Wir bloggen für Sie - quer durch die familienpolitische Landschaft

Sonntag, 9. Februar 2014

Autor: Susanne Rowley

Das Recht auf eigene Lebensfreude an der Kreissaaltür an den Haken gehängt

Dieser Artikel hat mich ungemein berührt!


www.zeit.de/gesellschaft/familie/2014-01/mutter-kind-beruf

Liebe Wigwam-Freunde,

dieser Artikel hat mich ungemein berührt!

Und da er so ehrlich, so deutlich und so herzlich geschrieben ist, bin ich beinahe geneigt zu sagen:

Das kannst Du nicht ändern.

Aber ein Teil in mir hat doch das Bedürfnis nach einem „Fehler im System“ Ausschau zu halten, denn gar zu viele Eltern habe ich in den 20 Jahren erlebt, die mir ähnliches schilderten, und einen Weg für sich und das Kind gefunden haben.

Wenn wir die Worte dieser Mama nun genau betrachten,

dann finden wir schon einen Widerspruch in sich; sie schreibt, sie ist froh wieder arbeiten zu gehen

– es macht ihr also Freude –

und sie möchte sich dadurch wieder als Teil der Gesellschaft fühlen. Und andererseits zeigt ihr überaus starkes schlechtes Gewissen auf, dass sie sich eben diesen Anteil der Eigenverwirklichung nicht gönnt.

Bei genauerer Betrachtung, steht also „etwas“ zwischen Ihr und der Freude an Ihrem Tun.

Das "schlechte" Gewissen.

Man möchte also gerne nachfragen, wie daraus vielleicht ein "gutes" Gewissen werden könnte.

Da der Artikel insgesamt nicht näher darauf eingeht, wie die Umstände, in denen die Mutter lebt, sonst so sind, kann ich nur ins Erfahrungskästchen greifen, wie es sich bei anderen Eltern, die ich kennengelernt habe, so verhielt.

Als unabänderlich stellte sich eine solche Zerrissenheit vorrangig immer nur dann dar, wenn die Mutter in Wahrheit nicht arbeiten gehen wollte, sondern musste. Unterstellen wir also mal, dass bei der Schreiberin anders ist, denn sie schreibt: Sie möchte es gerne. Dann stellt sich die Frage, warum sich ihre Freude darüber in „schlechtes“ wandelt. Dass dem so ist, zeigt sich durch das jämmerliche Weinen der Tochter, die der Mutter deutlich signalisiert:

Bleib da. Aber warum weint dieses Kind wirklich – diese Frage muss man schon stellen.

Ist das Verhältnis zwischen Mutter und Großmutter nicht gut? Und eigentlich möchte sie speziell ihr das Kind nicht anvertrauen? Wir erfahren es im Artikel nicht. Also gehen wir in Gedanken noch ein Stück weiter. Ist das Weinen der Tochter wirklich Ursache für das schlechte Gewissen der Mutter oder „nur“ der Spiegel des schlechten Gewisssens selbst - also eine Reaktion darauf? Die Mutter beschreibt so schön in Ihrem Artikel, dass ein Kind mit 1 Jahr noch ein „Bedürfnisbündel“ ist. Es ist angewiesen auf Zuneigung und Liebe.

Aber

es ist auch angewiesen darauf, dass Erwachsene ihm den Weg weisen, und die Verantwortung für das, was sie tun und lassen selbst übernehmen. Dem Kind also sicher den Rahmen vorgeben, in dem es sich gefahrlos und fröhlich bewegen kann. Es ist also auch denkbar, dass dieses Kind spürt, dass hier kein Rahmen ist.

Die Mutter ist unsicher, sie fühlt sich nicht gut, und das Kind spürt auch ihren Verriss. Dies zeigt sich auch darin, dass die Mutter beschreibt, dass sie sich wegschleicht, um das Weinen nicht mehr zu hören, und wohl auch in der Hoffnung, es icht noch weiter zu verstärken. Aus Sicht der Mutter kann ich dieses Verhalten sehr gut verstehen – aus Sicht des Kindes wirkt es auf mich als Verstärker der Unsicherheit und vielleicht sogar des Vertrauensverlustes. In meinen Beratungen rate ich ganz deutlich dazu, sich von den Kindern auch "offen" zu verabschieden. Denn nur so lernt ein Kind, dass es dem Gesagten auch vertrauen darf, und vor allem auch, dass auf jeden Abschied ein Wiedersehen folgt.

Wer sich aus einer Situation heraus schleichen muss,

steht nicht zu ihr; also auch nicht zu dem, was er da tut. Und wie soll ein kleines Kind mit dieser ausgesendeten Botschaft zurecht kommen?

Mein Wunsch für diese Mutter

wäre also, dass sie zunächst bei sich schaut, ob es denn Wege gäbe, sich das Arbeiten gehen dürfen auch zu erlauben. Wenn sie dies schaffen würde, wäre der Fokus zum Kind ein anderer. Dann würde sie es vielleicht auch schaffen, im Übergeben des Kindes an die Großmutter nicht „nur“ ein Weg-geben zu sehen, sondern ein ebensolches Erlauben, dass auch ein anderer Mensch gut für ein Kind sorgen kann. Und sie würde ihrem Kind die Botschaft mit auf den Weg gegeben haben, dass es sich geborgen und sicher in einem von ihr als Mutter vor-gegebenen Rahmen bewegen kann und darf. Und wenn es dann älter wird das Kind, kommt dann noch eine mögliche Botschaft hinzu, nämlich die, dass man es sich auch als Mutter erlauben darf, ab und an seiner Wege zu gehen,

und das Recht auf eigenes Glück nicht an der Kreissaaltür an den Haken gehängt hat.

Dann wird sich auch das Kind irgendwann erlauben „seiner Wege“ zu ziehen.

Wie gesagt:

Dieses Statement unter Vorbehalt, da der Blog der Mutter nicht allzu viele verwertbare Informationen preisgibt.

Es soll also nur eine Idee oder eine kleine Anregung sein, vielleicht doch einen Ausweg aus dem empfundenen Dilemma zu finden. Mutter und Kind sind immer systemisch „verstrickt“ – das kann ich als Mutter zweier Töchter aus eigener Erfahrung auch bestätigen.

Hui das war's auch schon wieder für heute

Eure Susanne Rowley

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