Sonntag, 15. Juni 2014

Autor: Susanne Rowley

Es wird darum gebeten, nicht auf die Tagesmutter zu sabbern

Kennt Ihr den? >> 2 Regenwürmer unterhalten sich, sagt der eine zum anderen: 

Wir sollten verbieten, dass uns die Vögel fressen. Sagt der andere: Nein, wir sollten uns im Boden verkriechen, wenn wir sie sehen. Ich fress‘ erst mal Dich, Dein Vorschlag ist mir echt zu gefährlich. <<

Ich hab einen sonntäglichen Kloß im Hals, und den möchte ich nicht herunterschlucken.

Zunächst einmal möchte ich vorwegschicken,

dass mich noch nie so viele Nachrichten und auch Anrufe in folge meiner deutschlandweiten Suche nach Pädagogen erreicht haben – herzlichen Dank dafür.

Ich persönlich schreibe ja schon sehr viel hier und auf meinem Blog, aber die letzten Beiträge haben für mehr Wirbel gesorgt. In all‘ den Nachrichten und Emails, die mich erreicht haben, ist mir aber eines ganz besonders aufgefallen:

Es wurde von unglaublichen Missständen berichtet, von persönlichem beruflichen Leid, von ungerechter Behandlung durch Kommunen, und: man wollte mir gerne mal sagen und schreiben, was man wirklich so denkt über die Form der Großtagespflege, über die Selbständigkeit als solches, über das Amt und seine Fachberatung, die keine ist, über Kolleginnen, die im Angestelltenverhältnis besser aufgehoben wären, über die Anmietung von Räumen, die einen den Kopf kosten kann, weil man mit Leerstand jeden Tag rechnen muss, über Betriebskostenpauschalen, die hinten und vorne nicht reichen.

Und ach ja die Politik, die man nie aus den entzündeten Augen lassen darf, denn wer weiß schon, was in Sachen KTP-Genickbruch morgen wieder beschlossen wird.

Und: Märtyrertum, ganz viel Märtyrertum – Arm und unglücklich –

Hauptsache allzeit bereit:

Keine Fördermittel, ein 16 Stunden Betreuungstag, Elterngespräche am endlosen Schnürchen, Reinigungsarbeiten bis in die Nacht hinein, Einkäufe und Besorgungen kurz bevor der Laden die Türen vor der Nase zuschlägt, Renovierungsarbeiten, Gartenarbeiten und sämtliche Urlaube gestrichen. Und Schulden ganz viele Schulden, weil Frau zu viele Federn gelassen hat. Aber sie kann noch rausgucken aus dem ganzen Misthaufen, denn da sind ja noch die lieben Kleinen, die einen so sehr brauchen. Bei all dem muss man noch darauf achten, dass man die Kollegin im Forum nebenan nicht verärgert, denn die findet, dass 3,20 € pro Kind und Stunde auf jeden Fall angemessen sind.

Und dann der dezente aber wichtige Hinweis zum Schluss:

Aber bitte veröffentlichen Sie das nicht so!

Ich hab Verantwortung. Nein, mach' ich nicht - ich möchte ja nicht riskieren, dass Ihnen der Himmel auf den Kopf fällt ;-).

Während ich all' das in den letzten Tagen gehört und gelesen habe, scharrte ich mit den Füßen unterm Tisch und fragte mich wie so oft:

Halten Tagesmütter und –väter wirklich selbst etwas von sich?

Bringen Sie sich nicht ständig in das selbstgemachte Dilemma über das sie sich hernach so heftig (hinter vorgehaltener Hand) beklagen?

Ein Beispiel:

Eine Tagesmutter beklagt sich, dass die Verwaltung ihr immer wieder zwischen die Beine krätscht. Seit dem Rechtsanspruch bewerben sich bei ihr zunehmend Eltern mit einem Neugeborenen im Arm, und sie hat die Möglichkeit, frühzeitig Verträge abzuschließen. Melden sich jene Eltern jedoch beim Amt, bekommen sie dort gesagt, sie seien viel zu früh dran und sollten sich im nächsten Jahr neu bewerben. Das Amt greift also in die Geschäftsbeziehungen ein.

Die „Fachberatung“ ist offensichtlich nicht vom Fach und schon gar nicht am Überleben der Pflegestelle interessiert. Die gleiche Fachberatung hat aber das Entstehen einer ungewollten Großtagespflege erzwungen, über die Kinderzahl bestimmt, das Verhältnis U 3 oder Ü3 verfügt, und macht seiner Pflegestelle jetzt auch noch die „Kunden“ abspenstig.

Ok Gucken wir auf die andere Seite:

Da rufen die TPPs nach abhängiger Vergütung, wie in der Einrichtung, nach durchbezahlten Krankheits- und Urlaubstagen wie im Angestelltenverhältnis. Nach fertig gebackenen Netzwerken, die von Amtswegen für Vertretung sorgen, nach Tageskindern, die vom Himmel fallen und und…. Man möchte gerne Sicherheit und vor allem Anerkennung von dem, der einen offensichtlich ablehnt. Man möchte der Einrichtung gleichgestellt werden, aber so nicht arbeiten. Man möchte Anerkennung wie die Kita aber keine sein. Man möchte Sicherheit von oben aber nicht die Regeln akzeptieren. Man möchte sich anlehnen aber nicht gesagt bekommen, wo und wie man das tun soll. Man möchte aufgefangen werden, wenn man umfällt, aber bitte nur dann. Frau und Mann möchte alle Vorteile der Selbständigkeit mitnehmen, aber die Nachteile der sicherheitsbringenden Gängelei nicht am Bein haben.

Von Amtswegen kann man es ebenso betrachten: Man treibt die TPPs in mehr Selbständigkeit, lässt sie andererseits aber nicht selbständig gewähren. Tagesmütter rufen wiederum nach noch mehr Sicherheit, möchten aber die Teilbereiche bestimmen, in denen sie gegängelt werden.

Ja was denn nun?

Im „normalen“ Leben lernen wir schnell, dass Unentschlossenheit und fehlende Ziele zu entsprechenden Ergebnissen führen. Fisch ist Fisch und Fleisch ist Fleisch – und wenn ich beides zur selben Zeit bestelle, muss ich mich über Bauchweh wenig wundern.

Gottlob durfte ich zu meiner persönlichen BeSÄNFTigung heute an anderer Stelle diesen klaren Kommentar einer Erzieherin lesen:

>> Ich selbst bin Erzieherin in einer Kita mit 60 Kindern. Ich mag es nicht, wenn U 3 Kinder in eine Kita müssen. Viel zu groß sind die Räume, zu viele kleine und große Menschen. Reizüberflutung und Sehnsucht nach Zuhause. Bei einer liebevollen Tagesmutter mit Erfahrung und Kompetenz ist manches Kind besser aufgehoben. In einem familiären Rahmen kann es dann, wenn es drei Jahre jung geworden ist gerne aus dem Nest fallen und in die Kita überwechseln. <<

Warum ich den Kommentar so toll finde?

Sie schreibt nichts von „Alternative KTP“ – sie hat erkannt, dass KTP es gar nicht nötig hat, sich als solche zu begreifen. Warum sollte sie auch. Und was, wenn Ihre Chefin das liest, wo sie doch offensichtlich in einer Kita arbeitet tz tz. Das sagen wir doch auch alle, würden mir viele TPPs jetzt antworten – ja, aber sie verhalten sich nicht so – und das ist der springende Punkt.

Jede Selbstachtung beginnt bei uns selbst und keiner wird kommen und uns diesen Schritt abnehmen!

Steht auf - werdet endlich selbständig und hört auf nach dem zu Rufen, der Euch zeitgleich den Teppich unterm Hintern wegzieht. Hört auf nach Anerkennung zu japsen, wo sie Euch täglich vorenthalten wird.

Erwartet nicht, dass die Euch füttern, die Euch gestern noch verhungern ließen. Und weiter frage ich alle TPPs:

Ihr wehrt Euch gegen alles und jedes – aber was genau wollt Ihr eigentlich? Wollt Ihr beim Amt fortgesetzt unterhuscheln, um weiterhin so behandelt zu werden? Oder wollt Ihr endlich frei sein und diese Verantwortung dann auch übernehmen?

Dann wisst Ihr ja wo* s lang geht.

Und weiter frage ich: Hat es der Kontraproduktivität zwischen den TPPs je geholfen, dass die ein oder andere den Mund nicht aufmacht? Oder ist es nicht eher so, dass das Schweigen dem gesamten Berufsstand und damit am Ende auch der Schweigenden selbst geschadet hat? Tut es gut, nicht laut zu sagen, was man wirklich denkt? Und bräuchten Sie die Menschen in Ihrem Leben überhaupt noch, die eine neue Ehrlichkeit/Offenheit nicht aushalten können? Und was bringt es Ihnen eigentlich ein, wenn Sie es je schafften, dass diejenigen sie mögen, die Sie nicht mögen? Möchten Sie alle gerne weiterhin Lückenbüßer, Notnagel und vor allem den Märtyrer spielen, und alle Welt dankt es Ihnen - max. 3 Wochen lang – oder so lange bis der Kitaplatz, also der „anständige Platz“ frei wird?

Oder anders herum gefragt:

Vor wem haben Sie selbst die meiste Hochachtung? Sind es die Jein oder Schau-mer-mal-Sager, die Fähnchen-in-den-Wind-Hänger oder die, die wissen, wohinter und wofür Sie einstehen? Sind das nicht die Menschen, denen wir wirklich vertrauen können, auch dann, wenn nicht jedes gesprochene Wort unserer persönlichen Meinung entspricht?

Merken Sie was?

Das Ergebnis ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu sehen – bei den Kommunen, bei den Eltern – bei Ihrer Nachbartagesmutter.

Man kann einen Berufsstand, der sich nicht authentisch verhält, einfach nicht ernst nehmen.

So – jetzt können Sie mir böse PNs schreiben –

ich hab mich schon warm angezogen.

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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