Wednesday, 13. May 2015

Autor: Susanne Rowley

Hört hört - Erzieherinnen "spielen" bald Tagesmutter

Warum eigentlich? Wir haben doch welche.


http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/10118-warum-der-kita-streik-richtig-und-wichtig-ist

>> Wir sind ja Mama-Ersatz für die Kleinen, im Sommer bekommen wir 10 Einjährige neu dazu, ich weiß noch gar nicht, wie das gehen soll <<

Ein Zitat einer Erzieherin aus dem Artikel.

Und jetzt dürfen unsere ErzieherInnen auch noch Mutter spielen, wenn die Einjährigen, die Bildungseinrichtungen fluten!

Und wahrlich diesen Satz sollte man sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen. Oder muss ich jetzt noch darauf hinweisen, dass jene Erzieherin von ihrer zukünftigen Rolle als "Mutter für den Tag" also von sich als zukünftiger Tagesmutter spricht? Eine echte Bezugsperson also, die nah am Kind in der Lage ist, die Mutterrolle für den Tag zu übernehmen. Schade aber auch, dass wir meist erst nach langen Schmerzen Erkenntnis erfahren und entdecken:

Das Gute lag so nah.

Ich stimme diesem Artikel in weiten Teilen zu - bis auf die einseitige Schlussfolgerung, die Birgit Kelle gerne zieht. Sie propagiert per se die Familie, als Hort der Betreuung, schaut eher wenig auf erweiterte Betreuungsformen, die bieten können, wovon sie spricht.

Die Kindertagespflege ist in ihrer Vorstellungswelt noch nicht angekommen. Das verzeihe ich ihr gerne, denn Birgit Kelle schaut hin, sie hat Realitätsbezug, lässt sich nicht blenden von Konzepten, die nie zur Ausführung kommen, sie nennt das Kind beim Namen. Auch und gerade in diesen Tagen.

Jetzt, wo unsere Kinder wieder bei "unqualifizierten" aber greifbaren Omas und Opas höchst geborgen, völlig randzeitenfrei und flexibel unterkommen und das erfahren, was Einrichtung niemals bieten kann.

Sie traut sich zu sagen,

was eine "gute Mutter" aktuell nur noch unter der heimischen Dusche murmelt.

>> Frühkindliche Bildung ist das Schlagwort der Stunde. Wundersame Dinge werden heute erwartet: Die Kinder sollen Sprechen lernen, aus den Windeln raus, motorisch, musikalisch, kreativ gefördert werden und selbstverständlich soll das Ganze dann auch noch lückenlos dokumentiert werden. Umgesetzt in großen Gruppen und bei einem Lärmpegel, für den Ver.di bereits Lärmschutzbestimmungen fordert. Wegen der Überlastung für die Erzieherinnenohren. Was ist mit den Kinderohren? Wir haben fantastische Einrichtungen gesehen und welche, in denen man Glück haben musste, dass das Kind in der richtigen Gruppe landete, weil jede Erzieherin nach ihrem eigenen Konzept arbeitete. Kindergarten-Leitung: Totalausfall. Tolle schriftliche Konzepte, die keiner umsetzt. Voll eingerichteter Musikraum, den Kinder drei Jahre lang gar nicht zu sehen bekamen. Immer kam was dazwischen. <<

Sie referiert schon lange offen über Fortbildungen von Erzieherinnen, deren einzige Anerkennung sich in Kinderlachen und dem lobendem Tätscheln von Eltern auf müde Schultern beschränkt. Ein Katapultieren in andere Gehaltssparte - Fehlanzeige.

>> Kaum ein anderer Beruf erlebte in den vergangenen Jahren eine größere Diskrepanz zwischen öffentlicher Huldigung bei gleichzeitiger schlechter Bezahlung. Geht es um die Darstellung der Wichtigkeit des Berufsstandes dieser – hauptsächlich – Frauen, die unsere Kinder in den staatlichen Krippen, Kindergärten und Kindertagesstätten betreuen, bilden und erziehen sollen, dann zögert kein Politiker, die wertvolle Tätigkeit dieser Berufsgruppe zu betonen. << Das war's dann aber auch.

Die Wahrheit, die sie auszusprechen wagt:

>> Ob man ein gutes Gefühl hat mit einem Kindergarten, ob die Kinder sich wohlfühlen und man sie guten Gewissens morgens dort abgibt, steht und fällt mit den einzelnen Erzieherinnen und vor allem mit der Kita-Leitung. << Wie im richtigen Leben eben. Das Theater macht noch lange keine guten Schauspieler. Und in der Kindertagespflege wählt Mutter & Vater immer das Pendant, das dem Herzen am nächsten liegt. Und jetzt dürfen unsere ErzieherInnen auch noch Mutter spielen, wenn die Einjährigen, die Bildungseinrichtungen fluten!

Eine spannende Zukunftsfrage wirft sie zum Schluss ihres Artikels auf:

Bei wem bringen wir eigentlich Oma und Opa unter, wenn demnächst vielleicht die Pflegebranche streikt, ein ebenfalls chronisch unterbezahlter, weiblicher Berufsstand? Hier wird der Unterschied zu Familie am deutlichsten: Eltern streiken nicht, selbst bei Nachtschichten, Wochenenddienst und gänzlich ausbleibender Bezahlung. Erziehen und Pflegen als Beruf ist hingegen ein Job, eine Dienstleistung, die anständig bezahlt werden will und ja, auch bestreikt werden darf. Eine Gesellschaft, die glaubt, auf Familie verzichten zu können, bekommt gerade ihre Quittung.

Ich erlaube mir das zu ergänzen: Eine Gesellschaft, die glaubt, auf die natürlichste Form aller Betreuungsformen, die Kindertagespflege, verzichten zu können, wird ihre Quittung noch bekommen.

Und ich werde dabei sein.

herzlich Susanne Rowley

Wigwam 1994
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