Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Montag, 1. Juli 2013

Autor: Susanne Rowley

Ein Loch ist im Eimer oh Kristina – oh Kristina

Der Countdown läuft auf den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz.


swrmediathek.de/player.htm

Dieses altbekannte Lied, liebe Wigwam-Freunde,

könnte man bei dem kurzen Beitrag und seinem Kerninhalt durchaus anstimmen, wenn man genau hinhört.

Der Countdown läuft

auf den Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz – so langsam schwant wohl der ein oder anderen Kommune, welcher Schatz in der Kindertagespflege heimlich schlummert, und längst nicht gehoben ist.

Nicht gehoben auch deswegen,

weil die Verantwortlichen in der Politik nicht nur den Ausbau an sich verschlafen haben, sondern insgesamt die Bedeutung von guter Vereinbarung von Familie und Beruf für unsere Gesellschaft vor dem Hintergrund des schon lange absehbaren demografischen Wandels völlig unterschätzt haben!

Tagesmütter und -väter, ein Berufsstand,

der längst schon einer war, bevor man ihm diese Bezeichnung überhaupt zugestanden hat. Als Lückenbüßer sahen viele Kommunen diese Berufsform lange an, waren nicht bereit, genauer hinzusehen, um zu erkennen, dass hier eine qualitativ hochwertige Alternative für unsere Allerkleinsten darauf wartet endlich flächendeckend ausgebaut und gewürdigt zu werden.

Im Gegenteil – wir beobachteten Jahr für Jahr das gleiche Prozedere: Problem erkannt – und nicht etwa gebannt, sondern Problem erkannt, und gekonnt erst mal um die Ecke geschifft, um dann galant und peinlich berührt gegen die Wand zu fahren.

So startete unsere ehemalige Familienministerin, Frau von der Leyen im Jahr 2005 mit dem hehren Vorsatz, die Kindertagespflege den Betreuungseinrichtungen gleichzustellen, in dem sie eine hochwertige Qualifizierung einführte. Sie vergaß dabei aber leider völlig, welchen Anspruch qualifiziertes Personal schlussendlich an seinen späteren Berufsstand stellen würde.

Wer motiviert und engagiert eine Ausbildung startet,

möchte später auch kreativ zum Einsatz kommen, und nicht als Taxifahrer für Abholungen aus der viel zu früh schließenden Kita und für wenige Stunden Randzeiten eingesetzt werden. Hochqualifizierte Lückenbüßer – diese Rechnung konnte nicht aufgehen; Gleichstellung ohne einen leb baren Rahmen auf ganzer Linie dafür zu bereiten, war von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Auf der anderen Seite verschwanden durch die Schulungsanforderungen eben jene privaten Tagesmütter, die gerne diese Ergänzungsaufgaben übernommen hätten: die junggebliebene Oma von nebenan, deren Enkel weit weg wohnen, und die gerne für eine kleine Gruppe von Schulkindern mittags das Essen bereitete, damit sie wieder Kinderlachen im Hause hören darf. Oder die junge Mutter im Erziehungsurlaub, die sich sagte, warum nicht das Kind einer Freundin mal eben nehmen, bevor ich selbst wieder in den Beruf einsteige.

Diese Klientel in der Kindertagespflege ist komplett verschwunden,

denn weder Oma noch junge Mami wollten diesen Beruf namentlich ausüben, sondern eine Art Nachbarschaftshilfe leisten und nicht die Schulbank drücken oder gar Eignungstests über sich ergehen lassen. Tja, jene liebevollen Helferlein belegt der Staat heutzutage bei genauer Betrachtung mit Bußgeldbescheiden.

Die Qualifizierung für diesen Berufsstand wurde jetzt also über Jahre stark forciert, zeitgleich aber die Einsatzmöglichkeiten der so ausgebildeten Familien und Pädagogen völlig unter Wert verkauft.

Gleichrangigkeit also nur auf dem Papier, in keiner Weise zu Ende gedacht; in der Praxis lässt man das so gewonnene hochqualifizierte Potential auf dem Seitenstreifen verhungern - das Potential zerrinnt uns täglich zwischen den Fingern.

Wo ist der Denkfehler?

Innovative Auf- und Ausbauarbeit hat sich am wahren Familienleben zu orientieren und ist nicht wie das Schieben von Figuren auf dem Schachbrett zu erledigen. Denn bei intensiver Planung ist stets im Auge zu behalten, dass eine Veränderung am einen Ende in der Regel auch eine solche am anderen Ende nach sich zieht. Erhöhe ich die Anforderungen, steigen auch die Ansprüche derer, die sie erfüllen sollen. Will ich Leistung sehen, muss ich etwas bieten, was den Anreiz langfristig rechtfertigt.

Die Idee

Qualifikation für die Betreuungsanbietenden zu erhöhen, um lediglich Diskrepanzen zwischen starren Öffnungszeiten und realen Arbeitszeiten von Eltern schließen zu wollen, hat also wichtige Zwischenschritte einfach ignoriert, oder anders ausgedrückt,

die Rechnung ohne den Wirt gemacht –

die qualifizierte Tagesmutter will das nicht! Die Fehlplanung gipfelte dann in der Einführung des Rechtsanspruches, der in 4 Wochen nun greifen wird. Zugrunde liegt dieser Anforderung der selbe kurzlebige Gedanke – durch Druck den Ausbau forcieren, ohne dabei zu bedenken, was Druck bedeutet, wenn die Möglichkeiten, ihm stand zu halten, praktisch fehlen.

Der Ausbau erfolgt auf die Schnelle, ohne entsprechendes Personal vorhalten zu können, was auf Kosten der Qualität gehen muss. Dass dies wiederum Folgen haben würde, für Kinder und Eltern, die sich die daraus resultierenden schlechten Betreuungsbedingungen ggf. nicht bieten lassen wollen, wurde wiederum ignoriert. Nun darf man in einigen Landkreisen so langsam feststellen, dass die Eigenständigkeit der Kindertagespflege und der wertvolle Beitrag, den dieser Berufsstand für die realen Bedürfnisse von Familien leisten könnte, so langsam entdeckt wird – auch wenn der wahre Hintergrund noch nicht echte Anerkennung heißt, sondern eher noch der Panik vor dem Rechtsanspruch zu zurechnen ist, was leider auch schon bei dem locker im Beitrag hingehauchten Ausspruch zu vermuten ist:

Tagesmütter seien quasi schulungstechnisch schnell aus der Taufe zu heben.

Tief verborgen in diesem Ausspruch schwingt wieder das mit, was wir immer schon spüren – keine Anerkennung, sondern eher notwendiges Übel. Und so lange wir dieses Schwingen weiter mit Energie versorgen, wird uns in der Tagespflege kein Ritt ans Ziel führen.

Es gibt aber Grund zur Hoffnung, dass auch andere wertvolle Komponenten so langsam in den Köpfen der Verantwortlichen nachsickern. Nämlich die wunderbaren Bindungsbeziehungen, die unsere Allerkleinsten im eher familiären Umfeld erleben dürfen, ebenso wie die hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die dieser Berufsstand aufzuweisen hat, denn nur das bringt für berufstätige Eltern die eigentliche Entlastung ihres Familien- und Berufslebens.

Immer mehr Eltern entdecken nun diese wertvolle Form der Betreuung für sich, angesichts des gnadenlosen Ausbaus der Einrichtungen, die mancherorts nur mit der Vergrößerung der Gruppen einhergeht, weil anders nicht zu schaffen, ohne dabei entsprechendes Personal für einen angemessenen Betreuungsschlüssel mit zu bedenken. Auch der Verdienst von Tagesmütter, der selbstverständlich Spiegel der öffentlichen Anerkennung dieser Betreuungsleistung ist, wird in diesem Bericht angesprochen. Und schnell tritt zu Tage, welches wertvolle Betreuungspersonal schon kurz nach der Ausbildung wieder vernichtet wird.

Kaum zu glauben, aber wohl wahr, so berichtet Frau Christina Metke, Vorsitzende des Berufsverbandes in diesem Einspieler, dass ca. 1000 Tagesmütter in einem Zeitraum von 1 Jahr in Baden-Württemberg ausgebildet werden und zeitgleich ebenso viele wieder den Löffel werfen, wenn sie erstmals staunend vor ihrem Steuerbescheid sitzen. Man stelle sich vor, welcher Aufwand hier für eine so kurze Zeit getrieben wird, vergleichbar mit dem zum Scheitern verurteilten Versuch

einen Eimer mit Loch mit Wasser füllen zu wollen.

Das sollte sich ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen einmal leisten . Aber auch hier sehe ich den nächsten Denkfehler auf uns zukommen, der uns und alle Familien wieder viele sinnlos verschwendete Jahre kosten wird. Denn Fr. Metke spricht im Beitrag von „Qualität durch Kontinuität“.

Hierbei stellt sich mir ad hock die Frage,

was ist an diesem Gedanken neu?

Nichts – diese Schiene fahren wir bereits seit Jahren mit dem Ergebnis, dass nicht bei uns bleiben will, was wir erschaffen haben.

Qualität ist nicht alleine am Grad der Ausbildung zu messen, sondern an dem, was die Zeit danach langfristig zu bieten hat. Bleibt also wieder abzuwarten, welche Lösungen sich die Kommunen einfallen lassen, um endlich einen ganzheitlichen Rahmen für diesen Berufsstand zu schaffen. Hierzu gehört u.a. eine an-ständige Finanzierung der Kindertagespflege auf die Beine zu stellen und vor allem auch die Vertretungssituation für erkrankte Tagesmütter zu organisieren.

Die Ideen, die derzeit in Sachen Vertretungslösungen kursieren sind wenig tragfähig auf lange Sicht, denn keine gute Pädagogin, die sich der Tagespflege verschreiben möchte, lässt sich auf gut Glück warm halten, in der Hoffnung sie käme auch einmal zum Zuge, wenn die Nachbarstagesmutter dann endlich mal ausfällt.

Kontinuität ist mit mieser Bezahlung nicht zu haben

und schon gar nicht mit „Haltebeträgen“ für leerlaufende qualifizierte Betreuungsplätze, denn Kontinuität erreicht man immer nur, wenn der, der Leistung bringen soll auch glücklich ist mit der selben. Und um glücklich in seinem Beruf zu sein, möchte man nicht nur anerkannt werden, sondern auch kreativ und aktiv das Erlernte einbringen dürfen.

Zudem können wir uns leider auch in kühnen Träumen keine Sachbearbeiterin vorstellen, die ein solches Vertretungsnetz nach sinnvollen Kriterien erschaffen und erhalten würde. Hierzu würde es eines permanenten geschärften Blickes auf die finanziellen Gesamtmittel einer Tagesmutter und somit ihrer Lebensumstände bedürfen, damit der Haltebetrag nicht der falschen Tagesmutter das Genick bricht. Wir erwarten in der praktischen Ausführung nur das, was wir immer schon erleben, starre Regeln, die das Leben scheinbar erleichtern sollen, eher aber wie ein Rasenmäher über alle Beteiligten drüber rasieren.

Warum wir das so sehen,

ist schnell erklärt. Dazu genügt es einen zarten Blick auf die Vermittlungspraktiken der Handelnden vor Ort zu werfen, deren Abgleichen von Bedürfnissen von Eltern und Tagemüttern sich in der Regel darin erschöpfen, mit flinkem Amtsfinger über die Landkarte zu fahren, um dann eine Telefonnummer X weiter zu reichen. Ob jene Tagesmutter noch vor Ort wohnt, ein 1-jähriges überhaupt betreuen möchte oder kann, für Nachtpflege bereit ist, oder die Chemie zwischen den Familien stimmt, davon keine Spur. Wie also sollte man erwarten, dass zukünftig auf finanzielle Gegebenheiten Rücksicht genommen würde, um Plätze zu erhalten, wenn heutzutage allein erziehende Tagesmütter monatelang auf Zuschüsse warten, bis ihnen der Betreuungsort fast unterm Hintern weg gepfändet wird.

Es ist also dringend anzuraten,

dass Schreibtischtäter mal hinausgehen in die Betreuungslandschaft, sich ein reales Bild verschaffen, um dann vielleicht auf die ein oder andere nachhaltige Lösung zu kommen.

Darüber berichten wir dann frühestens im Jahr 2025 , wenn der unsinnige Haltebetrag, der demnächst sicher kommt, nach deftiger Bauchlandung wieder abgeschafft wird.

In diesem Sinne bleiben wir trotzdem am Ball, weil der Ball bei Wigwam immer rund ist.

liebe Grüße

von Eurer Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
Kapitän-Lorenz-Ufer 20
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