Dienstag, 21. Juni 2016

Autor: Susanne Rowley

Gesucht: Vereinbarkeitsbeauftragte Teil 2:

Wenn 2 Verlierer sich treffen, sagt der eine zum anderen...

… Na ja, sagen tun die beiden sich eigentlich nur etwas, wenn sie lange genug beieinander bleiben bleiben, was auf dem „freien Markt“ der privaten und sogenannten Jugendamtstagesmütter und -väter nicht immer der Fall ist, weil sie sich schon recht bald nichts mehr zu sagen haben.

Die Fluktuation ist immens hoch!

Die Rahmenbedingungen und die Vermittlungsarbeit der Jugendhilfeträger hat Folgen.

Warum ist die Fluktuation so hoch? Sie ist so hoch, weil niemand sich die Mühe macht, herauszufinden, was denn nun zuerst da gewesen sein soll: die Henne oder das Ei. Die Wurzeln liegen wie immer im System, das seine unheilvolle Wirkung ab jenem Zeitpunkt entfaltete, als politisch Verantwortliche ihr Heil im Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz glaubten gefunden zu haben. Grundsätzlich ist an einem solchen Anspruch nichts Schlechtes zu finden, würde er nicht im System das gewünschte Ergebnis ins Gegenteil verkehren. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, und der Anspruch allein auf weiter Flur macht Druck. Druck, dem die Kommunen auf keiner Ebene je gewachsen waren. Weder finanziell noch personell noch räumlich, noch im Umgang mit Wechselwirkungen. Insbesondere der finanzielle Teil der kommunalen Not bringt es mit sich, dass schlussendlich aus allen Verlierer werden.

Die Verlierer heißen: Eltern, Tagesmütter und Kinder

Und das geht so:

Die Armee der Kindertagespflegepersonen wird angeworben, in planlosen Zahlen ausgebildet und zur Prüfung geschickt.

Danach wirft man sie ohne unternehmerischen Rettungsring in ein Becken aus planlosen Vermittlungsübungen, Belegsystemen und Zuzahlungsverboten, auf jeden Fall aber in ein Umfeld, aus dem die Freude und der Anreiz gut und gerne langfristig zu betreuen schon im Ansatz herausgequetscht wurde. On Top kommen dann noch schlechte Förderungsleistungen, schlechte Vermittlungsarbeit und noch schlechtere (stellenweise juristisch unhaltbare) Betreuungsverträge, die schlussendlich zur Folge haben, dass Eltern und Kinder so schnell als möglich die Kindertagespflege-Flucht Richtung Kita antreten.

Der Berufsstand leidet also zu allererst an schlechten Rahmenbedingungen, die eine hohe Fluktuation in den Betreuungsverhältnissen zur Folge haben.

Das wiederum veranlasst Jugendhilfeträger dazu, den einseitigen Druck auf die Kindertagespflege weiter zu erhöhen, ohne die Eltern und/oder die Auswirkungen auf sie als Teil der Gleichung wahrzunehmen. Die Fluktuation steigt weiter.

Der Kreis schließt sich.

Der Grundgedanke, der dieser Fehlhaltung zugrunde liegt,

ist, u.a. dem „Kunden König = Eltern“ eine bezahlbare, stets verfügbare und immer gut im Zaum gehaltene Betreuungsarmee zur Verfügung zu stellen. Partner hervorzubringen ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, uninformierte Eltern vom Klagen abzuhalten mithilfe von Betreuenden, die sich wenig bis gar nicht bewegen können.

Und doch ist der Druck von oben nutzlos, denn es geschieht das Unverständliche jeden Tag: Die Eltern gehen weg. Die Fluktuation bleibt. Gute Tagesmütter und -väter verlassen den Berufsstand.

Nun können Sie wieder oben anfangen zu lesen, liebe Wigwam-Freunde.

Es werden neue Tagespflegepersonen angeworben, ausgebildet und zur Prüfung geschickt. Und so weiter und so fort.

Die Gründe für die andauernde Fluktuation liegen ganz woanders:

1. Vermittlung = Zuweisung

Eltern und Kinder bekommen freie Plätze bei Tagesmüttern zugewiesen. Tagesmütter nehmen jedes Elternpaar an. Schon das kann nicht funktionieren, weil die Nähe in einem solchen Betreuungsverhältnis zu groß ist, als dass der Sympathiefaktor außen vor bleiben dürfte. Das ist der Anfang vom Ende einer jeden Betreuungsbeziehung.

2. Kitaplätze als Stör- und Sparfaktor in der KTP

Abzug der Tageskinder, wenn der Kitaplatz zur Verfügung steht. Einstellen der Förderleistung, wenn der Kitaplatz von Eltern nicht angenommen wird. Das lässt Vielleicht-Partner zu Gegnern werden. Das nenne ich eine von oben diktierte Fluktuation und Abwanderung, die die verprellten Tagesmütter in eine weitere Demontage ihres Berufsalltages führt. Nicht selten rutschen sie infolge in eine demotivierende und finanziell unhaltbare Randzeitenbetreuung. Eine Tagesmutter, die in diesen Sog geraten ist, hat ihr Angebot für neue Vollzeitplatzsuchende Eltern torpediert.

3. Förderung & Elternbeiträge geknüpft an die „tatsächlich betreuten Stunden“

Diese Regelung ist nicht nur völlig realitätsfremd und ein unglaubliches Verwaltungsmonster, es ist der Todesstoß für jede Tagesmutter, die nur dann vom Amt in „Einkommen & Brot“ gehalten wird, wenn das Kind auch anwesend ist. Diese Vorgehensweise lässt Tagesmütter nicht nur verhungern, sondern setzt fatale Fehlanreize für Eltern sich um den Erhalt ihres eigenen Platzes keine Gedanken machen zu sollen und zu wollen. D.h. Eltern sorgen verstärkt mit dafür, dass das Tageskind fehlt, z.B. durch Hinzunahme der eigenen Großeltern usw. Dieser Anreiz wird fatal verstärkt, weil die Elternbeiträge ebenfalls an die gemeldeten Betreuungsstunden gekoppelt sind. Das Aussaugen einer guten Tagespflegestelle nimmt seinen Lauf.

4. Der Gegenentwurf lässt nicht lange auf sich warten: Eltern werden von Tagesmüttern ausgesaugt

Druck von oben nach unten kennen Sie. Durch das amtliche Knapphalten der Tagesmütter und -väter, und durch die schlechten Erfahrungen, die Tagesmütter mit früh wieder verschwindenden Eltern machen, wird infolge von Tagesmutterseite versucht, Eltern mit Knebelverträgen unter Druck zu setzen. Mit Wucheraufschlägen versuchen Tagesmütter ihre finanziellen Verluste auszugleichen. Mit dem vertraglich aufgezwungenen Durchbezahlen bis der Arzt kommt im Krankheits- und Urlaubsfalle der Tagesmutter versuchen diese den verbleibenden Gewinn zu steigern. Sie verletzten damit nicht nur die eigene „Freiberuflichkeit“, die aus unternehmerischer Sicht ein Verhandeln mit sich bringen sollte, sie gehen stellenweise sogar bis an die Knebelvertragsgrenze; Kündigungsfristen von bis zu 3 Monaten für Eltern sind keine Seltenheit.

Das, was verhindert werden sollte, nimmt hierdurch weiter zu: Die Fluktuation der Eltern steigt! Da ist ein Loch im Tagesmutter-Eimer, das durch noch mehr Knebeln gestopft werden soll, langfristig aber immer größer wird. Wenn wuchernde Tagesmütter nachrechnen würden, was die Fluktuation, der Leerlauf, die ständigen Wechsel sie wirklich gekostet haben, müsste ihnen ein rechnerisches Licht aufgehen. Und ist der Ruf erstmal ruiniert, betreut es sich seltener, weil ungeniert.

5. Das Zuzahlungsverbot war die logische Folge

Vom Wuchern und Knebeln war der Weg zum Zuzahlungsverbot nicht mehr weit. Ein freiberuflicher Stand wird an die Leine gelegt. Um diesem Treiben und der immens hohen Fluktuation Einhalt zu gebieten, war das ZZ-Verbot von Amtswegen geradezu logisch. Der Fluktuation allerdings kann auch hierdurch kein Einhalt geboten werden, da das ZZ-Verbot neue negative Wechselwirkungen mit sich bringt. Hoch motivierte Betreuungspersonen verlassen den Berufsstand vermehrt unter diesen Bedingungen. 

Nun können Sie wieder oben anfangen zu lesen, liebe Wigwam-Freunde.

Es werden neue Tagespflegepersonen angeworben, ausgebildet und zur Prüfung geschickt. Und so weiter und so fort.

Das ganze Trauerspiel kann man zusammenfassen mit unterschiedlichen Interessenlagen, die allesamt permanent miteinander kollidieren, und nur Verlierer hervorbringen können!

Die Jugendhilfeträger werden niemals auf einen hochqualifizierten bleibenden Stamm von Top-Tagesmüttern zurückgreifen können, weil sie ihn aus vielerlei Gründen heraus demotiviert und zerstört haben.

Tagemütter und -väter werden in ihrem Ansinnen, ein angesehener Berufsstand zu werden, keinen Erfolg haben, weil sie ihre Eltern nicht fair führen, sondern für einen schnellen Euro zu Gegnern machen.

Eltern werden weiterhin in Wartelisten dümpeln und einklagen, was ihnen von ganz oben versprochen aber nicht gehalten wurde. Und sie werden weiterhin wenig bis kein Interesse zeigen, an einer Partnerschaft mitzuwirken, weil ihnen diese Form des Miteinanders gar nicht abverlangt wird, und sie sich ohnehin als der meist Gemolkene in diesem Spiel vorkommen. 

Und unsere Kinder werden immerzu ihre Bezugspersonen wechseln, in Großgruppen versinken, weil der Geldbeutel noch immer der Herr in diesem Lande ist, der sagt wo’s auf dem Weg der Betreuung lang zu gehen hat.

Das Angebot KTP und die Nachfrage der Eltern laufen gezielt aneinander vorbei. Das System zwischen Amt – Eltern – Tagespflegepersonen ist nicht kompatibel und zerreißt sich täglich selbst auf Neue!

Es wäre ein Leichtes für den Gesetzgeber

sich für einen Stellenwert der Tagespflege ernsthaft zu entscheiden, um dann Rahmenbedingungen zu schaffen, die dem realen Leben entsprechen und ein Miteinander befördern. Sodann wäre es allen Parteien möglich, die gegenseitigen Daumenschrauben abzunehmen – den unheilvollen Prozess wieder umzukehren.

In unserem Wigwam gehen wir seit 2 Jahrzehnten völlig andere Wege!

Wir erschaffen auch unter widrigen Gesetzeslagen echte Partnerschaften, weil uns zu jedem Zeitpunkt bewusst ist:

Wir sitzen in einem Boot.

Unsere Betreuungsverhältnisse sind wertschätzend, sie sind fair ausgestaltet und von Geben und Nehmen geprägt. Unsere Eltern sind immer noch „König“, weil sie verstanden haben, dass sie mitgestalten können und sollen. Sie haben Spaß an intensiver Vorberatung, bewegen sich zeitlich auf ihren Wunschbetreuungsplatz zu. Unsere Eltern suchen nicht parallel, stehen auf keinen Wartelisten, haben ihre Auftragsmentalität abgelegt, passen Betreuungsvorgaben an Möglichkeiten der Betreuungspartei an, weil sie wissen, dass sie weit mehr bekommen, als sie „bestellt“ haben.

Unsere Fluktuation der Tagespflegepersonen ist = Null.

Unsere Fluktuation der Eltern und Kinder = normaler Kindergartenübergang.

Druck, Unterwerfung, Ausbeutung und vertragliches Knebeln beider Parteien sind Fremdworte unter unserem Dach! Das bringt Wigwam-Tagesmüttern und -vätern permanente Auslastung, einen langfristig gesicherten Verdienst, psychische und körperliche Gesundheit durch Zufriedenheit im Tun. Sie erzeugen keine Fluktuation, und sie erleben keine Fluktuation.

Und ganz nebenbei bringt all das ihnen einen fantastischen Leumund ein, der ihre Zukunft am besten sichert. 

Schauen Sie bei uns vorbei und erleben Sie, wie es anders gehen kann.

herzliche Grüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
55583 Bad Kreuznach

Anerkannte Bildungseinrichtung

Phone: 06708 – 660636
E-Mail: info_at_wigwam.de

Kindertagespflegeberatung
Mo-Do: 9-16 Uhr
bei Terminen auf Rückrufbasis

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