Montag, 15. Juli 2013

Autor: Susanne Rowley

Ein bisschen Problem ist ein Teilproblem

..eines nicht vorhandenen Problems.


www1.wdr.de/themen/wdr5/landsberg102.html

Liebe Wigwam-Freunde,

Möchten Sie wissen, was "ein bisschen Problem" ist?

Ein bisschen Problem ist ein kleines Teilproblem eines eigentlich gar nicht vorhandenen Problems, wenn man mit der Schwarzmalerei aufhören würde.

Ergo - ist ein bisschen ein Problem: kein Problem.

Machen Sie sich also ein bisschen locker

beim Anhören dieses Interviews mit Herrn Landsberg, vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, zum Thema Ausbau der Kinderbetreuungsplätze.

Zum Thema „Rechtsanspruch“ auf einen Kinderbetreuungsplatz, der am 1. August d. J. in Kraft tritt, haben wir uns heute morgen dieses Interview des WDR mit Gerd Landsberg, angehört.

Schwarzmalen ist wirklich nicht schön -

aber Schönfärberei und leere Worthülsen braucht auch kein Mensch.

Leider ist in dieses Interview geprägt von vielen Fragen und noch weniger Antworten, und wieder einmal von althergebrachten Inhalten durchzogen, die immer schon dazu führten, dass sich uns und den Tagesmüttern und -vätern in diesem Land die Nackenhaare aufstellen.

Solche Interviews tragen maßgeblich dazu bei, die geforderte Unterstützung und Anerkennung der Kindertagespflege in Politik und Gesellschaft wieder zu untergraben.

Herr Landsberg lässt mehr als deutlich durchblicken, für was er die Kindertagespflege hält:

Für eine „Notlösung“,auf die kalkuliert nur mangels Erziehern gesetzt wurde, um den Rechtsanspruch zu erfüllen. Danke schön Herr Landsberg - eine solche Haltung wird Frauen und Männer langfristig nicht dazu bringen, die Kindertagespflege als attraktive berufliche Option zu sehen.

Weitere Botschaften schwingen selbstverständlich unausgesprochen mit, nämlich, dass die vielen Tagesmütter aus Passion Kinder betreuen (sollen) – nichts weiter. Und da die Qualifikation derselben ebenso minder angesehen wird, ist klar, dass Geld verdienen wollen mit Kindern schon gar keine gesellschaftliche Anerkennung findet.

Bei der Verbreitung solcher Stimmungen muss man sich nicht wundern, wenn langfristig unsere „rettenden Engel“ landauf landab das Handtuch werfen. Diese Haltung wird sich aber ebenso auf den Erzieherberuf an sich auswirken, denn wenn das Geldverdienen mit Betreuung einen solchen Beigeschmack behält, darf man sich nicht wundern, wenn wenige Anwärter sich für diesen Beruf ausbilden lassen.

Aber hören wir mal genauer rein,

was Herr Landsberg zu berichten hatte. Grundsätzlich findet herr Landsberg, dass

>>  es eine typisch deutsche Eigenschaft ist, dass wir immer gerne alles schwarz malen.  <<

und es sei überhaupt kein Versagen der Politik zu erkennen beim Ausbau der Kinderbetreuung - im Gegenteil, es habe ein enormer Kraftakt stattgefunden, nicht nur von den Kommunen, sondern auch von Bund und Ländern. Großmütig räumt er an der ein oder anderen Stelle ein, Tageseltern hätten selbstverständlich mangels Erzieherinnen für Kitas den Rechtsanspruch gerettet. Und Eltern müssten sich ab dem 1. August „unter Umständen (…) zufrieden geben mit einem solchen, wenn kein Kitaplatz angeboten werden könne.

Auf die kritische Frage der WDR-Moderatorin, ob angesichts dieser glänzenden Zahlen

>> jeder Betreuungsplatz, den man finden konnte, zusammengekratzt wurde, oder ob das auch wirklich alles Plätze seien, wo die Kinder von geschulten Erziehern betreut werden? <<

antwortet er nach klassischer Ausweich-Marnier, davon könne natürlich keine Rede sein, denn es gäbe ja schließlich Vorgaben bezüglicher einer Betriebsgenehmigung und entsprechende Betreuungsschlüssel.

Inwieweit an diesen Vorgaben in der praktischen Umsetzung „herum gefummelt“ wurde, dazu sagt er selbstverständlich nichts.

Schmunzeln mussten wir beim Zuhören an allen Stellen, an denen er auf wirklich brisante Themen angesprochen wurde, wie z.B. den tatsächlich vorhandenen Erziehermangel.

Hier betont er bei allen Antworten, dass hier natürlich

„ein bisschen das Problem“ vorherrsche

>> dass die Ausbildungskapazitäten bei den Ländern nicht so stark ausgebaut worden sind. Die Ausbildung dauert je nach Land zwischen vier und fünf Jahren.<<

Ja, dem stimmen wir zu, dass ist ein BISSCHEN ein Problem.

Glücklicherweise gibt sich die WDR-Moderatorin mit diesem „bisschen“ an Antwort nicht ganz zufrieden und hakt nach:

>> Diesen Widerspruch müssen Sie uns noch mal erklären. Auf der einen Seite sagen Sie, es fehlen Erzieher. Auf der anderen Seite sagen Sie, es sind alle Betreuungsplätze nach allen Kriterien erfüllt? <<

Hierauf erklärt er dann:

>> Wir haben eben sehr viele Tagesmütter und Tagesväter aktiviert. Wir haben auch sehr viele Mitarbeiterinnen bewegen können, von einer halben auf eine ganze Stelle zu gehen. Und wir haben natürlich im Blick, dass wir eine Altersstruktur haben, dass in den nächsten Jahren viele ausscheiden werden. Deshalb brauchen wir den entsprechenden Nachwuchs. <<

Wir fassen zusammen:

Die Kindertagespflege muss und wird fortgesetzt als Notnagel einspringen, denn die Ausbildung von Erziehern dauert bis zu 4 bis 5 Jahre, und diese Erzieher fehlen uns nicht nur aktuell, sondern der Mangel wird sich noch verschärfen angesichts der Altersschwelle vieler Pädagogen, die noch ausscheiden werden.

Bleibt also wieder die große Frage, wer betreut denn nun die Kinder in den massenhaft geschaffenen Kitaplätzen? Auf die Frage der Moderatorin, ob Tagesmütter die ganze Sache gerettet haben, räumt er ein, dies sei sogar das Kalkül gewesen, und es gäbe zudem Eltern, die die „kleinräumige“ Betreuung vorzögen.

Hm – den Ausdruck kleinräumig finden wir etwas unglücklich gewählt,

und schon gar nicht ist hier der Schwerpunkt der Kindertagespflege zu sehen, sondern eher in engen Bindungsbeziehungen für die Allerkleinsten aufgrund der familiären Strukturen von Tagesfamilien.

Zum guten Schluss kündigt er an,

dass der Fluss der Gelder natürlich langfristig nicht dauerhaft in die Kinderbetreuung fließen könne, schaue man sich die vielfältigen Aufgaben an, denen die Kommunen in den letzten Jahren angeblich nicht nachkommen konnten – man denke an den Straßen- und Wegebau usw.

Davon gehen wir aus Herr Landsberg – der Geldhahn wird zunehmend dann versiegen, wenn der Zeitpunkt des Rechtsanspruches hinter uns liegt, die Bundestagswahl gelaufen ist, und ggf. andere poltisiche Themen in der Öffentlichkeit in den Vordergrund rücken.

Wir sind aber ebenso sicher, dass uns diese Vorgehensweise in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf bitter aufstoßen wird.

liebe Grüße sendet

Susanne Rowley

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Susanne Rowley
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