Wigwam Blog

Donnerstag, 5. Mrz 2015

Autor: Susanne Rowley

Familie - ein Gemisch aus Liebe, Abhängigkeiten & Arbeitszeitmodellen

Deutschland arm an Kindern, aber reich an Ideologien


Liebe Wigwam-Freunde,

Wo schlägt denn Ihr Mutterherz? Links oder Rechts?

Meines schlägt in meiner Brust!

Leben & leben lassen – sagen alle – keiner meint es so.

An Standpauken gegen und unter den Frauen fehlt es nicht, an ureigenen Standpunkten sehr wohl.

Heute schrieb mich

eine Kindertagespflegefachberatung aus einem schönen Städtchen in NRW an. Sie fragten, ob sie aus einem Blogbeitrag von mir aus dem Jahre 2005 zitieren dürfen. Kein Problem für mich, dachte ich bei mir und klickte meinen eigenen Beitrag von vor 10 Jahren an.

OMG war mein erster Gedanke –

also heute noch so aktuell wie damals. Warum strenge ich mich eigentlich so an - copy and paste tut’s auch ;-).

Wo wären wir ohne ideologische Lagerk(r)ämpfe? Dieser Artikel www.zeit.de/gesellschaft/familie/2015-02/mutter-kind-beziehung-wutmuetter-christ-und-welt bringt es stellenweise sehr gut auf den Punkt. Ideologien ventilieren Leitbilder und Neidbilder, sie kämpfen um’s Rechthaben, um Geld, um Infrastruktur und um gesellschaftliche Anerkennung. Und so kommt es, dass die Welt der Mütter weiterhin gesegnet ist mit mahnenden Schreibesfrüchten für die Aufzucht von Leibesfrüchten.

Wo schlägt denn Ihr Mutterherz?

>> Links pocht es, wenn die Schwangerschaftslektüre aus Titeln wie Elisabeth Badinters "Der Konflikt" besteht. Frauen dieses Typs halten die Mutter-Kind-Bindung für eine fiese Fessel des Patriarchats. Zu Simone de Beauvoirs Zeiten entledigte sich frau dieser Unfreiheit, indem sie auf Kinder verzichtete. Badinter empfiehlt, Kinder zu bekommen, die auf die Mutter verzichten. Diese Frauen stillen nicht, sondern stellen eine Nanny ein. Drei Tage nach der Entbindung sitzen sie schlank auf ihrem Chefsessel oder ihrem Lehrstuhl. (..) <<

Schlägt das Herz auf der rechten Seite,

kümmert sich die Mutter Vollzeit um ihr Kind – andere Hände sind für sie per se fremde – vielleicht sogar schmutzige Hände. In diesem Milieu bedeutet alles, was Betreuung heißt, eine Entfremdung vom Kind, mit der Folge, dass alle Verhaltensweisen eines Kindes später einmal auf dieses betreuende „Fehlverhalten“ zurück zu führen sind.

Mutterglück kann nicht Kindesglück, sondern Kindesglück hat Mutterglück zu sein.

Na? Wo möchten Sie lieber angesiedelt sein.

Wenn das schon das einzige Problem wäre, das Mütter haben, würde ich Ihnen raten, schließen Sie einfach Augen & Ohren.

Aber die Medienlandschaft, die Gesellschaft und nicht zu vergessen, die politisch Verantwortlichen, und die freie Wirtschaft mischen ja auch noch mit.

Wer von ihnen bildet die Realität ab?

Niemand sag‘ ich Ihnen.

Politisch ist gerade

das linke Herz am Schlagen. >> berufstätige Frauen, die eigene Rentenansprüche erwerben und möglichst schnell nach der Geburt und/oder der Scheidung wieder berufstätig sind, << liegen ganz vorne.

Publizistisch hingegen

dominiert die rechte Richtung. Täglich lesen wir von der der Vereinbarkeitslüge, die uns erlaubt, das „tägliche Herumwursteln“ endlich zu zugeben – geht alles gar nicht. Im schlimmsten Falle könnte uns diese Berichterstattung dazu verleiten, eine Entscheidung zwischen Beruf & Familie – und gegen die Vereinbarung zu treffen.

Heißt: gar kein Kind in die Welt setzen.

Was für ein Durcheinander,

denn täten wir das, dann wären wir ja quasi „ungewollt“ in der rechtsschlagenden Herzecke, obwohl wir eigentlich links denken.

Das man aus einem linksschlagenden Herzen

auch ein rechtes zurecht schreiben kann,

zeigt uns derzeit das Buch „Feindbild Mutterglück“ von Antje Schmelcher. Und jetzt aufgepasst:

>> Schmelcher sieht Verbindendes zwischen der Nazi-Propaganda und dem Feminismus. Anders als die einstige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman tappt diese Journalistin nicht in die Mutterkreuzfalle, << sondern zieht die Argumentationskette ganz anders auf.

Und das klingt so:

>> Die Nazis versuchten, mit detaillierten Vorgaben zur Erziehung die postnatale Intuition (also das Bauchgefühl) außer Kraft zu setzen, << Und weiter tönt sie: Die Feministinnen von heute zerstörten systematisch die Mutter-Kind-Bindung.

Heißt:

Schmelcher stellt linke Ladys in die ganz rechte Ecke.

Die Höchststrafe im Mutterland.

Also ich hoffe, Sie haben das jetzt verstanden.

Wenn Sie links und so, sind sie in Wahrheit rechts und so & umgekehrt.

Nicht drüber nachdenken – machen Sie meinen Artikel einfach wieder zu ;-).

Der Artikel weiß es genauer – oder aber anders:

Karrierefrauen sind vor allem eine Erfindung der Karrierefrauen-Kritikerinnen. Heimchen am Herd sind eine Kopfgeburt der Heimchen-am-Herd-Verächterinnen.

Würde ich jetzt zur allseitigen Verwirrung

noch einen tiefenpsychologisch angehauchten Analytiker hinzuziehen, sie dort auf die Couch legen, würde der noch einen draufpacken, in dem er Ihnen als Mutter oder werdende Solche erklärt, dass der „abgelehnte“ Anteil in Ihnen eigentlich auf ungestillte Sehnsüchte hinweist, und Sie in Wahrheit, das andere Ufer anlaufen wollen.

Haha :-D Ok – ich hör' ja schon auf!

Wir haben ja auch ganz lagertechnisch was Verbindendes

Wir alle wissen im hintersten Kortexfrontallappen ;-), dass Kinder Liebe, Zeit, Zugehörigkeit und eine feste Bindung brauchen. Damit wir ihnen das geben können, sollten wir einen Lebensstandard führen, der uns zufrieden stellt und uns das ermöglicht. In unserer wenig soziale Marktwirtschaft kann auch das schon die Mega Herausforderung sein.

Nebenbei wünschen wir uns noch so etwas wie

erfüllende Beziehungen, und eigene Interessen haben Mann & Frau auch ab und an. 

Über den Weg dahin streiten sich die Geister –

aber nur Sie können ihn gehen. Also gehen sie einfach Ihren eigenen.

Überlegen Sie sich in Zukunft,bevor Sie sich den nächsten Ratgeber reinziehen, das Mutterdasein hat und hatte durch alle Ge-Zeiten hinweg Dur- und Molltöne.

Es gibt kein Zurück – nicht in die Fünfziger, und es gibt auch kein Zurück in die Sechziger; es gibt nur eine Zukunft, an deren Gestaltung wir alle einen Anteil haben.

Also lassen Sie sich nicht be-rieseln, sondern gestalten Sie sie tatkräftig mit.

Köstlich auch dieser Satz:

Wer einen Blick auf den Mama-Meinungsmarkt wirft, wird sehen:

>> An Standpauken gegen andere Frauen fehlt es nicht, an Standpunkten sehr wohl. <<

Einen schönen Abend wünscht

Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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55583 Bad Kreuznach

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