Samstag, 1. September 2001

Autor: Susanne Rowley

Eingewöhnungsphase / Sozialversicherungspflicht Tagesmutter - Kinderfrau

Hallo liebe Wigwam-Freunde, ein Monat ist nun vorbei - und da bin ich wieder mit meinem Info-Brief - ich hoffe, Sie lesen ihn gerne, und es ist für jeden was dabei. Wußten Sie eigentlich wieviele Gedenktage es international gibt, von denen die Mehrheit der Bevölkerung nichts weiß? Ein wichtiger Tag ist hier zu nennen; der 25.11. Das ist der Gedenktag

"NEIN zu Gewalt an Frauen".

Dieser Tag geht zurück auf den Tod der drei Schwestern Mirabal, die am 25.11.1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurden. 1981 wurde auf einem Feministinnentreffen in Kolumbien der 25. November als internationaler Gedenktag die die Opfer von Gewalt an Frauen und Mädchen ausgerufen. Es wird eine bundesweite Fahnenhissaktion unter dem Motto: "Frei leben - ohne Gewalt" geben. Kontakt- und Eingewöhnungsphase

Immer wieder werde ich in den Beratungsgesprächen gefragt, wie gewöhne ich mein Kind an die Tagesmutter, wie lange soll eine solche Phase dauern und was muss ich beachten. Hierzu möchte ich Ihnen erzählen, welche allgemeinen pädagogischen Grundsätze es gibt, und welche Erfahrungen ich im laufe der Jahre mit den Müttern und Tagesmüttern gesammelt habe. Zunächst einmal gilt diese Phase dem Kennenlernen beider Familien. Die Tagesmutter möchte Ihr Kind in seinem alltäglichen Umfeld kennenlernen, etwas über die Persönlichkeit und den persönlichen Entwicklungsstand des Tageskindes erfahren. Geben Sie ihr die Möglichkeit, sich gut auf die Bedürfnisse Ihres Kindes einzustellen, halten Sie mit nichts hinterm Berg, was später zu Missverständnissen führen könnte. Das ist aber nur ein Blickwinkel. Das Hauptaugenmerk gilt dem Kind. Der Übergang aus der eigenen Familie in die noch unbekannte Tagesfamilie bedeutet für jedes Kind eine große Herausforderung an seine Fähigkeiten. Es wird mit unbekannten Räumen, fremden Personen und einem veränderten Tagesablauf konfrontiert und dazu muss es noch mit mehrstündiger Trennung von seinen Eltern fertig werden. Kinder verkraften die Umstellung erfahrungsgemäß gut, wenn durch die Eingewöhnungsphase eine gute Grundlage für einen schonenden Übergang geschaffen worden ist. Das Kind fühlt sich dann auch nicht abgeschoben und hat Zeit, sich auf die zukünftige Abwesenheit der Eltern einzustellen. Dabei kommt es sehr wohl auf das Alter des Kindes an. Darauf möchte ich heute besonders eingehen, da die zu vermittelnden Kinder immer "jünger" werden; d.h., die Frauen kehren immer früher in ihren Beruf zurück, um den Anschluß nicht zu verlieren, haben aber trotzdem ihre Schwierigkeiten mit dem Abgeben und somit auch mit der Eingwöhnungsphase. Und da haben wir schon den

Start-Gedanken

Wie siehts mit Ihrer Einstellung aus? Haben Sie sich die Frage:"möchte/kann ich mein Kind (Verantwortung) abgeben oder möchte ich doch lieber zu Hause bleiben", wirklich offen gestellt? Oder sagen Sie sich eher so in etwa: "versuchen wir es mal - wenn es schreit - lassen wirs". So können Sie da nicht drangehen. Ihr schlechtes Gewissen und die damit verbundene Unruhe überträgt sich auf ihr Kind in der Form, dass es spürt "hier stimmt was nicht"; das kann die Eingwöhnung erheblich beeinflussen oder gar aussichtslos machen. Nächste Frage: Wie stehts mit dem Vater: ist dieser auch wirklich einverstanden, oder stehen Sie unter dem Druck allein verantwortlich zu sein dafür, dass nur ja "nichts schiefgeht", um sich hinterher die Schelte abzuholen? Wenn Sie das beantwortet haben, dann schauen Sie sich den nächsten Punkt an. Kinder bauen in den ersten Monaten ihres Lebens sogenannte "Bindungsbeziehungen" zu Mutter und Vater auf. Dies wird sichtbar, wenn sie im Alter von 6-8 Monaten damit beginnen ihr Verhalten auf die Eltern hin zu orientieren. Deutlich wird dies, wenn sie irritiert oder überfordert sind. Die Kinder wenden sich in solchen Situationen immer an die Eltern, suchen ihre körperliche Nähe. Ein vier Monate altes weinendes Kind hingegen läßt sich in der Regel noch von irgendeinem Erwachsenen, der sanft mit ihm umgeht, beruhigen. Ein Kind, dass bereits 6-8 Monate alt ist, wird sich in der Regel zunächst nur von den Personen beruhigen lassen, zu denen es eine "Bindungsbeziehung" aufgebaut hat. Bindungspersonen dienen dem Kind bei der Erkundung seiner Umwelt als "sichere Basis"; deswegen ist insbesondere in fremder Umgebung die Anwesenheit einer solchen Person für das Kind anfangs unverzichtbar. Bleiben Sie also noch dabei, wenn ihr Kind die neue Umgebung erforscht. In relativ kurzer Zeit kann das Kind dann eine "bindungsähnliche" Beziehung mit Ihrer Hilfe zur Tagesmutter aufbauen, d.h. konkret, sie kann das Kind nun trösten, wenn es weint. Wieviel Eingewöhnungszeit das einzelne Kind braucht, hängt also vom verschiedenen Faktoren ab; besonders aber vom Alter. Fremdbetreuung in den ersten sechs Monaten ist in der Regel einfacher für das Kind als danach bis zum zweiten Lebensjahr. In den meisten Fällen dauert die Phase etwa 14 Tage, Im Einzelfall mal 3 Wochen; bei anderen Kindern können 6 Tage ausreichend sein. Gestaltung der Eingewöhnung 

Hier herrscht besonders große Unsicherheit. Wichtig ist, wenn mal angefangen, halten Sie den Kontakt. Es genügt, wenn Sie mit  Ihrem Kind in den ersten Tagen für ein oder zwei Stunden bei der Tagesmutter sind. Setzen Sie sich während dieser Zeit am besten in eine stille Ecke und versuchen "einfach da zu sein", und schauen Sie der Tagesmutter nicht in den Kochtopf. Drängen Sie  Ihr Kind zu keinem bestimmten Verhalten und greifen sie auch nicht ein - schauen Sie einfach mal nur zu.

Wichtige Regel:

Machen Sie in den ersten 3 Tagen auf keinen Fall Trennungsversuche! Wenn Sie mal den Raum verlassen müssen, nehmen Sie Ihr Kind ruhig mit. Forschungsergebnisse besagen, dass die ersten 3 Tage die wichtigsten sind. Unterstützen Sie das natürliche Interesse Ihres Kindes an der Tagesmutter, sprechen Sie auch mit ihr, dies wird ihr Kind registrieren und entspannt auf die "fremde Frau" zugehen können. Am 4. Tag sollten Sie sich mal verabschieden; bleiben Sie ruhig noch in der Nähe, aber nicht um händeringend einzugreifen, sondern der Tagesmutter die Möglichkeit zu geben,  Sie wieder dazuzuholen, wenn das Kind überfordert ist und wenn die Tagesmutter das für richtig hält. Die Eingewöhnungsphase ist im Grunde abgeschlossen, wenn die Tagesmutter Ihr Kind trösten kann. Das muss aber nicht heißen, dass Ihr Kind nicht mehr weint, wenn  Sie sich verabschieden. Ihr Kind drückt zu recht aus, dass es Sie lieber bei sich haben möchte. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie sich verabschieden - beruhigen läßt sich das Kind sowieso nur, wenn sie gegangen sind. Günstig wäre es (wenn machbar), dass  Ihr Kind in der ersten Zeit nur halbtags betreut wird. Vollzeitbetreuung von Anfang an ist für jedes Kind sehr schwierig. Deswegen freue ich mich immer, wenn sich die Mütter frühzeitig um eine Vermittlung kümmern, damit eine gute Grundlage geschaffen werden kann. Seien Sie außerdem darauf vorbereitet,

dass Ihr Kind nach einiger Zeit bei der Tagesmutter andere Verhaltensweisen zeigen wird, als bei Ihnen. Es kann sein, dass Ihr Kind dort etwas ißt, was es zu Hause keines Blickes würdigt, dass die Tagesmutter ihr Kind leichter zu Bett bringen kann, oder dass Ihr Kind zu Hause sich wieder unselbständiger verhält, als es die Tagesmutter berichtet hat. Das hat lediglich damit zu tun, dass Ihr Kind in neuer Umgebung mit neuen Personen neue Gewohnheiten entwickelt hat, die sich unterscheiden können von denen, die es mit Ihnen gelernt hat. Eine Pädagogin erklärte mir hierzu einmal: Gewohnheiten sind für das Kind immer mit den Personen verbunden, mit denen es sie entwickelt hat. Je jünger ein Kind, um so weniger wird es verstehen, wenn es jeweils auf eine bestimmte Person und Umgebung bezogene Gewohnheit bei "falschen" Personen zeigen soll. Die Tagesmutter hat also folglich keinen "größeren" Einfluß auf  Ihr Kind, sondern nur einen "anderen", und, Ihr Kind hat eine ganz eigene Beziehung zu seiner Tagesmutter aufgebaut - unabhängig von Ihnen - und das ist doch was schönes. Dann noch etwas: Bitte bezahlen Sie die Tagesmutter in der Eingewöhnungsphase. Die Tagesmutter hat in dieser Zeit eine enorme Belastung. Sie wendet sich intensiv  Ihrem Kind zu, und bemüht sich mit Ihnen zusammen, Ihnen und Ihrem Kind ein gutes Gefühl für die Zukunft zu vermitteln. Thema: Sozialversicherungspflicht für Tagesmütter/Kinderfrauen

Hierzu öffnen Sie bitte die angefügte Anlage, die ich Ihnen habe zukommen lassen und drucken Sie sie aus. Besonders wichtig für unsere Tagesmütter, da Fristen ablaufen und einzuhalten sind.

Das wars für heute, ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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