Dienstag, 10. Januar 2017

Autor: Susanne Rowley

Familienpolitik in der Anspruchsfalle. Die Hütte brennt. Jetzt zünden sie die 2. an

Aushilfen und Quereinsteiger stürmen die Kitas.

ich weiß nicht, ob einen unserer Leserinnen und Leser diese Nachrichten überhaupt noch überraschen können. Mich überraschen sie nicht. 

Und Berlin möchte Erzieher zum Mangelberuf erklären lassen

http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Immer-mehr-Aushilfs-Erzieher-in-Kitas,kitaerzieher100.html 

http://www.morgenpost.de/berlin/article209210347/Senatorin-will-Erzieher-zum-Mangelberuf-erklaeren-lassen.html?utm_content=buffer0385e&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer

Diese und andere journalistische Botschaften werden bundesweit zunehmen, denn „irgendjemand“ muss ja ran an’s be-anspruchende Kind und "irgendjemand" darf das wohl in Zukunft auch tun.

Bereits 2013 beim Einführen des Rechtsanspruchs

auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr schrieb ich in diversen Blogbeiträgen, Dinge wie:

Eine Schwalbe mache noch keinen Sommer, und ein Anspruch noch keinen guten Platz.

Wie wir heute wissen, hat der Rechtsanspruch zu Masse statt Klasse geführt. Das ist kein Wunder, denn überforderten Kommunen blieb stellenweise nichts weiter übrig, als bestehende Kapazitäten künstlich aufzublasen. Und so sind sie entstanden, die Verwahranstalten, in der eine Fütter-Wickel-Tröst-Maschinerie abgewickelt wird, die sich auch noch Bildung nennt.

Ich prophezeihe an dieser Stelle:

Sie werden ES wieder tun!

Das Bundesqualitätsgesetz wird draufgesattelt. Mit ein bisschen Phantasie kann sich der ein oder andere nun ausmalen, was die Folge sein wird.

Der Rechtsanspruch führte zum Absenken von Qualität. Ein neuer Anspruch auf die nicht vorhanden sein könnende Qualität wird ein weiteres Absenken bewirken, denn wo keine Fachkräfte zu finden sind, macht Betreuungsnot erneut erfinderisch mit dem Ergebnis, dass an Zugangsvoraussetzungen nach unten geschraubt werden muss.

Zukunft dauert gerade mal eine Legislaturperiode lang

Man sollte Verantwortliche in die Geheimnisse von Ursache und Wirkung einweihen, denn:

Solange sich um die tatsächlichen Ursachen der gesamten Betreuungsmisere sparsam herum gemogelt wird, Nutznießer nicht flächendeckend im Boot sitzen, ursächliche Zusammenhänge ausgeblendet werden, solange kann sich Gesetz an Gesetz reihen, ohne dass sich am Endergebnis etwas Maßgebliches ändern wird.

Die betreuende Zunft bedarf einer Rundumerneuerung

Im gesellschaftlichen Ansehen, in der Vergütung und in den Rahmenbedingungen, in denen sie funktionieren soll. Anreize setzen, echte Motivation schaffen und Wertschätzung leben, das müsste die Marschrichtung sein. 

Das sind wir unserer Zukunft - den Kindern - schon sehr lange schuldig!

Vergessen wurde in dem Dilemma noch etwas ganz Wichtiges:

Der Zeiger der Uhr pflegt sich über die Jahre in der Regel weiter zu drehen. D.h. Probleme, die zwar früh gesehen aber nicht angegangen werden, pflegen "Junge" zu kriegen, und der bestehende Berufsstand dünnt sich zunehmend aus. 

In dieser Sendung, "Masse statt Klasse", die Anfang 2014 im Deutschlandfunk gesendet wurde, brachte man offensichtliche Probleme vehement und früh auf den Punkt:

http://www.deutschlandfunk.de/schwerpunktthema-masse-statt-klasse.1180.de.html?dram:article_id=285579

Passiert ist nichts.

Die Basis warnte eindringlich

vor der Gefahr des Kippens in Verwahranstalten und machte deutlich, dass diese Gefahr eben nicht alleine auf zu große Grupppen und Erziehermangel zurück zu führen sein würde, sondern auch darauf, dass sich die Aufgaben der Erzieher im Zuge des Rechtsanspruches grundlegend gewandelt haben.

Und genauso ist es gekommen:

Betreuer haben die Aufgabe, umfangreiche Bildungsprogramme mit den Kindern umzusetzen, wofür aber zeitgleich nie die Rahmenbedingungen geschaffen wurden. Rahmenbedingungen nämlich, die dafür sorgen würden, dass Entlastung an Stellen entsteht, an denen Erzieher auch vorher schon überlastet waren.

Betroffene Kitaleiterinnen und Erziehern erhoben massive Klagen darüber, dass im Grunde keine Zeit mehr bliebe für das einzelne Kind. Zeit und Beständigkeit sind jedoch das Wichtigste, um überhaupt von Qualität sprechen zu dürfen. Heißt: Die haben mit der hehren Bildung noch nicht mal angefangen! 

 

Die 1. Hütte brennt

 

Aktuell müsste also den Verantwortlichen so langsam dämmern, dass das bestehende, gut ausgebildete Personal bereits geraume Zeit gnadenlos über seine Grenzen geht. In diese angespannte Lage einen weiteren gesetzlichen Anspruch zu verankern, ohne an grundsätzlichen Rahmenbedingungen etwas zu ändern, würde die Situation verschlimmern.

 

Sollte das der Fall sein, brennen im Anschluss 2 Hütten. Neben den Rahmenbedingungen bräuchten Verantwortliche

 

JETZT den Mut die Weichen neu zu stellen.

1.

Sinn und Zweck von Bildungs- und Förderprogrammen für die Allerkleinsten muss auf den Prüfstand.

So groß die Anstrengungen auch sein mögen, so sehr für den Erzieherberuf auch am Anreizkostüm geschraubt würde, die Einjährigen werden niemals davon profitieren, weil schon das System der Institution dem grundsätzlich entgegen steht. Es ist schlicht nicht möglich,  Bedürfnisse dieser Altersklasse nach Liebe, Zuwendung, Zeit, Nähe, Spiel bei enger Bindung zu einer Bezugsperson in dieser Betreuungsform so umzusetzen, dass man diesen Kindern gerecht würde.

 

Die Kindertagespflege muss mit Ansage an diese Stelle treten!

2.

Die betreuende und erziehende Zunft muss eine grundsätzliche Aufwertung erfahren. Im Berufsbild, in der monetären Anerkennung und vor allen Dingen im gesellschaftlichen Ansehen.

 

Wenn Kinder angeblich unsere Zukunft sind, sollte in die Zukunft ordentlich investiert werden und nicht in den nachträglichen Reparaturbetrieb.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen eine Chance auf frohes Schaffen und weniger die Not-wendigkeit von angespanntem Rödeln!

 

Eure Susanne

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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