Sonntag, 12. Oktober 2014

Autor: Susanne Rowley

Die Kindheit ist unantastbar

Kinder unser Humankapital?

Schreibt Kinderarzt Herbert Renz-Polster.

www.cicero.de/salon/fruehpaedagogik-eltern-schuetzt-eure-kinder/58338

Der Artikel liest sich, als ob es lohnt, das Buch zu erwerben, und das werde ich tun.

Schade wäre nur, wenn die durchaus berechtigte Kritik der Instrumentalisierung der frühen Kindheit, wie so oft in den Kinderschuhen stecken bliebe.

Kinderbetreuung ja oder nein, muss die Parole in einer modernen Welt nicht lauten,

sonst würden wir wieder von vorne anfangen, und die Mütter dieses Landes auf eine neuerliche harte Probe stellen, weil wir sie abermals in gute und schlechte unterteilen würden. Mütter dürfen und sollen bitteschön mit ihrem eigenen Lebensentwurf zufrieden sein, und wenn sie das nur sind, wenn sie neben ihrer Mutter-Rolle auch andere, berufliche Rollen ausfüllen möchten, dann sollen sie das tun.

Die Antwort

auf die Kritik an mangelhafter frühkindlicher Betreuung darf nicht wieder lauten, dass wir unseren Kindern vorleben, wie man sich bestmöglich verbiegt, um anerkannt zu werden.

Es ist wie so oft im Leben nicht das „was“, das ein Problem darstellt, sondern das „wie“ müssen wir schnellstens unter die Lupe nehmen.

Wie definieren wir frühkindliche Betreuungsqualität - ist dies wirklich "nur" Bildung und Wissen oder haben wir nicht ganz viele andere Felder von natürlichen Kompetenzen aus den Augen verloren?

Und was ist mit der Sicht auf die Zusammenhänge familienpolitischer Herausforderungen; was ist mit Ursache und Wirkung.

Warum beklagen wir

weniger Kinder in diesem Land bei gleichzeitig immer früher einsetzender öffentlich kontrollierter Fürsorge unserer Allerkleinsten? Die Frage muss erlaubt sein, ob Eltern wirklich glücklich sind mit dem, was sie da scheinbar so freiwillig mit ihren Allerkleinsten veranstalten (lassen). Sicher, die Mahnung, die der Buchautor an die Eltern richtet, ist schon richtig adressiert, jedoch mache ich auch die Erfahrung in Wort und Schrift, dass die tiefe Sehnsucht von Eltern, was sie sich für ihr Kind wünschen, eine ganz andere ist – es soll ihm gut gehen, und es soll glücklich sein und sich geliebt fühlen; aber diese eher diffuse Sehnsucht wird mehr insgeheim formuliert, weil sie gesellschaftlich nicht zu normen ist. Zu groß ist die Sorge, etwas falsch zu machen, wenn ein Stück Kontrolle fehlt.

Und so gehen die Interessen der Wirtschaft, die aus ganz anderen Gründen frühkindliche Bildung beeinflussen wollen, völlig an den ureigenen Interessen von Eltern vorbei. Eltern sehen ihre Kinder nicht als „Humankapital“, das auf Teufel komm raus „technologische Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für ausländische Investoren“ sichern soll. Sondern sie haben Sorge, dass ihr Kind einst chancenlos sein würde, wenn sie ihm nicht früh genug alle möglichen Türen zur frühen Bildung öffnen. Und genau dabei ist ihnen in der Regel nicht mehr bewusst, welche anderen hier im Artikel benannten „Fundamentalkompetenzen“ notwendig sind, um Bildung aufzusatteln.

Eltern haben kaum noch eine eigene Vorstellung davon,

wie Kinder lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, ein Rückgrat und das Gefühl von Selbstwirksamkeit entwickeln. Sie verlassen sich alleine auf pädagogische Konzepte, die oben reingegeben unten schon das richtige Ergebnis auswerfen werden.

Aus meiner Erfahrung

liegen die Ursachen für dieses vollkontrollierte Verhalten u.a. in Angst und mangelndem Vertrauen ins Leben und seine natürlichen Abläufe. Sicherheit wird einzig mit Kontrolle verknüpft, ohne dabei einmal zu hinterfragen, wie definieren wir Sicherheit. Ist Sicherheit damit gegegeben, dass unser Kind einen perfekten von uns vorgezeichneten Weg beschreitet? Oder ist Sicherheit auch darin zu suchen, dass es ein mentales Rüstzeug erwirbt, um mit einem unsicheren Leben umzugehen, ohne daran zu zerbrechen.

Mehr überzeugt war ich von natürlichen Abläufen schon immer, sonst würde ich nicht die familiäre Form der Kindertagespflege so sehr in meinen Lebensmittelpunkt gerückt haben.

Intensiver erleben und lernen konnte ich hier von unseren afrikanischen Pädagoginnen, die eine völlig andere Lebensweise in unser Wigwam getragen haben. Es gibt sie in deren Heimat einfach nicht, die zugenagelte Kleinstfamilie, die nur aus Papa/Mama/Kind besteht und sich permanent um sich und das einzelne Kind dreht. Dort ist Großfamilie mit all‘ ihren natürlichen Rollen von Jung und Alt Gang und Gebe.

Das Kind erhält Liebe, Zuwendung und Zeit von vielen Seiten, und es erübrigt sich vollends, Sozialkompetenz in Konzepte packen, oder Entlastung von Eltern künstlich herstellen zu müssen.

Wir brauchen einfach mehr Mut, anderen Sichtweisen auf die frühkindliche Betreuung einen Raum zu geben. Und ich bin sicher, dann wird sich eine neue andere Art von Qualität in der Kinderbetreuung und in der Lebensqualität von Eltern zeigen.

Eure Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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