Freitag, 18. Dezember 2015

Autor: Susanne Rowley

Fundraising - der neue Kick in der frühkindlichen Qualitätssicherung

"Unser Dorf soll schöner werden" 

das kennen Sie alle liebe Wigwam-Freunde, hier handelt es sich vorwiegend um Wettbewerbe, die eine ganze Dorfgemeinschaft auf die Beine bringt, um ihre Umgebung lebenswerter und schöner zu gestalten.

In und für Kinderbetreuungseinrichtungen, die nach Ansicht der Eltern nicht ausreichend ausgestattet sind, greift schon seit vielen Jahren das Fundraising vermehrt um sich. Neben Elterninitiativen, die schon mal den örtlichen Bäcker anhauen, um eine Schaukel im Kindergarten zu finanzieren, gibt es auch Elterninitiativen, die nur durch Eigenleistung und die aktive Sammelwut überhaupt erst entstanden sind.

Alles gut und schön.

http://www.badische-zeitung.de/liebe-familie/kitas-setzen-verstaerkt-auf-fundraising-der-eltern--115104350.html

Daneben geben mir 2 Dinge zu denken. Neben Agenturen, die sich auf das professionelle Sammeln von Ressourcen spezialisiert haben, und die einen nicht unerheblichen Teil dieser Mittel auch abschöpfen, übernimmt diese Form der Unterstützung aus meiner Sicht vermehrt elementare kommunale Aufgaben. Diese Finanzmittel "ohne marktadäquate Gegenleistung" wie es offiziell heißt, kommen auch Kommunen und ihren Kitas zugute, die den staatlichen Auflagen schlicht und ergreifend nicht nachkommen. Da sind solche Aussagen noch harmlos: "Ohne diese Spenden wären unsere Kitas um das ein oder andere Orff-Instrument oder manche Bauklötzchenburg ärmer".

Richtig komisch wird es,

wenn der Toberaum aus brandschutzrechtlichen Gründen geschlossen wurde, und die Kinder sich seitdem spielerisch im Flur herum quälen. Da ist der kommunale Träger doch fein raus, wenn sich Eltern diese Zustände nur eine kurze Weile anschauen, um dann in Eigenregie einen Toberaum zu bauen. Sogar eine Architektin wirft sich auf Spendenbasis ins Zeug. Bei einer Drogeriemarktkette durfte man sich 1 Stunde an die Kasse setzen, und die Einnahmen zugunsten des Toberaumes behalten. Der Markt war noch nie so voll, trällert der Fillialleiter erfreut. Spendenläufe im Stadtteil. Tombolas, für die örtliche Firmen Sachpreise gaben, eine Spendenhotline ist da mal flux eingerichtet, über die pro Anruf zwei Euro auf das Projektkonto gebucht werden – und als Dank das Lied "Du bist spitze" zu hören ist, gesungen von den Kita-Kindern.<<

Dazu muss man wissen,

Fundraising ist nicht wirklich neu. Die meisten deutschen NGOs bedienten sich schon immer des Fundraisings, um Kapital (funds) für gemeinwohlorientierte Organisationen zu beschaffen (to raise). Aber wer käme schon ernsthaft auf die Idee, Greenpeace mit der kommunalen Kita von nebenan vergleichen zu wollen. Die Professionalisierung, wie wir sie aktuell im Bildungsbereich erleben, sollten wir schon im Blick behalten, denn zum einen erwarte ich vom Staat, dass er sich ausreichend um unsere Familien und die Kinderbetreuungseinrichtungen kümmert, und zum anderen möchte ich gerne, dass nur jene die Finger in der frühkindlichen Bildung drin haben, die sich wertfrei um das Wohl der Kleinen kümmern.

Von der Definition her gehören aber sowohl Spende also auch Sponsoring zum Fundraising, und nur unter steuerrechtlichen Aspekten ist die Abgrenzung deutlich erkennbar. An die 100 Millionen Werbebriefe versenden Fundraiser in Deutschland jährlich, und nicht nur gefühlt sind die Grenzen zu Spenden schwimmend. Das neueste sind die Crowdfunding-Plattformen; hier lässt man sich sein Projekt von der Crowd vorfinanzieren und zum Abschluss ist eine Gegenleistung für den Sponsor fällig. Sponsoring gegen Werbung hätte in einer Kita z.B. absolut nichts zu suchen. Ich möchte beileibe nicht bürgerschaftliches Eigenengagement in schlechtes Licht rücken; wer sich engagiert, erntet schließllich auch Mitbestimmung. Aber staatliche Kernaufgaben und -auflagen, möchte ich auch von ihm finanziert sehen.

Holzauge bleib wachsam.

Herzlich Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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