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Freitag, 1. Dezember 2006

Autor: Susanne Rowley

Kampagne Familie und Beruf vereinbar?

Leserbriefe

Hallo liebe Tagesmütter,liebe Mütter und Väter,liebe interessierte  Leser, 

Er ist gut angekommen,

der letzte Info-Brief zum Thema "Bauchgefühl" von uns Müttern - Eltern. Zahlreiche Kurzmeldungen, aber auch längere Briefe haben uns erreicht, und wir hatten vielfach das Gefühl, einen Nerv getroffen zu haben.

Es ist sicher an der Zeit,

unsere Eigenverantwortung für die Entwicklung unserer Familie und der gesamten Gesellschaft zu betrachten. Es nicht länger dabei zu belassen, nur Zahlen, Daten und Fakten zu beleuchten. Wir müssen uns fragen, ob wir weiterhin nur die positiven Aspekte unserer Anspruchsgesellschaft genießen möchten, oder auch bereit sind, Wechselwirkungen der vielen Handlungsfelder in unserer Gesellschaft, die wir selbst angestoßen haben, zu beachten. Eigentlich wissen wir es längst, dass viel mehr Dinge aus dem Gleichgewicht geraten sind, als "nur" unser Generationenmodell aufgrund einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung. Wir wissen längst, dass uns familienfreundliche Unternehmen nicht allein eine höhere Geburtenrate bringen können. Und wir spüren täglich am eigenen Leib, dass unser Ruf nach Vater Staat gerade dem Abbau bürokratischer Hemmnisse und dem Dschungel von lästigen gesetzlichen Vorschriften wiederum entgegenwirkt. Und wir ahnen auch schon, dass eine noch so gut organisierte Kinderbetreuung uns nicht die Last der täglichen Überforderungen an allen Fronten von den Schultern nimmt. Jetzt erschlägt man uns täglich mit neuen Schlagworten wie: Arbeitszeitflexibilisierung, Flexibilisierung des Arbeitsortes, des Arbeitsprozesses, der Inhalte etc. Müssen wir diesen Wunsch nach noch mehr Freiraum und Flexibilität nicht auch auf seine Kehrseite hin untersuchen ? Wer jederzeit flexibel ist und zu sein hat, hat auch weniger Möglichkeiten einen lebbaren Rahmen für sich zu finden und berechenbaren Halt zu spüren. Je globaler unsere Welt wird, umso weniger wird Platz sein für die Keimzelle Familie, die Schutzraum braucht - und einen darstellt. Es genügt nicht mehr, den Wert der Familie durch Presse und Medien in Kampagnen zu verpacken - wir müssen ihn auch leben können. Und die "Lust auf Kinder" ist kaum zu verordnen. Wenn Kinder Glück und Bereicherung bedeuten, das Großziehen der selben uns auch einen Grad an Erfüllung schenken soll, so müssen wir auch die Zeit haben, dieses zu erleben. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" ist das große Thema unserer Gesellschaft.  Ich bin an dieser Stelle mal ganz ehrlich: Ich habs nicht hingekriegt ! Vereinbaren kann man das nicht - man kann sich dafür entscheiden und es einfach machen. Die Abstriche, die man hierbei in Kauf nimmt, gehen zu Lasten meist sehr persönlicher Bereiche, sei es eine innige Beziehung, Freundschaften, kulturelles Interesse etc. Ich konnte lange Jahre nur "Kinder und Beruf" - alle anderen "Rollen", die eine Frau so ausfüllen, habe ich lange Zeit an den Nagel hängen müssen - das ist ein Preis, den wir alle bezahlen - darüber müssen wir uns im klaren sein. An dieser Stelle möchte ich unseren 1. Aufruf formulieren.

Wigwam plant Anfang nächsten Jahres 2007 eine Kampagne mit dem Namen: "Familie und Beruf - vereinbar ?" Wir bitten alle Mütter und Väter, die daran interessiert sind, eine "ehrliche Innenschau" mit uns zu betreiben, uns zu schreiben. Schildern Sie uns, welchen "Spaghat" im täglichen Leben Sie wirklich veranstalten mußten und müssen, um Ihre Selbstverwirklichung im Beruf zusammen mit Kindern unter 1 Mütze zu bringen - und - welchen "Preis" Sie dafür bezahlt haben. Wenn Sie mitmachen möchten, dann melden Sie sich im Wigwam-Büro! 3 Briefe, die mich zum Info-Brief November erreichten und mich sehr berührt und angesprochen haben, möchte ich Ihnen hier ungekürzt ans Herz legen. Brief Nr. 1 "Liebe Frau Rowley, Sie sprechen mir aus der Seele. Sich frei zu machen von Erwartungen, Meinungen und Forderungen von außen ist die erste Voraussetzung, die eigene Intuition zu entdecken. Das ist, wie ich selbst feststellen musste, sehr schwer. Gerade wenn man noch nicht so genau weiss, wie man sich entscheiden soll oder was man tun soll, hört man sehr viel auf andere Meinungen, in der Hoffnung, die eigene zu finden. Sich auf sich selbst zu besinnen, erfordert eben sehr viel Mut. Mut, weil die eigenen Wünsche vielleicht nicht so "gesellschaftsfähig" sind. Erst wenn man begriffen hat, dass man es sowieso nicht allen Recht machen kann, ist man in der Lage, die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu entdecken. Aber ich musste trotzdem feststellen, dass man sehr selbstbewußt sein muss, um dann die gefundenen Wünsche und Vorstellungen auch in die Tat umzusetzen. Es gibt eben immer wieder jemanden, der doch etwas zu "meckern" hat. Und wenn man es einmal geschafft hat, sich auf sich selbst zu besinnen, heißt das noch lange nicht, dass man nicht wieder in die Falle tappt, sich selbst "zu vergessen". Das Bild mit der Waagschale fand ich sehr anschaulich und hat mich spontan angesprochen. Ich werde versuchen, es mir in Abständen immer mal wieder vor Augen zu führen! Es hilft erstaunlich gut gegen Schuldgefühle. Es muss alles im Gleichgewicht sein. Und dazu gehört man eben auch selbst. Viele Grüße Andrea Stehle" Brief Nr. 2 "Liebe Frau Rowley, Sie haben ganz recht, als Mütter sind wir durchsetzt von schlechtem Gewissen, wir können es gar nicht richtig machen. Das schlimmste für mich: Ich kann oft nicht mehr unterscheiden, was ich will und was für mich richtig ist (per Intuition) und was von außen an mich herangetragen wird bzw. was an äußeren Erwartungen (nennen wir's mal Über-ich) in mir schon verankert ist. Zum Beispiel bezüglich zweitem Kind. Die Überlegung, ob ja oder nein, beschäftigt mich gerade "ständig". Aber ich kann nicht entscheiden, was ich wirklich will, weil so viele Stimmen gleichzeitig sprechen und ich nicht mehr genau sehe, was original meine ist. Da sagte meine beste Freundin, mit der ich gerade ein paar kinderfreie Tage eingelegt (und mich ausführlich beraten) habe: Eigentlich weißt Du doch intuitiv genau, ob Du noch ein Kind haben willst oder nicht. Aber genau das stimmt eben nicht. Ich bin gar nicht sicher, ob Eva Hermann nicht doch recht hat. Wir schaffen das alles nicht: berufstätig sein, Kinder haben, kulturell auf dem Laufenden sein, gut aussehen, eine erfüllte Partnerschaft haben (die Reihenfolge ist übrigens willkürlich), regelmäßig entspannen, den Kontakt zu Freunden nicht verlieren, sich weiterbilden, sich einfach mal treiben lassen und, und, und. Sagen Sie jetzt nicht, dass man wissen muss, was einem am Wichtigsten ist, denn die aufgezählten Dinge sind ja alle wichtig. Ich weiß, gehetzt hat man sich auch als Kinderlose gefühlt (Sie haben recht, so ist unsere Zeit), aber jetzt ist es noch viel schlimmer. Noch ein Kind, denkt man, und alles bricht vollkommen zusammen. Wie haben Sie das bloß geschafft als Alleinerziehende ??? Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich habe leider keine Zeit mehr (sic!). Lieben Gruß I. M." Brief Nr. 3 "Sie haben völlig recht: Die Rolle Frau=Mutter sitzt tief. Entgegen ihren Ausführungen ist das meiner Beobachtung nach aber nicht nur eine Angelegenheit, die von außen an die Mütter herangetragen wird, sondern auch ein Selbstwertproblem der betroffenen Frauen. Sie beziehen ihre Legitimation über die Kinder und würden sie verlieren, wenn sie anders leben würden, als zu Hause bei den Kleinen zu bleiben (selbst, wenn diese gar nicht mehr klein sind). Ich erlebte ganz erstaunliche Szenen, wenn ich mit meinen Kindern auf Spielplätzen auftauchte. Obwohl überall und immer das Thema "Männer sollten sich mehr um die Kindererziehung kümmern" diskutiert wurde, war ich nicht Objekt der Neugierde oder gar der Zustimmung. Die Gespräche verstummten, und ich empfand Ablehnung. Oder beim Mütter-Kind-Turnen (was mittlerweile größtenteils Eltern-Kind-Turnen heißt): Obwohl wir deutlich sichtbar nicht Mutter und Kind waren, wurden beharrlich nur die Mütter angesprochen. Oder Thema Urlaub: Im Gespräch mit anderen (damals auch noch frisch gebackenen) Eltern kamen wir zum Beispiel auf dieses Thema. Es wurde fast schon als Kindsmißbrauch angesehen, daß ich mit 4 bzw. 6 Wochen alten Zwergen zum Camping fuhr. "Also, wir sind im ersten Jahr überhaupt nicht weggefahren!", war der Tenor. Kann man sich wirklich in diesem Alter nicht weiter als 100 Meter vom Kinderarzt entfernen? Und gibt es in anderen, zivlisierten Ländern nicht auch Kinderärzte? Oder verkneift man/frau sich gefälligst die Lebensfreude, wenn man Eltern ist? Mittlerweile habe ich die Pflegeerlaubnis für die Tagespflege. Im Kreise meiner MitstreiterInnen (es sind tatsächlich immer noch fast nur Frauen) gab es relativ schnell ein Umdenken, nachdem ich mich beim ersten Treffen als "Tagesmutter" bezeichnete. Das hatte wegen offensichtlichen Unsinns Proteste zur Folge und im weiteren dann den Sinneswandel. Deshalb unterstütze ich ihr Anliegen, dem Bauchgefühl zu vertrauen. Eltern sind nicht dann gute Eltern, wenn sie sich selbst nichts gönnen, sich als Menschen hinten anstellen. Es stimmt: Kinder sind Lebensaufgabe. Man kann aber auch mit Kindern leben, ohne sein Leben aufzugeben. Gruß aus Mainz Andreas Gruschkus *So liebe Tagesfamilien und Eltern - mit diesen sehr nachdenklich stimmenden Briefen entlasse ich Sie in die vorweihnachtliche Zeit - und ins neue Jahr 2007 - wünsche uns allen einen sanften Rutsch und viel Kraft mit Eigenverantwortung an unserer Zukunft und der unserer Kinder zu arbeiten. liebe Grüße Susanne Rowley

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