Samstag, 17. Juni 2017

Autor: Susanne Rowley

Kein Schiff wird kommen, und uns vom System erlösen. Wir sind das System.

>> Von Discounter-Erziehung und Bildungsbequemlichkeit <<

Seit geraumer Zeit macht es für mich wieder mehr Sinn, den ein oder anderen Artikel / Blogbeitrag in den sozialen Netzwerken zu kommentieren, denn es gibt sie; Schreiber, denen es wichtig ist, auf ein größeres Ganzes hinzuweisen, statt auf ein Wunder von Seiten des Staates zu warten.

Deswegen kommentiere ich heute ein 2. Mal

einen Beitrag von Andreas Ebenhöh, der in seinem neuerlichen Beitrag fehlende Eigenverantwortung beklagt, in Bezug auf mannigfaltige gesellschaftliche Missstände.

Dieser Beitrag wurde hundertfach in sozialen Netzwerken geteilt, und von Usern auf unterschiedlichste Weise zustimmend oder kritisch kommentiert.

Ein kleiner Auszug

Zitat:

>>  Wir essen Eier von blinden und seelisch zerstörten Hühnern, trinken Milch von unglücklichen Kühen, vergiften mit jedem Plastikartikel die Meere und Flüsse und destabilisieren das Klima durch Treibhausgase. (...) Wir bringen unsere Kinder von 7-17 Uhr in Krippen, ohne zu hinterfragen ob die Rahmenbedingungen für Bindung, Erziehung und Bildung überhaupt entwicklungsgerecht sind. Wir entscheiden uns dafür, auf Grund der beruflichen Selbstverwirklichung, unsere Kinder auch krank in die Kitas zu bringen (...) Wir denken dabei nicht an die anderen Kinder, die schwangeren Eltern  (...) Uns entgeht, dass jede kranke Fachkraft sich auf die Erziehungsqualität unseres eigenen Kindes auswirkt (...) Es scheint uns nicht klar zu sein, dass überforderte Fachkräfte die Überforderung an unsere eigenen Kinder weitergeben (...) Scheinbar unbekümmert übergeben wir unsere Kinder entweder an unqualifizierten Hilfskräfte, Praktikanten/innen oder an teilweise überforderte Auszubildende….während WIR selbstverständlich vom Arzt und nicht von der Krankenschwester operiert werden wollen. Wir ärgern uns über die Betreuungssituation, schimpfen auf die Träger, Erzieher/innen und Leitungen, verschränken die Arme und sagen uns, dass wir ein Anrecht auf Betreuung haben und schließlich dafür bezahlen. Also sollen die im „Kindergarten“ das jetzt gefälligst machen! Und so verlieren wir aus den Augen, dass wir dabei das Urvertrauen unsere Kinder für den eigenen Protest opfern! (...) <<

Zitat Ende.

Sie merken schon an diesen wenigen Zeilen, worauf er hinaus will.

Wir wollen haben, aber nichts dafür geben. Gerne wollen wir gefragt, jedoch nicht beauftragt werden. Wir wollen einbezogen, aber nicht involviert sein u.v.m.

Beim Verfolgen der Kommentare durch Eltern und Fachkräfte,

ist mir das ein oder andere aufgefallen. Manche kritisieren das System ganz allgemein, dem sie sich hilflos ausgeliefert fühlen, andere prangen elterliche Wünsche nach Selbstverwirklichung und mangelndes Eigenengagement an. Betreuende Fachkräfte beklagen die durchgängige Anspruchshaltung der Eltern und den damit einhergehenden schlechten Umgang mit ihnen. Ab und an rutscht die Diskussion ins Ideologische ab, welches Lebensmodell wirklich gut ist fürs Kind.

Beim gedanklichen Sortieren all dieser Kommentare,

war mein erster Impuls, dass jede Familie für sich zu Recht einfordert, so leben zu können, wie sie das möchte. Das wäre Wahlfreiheit. Und das Kerngeschäft poltisch Verantwortlicher, als "Beauftragte des Volkes", wäre, sich für diesen Freiheitswunsch zu interessieren, und die Rahmenbedingungen flankierend statt steuernd zu schaffen.

Warum aber haben Familien keine Wahl?

Meine Antwort auf die Systemfrage nach Jahrzehnte langer Analyse sind 3 wesentliche Faktoren.

1. Die Zielsetzung unseres Staates ist eine völlig andere als die der Familien.

Bei Vereinbarkeit von Beruf & Familie geht es dem Staat nur und ausnahmslos um die freie Wirtschaft. Nicht ums Kind. Das sehen Sie alleine schon daran, dass „wer bestellt, noch lange nicht zahlen muss“. ALLE Nutznießer von Vereinbarkeit sitzen nicht im Finanzierungs-Boot. Stellen Sie sich mal die Frage, wo Geld hinfließt, wenn Eltern arbeiten gehen, und stellen Sie sich so dann die Frage, wer den schwarzen Zahle-Peter hat. Wenn Eltern arbeiten, füllt sich Herrn Schäubles Steuer-Säckel, die Sozialkassen werden be-dient, die Umsätze der Unternehmen sprudeln. Die Finanzierung der Kinderbetreuungsstätten und Tagespflege wird aber schwerpunktmäßig nur von den Kommunen geschultert, die von den oben genannten Geldströmen abgeschnitten sind.

2. Politik wird nicht Resort übergreifend verstanden und gemacht,

obwohl alle Bereiche (Arbeitsmarktpolitik / Familienpolitik / Wirtschaftspolitik) sichtbar ineinandergreifen. Darauf zu warten und zu hoffen, dass es irgendwann einmal funktioniert, ist Zeitverschwendung.

Von daher ist es per se unehrlich, eine ideologisch angehauchte Diskussion aufleben zu lassen, wenn Familien von ihrer Hände Arbeit nicht leben können, oder Altersarmut vermieden werden soll, weil Eltern arbeiten müssen, ob sie wollen oder nicht. Und by the way: Kindeswohl hängt auch davon ab, welche Vor-Bilder (Eltern) ein Kind hat. Und ich wünsche keinem Kind eine Mutter / einen Vater, der sich „für Kindeswohl“ verbogen hat; denn schlussendlich nimmt das Kind auch die Botschaft mit, dass man sich verbiegen muss in dieser Gesellschaft, um angenommen zu werden. 

3. Das politische und wirtschaftliche System (die Rahmenbedingungen) kennt immer nur den einen Weg: Druck von oben nach unten.

Eine Seite formuliert den Anspruch, die andere Seite wird zum Erfüllungsgehilfen degradiert. Dass diese Schieflage niemals zum Ziel führen kann, sehen wir in allen Lebensbereichen. Einer Erzieherin, der es schlecht geht, wird weder der Gesellschaft noch dem Kind dienen. Es ist in der Politik und der freien Wirtschaft noch nicht durchgesickert, dass es genau anders herumlaufen muss. Jenen, die Ansprüche erfüllen sollen, muss es gut gehen, dann kann es auch jenen gut gehen, die den Anspruch formulierten. Es gibt bereits Unternehmen, die erkannt haben, dass man die Hand, die arbeitet, nicht schlägt, sondern motiviert.

Nun wäre aber die Frage, wie kann man eine Druckumkehr bewerkstelligen.

Hierzu nur ein kleines Bsp., das zum Selberdenken anregen kann:

In einem Tagesmutter-Forum verfolgte ich vor geraumer Zeit einmal eine Diskussion, in der sich Tagesmütter einer Großstadt zu Hauf bitter beklagten, vom Jugendamt flösse seit Monaten kein Geld, und sie könnten stellenweise ihre Miete nicht mehr bezahlen. Und dennoch öffneten sie brav jeden Morgen ihre Tür, nahmen Eltern und Tageskinder in Empfang; betreuten weiter für UMME.

Was würde wohl geschehen, wenn alle betreuenden Hände dieser Stadt sich zusammenschlössen, ihre Türen geschlossen hielten?

Eltern erscheinen nicht am Arbeitsplatz, Firmenrädchen stünden still. Gewehrt hat sich keine, denn jede hatte für sich allein Angst, beim Jugendamt langfristig in Ungnade zu fallen!

Und genau auf diese Angst konnte das Jugendamt bauen und sich locker zurück lehnen.

Dieses Bild soll schlicht verdeutlichen,

dass solange jeder einzelne von uns nur Verantwortung für sich übernehmen will, wird das System weiter funktionieren. Und solange sich die Basis (Eltern versus Betreuer) die Haare ausreißt, statt gemeinsam den Druck dahin zu geben, wo er hergekommen ist, wird sich erst recht nichts bewegen.

Frei nach dem Motto: Wenn 2 sich streiten freut sich ganz sicher ein Dritter.

Verantwortung wäre demnach auch, sich das bereits im direkten eigenen Umfeld bewusst zu machen. Ich glaube, dass jede Veränderung bei uns selbst beginnt.

Und damit bin ich bei der Kernbotschaft, die ich dem Artikel von Herrn Ebenhöh entnommen habe:

Es nützt nichts, wie ein Käfer auf dem Rücken zu liegen, und mit dem Finger auf's System zu zeigen.

Kein Schiff wird kommen,

und uns aus einem krankmachenden System für unsere Kinder befreien. Keine ErzieherIn wird je der Gesellschaft oder dem Kind dienen, wenn sie bleibt, wo sie krank wird. Kein Kind wird in Billiglohnländern je von der Kinderarbeit befreit, so lange im Westen geiz so geil ist. Und kein Pädophiler wird je die Missbrauchsbühne verlassen, wenn nicht auch die sich endlich verantwortlich fühlen, die körperlich/seelisch nicht betroffen sind.

Wir sind das System.

Herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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