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Donnerstag, 1. Mai 2014

Autor: Susanne Rowley

Der Wind kommt immer noch von vorn

Lippenbekenntnisse der Unternehmer


Hallo liebe Wigwam-Freunde,

www.lob-magazin.de/magazin/beruf/724-lippenbekenntnisse.html

Als ich Wigwam 1994 gründete

hörte ich von vielen Seiten, ob ich meine Kinder nicht genug lieben würde, nur weil ich ein großes Projekt starte. Wer hat eigentlich das Recht, das eine mit dem anderen in meinem Hirn verankern zu wollen? Noch immer wohne ich heute Diskussionen von jungen Müttern untereinander bei, die ein Leben vor und ein Leben nach dem Kinderkriegen beschreiben. Davor und danach gibt’s was Spannendes zu erleben – dazwischen ist tote Hose?

Es heißt

auch Elternschaft meine Herren und Damen – und nicht nur Mutterschaft liebe Personalchefs. Was Lippenbekenntnisse sind, wissen wir. Der Mund geht auf und zu, und es fallen Worte raus - Worte, denen dann in der Regel keine Taten folgen.

>> A.T. Kearney-Studie offenbart mangelnde Familienfreundlichkeit vieler Unternehmen / Arbeitnehmer beklagen unzureichendes Angebot für berufstätige Eltern / Anwesenheitskultur dominiert den deutschen Büroalltag <<

Vieles ist in den vergangenen Jahren über Vereinbarkeit von Beruf und Familie diskutiert worden: Deutsche Unternehmen jedoch nehmen ihre Verantwortung für das Thema immer noch nicht ernst genug. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie der Managementberatung A.T. Kearney.

Wer die Studie im Detail einsehen möchte:

www.atkearney361grad.de/wp-content/uploads/2014/04/ATK_361°_FamilienStudie_2014.pdf

Ok – wir lieben es

im Wigwam gerne ganz praktisch, und so haben wir uns in den letzten Wochen die Mühe gemacht, heimische Mittelständler und größere Unternehmen anzurufen, und Personalverantwortliche persönlich zu befragen, was konkret denn in ihrem Unternehmen so auf der Agenda steht.

Nun ja, unsere Ergebnisse sind weniger repräsentativ, dafür umso aufschlussreicher,

denn wir haben einen tiefen Einblick gewonnen, was im Kopf von verantwortlichen Personalern tatsächlich vorgeht. Und da gibt es mal mehr und mal weniger Positives zu berichten. Kurz gesagt: In einigen Unternehmen rannte ich sozusagen offene Türen ein und bekam zu hören, dass die Vorbereitungen zu dem Thema quasi auf Hochtouren laufen aufgrund der dominierenden Sorge, beim bevorstehenden Fachkräftemangel ganz hinten anstehen zu müssen.

Der überwiegende Teil der Unternehmen, die wir befragt haben, aber hatte eine ganz verblüffende Antwort für uns:

Kein Thema – weil völlig überzogen das Ganze. Hauptargument auf Nachfrage, war der Satz:

>> Wissen Sie, unsere Belegschaft ist vorwiegend „männerdominiert“, bekanntlich kriegen die ja keine Kinder – also was soll’s <<

Hat man Worte?

Also ich habe ja mit unterschiedlichen Argumenten gerechnet, warum Vereinbarkeit von Beruf + Familie ggf. kein Thema sein könnte, aber diese Antwort schlägt dem Fass den Boden aus. Oder was meinen Sie so im Schnitt?

Denken wir diese Antwort zu Ende,

sind Männer per se auch keine Väter, oder anders ausgedrückt, unterstellen jene Personaler, dass diese Männer keinerlei Interesse daran haben, dass ihre Partnerin beruflich aktiv ist und bleibt, oder aber es wird männlichen Fachkräften unterstellt, sie seien der Meinung, soll die sich doch drum kümmern, wo die Bälger bleiben.

Da wundert es nicht,

dass auch in den Köpfen manch einer Mutter, die insgeheim gerne wieder arbeiten möchte, noch das Rollenbild vorherrscht, wie steh* ich denn da, wenn ich mein Kind in Betreuung gebe. Woran soll sie sich denn orientieren können, wenn auch jener welcher, dem sie ihre Ausbildung gerne zur Verfügung stellen möchte, in Wahrheit ein Teil der siebenköpfigen gesellschaftlichen Hydra ist. Sind also die von der Leyens Deutschlands noch immer viel zu abgehoben, um als Vorbild dienen zu können? Offensichtlich ja.

Es herrscht Angst in der jungen Generation.

Angst, ein Kind zu bekommen. Angst, nicht den richtigen Partner oder Job oder beides zu haben. Besser noch ohne Kind den neuen Job anfangen, die nächste Karrierestufe schnell klarmachen, sonst droht am Ende der soziale Abstieg – und in Folge die Altersarmut sowieso!

Der Wind kommt tatsächlich immer noch von denen,

die schon bald um weibliche Fachkräfte ringen werden Allen schöngefärbten Webseiten der Unternehmen zum Trotz, kommt der Wind in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter von ihnen selbst.

Müttern wird zumeist gerade mal eine Teilzeit-Tätigkeit zugetraut,

natürlich eher als Sachbearbeiterin, denn in Leitungsfunktion. Der Gedanke, dass Väter auch wichtige Rollen im Familienleben übernehmen können und wollen, oder gar ernsthaftes Interesse daran bekunden könnten, den zukünftigen Arbeitgeber danach auszuwählen, was er denn der gesamten Familie zu bieten hat, darauf kommen Verantwortliche noch immer nicht. Da laufen also immer noch Vorstellungsgespräche mit hochqualifizierten Müttern so ab: „Führungsposition? Wie wollen Sie das denn machen als Frau und Mutter!?!“ Das ist leicht als die anachronistische Weltanschauung eines zurück gebliebenen Personaler abzutun, aber leider haben wir aktuell auch mit sehr jungen Verantwortlichen gesprochen, und mit top ausgebildeten Müttern, die uns bestätigten, dass in jedem 2. Vorstellungsgespräch die Frage aufkam: Und wie machen Sie das dann mit Ihrem Kind?“. Noch immer können wir nicht erkennen, dass eine solche Frage auch einem berufstätigen Vater gestellt worden wäre.

In den Gesprächen mit insbesondere sehr jungen Müttern spüren wir,

dass die Haltung jener Personalverantwortlichen sie nicht zum Widerstand und Widerspruch motiviert, sondern quasi als Gott gegeben auf sie abgefärbt hat. Nicht selten stellt man mir also die Frage: Wie haben Sie sich denn im Berufsleben so durchgesetzt – insbesondere als alleinerziehende Mutter von 2 Kindern. Ich antworte in der Regel auf diese Frage, warum sie mir überhaupt gestellt wird, denn der Vater meiner Kinder hat ungehindert seine Karriere als Geschäftsführer eines großen Verbandes fortgesetzt. Allein die Fragestellung zeigt also bereits, dass ein Umdenken nicht nur bei den Personalern nicht ankommen will, sondern auch noch lange nicht in den Köpfen der Generation von jungen Müttern.

Rechtfertigung bleibt Trumpf.

Es wäre gelogen zu sagen, dass sich mit Kindern nichts verändert. Aber die Einstellung zum Leben und zum Beruf, die hat sich bei mir nicht geändert. Ich wollte vor der Geburt meiner Kinder etwas leisten, was mich ausmacht, und später erst Recht. Es ist Teil meiner Persönlichkeit, es macht mich aus, es macht mich glücklich. Und warum soll ich etwas aufgeben, was mich ausmacht, warum soll ich mich aufgeben, nur weil ich Mutter sein möchte. Und warum sollte ich meinen Kindern etwas "Verbogenes" vorleben, um ihnen dann zu erzählen, dass sie den Weg ihres Herzens gehen sollen? Kapier' ich nicht.

Fällt die Entscheidung für Kinder und den Beruf,

dann habe ich mich in der öffentlichen Meinung für „Krieg“ entschieden. Entweder ich verliere ihn, gebe auf, weil ich keine Hilfe finde, die mich respektiert, oder mich in der Betreuung meiner Kinder so begleitet, dass ich noch von Leben sprechen kann. Oder ich werde im Betrieb so eingespannt, dass ich mir Familienleben abschminken muss.

Und schon erleben wir wieder die ewig widergekäuerte Geburtsstunde des weiblichen Schuldgefühls oder aber die der überorganisierten Elternschaft, die alles aufs Spiel setzt, nur um im Spiel zu bleiben.

the gras is always greener on the other side.

Ehrlich gesagt, ist das Gras weder hier noch da grün. Und das kann es auch solange nicht sein, wie alle die, die zum Miteinander aufgefordert sind, noch nachschauen, wann das Gegenüber schlapp macht. Irre!

Meine Kinder sind just ausgeflogen, und ich sage heute noch: sie zu bekommen, war die beste Entscheidung meines Lebens, und kein Stein, der mir jemals aufgrund dessen, dass ich sie hatte, in den Weg gelegt wurde, ändert an diesem Gefühl und an meinem Standpunkt etwas. Also frage ich: Wo setzen wir zukünftig an, um den verkrusteten Einstellungen in den Köpfen von Personalern und schuldhaft darauf reagierenden Frauen, etwas leb-haftes entgegen zu setzen?

Es heißt auch Elternschaft und nicht nur Mutterschaft

und ginge das in die Köpfe aller hinein, wäre flächendeckend für ein Umdenken bereits Vorsorge getragen. Für eine glückliche Mutterschaft in Verbindung mit einem ebenso glücklich machenden Beruf, muss ich mir also nicht mehr einen Partner suchen, der das und mich akzeptiert, sondern er darf durchaus auch froh sein, wenn er mich findet - oder anders ausgedrückt, es würde rückblickend für mich mein Auswahlkriterium sein, ihn zu wählen. Und in Zukunft wählen Frauen und Männer ihren Arbeitgeber nach den gleichen Kriterien aus, ansonsten muss auf die ein oder andere Fachkraft im Wettbewerb leider verzichtet werden – meine Herren UND Damen.

Und so rufe ich allen hadernden Frauen und Männern zu:

Entscheiden sie sich für ihre Form von Leben in Beruf und Familie, und passen Sie sich nicht fortgesetzt an Bedingungen an, deren Mitgestaltung sie durch ihr persönliches Ja und Nein ihren Stempel hätten aufdrücken können.

Ein schönes Wochenende wünscht

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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