenn die Dame keine militante Nichtraucherin ist, wie versprochen? Haben Sie die Nerven vom Pflaster bis zum Trennen des Bio-Mülls alls häuslichen Gepflogenheiten stets zu erläutern? Bringen Sie genug Grundvertrauen mit, um einen zunächst fremden Menschen bei sich zu beherbergen, evtl. auch alleine im Haus zu lassen? Haben Sie genug Zeit, um dem Au-Pair auch ein bißchen heimische Lebensart nahe zu bringen? Suchen Sie in Wahrheit eine Putzfrau? Was würde Ihrem Kind - würden Sie es fragen können - besser gefallen; eine sensiblere Einzelbetreuung oder mehr das Gruppenspiel mit entsprechenden Auseinandersetzungen? Fragen Sie sich, ob Sie zu Hause auch mal ungestört sein müssen/wollen; z.B. lernen für eine Diplom-Arbeit oder Home-Office (arbeiten zu Hause). Ist es dann gewährleistet, dass ihr Kind eine Fremdbetreuung während Ihrer gleichzeitigen Anwesenheit im Hause respektiert? Wie wichtig ist Ihnen grundsätzlich ein pädagogischer Hintergrund - der ist meist leider nicht unbedingt vorhanden. Der Gedanke, sein Kind nicht außer Haus zu geben, ist sicher ein angenehmer, weil bequemerer Weg und von daher das schwerwiegendste Argument für Eltern.

Tagesfamilie

Eltern, die diese Form wählen, haben meist Interesse an einer engeren Grundbeziehung in der Fremdbetreuung. Manchmal fällt die Wahl aber auch auf diese Form nur, weil in der Krippe einfach kein Platz mehr war, oder die Au-Pair-Lösung nicht gwünscht wird. Grundsätzlich sollte Ihnen bei dieser Form der Betreuung klar sein, dass Sie hier ein familiäres Umfeld und nicht die Institution erwartet. Hier erwarten Sie Menschen mit eigenen Erziehungsvorstellungen, und auch mit familiären Problemen, wie wir sie alle mal haben können. Sie haben hier die Wahl zwischen einer Klein-Betreuung oder der professionelleren Groß-Gruppe zu treffen. Welche Sie favorisieren, hängt - wie oben bereits beschrieben - von den Grundbedürfnissen und persönlichen Möglichkeiten Ihres Kindes ab. Soziale Kontakte sind auf jeden Fall gegeben, weil Tagesfamilien immer eigene Kinder haben. Weil es aber eine Familie ist,  müssen Sie gerade aus diesem Grunde innerlich bereiter sein, etwas mehr loszulassen, als bei den beiden vorher genannten Betreuungsformen. Ihr Kind ist eingebettet in einen möglicherweise völlig anderen Tagesablauf; erlebt eine Mutter/Vater, die andere Erziehungsmethoden an den Tag legen, als es das von zu Hause gewöhnt ist. Ihr Kind lernt zu differenzieren, wird aber mit Sicherheit zu Hause neue Grenzen austesten wollen. Sie sollten auch durchaus den Gedanken der "Eifersucht" gegenüber der "Ersatzmutter" vorwurfsfrei und ehrlich durchdenken. Wo möchten Sie klare Vorgaben machen (Strafen, Gesprächsinhalte - angefangen von Regligion bis hin zur Sexualität ect.), und wo lassen Sie Freiraum für Eigenverantwortung der Tagesmutter? Sind Sie grundsätzlich mehr an einem "Miteinander" interessiert, oder stehen Sie mehr auf dem Standpunkt, dass Sie den Grundton angeben, weil es ein "bezahltes Verhältnis" ist? Auf jeden Fall sollte die Familie mit der Zeit Ihr Vertrauen genießen, denn Sie kommen den betreuenden Familien unweigerlich viel näher als dies in einer Institution gegeben ist. Von daher muß Ihnen auch klar sein, dass das Verhältnis sicher mehr Pflege und Ausstausch bedarf, als in der Krabbelstube notwendig. Ein gesundes Nähe- und Distanzverhältnis wäre der goldene Mittelweg. Denn dieser erhält langfristig die Motivation der betreuenden Familie und läßt stets Raum für ehrliche Kritik auf beiden Seiten.

Tagesmutter kein "Taxi-Fahrer"

Immer wieder erreichen uns Gesuche von Eltern mit Betreuungsproblemen, die für uns oder die Tagesfamilie in der Praxis nur schwer oder gar nicht zu lösen sind. Grundsätzlich liefern viele Eltern zusammen mit Ihrem schwierigen Betreuungsgesuch, die vorgestellte Lösung gleich mit, denken dabei aber recht selten an die Ausführung in der Praxis auf Dauer. Hier ein Bsp.: Wenn die Öffnungszeiten des Kindergartens sich mit den Arbeitsbeginn- oder/und Arbeitsschlußzeiten überschneiden, ist eine Abhol-Tagesmutter gefragt. Dieses Problem ist grundsätzlich durchaus lösbar, denn so manche Tagesfamilie erklärt sich sehr wohl bereit, Fahrten zu übernehmen.   Das Problem dabei entsteht immer dann, wenn für die Tagesfamilie keine wirkliche "Betreuungszeit" mehr anfällt; ihre Leistungen sich also auf die reine Fahrtzeit beschränken. Es ist im übrigen auch für die Tageskinder sehr unbefriedigend, wenn sie bsp.weise um 14 Uhr von der Tagesmutter aus dem Kindergarten abgeholt wurden, kaum die Jacken ausgezogen haben, ein Spiel auspacken - und schon steht die Mutter zur Abholung in der Tür.   Sie sehen, das Problem ist rein praktisch durchaus lösbar, beim näheren Hinsehen jedoch erkennen wir alle, dass dies keine befriedigende Tätigkeit für eine motivierte Tagesfamilie auf Dauer sein kann. Der Abbruch ist so gut wie vorprogrammiert. Wo sind also die Lösungen? In diesen Fällen ist es leider notwendig, die Eltern um weitere Kompromisse zu bitten. Es wäre schon ein Entgegenkommen, wenn die Abholung der Kinder am Nachmittag zeitlich verschoben würde, so dass die Tagesmutter eine Beziehung zum Kind auch aufbauen kann und ihre Arbeit einen Sinn erhält. Natürlich haben wir auch Verständnis für die Müttern, die nach Arbeitsschluß sofort ihre Kinder abholen möchten, um sich einen Weg zu sparen, aber hier müssen nunmal Prioritäten gesetzt werden. Bei morgendlichen Zeitüberschneidungen ist es noch schwieriger; hier hören wir oft das Argument von Eltern, dass sie ihr Kind nicht so früh wecken möchten/können, um das Kind selbst zur Tagesmutter zu bringen, damit diese es in den Kindergarten fahren kann. Es kann aber leider von keiner Tagesmutter mit eigenen Kinder verlangt werden, dass diese morgens außer Haus fährt, die Kinder im Haushalt der Mutter weckt, anzieht und Frühstück verabreicht. Hier muss das Tageskind zur Tagesmutter gebracht werden oder gar in Einzelfällen (siehe Hebammen und Krankenschwestern im Frühdienst) an eine Übernachtung im Vorfeld gedacht werden. 

Abschließend wäre anzumerken, dass wir auch nicht glücklich sind mit den Öffnungs- und Schließungszeiten der Einrichtungen gemessen an den gesellschaftlich geforderten Arbeitszeiten - hier müssen wir an neuen umsetzbaren Betreuungsformen weiter arbeiten - Kompromisse machen - oder aber auch mal unsere Grenzen der Machbarkeit anerkennen - auch zum Wohle unserer Kinder.   

So, für heute soll es das gewesen sein - ich wünsche Ihnen viele gute Gedanken, freue mich weiterhin über Anregungen und auch über Kritik. Schreiben Sie mir,

wenn Sie der "Betreuungsschuh" drückt. 

Es grüßt herzlich    

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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