Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Mittwoch, 30. Juli 2014

Autor: Susanne Rowley

Gute Kinderbetreuung braucht Zeit

..sonst hat sie den Zusatz "Betreuung" nicht verdient.


www.bz-berlin.de/deutschland/senioren-union-will-rentner-in-kitas-schicken

Nur mit Zeit geht Betreuung und Betreuung braucht Zeit, sonst hat sie den Namen nicht verdient

Liebe Wigwam-Freunde, 

wenn ich diesen Artikel lese, befällt mich als erstes ein angenehmes Gefühl von back to the roots.

Am Anfang aller Betreuung war die Familie. Und es kommt nicht selten vor im Leben, dass man einen weiten Weg hinter sich gebracht hat, um schlussendlich wieder da zu landen, wo man losgegangen ist.

Das Thema Alt trifft Jung

ist also durchaus auf mehreren Ebenen zu beleuchten.

Aber von vorne:

>> Senioren als Lückenbüßer in der Kinderbetreuung <<

lehnt die Grünen-Expertin für Sozialpolitik, Brigitte Pothmer ab. Stimmt - eine zuvor genau definierte Lücke im System lässt sich so sicher nicht schließen. Und die gellenden Aufschreie der gut ausgebildeten Fachkräfte werden auch nicht lange ausbleiben – zu Recht.

Die Idee passt also nicht ins System.

Gehen wir aber einen Augenblick gedanklich vom System weg, hat die Idee einen eigenen ganz ursprünglichen Charakter. Denn Generationenverträge als solches haben auf allen sozialen Ebenen schon immer eine wichtige Rolle gespielt. In der Kinderbetreuung bedeutet es, Erfahrungen von gelebten Leben mit jungen unerfahrenen Leben zusammen zu bringen. Und das passt sehr wohl, denn es entspricht, belebt und erweitert die Struktur der wichtigsten Zelle unserer Gesellschaft – der Familie.

Die Frage ist also auch

die nach der Ebene auf der wir das betrachten und diskutieren. Diskutieren wir über Ansprüche und Missstände, kommt alles was hinter den Ansprüchen zurückbleibt, wie ein Notnagel daher. Betrachten wir aber auch die Tatsache, dass junge Familien den natürlichen Zusammenhalt mit ihrer Ursprungsfamilie schmerzlich vermissen, weil sie in einer globalisierten Welt nicht dem Herzen sondern der Arbeit hinterher ziehen müssen, dann kommen wir schon in die Nähe des Gedankens, den ich zu Beginn ausführte.

Vor dem Jahr 2005,

also bevor das Tagespflegeausbaugesetz TAG auf den Weg gebracht wurde, verwirklichte ich die Idee in unserem Wigwam, Generationen in der Kinderbetreuung wieder zusammen zu führen. Und alle haben damals davon profitiert. Großeltern, deren Kinder und Kindeskinder weit entfernt wohnten, setzen sich ein für junge Familien, auch wenn es nicht die eigenen waren. Junge Familien genossen die natürliche Begleitung reiferer Menschen, die den unschlagbaren Vorteil hatte, zeitlich nicht getaktet zu sein. Und schlussendlich kamen die Kinder mit Opas und Omas zusammen, die sie ansonsten nur in großen Zeitabständen wiedersahen.

Familienzusammenführung mit anderen Mitteln. Eine win win Situation, die ankam.

Zurück zum System.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Blicken wir auf einen anderen Artikel, der heute veröffentlicht wurde, lesen wir in einem Interview mit Prof. Dr. Stefan Sell von sogenannten Big Fives der Strukturqualität in der Kinderbetreuung:

www.jungewelt.de/2014/07-30/059.php

Etwa die Hälfte der Qualität in der frühkindlichen Erziehung sei von den strukturellen Rahmenbedingungen bestimmt.

Zitat:

>> Das geht los mit dem Fachkraft-Kind-Schlüssel, der anzeigt, wie viel Zeit eine Erzieherin mit dem Kind verbringt. (…) Der zweite Indikator sei die Gruppengröße, dann komme die Qualifikation des Personals, an vierter Stelle die Leitungsfreistellung und schließlich die Fachberatung.

Und er resümiert:

>>Wer Verbesserungen im System will, muss an diesen fünf Stellschrauben drehen.<<

Dem stimmen wir uneingeschränkt zu.

Wer aber das System als solches infrage stellt,

der muss entweder nach dem Ergebnis in der Summe oder einer sechsten Komponente fragen, und das ist der Faktor Zeit!

Nehmen wir jenen Faktor "beim Wort", dann müssten wir feststellen, dass er sich nicht so ohne weiteres bestimmen lässt. "Der Raum ist die Ordnung des Nebeneinander, die Zeit ist die Ordnung des Nacheinander". Dieses Zitat stammt von Gottfried Leibniz, der im 17. Jahrhundert lebte. Richtig eingesetzt und verstanden im Sinne unseres obigen Themas, wäre Zeit als ein zunächst unbegrenzter Faktor der eigentliche Garant für das Gelingen von Erziehung, weil das Ergebnis, nämlich die Erkenntnis nur dann möglich ist.

Bemessen wir jenen Faktor aber vorne und hinten, wird Zeit zum Management, und je nach Bedürfnislage eines Kindes auch zum Engpass.

Worauf ich im Grunde hinaus möchte, ist der Begriff von "Betreuung", der aus meiner Sicht den großen übergeordneten Rahmen darstellt. Käme wirklich Zeit für Betreuung und damit Zeit für Zuwendung fürs Kind bei Verbesserungen im System heraus, würde frühkindliche Erziehung erst einen echten Rahmen haben.

Denn nur mit Zeit geht Betreuung und Betreuung braucht Zeit, sonst hat sie den Namen nicht verdient.

Ohne Betreuung können sich aus meiner Sicht alle anderen genannten Faktoren auch nicht entfalten.

Von daher begrüße ich

den Hintergrundgedanken, den ein solcher Artikel aufzuwerfen versteht, und ich finde, es lohnt einen Moment mal inne zu halten.

liebe Grüße

Eure Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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